Agrar-Exporte : Uganda wird zu warm für Kaffee

Millionen Ugander leben vom Kaffee-Export. Doch weil die Temperaturen steigen, wird der Anbau der Bohne so gut wie unmöglich. Auch der Rest der Landwirtschaft leidet.

Wenn Willington Wamayeye über das Wetter spricht, ist das kein Small Talk. Wamayeye ist Direktor einer Kaffeekooperative in der Nähe des Berges Elgon im Osten Ugandas. Seine Heimat ist ein Landstrich, in dem die Existenz der Menschen unmittelbar von Regen, Sonne und Temperaturverhältnissen abhängt.

"Mein ganzes Leben lang habe ich hier gelebt", erzählt der Kaffeebauer. "Nie war das Wetter so unberechenbar wie heute." Der Regen falle heftig, aber nur kurz, und die Trockenzeit sei viel länger als früher. Die Blütezeit der Kaffeepflanzen ende viel zu früh. "Allein im vergangenen Jahr haben wir dadurch vierzig Prozent unserer Produktion verloren", sagt Wamayeye.

Wamameye wurde von der Hilfsorganisation Oxfam über die Folgen des Klimawandels in Uganda befragt , wie viele andere Bauern des Landes. Ihre Erzählungen gleichen sich. Der Wechsel zwischen Trocken- und Regenzeit sei nicht mehr verlässlich, sagt Baluku Yofesi aus dem Distrikt Kasese in Westuganda. Die Erträge seien komplett eingebrochen, berichtet Florence Madamu im nordwestlichen Distrikt Bundibugyo. "Weil die Sonne länger scheint; und wenn es regnet, fällt der Niederschlag so heftig, dass er die Pflanzen zerstört." 

Wie sie sich anpassen könne, wisse sie nicht. "Wir pflanzen und pflanzen nochmals. Wir verschwenden Saatgut. Wir versuchen es und versuchen es wieder." Manchmal ohne jeden Erfolg: "Du kannst einen Acre oder zwei bewirtschaften, und am Ende mit nichts dastehen. Manchmal könnte ich nur noch weinen", sagt die Bäuerin.

Im Vergleich zu seinen Nachbarn gilt Uganda als stabiler Staat. Die Weltbank bezeichnet das Land als eine der wenigen afrikanischen Erfolgsgeschichten : Nach jahrzehntelangem Bürgerkrieg – dessen Auswirkungen im Norden freilich immer noch zu spüren sind – habe sich die Wirtschaft wieder gut erholt. Doch in einem Land, in dem zwischen 80 und 90 Prozent der Bevölkerung von der Landwirtschaft leben, gefährdet der Klimawandel die Existenz vieler Menschen.

Die Temperaturen könnten in den kommenden Jahrzehnten um bis zu vier Grad steigen, besagen Schätzungen. Das bedroht die Nahrungsmittelsicherheit im Land und könnte Ressourcenkonflikte verschärfen. Und wie viele Entwicklungsländer ist Uganda zu arm , um sich aus eigener Kraft an die veränderten Bedingungen anzupassen.

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Kommentare

34 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Pflanzenöl erzeugen!

Wo sich die Umstände ändern, ob anthropogen verursacht oder nicht, müssen neue Wege gefunden werden, wenn das Leben weitergehen soll.

Anstatt immer neues Kaffee-Saatgut sinnlos zu versenken sollte dort lieber versucht werden Ölpflanzen für den wachsenden Bedarf an nachwachsenden Energieträgern anzubauen. Ricinus, Jatropha und Niem sind weit anspruchsloser als Kaffee und Kaffee ist ohnehin kein Nahrungsmittel. Was soll die Tonne Pflanzenöl denn kosten und wen muß man dazu ansprechen? ZEIT, bitte nachrecherchieren! Hier können wir mal was tun BEVOR Menschen verhungern.

Warum so schrill?

