Schuldenkrise Europa sollte S&P-Ankündigung ignorieren

Die Warnung, alle Euro-Länder herabzustufen, berücksichtigt den neuesten Plan zur Krisenbewältigung nicht. Daher kein Grund, panisch zu werden. Ein Kommentar

Angela Merkel und Nicolas Sarkozy

Angela Merkel und Nicolas Sarkozy

Wenn man will, kann man die jüngste Aktion der Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) als freundliche Ermutigung verstehen. Eine Ermutigung der europäischen Staats- und Regierungschefs, auf dem kommenden EU-Gipfel Ende der Woche ein umfassendes Paket zur Lösung der Euro-Krise vorzustellen.

Viel mehr ist der Beschluss, auch die restlichen 15 Mitglieder der Euro-Zone mit einem negativen Ausblick zu versehen, nämlich nicht. Binnen 90 Tagen will S&P entscheiden, ob eine Herabstufung folgt. Die beiden Schwergewichte der Euro-Zone, Deutschland und Frankreich, würden dann ihre Spitzennote ("AAA") verlieren und müssten am Markt höhere Zinsen auf Staatsanleihen bezahlen. Die Euro-Rettung würde dies erheblich erschweren.

Anzeige

Dazu muss es aber nicht kommen, denn in Wahrheit ist Europa bereits viel weiter als S&P. Die Rating-Agentur begründet ihren Schritt unter anderem damit, dass die europäischen Politiker weiterhin uneins seien, wie sie die Vertrauenskrise lösen sollen.

Nur ist das der Stand vom vergangenen Dienstag, denn die Entscheidung der Rating-Agentur ist nach Angaben des französischen Präsidialamts bereits vor einer Woche gefallen. Verkündet wurde sie jedoch erst an diesem Montag.

Peinlicher Fehler

Unberücksichtigt blieben die Ergebnisse des deutsch-französischen Gipfels: Merkel und Sarkozy haben am Montag einen Plan vorgestellt, wie die EU-Verträge geändert werden sollen, um Europa krisenfest zu machen. Ohne Einfluss blieb auch die Entwicklung in Italien. Der neue Regierungschef Mario Monti präsentierte zu Wochenbeginn ein ehrgeiziges Spar- und Reformprogramm.

Für eine Rating-Agentur, die sich ihrer Verantwortung in der Krise bewusst sein muss, ein peinlicher Fehler. S&P kündigte an, nach dem Gipfel die Bonität der Euro-Länder so schnell wie möglich abschließend zu bewerten.

An den Finanzmärkten wurde die Aktion entsprechend gelassen aufgenommen. Die Zinsen auf italienische und spanische Anleihen sind in den vergangenen Tagen teils deutlich gefallen, die Ankündigung der Rating-Agentur änderte daran nichts. Auch an den Börsen hielten sich die Verluste in Grenzen.

Mit ähnlicher Gelassenheit kann auch die Politik auf S&P reagieren. Sie sollte die Ankündigung der Rating-Agentur zur Kenntnis nehmen – und dann ihre Gipfelvorbereitungen unaufgeregt fortzusetzen. Das hilft dem Euro und der wirtschaftlichen Lage in Europa mehr, als sich über eine Rating-Agentur aufzuregen wie Unionsfraktionsvize Michael Meister, der erneut eine Zerschlagung des Monopols der drei großen US-Rating-Agenturen forderte.

 
Leser-Kommentare
  1. Beim derzeitigen(!) Rettungsversuch ist meiner Meinung nach Panik angebracht.
    Anfang 2012 brauchen die EURO Länder rund 400 Milliarden um alte Schulden zu bezahlen. Das soll wie üblich mit neuen Schulden gemacht werden.
    Wenn sich aber niemand mehr findet der uns EUROländern Geld leiht, wird das entweder teuer oder spiegelt sich in einer erhöhten Inflation wieder, da dann die EZB das Geld "drucken" muss.
    Der nächste(!) Rettungsversuch ist also schon vorprogrammiert und egal wie man es dreht, der Dumme ist der Durchschnittseuropäer, den man nicht mal gefragt hat ob er den EURO haben will.
    Vielleicht ist Wut die richtige Emotion, nicht Panik.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Witzigerweise ist so gut wie die ganze Welt überschuldet. Europa ist da keine Ausnahme.

    Wem soll man denn sein Geld geben?

    China?
    Japan?
    USA?

    Stehen die denn besser da als Europa?

    Und was macht es für einen Sinn unendlich Geld nach Norwegen oder Kanada zu transferieren, diese Volkswirtschaften sind viel zu klein. Man sieht das Geld momentan nur ein Heißluftballon ist der überall auf eine Kaltfront trifft.

    Die Blase ist immer noch da und damit die Katastrophe und das ist nicht nur ein europäisches Problem.

    Witzigerweise ist so gut wie die ganze Welt überschuldet. Europa ist da keine Ausnahme.

