Euro-Krise Retten, durchwurschteln oder untergehen
Die Euro-Krise wird auch im kommenden Jahr eines der beherrschenden Themen sein. Aber wie geht es weiter? Drei mögliche Szenarien zum Fortgang der Krise.
© Dominique Faget/AFP/Getty Images

Menschen laufen in Madrid an einem Schaufenster mit einem großen Euro-Aufkleber vorbei.
Kein anderes Thema hat im vergangenen Jahr so nachhaltig Politik, Wirtschaft und Medien beherrscht wie die Euro-Krise. Daran wird sich 2012 wenig ändern. Die auf dem Gipfel Anfang Dezember beschlossenen Maßnahmen reichen nicht aus, um die Krise zu lösen. Länder wie Italien, Spanien und möglicherweise sogar Frankreich werden Probleme haben, sich zu vernünftigen Zinsen Geld zu leihen. Viele der Euro-Länder stehen erneut am Rande einer Rezession. Und der neue Vertrag muss in den kommenden Wochen nicht nur rechtsfest formuliert, sondern dann auch in den nationalen Parlamenten bestätigt werden.
Klar ist: Es steht viel auf dem Spiel. Der Euro, die deutschen Exportmärkte und möglicherweise sogar die EU, wie wir sie kennen. Schwieriger vorherzusagen ist allerdings, wie die Geschichte ausgehen wird. Abhängig von dem Geschick und der Einsicht der Politiker sind drei Szenarien vorstellbar: Eine Fortsetzung des Durchwurschtelns, mit schwachem Wachstum in Europa und ohne große Fortschritte beim Schuldenabbau; eine große Katastrophe oder sogar eine triumphale Auferstehung Europas.
Im Durchwurschtel-Szenario setzen die Euro-Partner ihre bisherige Politik fort. Die auf dem Gipfel am 9. Dezember 2011 beschlossenen verschärften Haushaltsregeln werden mit kleineren oder größeren legalen Hindernissen in einen neuen europäischen Vertrag gegossen. Darüber hinaus gibt es keine echten Integrationsschritte, keine Euro-Bonds und keine Pläne für eine echte Fiskalunion, die über reine Kontrolle nationaler Budgetdefizite hinausgeht. Die Regierungen in den Krisenländern setzen ihre Reformversprechungen zu einem beträchtlichen Teil um. Griechenland gelingt die Einigung mit den Gläubigern auf den angepeilten Schuldenverzicht und setzt seine Sparmaßnahmen wie geplant fort.
- Schuldenbremse
-
Die Euro-Staaten sollen grundsätzlich den Staatshaushalt ausgleichen. Bei außergewöhnlichen Umständen oder schlechter Konjunktur wären Defizite aber weiterhin im Rahmen der Drei-Prozent-Grenze zulässig. Der Haushaltsausgleich wäre erreicht bei einem strukturellen – also um Konjunktureffekte bereinigten – Defizit von nicht mehr als 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Bei Überschreiten dieser Grenze müsste ein "automatischer Korrekturmechanismus" in Gang gesetzt werden. Der Europäische Gerichtshof soll über die Umsetzung in nationales Recht wachen. Der betreffende Staat soll ein wirtschaftliches Partnerschaftsprogramm mit der EU-Kommission abschließen müssen, in dem seine Reformverpflichtungen festgelegt werden.
- Sanktionen
-
Künftig soll auch die Einleitung des Sanktionsverfahrens bei Überschreiten der Drei-Prozent-Defizitgrenze nur mit einer qualifizierten Mehrheit der EU-Finanzminister zu stoppen sein. Das ist nach dem EU-Vertrag bisher nicht möglich.
Länder, gegen die ein Sanktionsverfahren wegen zu hoher Neuverschuldung läuft, sollen ein verbindliches Programm zu Reformen und Defizitabbau bei der Kommission und beim Rat abliefern.
- Budgetplan
Die Vorschläge der EU-Kommission von Ende November, die eine stärkere Beteiligung der Behörde an der Aufstellung der nationalen Haushalte vorsieht, sollen rasch verabschiedet werden. Die Kommission kann einen veränderten Haushaltsentwurf verlangen, wenn das Budget dem Stabilitätspakt zuwider läuft.
- Euro-Bonds
Der vom EU-Ratspräsidenten vorgelegte Entwurf der Erklärung sah zunächst auch vor, sich einen Plan zur Einführung von Euro-Bonds vorzunehmen. Diese Passage wurde aber auf Druck Deutschlands gestrichen.
