Die Industriestaaten müssen sich im kommenden Jahr 10,5 Billionen Dollar – umgerechnet rund acht Billionen Euro – leihen. Diese gewaltige Summe ist das Ergebnis von Berechnungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Das seien etwa 100 Milliarden Dollar mehr als in diesem Jahr, berichtete die Financial Times unter Berufung auf einen noch in diesem Monat erwarteten OECD-Bericht.

2005 hatten die Industrieländer nur etwa die Hälfte des Geldes benötigt. Für eine ganze Reihe von Staaten werde es daher eine "große Herausforderung", hohe Summen bei privaten Anlegern einzusammeln, so die Befürchtung der OECD. Die Stabilität vieler Regierungen und Volkswirtschaften werde dadurch gefährdet.

Die 34 OECD-Staaten benötigen das Geld, um auslaufende Kredite zurückzuzahlen, Zinsen zu zahlen und Haushaltsdefizite zu decken. Laut OECD-Berechnung muss sich allein die Bundesrepublik etwa 280 Milliarden Euro von Investoren leihen. Diese Berechnungen führt die OECD jährlich durch und fasst sie im "Sovereign Borrowing Outlook" zusammen.

Die wegen der Euro-Krise hohen Kosten für Kredite verschärfen das Problem. Aus Angst vor Staatspleiten müssen Länder wie Italien und Spanien hohe Risikoaufschläge zahlen, um an das Geld der Investoren heranzukommen. Die Marktzinsen für zehnjährige italienische Staatsanleihen liegen derzeit bei knapp 7,2 Prozent, die für spanische Papiere bei mehr als sechs Prozent. Das erhöht die Kosten für die Staaten enorm und erschwert die Haushaltssanierung.

Dass die Lage angespannt ist, zeigt auch die Reaktion der Rating-Agentur Moody's auf den EU-Gipfel vergangener Woche. Sie war von den weitreichenden Entscheidungen der europäischen Staats- und Regierungschefs nicht überzeugt. Die Agentur teilte mit, die Kreditwürdigkeit aller EU-Staaten werde im ersten Quartal 2012 einer genauen Prüfung unterzogen.