    Wem soll man denn sein Geld geben?

    China?
    Japan?
    USA?

    Stehen die denn besser da als Europa?

    Und was macht es für einen Sinn unendlich Geld nach Norwegen oder Kanada zu transferieren, diese Volkswirtschaften sind viel zu klein. Man sieht das Geld momentan nur ein Heißluftballon ist der überall auf eine Kaltfront trifft.

    Die Blase ist immer noch da und damit die Katastrophe und das ist nicht nur ein europäisches Problem.

  2. Über das Triple-A diverser verschuldeter Euro-Länder wie auch Deutschland kann man im Zweifel sein, das gilt dann natürlich für den Rettungsschirm entsprechend.
    Das europäische Krisenmanagement und Frau Merkels Krisenmanagement sind wohl kaum Triple A.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Bis 2008 haben alle obskuren US-Subprimes regelmässig Top-Ratings bekommen.

    Und nun plötzlich soll den Rating-Agenturen geglaubt werden?

    Ein guter Kommentar dazu auf Heise.de:

    http://is.gd/5G8AVG

    Bis 2008 haben alle obskuren US-Subprimes regelmässig Top-Ratings bekommen.

    Und nun plötzlich soll den Rating-Agenturen geglaubt werden?

    Ein guter Kommentar dazu auf Heise.de:

    http://is.gd/5G8AVG

  3. Die wirtschaftlich starken Länder der Euro-Zone können nicht andere Länder zu Reformen zwingen. Die fehlende demokratische Legimation ist kaum überwindbar und die Gefahr Feindbilder zu provozieren ist nun mal auch existent. In einer Demokratie gibt es Regierungswechsel und die Reformen der Vörgängerregierung werden in Frage gestellt. Die Konsequenz ist das Merkozys "großer Sprung nach vorn" permanent in Frage gestellt werden wird. Wie soll man so Investoren beruhigen? Will man die Demokratie in Südeuropa abschaffen?

    Die Alternative zu Reformen ist die Finanzierung von Korruption und Misswirtschaft. Durch Transferzahlungen (allein) entstehen keine wirtschaftlichen Perspektiven. Dies ist nicht dauerhaft nicht durchzuhalten und bedeutet massiven Wohlstandsverlust.

  4. 4. Ist es

    nicht ohnehin schon egal? Die Politik beschließt, am Markt vorbei zu agieren. Damit werden Markt-Urteile und Ratings wertlos. Aber auch das Geld verliert seinen Wert - wer will noch Euros oder gar Euro-Anleihen europäischer Schuldenstaaten? Insofern ist die Inflation bereits strukturell da, nur dass sie sich noch nicht auswirkt - solange genug Menschen zu einer Armut verurteilt sind, in der FÜR SIE der Euro noch was wert ist und die Discounter die Masse dieser künstlich arm Gemachten für groß genug hält, ihnen Billigwaren anzubieten. Aber ist das nicht eine umgekehrte Seifenblase quasi nach unten? Wird nicht auch die zwangsläufig platzen? Was, wenn die Billig-Nudeln morgen plötzlich das Doppelte kosten? Will man die Menschen nicht verhungern lassen, wird die nächste, diesmal soziale Rettungsaktion nötig - die einzige, die ich im Prinzip unterstütze. UNTER DIESEN UMSTÄNDEN werden damit aber die Dämme brechen...

    Wer jetzt noch Euros hat, findet keine Ruhe mehr...

  5. die Überschrift beherzigen.
    Aber ich hab da trotzdem eine ernstgemeinte Frage:
    In wessen Auftrag raten (englisch oder deutsch ausgesproche
    ist wurscht)diese Agenturen eigentlich?
    Und hat sie ihr Auftraggeber verpflichtet, die Erkenntnis
    sofort in die Welt hinauszuposaunen?
    Gerade mal DREI Agenturen beeinflussen das Handeln der
    "Märkte".

    • cegog
    • 06.12.2011 um 15:22 Uhr

    Die Warnung von S & P ist für sich genommen völlig angebracht, da Deutschlands finanzielle Leistungsfähigkeit durch übernommenen Euro-Garantien massiv gefährdet ist. Dieses droht Standard and Poor nun einzupreisen.

    Unglaubwürdig macht sich die Rating-Agentur aber dem gewählten Zeitpunkt: unmittelbar vor dem entscheidenen Euro-Gipfel, aber wenige Wochen nach dem Rausschmiss des Direktors von S&P, nachdem dieser die US-Bonität um eine Stufe herabgesetzt hatte.

    Absolut lächerlich aber ist das blindes Aug auf die Verschuldungs- und vor allem Reformsituation in den USA und Großbritannien.

