Die Deutsche Mark gibt es noch. Man kann sogar mit ihr bezahlen, auch wenn sie zehn Jahre nach der Einführung des Euro-Bargelds längst kein offizielles Zahlungsmittel mehr ist. Genug D-Mark- Scheine und -Münzen sind ohnehin noch in Umlauf. Ende November waren es nach Angaben der Bundesbank 13,3 Milliarden Mark. Zumindest ein Teil davon landet in den knapp 500 Filialen der Modekette C&A. Dort nimmt man immer noch Scheine und Münzen entgegen.

"Jeden Monat kaufen Kunden bei uns für rund 150.000 D-Mark ein. Mitunter kommen sie mit Säckchen voller Pfennige", sagt Unternehmenssprecher Thorsten Rolfes. Das Wechselgeld wird in Euro ausgezahlt, das Unternehmen liefert die DM-Scheine und -Münzen bei der Bundesbank ab. Insgesamt hat C&A nach Angaben von Rolfes in den vergangenen zehn Jahren so 75 Millionen D-Mark gesammelt. Die Bundesbank nimmt das alte Geld kostenfrei und zeitlich unbegrenzt zurück. Im Schnitt landen jeden Tag in jeder der 47 Notenbankfilialen zwischen 8500 und 10.600 D-Mark. In der Regel sind es kleine Beträge. Allein im November brachten 19.000 Kunden im Schnitt 26 D-Mark zu einem der Bundesbankableger. Die alten Scheine werden geschreddert, die Münzen entwertet und das Metall von der Verwertungsgesellschaft des Bundes verkauft.

Dass die Deutschen an der D-Mark hängen, lässt sich aus Umfragen ablesen. Anfang Dezember bezeichneten 60 Prozent die Einführung des Euro als keine gute Idee. 85 Prozent sehen in ihm den "Teuro", drei Viertel glauben, die D-Mark sei stabiler gewesen. Tatsächlich lag die Inflationsrate in Deutschland seit 2002 im Schnitt bei 1,6 Prozent jährlich, wie das Statistische Bundesamt vorrechnet. In den 53 Jahren davor waren es rund 2,6 Prozent. Freilich: Dinge des täglichen Bedarfs wie Brot, Milch oder das Bier in der Kneipe sind mit der Einführung des Euro-Bargeldes tatsächlich deutlich teurer geworden. Die von vielen Menschen gefühlte Inflation liegt deshalb höher. Computer, Digitalkameras oder das Telefonieren sind heute aber deutlich billiger als zu D-Mark-Zeiten. Und die Benzinpreise wären auch mit der Mark gestiegen, schließlich wird Rohöl in Dollar abgerechnet.

Vor zehn Jahren, in den Tagen vor der Ankunft der Euro-Scheine und -Münzen am 1. Januar 2002, stürzten sich die Deutschen fast auf das neue Geld. An den Euro hatten sie sich insofern gewöhnt, als er für Buchgeld schon seit Anfang 1999 die entscheidende Größe war. Mit dem Kurs von 1,95583 DM war die Mark fest an den Euro gebunden. Jetzt wollten die Deutschen das neue Geld endlich in der Hand halten. Am 17. Dezember 2001 war es so weit: Vor Bank- und Sparkassenfilialen bildeten sich zum Teil Schlangen. Selbst der damalige Bundesbankpräsident Ernst Welteke war überrascht. Die Kunden wollten mindestens eines der sogenannten Starterkits ergattern. Für 20 D-Mark gab es 20 Euro-Münzen im Wert von 10,23 Euro: zweimal zwei Euro, dreimal ein Euro, je vier 50- und 20-Cent- Münzen, dreimal zehn Cent, zweimal fünf Cent und je einmal zwei und ein Cent. Die von der Bundesbank bereitgestellten 53,5 Millionen Geldtütchen waren schnell verkauft, 550 Millionen Euro Bargeld wurden so vorab verteilt.