- Vertrag
-
Weil die nötige Einstimmigkeit für eine EU-Vertragsänderung nicht erreicht werden konnte, wollen die 17 Euro-Staaten noch vor März einen eigenen Vertrag schließen. Ausdrücklich wird in der Erklärung betont, dass immer noch angestrebt werde, die Regelungen in dem EU-Vertrag zu verankern.
Die Regierungen von Bulgarien, Dänemark, Litauen, Lettland, Polen und Rumänien erklärten bereits jetzt ihren Willen, dem Abkommen beizutreten. Tschechien und Schweden müssen zunächst ihre Parlamente befragen. Ungarn will die Lage noch prüfen. Nur Großbritannien hat bereits seine Ablehnung erklärt, dem Vertrag beizutreten.
Die Finanzmärkte sind zwar nicht wirklich überzeugt, dass diese Maßnahmen die Probleme lösen, aber denkbar ist, dass die Zinsen für Italien und Spanien nicht weiter dramatisch steigen. Möglicherweise bekommen Italien oder Spanien noch einen Kredit aus den europäischen Rettungsschirmen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzt ihre Anleihekäufe wie bisher mit niedrigen Volumina fort, ohne eine nachhaltige Verbesserung der Zinsunterschiede zu erreichen.
In diesem Szenario würde der Euro das Jahr 2012 überleben. Allerdings wäre das kommende Jahr von sehr schwachem Wirtschaftswachstum geprägt. Die Arbeitslosigkeit in vielen Ländern würde steigen, die Unzufriedenheit mit den Regierungen und mit Europa auch. Griechenland käme aus der Rezession nicht heraus, ebenso wenig wie Portugal. In Spanien und Italien gäbe es bestenfalls eine graduelle Verbesserung. Damit nicht genug: Mit der bis weit in die zweite Hälfte des Jahrzehnts angelegten Sparpolitik wäre so schnell kaum mit einer Wende bei den Wirtschaftsdaten für die Euro-Zone als Ganzes zu rechnen. Die ein oder andere Regierung mag darüber fallen, aber die Europäische Union könnte dies recht unbeschadet überstehen.
Natürlich ist das Durchwurschtel-Szenario mit einer Reihe von Risiken verbunden. Leicht kann das eine oder andere schief gehen.
Dann könnte aus dem Durchwurschtel-Szenario schnell ein Katastrophenszenario werden, in dem der Euro auseinanderbricht. Auslöser für ein solches Negativszenario wären viele denkbar: Etwa, dass in Griechenland oder einem anderen Krisenland die Bevölkerung die Sparmaßnahmen nicht mehr mittragen will und eine Euro-skeptische Kraft politisch an Boden gewinnt.
In einer solchen Situation könnte es entweder dazu kommen, dass ein Land beschließt, eine eigene, neue Währung einzuführen, oder dass die Finanzmärkte zu der Überzeugung kommen, dass ein solcher Schritt unmittelbar bevorsteht. Sobald diese Überzeugung um sich greift, würde nicht nur das Geld wie bisher aus dem Markt für Staatsanleihen strömen, sondern auch die Bankkunden würden ihre Einlagen abziehen. Am Ende könnte das betroffene Land vor der Wahl stehen, das eigene Bankensystem zusammenbrechen zu lassen, oder eine eigene Währung einzuführen und die Banken mit der eigenen Notenpresse zu retten.

ist Professor für International Economics an der HTW Berlin und Senior Policy Fellow am European Council on Foreign Relations.
Sobald aber ein Land den Euro verlässt, dürfte es schwierig sein, eine Panik in den anderen Ländern zu verhindern. Wenn die Italiener sehen, dass Griechenland die neue Drachme einführt und ein Euro in einer griechischen Bank doch nur noch eine neue Drachme wert ist, dürften auch sie ihr Geld schnell außer Landes schaffen. Es würde ein Dominoeffekt drohen, durch den immer mehr Länder zum Ausstieg aus dem Euro gezwungen werden.
Das Ergebnis wäre katastrophal: Die neuen Währungen in Südeuropa würden abwerten, der Nord-Euro entsprechend aufwerten. Bankenpleiten würden folgen, weil plötzlich Unternehmen im Süden ihre Kredite nicht mehr in Euro bedienen könnten. Deutschland würde die wichtigsten Exportmärkte verlieren, die Arbeitslosigkeit würde in die Höhe schießen. Weil Europas Finanzinstitute weltweit wichtiger Teil des internationalen Bankensystems sind, droht eine neue globale Finanzkrise.