Was ist das Problem? Ist Kaffee vielleicht ein Grundnahrungsmittel, ohne das die Leute verhungern müßten? Nein, es ist ein Exportartikel, dessen Anbau immer weniger klappt. Warum also nicht über Alternativen und eine Diversifikation des Angebotes nachdenken? Regenerative Rohstoffe sind doch gerade dabei DER Markt der Zukunft zu werden. Warum sollten die ugandischen Bauern sich nicht beizeiten dahingehend orientieren? Vielleicht wachsen dort ja keine Ölpflanzen oder der Anbau lohnt nicht, das kann ich von hier nicht beurteilen, aber prüfen sollten man das m.E. auf jeden Fall.

Daß die hochregulierten Agrarmärkte auf der Welt dringend liberalisiert gehören, weil sie Hunger und Not verursachen ist völlig unbestritten, aber das wäre einen anderen - übrigens hochinteressanten! - Strang wert und hat primär weder mit Pflanzenöl, noch mit Kaffee zu tun.

eher nicht

Das ist nicht wahrscheinlich. Dafür ist es selbst nach 5 Grad Erwärmung noch zu kalt.

Zum Artikel: Ich würde mal sagen neue Sorten züchten oder auf andere Produkte umstellen. Wobei ich nicht den im Titel angekündigten Zusammenhang zwischen zu warm und zu wenig Kaffe finden kann. Dort steht eher etwas von Verschiebung der Wettermuster. Das die Durchschnittstemperatur in Uganda gestiegen sein soll steht da nirgendwo.

Temperatur und Kaffee

Lieber tobmat,

im letzten Absatz finden Sie den Zusammenhang: Steigen die Temperaturen in Uganda nur um zwei Grad, bleibt so gut wie keine für den Kaffee geeignete Ackerfläche übrig. Wenn Sie auf den Link hinter dem Text klicken, sehen Sie das in einer Karte sehr schön dargestellt.

Das Modell, das diesen Berechnungen zugrunde liegt, berücksichtigt nur die Erwärmung (die verfügbaren Prognosen zufolge wohl weit höher als zwei Grad ausfallen wird), nicht aber die Veränderungen im Regenmuster. Die aber machen den Kaffeebauern - und allen anderen Bauern auch - heute schon zu schaffen.

Viele Grüße aus der Redaktion,
Alexandra Endres

Problem erkannt

"Steigen die Temperaturen in Uganda nur um zwei Grad"

Das ist eine Prognose und noch keine Realität. Die Bauern klagen aber über reale Probleme vor Ort. Die realen Probleme vor Ort können gar nicht von dieser Prognose verursacht wurden sein. Der Artikel versucht aber genaue diesen Zusammenhang herzustellen (insbesondere der Titel).

"Das Modell, das diesen Berechnungen zugrunde liegt, berücksichtigt nur die Erwärmung [...]nicht aber die Veränderungen im Regenmuster."

Genau da liegt das Problem im Artikel. Die Überschrift und auch das Ende des Artikels stellt die prognostizierte Erwärmung als DAS Problem dar. Im Artikel geht es dann aber zentral um Regemuster und deren Wirkung im Hier und Jetzt. Über den vom Artikel implizierten Zusammenhang, äußert sich der Artikel aber gar nicht. Ist auch schwierig das Wetter von heute mit den Temperaturen von 2050 zu erklären.

Kaffee im Sauerland, ...

... wohl kaum.

Für erfolgreichen Kaffee-Anbau braucht es die richtigen natürlichen Umweltbedingungen, klar doch, aber die sind in der Welt weit öfter gegeben als es scheint. In D kann Ka

Der begrenzende Faktor sind vielerorts die sozio-ökonomischen Gegebenheiten. Es muss Leute geben, die für praktisch umsonst arbeiten. Wohlstand aus anderen Quellen wäre absolut tödlich für den Kaffee-Anbau in Uganda.

"Schnell mal andere Sorten züchten" und dergleichen ist absolute Phantasterei.

