Bayer-Chef Dekkers : "Bei Arzneimitteln wird gespart"

Die Schuldenkrise drückt die Margen, sagt der Chef des Pharmakonzerns Bayer, Marijn Dekkers, im Interview. Die Lage sei jedoch nur halb so schlimm wie vor drei Jahren.

Frage: Herr Dekkers, vor drei Jahren begann eine Finanzkrise , die eine globale Rezession nach sich zog. Wo stehen wir heute?

Marijn Dekkers: Nach der Lehman-Pleite herrschte reine Panik. Die Unternehmen fürchteten, dass die Banken restriktiver Geld verleihen und damit binnen weniger Wochen die flüssigen Mittel aufgebraucht sein würden. Diese Befürchtungen sind in der aktuellen Krise nicht so ausgeprägt.

Frage: Deutet sich das nicht wieder an?

Dekkers: Auch Bayer hat die Liquidität aufgestockt. Die aktuelle Krise ist für die Wirtschaft höchstens halb so schlimm wie vor drei Jahren. Aber dennoch sind auch wir konservativer geworden: Wir haben unsere Liquidität im Vergleich zu 2008 auf 3,8 Milliarden Euro verfünffacht.

Frage: 2009 wurde in der Krise vor allem das Kunststoffgeschäft getroffen. Nun steht auch die Gesundheitssparte unter Druck, weil die Staaten kein Geld haben.

Dekkers: Unser Gesundheitsgeschäft ist auch davon abhängig, wie viel Geld die Regierungen für Gesundheit ausgeben. Jetzt wird zunehmend auch bei den Arzneimitteln gespart. Die Schuldenkrise drückt deshalb auf unsere Margen. Aber wir sind dennoch zuversichtlich: 2011 wird für Bayer ein gutes Jahr.

Frage: Wie hoch sind ihre Außenstände bei Europas Schuldenstaaten ?

Dekkers: Dieses Problem haben wir besonders in Griechenland, Italien und Spanien. Insgesamt liegen die Außenstände bei einem signifikanten dreistelligen Millionenbetrag. Die Länder haben die Zahlungsfristen zum Teil schon um ein Jahr überschritten. Wir machen Druck, aber wir wollen auch nicht, dass die Patienten von der Versorgung mit unseren Arzneimitteln abgeschnitten werden.

Frage: Wo spüren Sie die Krise noch?

Dekkers: Neben dem Preisdruck bei HealthCare schwächt sich die Nachfrage nach unseren Kunststoffen ab. MaterialScience ist von der Konjunktur abhängig. Unsere größten Kunden sind die Automobil-, die Elektro- und die Bauindustrie. Im dritten Quartal hatten wir zwar sieben Prozent Umsatzwachstum – aber nur weil wir die Preise erhöht haben, die Mengen sind gleich geblieben. Weil zudem noch die Energie- und Rohstoffkosten um mehr als sieben Prozent gestiegen sind, sind unsere Margen und unser Gewinn in diesem Bereich schlechter als im Vorjahr.

Frage: Wird es noch schlimmer?

Dekkers: Wir rechnen damit, dass die Konjunktur so stabil bleibt, dass die Herausforderungen für unser Kunststoffgeschäft nicht so groß werden wie in den Krisenjahren 2008 und 2009.

Frage: Wie gut ist der Standort Europa in Anbetracht der Krise?

Dekkers: Europa mit seinen 500 Millionen Einwohnern ist nach wie vor ein riesiger Markt. Die Kunden haben eine hohe Kaufkraft, das muss sich zum Beispiel in China erst entwickeln.

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Kommentare

8 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Tja... Nicht jammern - ändern!

Hr. Dekkers, Ihr Zitat:

"Meine Sorge ist, dass Amerika und Deutschland der wissenschaftliche Nachwuchs ausgeht. Intelligente Kinder wollen schon heute häufig nicht Biochemiker oder Ingenieur werden, sondern Investmentbanker. Denn bei UBS und Goldman Sachs verdient man zwei- bis dreimal so viel wie in der Chemie."

Mein Kommentar: Nicht jammern - ändern! Indem Sie Biochemikern und Ingenieuren auch soviel bezahlen, wie sie wert sind. Das zusätzliche Geld können Sie ganz einfach beschaffen, indem keine Controllern oder andere Management-Fuzzis mehr einstellen, die sowieso keiner braucht - und keine McKinseys oder andere Wegelagerer mehr beauftragen. Sie werden sehen, es wird sich für Sie lohnen.

Bitte eine Kollekte für die arme Pharma Industrie

die BRD hat fast die höchsten Preise für Medikamente und die
Bewohner dieses Staates sorgen doch täglich dafür, daß es
den Pharma Unternehmen gut geht, indem sie alles schlucken
was Arzt und Apotheker zu bieten haben, hilft zwar nicht
aber beruhigt das gute Gewissen und das schlechte Gewissen
wird betäubt. Hier geht es leider nicht darum Gesundheit unters Volk zu bringen, sondern um Umsatz und Ertrag und unsere Kinder, wenn diese mal doll herumtollen, sind
hypernervös und müssen Beruhigungs Pillen schlucken, bei
den sog. verantwortungsvollen Eltern, die ihrem Arzt
vertrauen.

Die Deutschen fürchten sich

Die deutsche Bevölkerung fürchtet sich weder vor Biologie
noch vor der Chemie.

Die Bevölkerung muss sich jedoch vor pharmazeutischen
Unternehmen schützen welche mangelhafte Präparate in den
Markt einschiessen welche den Gegenwert von Null haben.

Die deutsche Bevölkerung hat sich auch vor chemischen Unternehmen zu schützen welche ausschließlich aus Profitgier gegen alle Vernunftchemische Prozesse installieren möchten die diese Unternehmen selbst nicht
verstehen oder verstehen wollen.

Das ist der Selbstschutz der Bürger gegen die Technokraten.