Die Folgen für die europäische, aber auch für die globale Wirtschaft dürften in so einem Szenario dramatischer sein als jene der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/9. Tatsächlich könnte einem Auseinanderbrechen des Euro eine Depression wie in den 1920ern folgen. Klar wäre auch: Politisch und als Machtzentrum auf globaler Ebene wäre damit die Europäische Union erledigt.
Jeder Krise wohnt allerdings auch eine Chance inne. Es gibt also auch ein Positivszenario, in dem sich Europas Regierende zusammenraufen und doch noch jene Reformen voranbringen, die die Euro-Krise nachhaltig lösen und Europa zu stabilem Wirtschaftswachstum zurück helfen. Auslöser könnte etwa eine neue Zuspitzung der Finanzierungsbedingungen etwa für Italien sein. Weil die anderen Staats- und Regierungschefs bis dahin erkannt haben, dass reine Kürzungsprogramme nicht helfen, proben sie den großen Befreiungsschlag. Sie beschließen, endlich die Euro-Zone zu etwas zu machen, was funktionieren kann: Eine echte Wirtschafts- und Währungsunion, mit eigener Wirtschaftsregierung.
Eine solche Regierung würde wie die US-Regierung die Kompetenz über bestimmte Steuerarten erhalten, bestimmte Aufgaben würden auf die europäische Ebene verlagert und es würden Euro-Bonds eingeführt. Gleichzeitig würde sich die EZB bereit erklären, für eine Übergangszeit die Zinsen für die Euro-Peripherie-Staaten zu stabilisieren. In einem solchen Positivszenario würden die Finanzmärkte wieder Vertrauen fassen, die Zinsen in den Euro-Krisenländern würden schnell und nachhaltig sinken. Weil die einzelnen Staaten mit niedrigeren Zinsen auch wieder mehr Luft in den Budgets hätten, müssten die Staatsausgaben auch nicht ganz so brutal gekürzt werden wie bislang erwartet.
Auch in einem solchen Szenario würde 2012 kein Jahr mit gutem Wachstum werden. Dafür wäre aber der Grundstein gelegt für einen langen, anhaltenden Aufschwung im Euro-Raum. Über die kommenden Jahre würde die Arbeitslosigkeit sinken und die Euro-Krise würde von späteren Generationen als auslösender Moment für eine echte europäische Einigung gesehen.
Welches dieser Szenarien aber ist am wahrscheinlichsten? Leider deutet wenig auf das Positiv-Szenario hin. Insbesondere die deutsche Bundesregierung scheint immer noch zu glauben, dass die Euro-Krise alleine mit immer härteren Sparvorgaben und Strafen für Defizitsündern beizukommen ist. Sowohl Kanzlerin Angela Merkel wie auch Bundesbankchef Jens Weidmann sperren sich vehement gegen Anleihekäufe durch die EZB ebenso wie gegen Euro-Bonds. Solange sich Deutschland als Veto-Spieler aber nicht bewegt, wird Europa kein nachhaltiges Wirtschaftswachstum erleben.
Es gibt jedoch Hoffnung, dass das Katastrophen-Szenario verhindert wird. Bislang haben die europäischen Staats- und Regierungschefs am Ende immer noch reagiert. Oft zu spät und zu zaghaft, aber auch die zögerlichen Reaktionen könnten mit etwas Glück reichen, um das Schlimmste zu verhindern. Dann ginge 2012 wenigstens nicht als historisches Katastrophenjahr in die Geschichte ein, sondern nur als eines in einer längeren Reihe schwacher Wirtschaftsentwicklung in Europa.
- Datum 29.12.2011 - 11:50 Uhr
- Seite 1 | 2 | 3 | Auf mehreren Seiten lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 73
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:






der Nationalstaaten zu Gunsten der Beruhigung der Märkte. Das ist TINA!
Deshalb fragt man die Menschen auch gar nicht!
Selbstverständlöich gibt es noch eine vierte Alternative.
Der Einsicht, dass der Euro eine Fehlkonstruktion war, könnte die unaufgeregte Rückabwicklung in die früheren Währungen folgen.
Der politische Wille dazu fehlt!
Gott sei dank fehlt der politische Wille dazu.
Volkes Kleingeist verkennt das die EU als machtzentrum auf globaler Ebene nötig ist wenn Europa langfristig noch so gut dastehen will wie bisher.