Ob es eine Klima-Erwärmung in Uganda tatsächlich gegeben hat, lässt sich aus den gelieferten V o r h e r s a g e n natürlich nicht sagen. (Fürchten muss man den Anstieg, leider.) Ob man mit dem Kaffeeexport wohl auch schon einen funktionierenden Wetterdienst bezahlen konnte?

Vielleicht schliessen sich ein komplexes Staatswesen und rentabler Kaffeeanbau ja auch gegenseitig aus.

Wenn man die Bauern fragt, war es immer zu kalt oder zu warm

zu feucht oder zu trocken. Zuerst muessen objektive Daten
eingeholt werden, die es ja sicher gibt. Aufgrund dieser
Wetterdaten und den weiteren fuer die Kultur wichtigen
Umstaenden (Saatgut, Bodenbearbeitung, Duengung, Schaed-
lingsbekaempfung) etc muss man herausfinden, was eine
(eventuelle!) Reduzierung der Ernten verursacht hat und
versuchen die Bauern zu beraten. Dabei koennen dann auch
Zuschuesse fuer notwendige Anpassungen vergeben werden.
Die Argumente des Artikels sind sehr vage und es gibt
immer Begehrlichkeiten nach Zuschuessen.

Dem Waldschutz müsste oberste Priorität eingeräumt werden

ZITATANFANG:
>Die zunehmende industrielle Landwirtschaft hat in Uganda >bereits großen Schaden angerichtet: So ist die Waldfläche >zwischen 1990 und 2005 um 1,5 Millionen auf 3,5 Millionen >Hektar geschrumpft. Außerdem geht die traditionelle >Landnutzung durch Kleinbauern immer mehr zurück; und der >Wasserpegel des Viktoriasees ist unter anderem durch die >intensive Bewirtschaftung bereits erheblich gesunken.
ZITATENDE
Quelle: https://www.regenwald.org...

Der Regenwaldverlust vermindert den Kreislauf von Kondensation und Abregnung. Die Folge ist eine Verschiebung der Niederschlagsverhältnisse im Sinne eines Wechsels zwischen Dürreperioden und Perioden von Starkniederschlägen, die zusätzliche negative Folgen wie Bodenerosion bedingen. Durch CO2-Einsparungen verhindern wir in Uganda keine Klimaapokalypse. Dazu braucht es in erster Linie vernünftigen Waldschutz und großangelegte Wiederaufforstungsprojekte.

Der Wikibildungsserver zum Thema "Klimaänderungen in Afrika"
ZITATANFANG
>Der gesamte Kontinent wird durch tropisches und >subtropisches Klima beherrscht. Dabei sind weniger die >Temperaturen als die Niederschläge von entscheidender >Bedeutung für die Lebensbedingungen.
ZITATENDE

das ist ein

interessanter Gesichtspunkt.
Inwiefern ist es denn wissenschaftlich abgesichert, dass die in dem Artikel beschriebenen klimatischen Veränderungen durch einen globalen Klimawandel hervorgerufen werden und nicht durch lokal-klimatische Veränderungen, die durch Waldzerstörung und Übernutzung bedingt sind?
Gibt es Überlagerungseffekte?

Auch Wiederauforstungs-Projekte, die einen positiven Effekt haben könnten, können sozial zunächst schwerwiegende Problem auslösen, da Bevölkerungswachstum und Armut einen starken Druck auf Waldgebiete ausüben.
http://www.zeit.de/wirtsc...

Das eine tun und das andere nicht lassen

Aufforsten ist gut, aber aussichtslos, wenn die jungen Bäume von Vieh abgefressen werden oder als Brennholz enden. Hier sollte man mal über Niem-Bäume (Azadirachta indica, http://de.wikipedia.org/w...) nachdenken. Die sind anspruchslos, werden nicht ebgeweidet, weil sie giftig sind, schützen den Boden gut vor Erosion und liefert mit ihrem Öl zudem ein marktfähiges Produkt.