Gipfel in Brüssel 26 von 27 EU-Staaten für neuen Vertrag
Neun statt bisher sechs EU-Länder mit eigener Währung wollen sich der engeren Zusammenarbeit der Euro-Zone anschließen. Damit ist Großbritannien als einziges Land dagegen.
Großbritannien ist mit seinem Nein zu strengeren Haushaltskontrollen auf dem EU-Gipfel nun vollständig isoliert. Statt bisher sechs wollen neun weitere EU-Mitglieder sich dem Vertrag über eine engere Zusammenarbeit der 17 Euro-Staaten anschließen, wie aus einem neu aufgelegten Entwurf für die Abschlusserklärung in Brüssel hervorgeht. Zunächst war nur von sechs EU-Staaten außerhalb der Währungsgemeinschaft die Rede, die die Reform mittragen.
"Die Staats- und Regierungschefs von Bulgarien, Tschechien, Dänemark, Ungarn, Lettland, Litauen, Polen, Rumänien und Schweden haben ihre Bereitschaft zur Teilnahme an diesem Prozess bekundet. Wo nötig, müssen jedoch die Parlamente konsultiert werden", heißt es nun in dem Entwurf. Die Zustimmung der nationalen Parlamente war zuvor von Tschechien und Schweden als Bedingung für neue Verträge angeführt worden. Ungarn war wie Großbritannien überhaupt nicht zu einer engeren Zusammenarbeit bereit.
Im Kampf gegen die Schuldenkrise hatten die Euro-Zonen-Länder in der Nacht beschlossen, einen eigenen zwischenstaatlichen Vertrag mit strengeren Regeln zu vereinbaren, dem auch Nicht-Euro-Länder beitreten können. Dieser sieht Schuldenbremsen und automatische Strafen gegen Defizitsünder vor.
- Schuldenbremse
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Die Euro-Staaten sollen grundsätzlich den Staatshaushalt ausgleichen. Bei außergewöhnlichen Umständen oder schlechter Konjunktur wären Defizite aber weiterhin im Rahmen der Drei-Prozent-Grenze zulässig. Der Haushaltsausgleich wäre erreicht bei einem strukturellen – also um Konjunktureffekte bereinigten – Defizit von nicht mehr als 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Bei Überschreiten dieser Grenze müsste ein "automatischer Korrekturmechanismus" in Gang gesetzt werden. Der Europäische Gerichtshof soll über die Umsetzung in nationales Recht wachen. Der betreffende Staat soll ein wirtschaftliches Partnerschaftsprogramm mit der EU-Kommission abschließen müssen, in dem seine Reformverpflichtungen festgelegt werden.
- Sanktionen
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Künftig soll auch die Einleitung des Sanktionsverfahrens bei Überschreiten der Drei-Prozent-Defizitgrenze nur mit einer qualifizierten Mehrheit der EU-Finanzminister zu stoppen sein. Das ist nach dem EU-Vertrag bisher nicht möglich.
Länder, gegen die ein Sanktionsverfahren wegen zu hoher Neuverschuldung läuft, sollen ein verbindliches Programm zu Reformen und Defizitabbau bei der Kommission und beim Rat abliefern.
- Budgetplan
Die Vorschläge der EU-Kommission von Ende November, die eine stärkere Beteiligung der Behörde an der Aufstellung der nationalen Haushalte vorsieht, sollen rasch verabschiedet werden. Die Kommission kann einen veränderten Haushaltsentwurf verlangen, wenn das Budget dem Stabilitätspakt zuwider läuft.
- Euro-Bonds
Der vom EU-Ratspräsidenten vorgelegte Entwurf der Erklärung sah zunächst auch vor, sich einen Plan zur Einführung von Euro-Bonds vorzunehmen. Diese Passage wurde aber auf Druck Deutschlands gestrichen.
- Vertrag
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Weil die nötige Einstimmigkeit für eine EU-Vertragsänderung nicht erreicht werden konnte, wollen die 17 Euro-Staaten noch vor März einen eigenen Vertrag schließen. Ausdrücklich wird in der Erklärung betont, dass immer noch angestrebt werde, die Regelungen in dem EU-Vertrag zu verankern.
Die Regierungen von Bulgarien, Dänemark, Litauen, Lettland, Polen und Rumänien erklärten bereits jetzt ihren Willen, dem Abkommen beizutreten. Tschechien und Schweden müssen zunächst ihre Parlamente befragen. Ungarn will die Lage noch prüfen. Nur Großbritannien hat bereits seine Ablehnung erklärt, dem Vertrag beizutreten.