"Die Folgen für die europäische, aber auch für die globale Wirtschaft dürften in so einem Szenario dramatischer sein als jene der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/9. Tatsächlich könnte einem Auseinanderbrechen des Euro eine Depression wie in den 1920ern folgen. Klar wäre auch: Politisch und als Machtzentrum auf globaler Ebene wäre damit die Europäische Union erledigt."
Genau hier scheint mir auch das irrationale und wirtschaftlich unvernünftige Handeln der europäischen, besonders der deutschen, Regierungen begründet: In dem offenkundigen Scheitern solcher verblasener Großprojekte wie dem Euro und der Schaffung einer Art Neuen Roms, nämlich eines europäischen Großreichs, das nicht nur die bisherigen europäischen Ländern, sondern auch die Staaten Nordafrikas sowie osteuropäische Länder wie die Ukraine umfassen soll. Aber warum sollen die Bürger Europas für solche gescheiterten Großprojekte einer vollkommen abgehobenen politisch-medialen Kaste büßen und bezahlen müssen?
"Die Ökonomen fordern mit Verve die Abschaffung der Nationalstaaten zu Gunsten der Beruhigung der Märkte. Das ist TINA!
Deshalb fragt man die Menschen auch gar nicht!
Selbstverständlöich gibt es noch eine vierte Alternative.
Der Einsicht, dass der Euro eine Fehlkonstruktion war, könnte die unaufgeregte Rückabwicklung in die früheren Währungen folgen.
Der politische Wille dazu fehlt!"
Ganz genauso ist es.
Gott sei dank fehlt der politische Wille dazu.
Volkes Kleingeist verkennt das die EU als machtzentrum auf globaler Ebene nötig ist wenn Europa langfristig noch so gut dastehen will wie bisher.
"Die Folgen für die europäische, aber auch für die globale Wirtschaft dürften in so einem Szenario dramatischer sein als jene der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/9. Tatsächlich könnte einem Auseinanderbrechen des Euro eine Depression wie in den 1920ern folgen. Klar wäre auch: Politisch und als Machtzentrum auf globaler Ebene wäre damit die Europäische Union erledigt."
Genau hier scheint mir auch das irrationale und wirtschaftlich unvernünftige Handeln der europäischen, besonders der deutschen, Regierungen begründet: In dem offenkundigen Scheitern solcher verblasener Großprojekte wie dem Euro und der Schaffung einer Art Neuen Roms, nämlich eines europäischen Großreichs, das nicht nur die bisherigen europäischen Ländern, sondern auch die Staaten Nordafrikas sowie osteuropäische Länder wie die Ukraine umfassen soll. Aber warum sollen die Bürger Europas für solche gescheiterten Großprojekte einer vollkommen abgehobenen politisch-medialen Kaste büßen und bezahlen müssen?
"Die Ökonomen fordern mit Verve die Abschaffung der Nationalstaaten zu Gunsten der Beruhigung der Märkte. Das ist TINA!
Deshalb fragt man die Menschen auch gar nicht!
Selbstverständlöich gibt es noch eine vierte Alternative.
Der Einsicht, dass der Euro eine Fehlkonstruktion war, könnte die unaufgeregte Rückabwicklung in die früheren Währungen folgen.
Der politische Wille dazu fehlt!"
Ganz genauso ist es.
Eine europäische Wirtschaftsregierung? Nein danke, wenn man sich die Brüsseler "Experten" ansieht und bedenkt, was diese Herrschaften uns bisher so alles beschert haben, kann man gut darauf verzichten.
Bleibt nur zu hoffen, dass der Euro nicht an dem Willen, böse Zungen könnten Ignoranz unterstellen, des Volkes scheitert.
...Wirtschaftsregierung."
Ob das ein "Positivszenario" ist, kann man diskutieren. Immerhin ist noch nie mW ein solches Konstrukt in einer modernen Gesellschaft ausprobiert worden. Dabei ist unklar, ob die "Wirtschaftsregierung" eigentlich eine "Finanzregierung" ist. Jedenfalls ist die Implikation, dass die Finanzen der Nationen über diese "Regierung laufen müssten. Da alle Funktionen des Staates letztlich von den Finanzen abhängen, wären alle Regierungen Eurolands abhängig von einer wie auch immer beschaffenen europäischen Instanz. Die Verfassungen der Nationen wären schlicht Makulatur.
Das bedeutet nicht, dass eine zentrale Regierung für die EU eine schlechte Idee ist. Es bedeutet aber wohl, dass man eine Verfassung braucht, die den Erfordernissen angepasst wäre. Das ist mit der momentanen EU Verfassung kaum denkbar.