    "* Fakt ist, dass Großbritannien trotz Verfehlung der Wachstums- und Defizitziele nicht auf der Abschussliste steht.
    * Fakt ist, dass die USA ohne jedwede Reformfähigkeit bei Staatsdefiziten zwischen 8% - 10% des BIP aggressiv geschont werden.
    * Fakt ist, dass die OECD per 2012 in der Eurozone ein öffentliches Defizit von 2,9% des BIP erwartet.
    * Fakt ist, dass die Eurozone Paradepferd der Stabilität in Neuverschuldung, Gesamtverschuldung und Reformpolitik ist. ..."
    http://www.godmode-trader...

    Man muss nicht paranoid sein, um hier eine politische Agenda mit entsprechenden Netzwerken zu vermuten. Der Dollar soll unbedingt Leitwährung bleiben. und GB als Heimstatt der Londoner City wird mit geschöntem Rating belohnt.

    11 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    einfach weil deren Zentralbank, wenn der Staat Geld braucht dieses auch zur Verfügung stellen wird.

    Die EZB ziert sich da um einiges mehr, wenn sie auch am Ende bisher noch immer nachgegeben hat. Zum Lohn, dass die Zinsen mitunter dramatisch gestiegen sind, was die Zocker wiederum freut.

    einfach weil deren Zentralbank, wenn der Staat Geld braucht dieses auch zur Verfügung stellen wird.

    Die EZB ziert sich da um einiges mehr, wenn sie auch am Ende bisher noch immer nachgegeben hat. Zum Lohn, dass die Zinsen mitunter dramatisch gestiegen sind, was die Zocker wiederum freut.

    • an-i
    • 06.12.2011 um 15:27 Uhr

    die ratingagenturen ( in vertretung der usa ) haben den auftrag, den € zu vernichten-

    warum wurde griechenland von den ratingagenturen für den einstieg in die € zone mit nachdruck empfohlen?

    warum wurden die "faulen kreditpakete" von den ratingagenturen den € banken "herzlichst" empfohlen bis diese kollabierten? (haben damit die europäer den usa ein teil ihrer schulden mit abgetragen ?)

    diesen ratingagenturen muss dringend die kompetenz entzogen und auf schadenersatz verklagt werden.

    da sie bisher nur schaden verursacht haben, und die retter der banken (staaten) werden jetzt auch noch zur rechenschaft gezogen?.
    pervers, wo ist der staatsanwalt von internationalem strafgerichtshof?
    oder unterliegt der auch den usa?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    die Ratingagentur S&P oder die Staaten der Eurozone. Wenn die Anleger den Euro-Staaten mehr vertrauen, werden sie das Rating von S&P ignorieren und alles ist in Ordnung.
    Nur glaube ich, das genau wird nicht passieren. Die Herabstufung aller Euro-Staaten und damit auch Deutschlands ist nichts als Ausdruck des nun höheren Risikos, von diesen Staaten Anleihen zu kaufen.

    die Ratingagentur S&P oder die Staaten der Eurozone. Wenn die Anleger den Euro-Staaten mehr vertrauen, werden sie das Rating von S&P ignorieren und alles ist in Ordnung.
    Nur glaube ich, das genau wird nicht passieren. Die Herabstufung aller Euro-Staaten und damit auch Deutschlands ist nichts als Ausdruck des nun höheren Risikos, von diesen Staaten Anleihen zu kaufen.

  6. Völlig falsch, was Sie da schreiben. Denn der jüngste "Plan" zur Euro-"Rettung" ist gar keiner. Es ist eine simple Festschreibung der Schuldenregeln für den Euro in den EU-Verträgen, die Monate dauern und nichts ändern wird. Merkel hat gar keinen Plan, schon gar nicht was die Kreditklemme, die drohende Rezession und die Problemfälle Italien und Griechenland betrifft - alles Punkte, die S&P zu Recht anspricht [...] Sie merkt ja nicht einmal, dass Deutschland selbst bald im Schlamassel sitzen wird... Der autor dieses Artikels übrigens auch nicht, schade!

    Gekürzt. Die Möglichkit auf Ihren Blog zu verlinken, besteht auf Ihrem Profil. Danke, die Redaktion/mk

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    So würde ich das nicht bemängeln.

    Frau Merkel, Europas schwäbische Hausfrau, hat sogar ein Kochrezept aus der Krise.

    Kochrezept aus der Krise:
    Man nehmen max. 3 % Neuverschuldung und
    bei Bedarf max. 60 % Gesamtverschuldung.

    Wenn das erst mal vertraglich für alle Eurostaaten festgeschrieben ist - das wir dein harter Kampf - hat die Krise keine Chance mehr.

    So würde ich das nicht bemängeln.

    Frau Merkel, Europas schwäbische Hausfrau, hat sogar ein Kochrezept aus der Krise.

    Kochrezept aus der Krise:
    Man nehmen max. 3 % Neuverschuldung und
    bei Bedarf max. 60 % Gesamtverschuldung.

    Wenn das erst mal vertraglich für alle Eurostaaten festgeschrieben ist - das wir dein harter Kampf - hat die Krise keine Chance mehr.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service