Immer mehr Ausländer gründen einem Zeitungsbericht zufolge Unternehmen in Deutschland. Im Jahr 2009 seien etwa 130.000 Gewerbebetriebe von Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft angemeldet worden, berichtete die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf eine Studie des Beraterfirma Evers & Jung für das Bundeswirtschaftsministerium. Dies entspreche etwa 30 Prozent der in diesem Zeitraum neu geschaffenen selbständigen Existenzen. Damit seien Ausländer mehr als dreimal so gründungsfreudig wie Deutsche gewesen, heißt es in der Studie.

Bundeswirtschaftsministerin Philipp Rösler (FDP) begrüßte die Entwicklung. "Unternehmensgründungen sind ein Lebenselixier für die deutsche Wirtschaft", sagte er dem Blatt. Es sei ein gutes Zeichen für den Wirtschaftsstandort Deutschland, wenn mehr Gründer mit ausländischen Wurzeln hierzulande den Schritt in die Selbstständigkeit wagten. "Das sorgt für neuen Schwung."

Dem Bericht zufolge stieg die Anzahl der Existenzgründungen durch Migranten gegenüber 2005 um ein Viertel. Dabei hätten sich sowohl die Herkunft der Firmengründer verändert als auch die Branchen, in denen sie tätig sind.

Polen, Russen und Rumänen

Während 2005 noch fast ein Drittel der Unternehmen durch Menschen aus Ländern wie Italien oder der Türkei gegründet wurden, war es der Süddeutschen Zeitung zufolge 2009 nur noch etwa ein Fünftel. Gestiegen sei vor allem der Anteil aus Osteuropa: Inzwischen stünden die Polen an erster Stelle der Existenzgründer. Sei seien "mit Abstand am gründungsaffinsten", werden die Forscher zitiert. Daneben geben es starke Zuwächse bei Russen und Rumänen.

Nach Angaben der Zeitung verändern sich auch allmählich die Branchen, in denen Ausländer tätig sind. "Die klassischen Migrantenbranchen Handel und Gastronomie verlieren zunehmend an Bedeutung", wird die Studie zitiert. Immer mehr Ausländer würden als Dienstleister aktiv. So sei etwa ein Drittel der polnischen Gründer in der Baubranche tätig, zumeist als Solo-Selbstständige.

Die Forscher berichten dem Blatt zufolge trotz der Existenzfreudigkeit von erheblichen Hürden für die Ausländer. Deutschland sei zu wenig international, selbst wenn die Sprache beherrscht würde, gebe es Vorbehalte. Zudem hätten ausländische Gründer meist weniger Startkapital als einheimische. Das sei ein "Risiko für die Nachhaltigkeit dieser Gründungen". Daneben führe ein unzureichendes Qualifikationsniveau dieser Unternehmer zu einer hohen Fluktuation bei den Existenzgründungen.