Auch müssten alle Verfassungen der EU Mitglieder neu entworfen werden. Mir scheint das eine große Aufgabe. Ob man das den Parteien zumuten will, die die Verträge von Maastricht und Lissabon entwarfen, scheint gewagt. Ob man solchen Gruppen die Aufgabe übergeben will, die diese Verträge so durchsetzten, wie sie das machten, schiene leichtsinnig.
Bleibt nur zu hoffen, dass der Euro nicht an dem Willen, böse Zungen könnten Ignoranz unterstellen, des Volkes scheitert.
...Wirtschaftsregierung."
Ob das ein "Positivszenario" ist, kann man diskutieren. Immerhin ist noch nie mW ein solches Konstrukt in einer modernen Gesellschaft ausprobiert worden. Dabei ist unklar, ob die "Wirtschaftsregierung" eigentlich eine "Finanzregierung" ist. Jedenfalls ist die Implikation, dass die Finanzen der Nationen über diese "Regierung laufen müssten. Da alle Funktionen des Staates letztlich von den Finanzen abhängen, wären alle Regierungen Eurolands abhängig von einer wie auch immer beschaffenen europäischen Instanz. Die Verfassungen der Nationen wären schlicht Makulatur.
Das bedeutet nicht, dass eine zentrale Regierung für die EU eine schlechte Idee ist. Es bedeutet aber wohl, dass man eine Verfassung braucht, die den Erfordernissen angepasst wäre. Das ist mit der momentanen EU Verfassung kaum denkbar.
Auch müssten alle Verfassungen der EU Mitglieder neu entworfen werden. Mir scheint das eine große Aufgabe. Ob man das den Parteien zumuten will, die die Verträge von Maastricht und Lissabon entwarfen, scheint gewagt. Ob man solchen Gruppen die Aufgabe übergeben will, die diese Verträge so durchsetzten, wie sie das machten, schiene leichtsinnig.
(große) Unternehmen und Konzerne ihre Marktanteile dennoch 2012 wie 2011 ausbauen und ihre Gewinne steigern können!
Nur "leider" müssen die Arbeitnehmer & Rentner (ausgenommen: Pensionäre) sich auf härtere Zeiten einstellen - niedrigere Reallöhne, steigende Kosten/Preise.
So macht Wirtschaft im Sinne der Neoliberalen doch Spaß! Die Rechnung begleicht später der Steuerzahler - ob in Euro oder in einer anderen Währung.
Die EU (so wie sie heute ist) ist eine abgehobene Mammutbehörde (nicht einmal ein richtiges Parlament hat die EU), die mit Geschick und Raffinesse das bereits gescheiterte egoistische neoliberale Konzept durchsetzen soll/will. Die EU ist schlecht, weil sie Instrument u. a. der deutschen Regierungen ist zur Durchsetzung der Interessen der Finanz-"Industrie" und der Großkonzerne. Ein richtiges Parlament mit entsprechenden Rechten gäbe den EU-Bürgern mehr Mitwirkungsmöglichkeiten, auf die Kommission Einfluss zu nehmen. Eine Garantie, dass dann alles besser läuft, ist das natürlich auch noch nicht. Heute aber haben die neoliberal orientierten Regierungen über die Kommission die Möglichkeit Dinge durchzusetzen, die sie sonst nicht durchsetzen können.
Lesen Sie bitte in dieser Ausgabe: http://www.zeit.de/politi...
Die EU (so wie sie heute ist) ist eine abgehobene Mammutbehörde (nicht einmal ein richtiges Parlament hat die EU), die mit Geschick und Raffinesse das bereits gescheiterte egoistische neoliberale Konzept durchsetzen soll/will. Die EU ist schlecht, weil sie Instrument u. a. der deutschen Regierungen ist zur Durchsetzung der Interessen der Finanz-"Industrie" und der Großkonzerne. Ein richtiges Parlament mit entsprechenden Rechten gäbe den EU-Bürgern mehr Mitwirkungsmöglichkeiten, auf die Kommission Einfluss zu nehmen. Eine Garantie, dass dann alles besser läuft, ist das natürlich auch noch nicht. Heute aber haben die neoliberal orientierten Regierungen über die Kommission die Möglichkeit Dinge durchzusetzen, die sie sonst nicht durchsetzen können.
Lesen Sie bitte in dieser Ausgabe: http://www.zeit.de/politi...