Großbritannien lehnte eine Teilnahme hingegen ab. Premierminister David Cameron hatte im Gegenzug für seine Zustimmung zur Vertragsänderung Sonderrechte für die Regulierung des heimischen Finanzmarkts gefordert. Diese Forderung wurde von anderen EU-Ländern zurückgewiesen, eine Einigung aller 27 EU-Staaten war damit gescheitert.
- Datum 09.12.2011 - 16:18 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
- Kommentare 8
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dass sind eben die politischen Kosten, wenn man so offensichtlich einzig und allein als Lobbyist der Finanz"industrie" auftritt. Mal sehen, wie es dem einst stolzen UK demnächst ergeht, wenn weiterhin über die Bedürfnisse der arbeitenden Bevölkerung und der Bedürftigen voll Ignoranz einfach hinweg gegangen wird.
Auch wenn ich von Merkel nichts halte: Es gebürt ihr und Sarkozy Dank, dass die beiden sich nicht von dem Gesandten der Londoner City haben weich kochen lassen. Rosig sieht unsere Lage dennoch nicht aus. Dafür sind Merkozy selbst noch viel zu sehr Lobbyisten der Banker.
Der Grund, weshalb die Finanzindustrie der ganzen Welt sich seit Jahrzehnten außerhalb der Eurozone in London konzentrierte, ist offensichtlich: Man wollte die Eurowährung vermeiden. Seit diese durch den unbedachten Schuldenschnitt auch noch einen weiteren permanenten Vertrauensverlust erlitt, sehen sich die Londoner in der Richtigkeit ihrer Entscheidung nur bestätigt.
Die Hoffnung, dass die Briten sich "zu einem späteren Zeitpuinkt noch immer" der Kontrolle ihrer Finanzen durch Brüssel unterziehen lassen werden, ist absurd.
Der Grund, weshalb die Finanzindustrie der ganzen Welt sich seit Jahrzehnten außerhalb der Eurozone in London konzentrierte, ist offensichtlich: Man wollte die Eurowährung vermeiden. Seit diese durch den unbedachten Schuldenschnitt auch noch einen weiteren permanenten Vertrauensverlust erlitt, sehen sich die Londoner in der Richtigkeit ihrer Entscheidung nur bestätigt.
Die Hoffnung, dass die Briten sich "zu einem späteren Zeitpuinkt noch immer" der Kontrolle ihrer Finanzen durch Brüssel unterziehen lassen werden, ist absurd.
Frau Merkel, glauben Sie denn wirklich mit einem neuen Vertrag sei die Euro-Krise überstanden?
Da können sich noch so viele Staaten beteiligen, die Schuldenkrise bleibt, das Misstrauen in die Politik bleibt sowie die Problematik mit einer Notenbank und die Unterschiede der marktwirtschaftlich stärkeren und schwächeren Staaten bleibt.
Der Grund, weshalb die Finanzindustrie der ganzen Welt sich seit Jahrzehnten außerhalb der Eurozone in London konzentrierte, ist offensichtlich: Man wollte die Eurowährung vermeiden. Seit diese durch den unbedachten Schuldenschnitt auch noch einen weiteren permanenten Vertrauensverlust erlitt, sehen sich die Londoner in der Richtigkeit ihrer Entscheidung nur bestätigt.
Die Hoffnung, dass die Briten sich "zu einem späteren Zeitpuinkt noch immer" der Kontrolle ihrer Finanzen durch Brüssel unterziehen lassen werden, ist absurd.
Wenn sie sich nicht der Kontrolle unterziehen, ersparen wir
uns die Arbeit sie zu kontrollieren. Als ich zur Schule
ging bekam man fuer 1 £ 12 DM. Jetzt bekommt man fuer
1 £ 1,16 € = 2,30 DM. Waere nicht zwischendurch die Frau
Thatcher an der Regierung gewesen, waeren die Briten laengst pleite. Wait and see!
Wenn sie sich nicht der Kontrolle unterziehen, ersparen wir
uns die Arbeit sie zu kontrollieren. Als ich zur Schule
ging bekam man fuer 1 £ 12 DM. Jetzt bekommt man fuer
1 £ 1,16 € = 2,30 DM. Waere nicht zwischendurch die Frau
Thatcher an der Regierung gewesen, waeren die Briten laengst pleite. Wait and see!
Besser als nichts, die Schulden sind durch einen Vertrag jedoch nicht plötzlich weg und wir müssen uns um die Schulden von heute sorgen, nicht um die von morgen.
Morgen gibt es aber wahrscheinlich die angekündigte Rezession , und dann ? Dann liegen ausserordentliche Bedingungen vor und der Vertrag greift dann nicht ?
Da unser Haushalt schon jetzt, bei sprudelnden Einnahmen auf Schulden angewiesen ist, ja, was dann ?
Kommen dann zu den Schulden noch zusätzlich Strafen ?
Was ist mit ´´no bail out ´´
Wenn sie sich nicht der Kontrolle unterziehen, ersparen wir
uns die Arbeit sie zu kontrollieren. Als ich zur Schule
ging bekam man fuer 1 £ 12 DM. Jetzt bekommt man fuer
1 £ 1,16 € = 2,30 DM. Waere nicht zwischendurch die Frau
Thatcher an der Regierung gewesen, waeren die Briten laengst pleite. Wait and see!
Durch Vertragsbruch und egoistischem,korrupten handeln haben sich die Politiker selbst zu einer Kaste gemacht die keinerlei Vertrauen verdient. Wer will daran glauben, dass wenn es hart auf hart geht sich irgend jemand an den geänderten Verträge hält. Dazu bedürfte es einer unabhängigen Weltorganisation die mit genügend Macht und Unabhängigkeit augestattet ist um Verfügungen und Strafen gegen alle Staaten durch zu setzen und die die Finanzindustrie in ihre Schranken zu verweisen. Wenn sie dann noch eine moralisch, ethische Instanz wäre, wär es ein Gücksfall.
Wenn jetzt wieder mal konstatiert wird, die Kanzlerin hätte sich durchgesetzt , dann ist ja nun eine krasse Fehlbewertung dieses Gipfels - das Ziel von Merkel/Sarkozy war ja nun eindeutig: Schuldenbremsen und automatische Sanktionen im Wege von VERTRAGSÄNDERUNGEN der EU - und das
setzte unabdingbar die Zustimmung aller EU-Staaten voraus. Und was kam dabei heraus ? Eine Absichtserklärung von nur 24 Staaten zu einem Separat-Vertrag. Der große Befreiungsschlag, der hier geführt werden sollte, mündete in einer kraftlosen Geste - eine Ermächtigung des EuGH in einer separaten Vereinbarung zur Verhängung von Sanktionen ist nachgerade absurd. De facto sind Merkel und Sarkozy damit also eigentlich voll gescheitert.
Und auch wenn wir auf die Briten als auf die bösen Buben zeigen können, haben sie doch das Vorhaben der deutsch-französischen Achse zum Scheitern gebracht und, auch noch drei weitere Staaten haben sich dem großen Schlag erst einmal entzogen.
Das schulmeisterliche Verhalten, mit dem Angela Merkel seit Monaten versucht, dem gemeinsamen Europa ihr Diktat aufzudrücken, ist grandios gescheitert. Wir sollten dem ins Auge sehen und unsere Kanzlerin zu einer europäischeren, konsensualeren Haltung drängen, statt selbst im Angesicht des Untergangs in Treue fest zu ihr zu stehen und ihr zu ihren größten Niederlagen noch zuzujubeln. Deutschland läuft so Gefahr, wieder zur Hassfigur in Europa zu werden.
Diese schroffe Auslegung mancher Politiker hinsichtlich der Entscheidung der Briten finde ich nicht gut. Okay, sie haben sich immer die Rosinen heraus gepickt. Aber nun, sie von Europa als abgespalten oder ausgeschlossen zu bezeichnen sehe ich für den Moment, als überzogene Aussagen.
Auch wenn ich diese Entscheidung für ein Eigentor halte, so kann ich den Standpunkt der Briten auch nachvollziehen.
Als ehemalige Nacht, die immer die Fäder gezogen hat, oder die Richtung mit vorgab, hat man es zeitweilig schwer auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren.
Im Moment gibt es leider nur dieses teilweise unfähige Europa, welches sich aber durch dilettantische Fehler und dirigiertem Lobbyismus in der Vergangenheit und auch heute sich selbst in diese Situation hineinmanövriert hat.
Aber eines muss doch wirklich jedem bei der damaligen Gründung bereits klar gewesen sein!
Irgendwann muss und kommt auch der Schritt an dem man Macht und Befugnisse abgeben wird.
Im Moment geht es doch nur noch darum: Wie kann ich es am
Besten verhindern, zu kurz zu kommen.
Antwort: Nur indem ich mitrede! Tja, das haben die Briten verpasst.
Die Welt fängt an sich in eine andere Richtung zu drehen. Alle werden zuerst gemeinsam schwach, um später evtl. als Gemeinschaft wieder stark zu werden.
Ob wir, ich, das noch erleben werden, ist eine andere Frage.
Ob die Briten dies erkannt und begriffen haben, auch!!
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