Für mich ist Szenario 2 das Positivszenario, während ich Szenario 3 ablehne. "Wirtschaftsregierung" - das ist das Gegenstück zum 3-Jahres-Plan der ehemaligen UDSSR, nicht wahr?
Die abgewirtschafteten Politiker, die nach Brüssel geschickt werden da sie in ihrer Heimat keinen Fuß mehr auf den Boden bekommen haben jetzt schon viel zu viel Macht.
Nein die Wirtschaftsregierung ist das Gegenstück zur Bundesregierung nur eben mit ausschliesslich wirtschaftlichen Kompetenzen.
Nein die Wirtschaftsregierung ist das Gegenstück zur Bundesregierung nur eben mit ausschliesslich wirtschaftlichen Kompetenzen.
Das "Positivszenario" (wird damit gleich mal was nettes verpackt) führt also dazu, dass wir mehr Geld nach Brüssel überweisen und deutlich mehr Geld für die Finanzierung unseren nationales Defizits bezahlen (E-Bonds).
Wie durch ein Wunder verschwinden dann aber sowohl die überschuldung in den PIIGS Staaten und Brüssel verordnet dann Wettbewerbsfähigkeit per Dekret für alle die da noch "Lernfelder"haben. Was die Effektivität von aktiver Wirtschaftspolitik angeht, brauch ich hier nicht auch noch ausbreiben.
Das glauben dann auch noch die internationalen Investoren und alle Staaten zahlen dann wieder die gleichen Zinsen wie vor der Euro Krise.
Wunderbar einfach nur leider mal wieder ideoligisch korrekt die Realitäten ausgeblendet....
Wieso wird das Bundesverfassungsgericht nicht erwähnt, das einen europäischen Bundesstaat mit zentraler Finanzpolitik nur genehmigen kann, wenn auf europäischer Ebene Demokratie eingeführt wird? Wenn man schon Szenarien vorstellt, muß man sich daher der Kernfrage widmen: Wie kann die EU so umgebaut werden, daß sie der Ewigkeitsgarantie des demokratischen Rechtsstaats genügt?
Dazu würde eine einfache Kompetenzerweiterung für das Europäische Parlament nicht genügen, da die Wahlen dafür zwar geheim, aber nicht gleich sind: Ein deutscher Bürger hat um Zehnerpotenzen weniger Gewicht als ein Luxemburger.
EU und Demokratie passen bislang so wenig zusammen, daß ein Zusammenbruch der EU und eine Neugründung aus den Trümmern meiner Meinung nach der einzig erfolgversprechende Weg ist.
Entsprechendes gilt für das Bankenwesen: Laßt sie alle pleitegehen und gründet parallel zur (systembedingt früher oder später unvermeidlichen) Währungsreform eine staatliche Bank. Eine Stunde Null ohne vorherigen (Bürger-)Krieg wäre doch bereits eine schöne historische Leistung!
.... Ewigkeitsgarantie des demokratischen Rechtsstaats genügt?"
Fragen Sie einfach Martin Schulz, Junker oder Baroso. Die können Ihnen das erklären.
.... Ewigkeitsgarantie des demokratischen Rechtsstaats genügt?"
Fragen Sie einfach Martin Schulz, Junker oder Baroso. Die können Ihnen das erklären.
Bleibt nur zu hoffen, dass der Euro nicht an dem Willen, böse Zungen könnten Ignoranz unterstellen, des Volkes scheitert.
...und das für die nächsten 6-7 Jahre.
Da wette ich meine bescheidenen Ersparnisse drauf - bleibt mir als Bürger der EU eh nichts anderes übrig, da die Demokratie ja abgeschaft worden ist.
Wirtschaftsunion wird nicht geben, weil uns jetzt schon zwischenstaatliche demokratisch legitime Institutionen fehlen, da brauchen wir nicht noch eine die uns das Geld aus der Tasche zieht.
Man muss uns, dem Volk, die Idee einer Wirtschaftsunion - die zugegeben im Prinzip keine Schlechte ist - erst einmal ordentlich erklären und "verkaufen".
Aber die Politiker die statt sich um die Gemeinschaft zu kümmern, wofür sie ja eigentlich gewählt werden, gehen Hand in Hand mit Banken und Industrie und herrschen über uns wie der Geldadel im Mittelalter.
Das einzige Schuldenland das die Möglichkeit hätte den Euro zu verlassen wäre Irland, der Rest kann garnicht, selbst wenn sie es wollten.
Es bleibt beim durchwurschteln und bei Inflation.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren