OECD-Studie : Industrieländer brauchen gewaltige Kredite

2012 müssen sich die OECD-Staaten acht Billionen Euro leihen. Die Wirtschaftsorganisation warnt vor Kreditengpässen und sieht die Stabilität vieler Regierungen in Gefahr.
Börsenhändler in Chicago © Scott Olson/Getty Images

Die Industriestaaten müssen sich im kommenden Jahr 10,5 Billionen Dollar – umgerechnet rund acht Billionen Euro – leihen. Diese gewaltige Summe ist das Ergebnis von Berechnungen der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Das seien etwa 100 Milliarden Dollar mehr als in diesem Jahr, berichtete die Financial Times unter Berufung auf einen noch in diesem Monat erwarteten OECD-Bericht.

2005 hatten die Industrieländer nur etwa die Hälfte des Geldes benötigt. Für eine ganze Reihe von Staaten werde es daher eine "große Herausforderung", hohe Summen bei privaten Anlegern einzusammeln, so die Befürchtung der OECD. Die Stabilität vieler Regierungen und Volkswirtschaften werde dadurch gefährdet.

Die 34 OECD-Staaten benötigen das Geld, um auslaufende Kredite zurückzuzahlen, Zinsen zu zahlen und Haushaltsdefizite zu decken. Laut OECD-Berechnung muss sich allein die Bundesrepublik etwa 280 Milliarden Euro von Investoren leihen. Diese Berechnungen führt die OECD jährlich durch und fasst sie im "Sovereign Borrowing Outlook" zusammen.

Die wegen der Euro-Krise hohen Kosten für Kredite verschärfen das Problem. Aus Angst vor Staatspleiten müssen Länder wie Italien und Spanien hohe Risikoaufschläge zahlen, um an das Geld der Investoren heranzukommen. Die Marktzinsen für zehnjährige italienische Staatsanleihen liegen derzeit bei knapp 7,2 Prozent, die für spanische Papiere bei mehr als sechs Prozent. Das erhöht die Kosten für die Staaten enorm und erschwert die Haushaltssanierung.

Dass die Lage angespannt ist, zeigt auch die Reaktion der Rating-Agentur Moody's auf den EU-Gipfel vergangener Woche. Sie war von den weitreichenden Entscheidungen der europäischen Staats- und Regierungschefs nicht überzeugt. Die Agentur teilte mit, die Kreditwürdigkeit aller EU-Staaten werde im ersten Quartal 2012 einer genauen Prüfung unterzogen.

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Kommentare

25 Kommentare Seite 1 von 5 Kommentieren

Die Bürger...

...sollten sich von diesem Kreislauf freimachen. Er wird sowieso sehr bald zusammenbrechen. Es gibt mittlerweile diverse Konzepte wie Tauschgeld, Grundeinkommen, o.ä.

[...]
Im gleichen Zuge wird neues (realwirtschaftlich gedecktes) Geld eingeführt und die Schulden verrfallen. Zudem werden alle Bürokratischen Strukturen vernichtet.

Dies ermöglicht einen derart enormen "Wettbewerbsvorteil", dass mögliche Investoren (wenn man sie dann überhaupt noch bräuchte) freiwillig und billig Geld zur Verfügung stellen. Kapitalisten reagieren nicht auf die Vergangenheit, sondern auf die Zukunft. 5 Sekunden Börse müssten zur Aufklärung reichen...

Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Äußerungen, die als geschichtsrevisionistisch aufgefasst werden können. Danke. Die Redaktion/vn

Basta!

Diese "Regierungen" sind doch für die Umverteilung verantwortlich. Sie haben Staatsvermögen veruntreut, weil sie eine Lohn- und Steuerpolitik gegen die Bürger geführt haben. Wäre die Wirtschaft effektiv durch Kriege oder Umweltereignisse beinträchtig worden, dürften wir von einer Krise sprechen. Die Schuldenkrise dient nur der Verschleierung dieses Missbrauchs. Was wir effektiv haben ist eine Verteilungskrise ausgelöst durch die Veruntreuung des Steuerungsmittels Geld. Die Ökonomie ist intakt und um sie zu retten, müssen wir die Geldwirtschaft davon abkoppeln und reformieren. Wir müssen die Kontrolle über das Bankwesen und die Nationalbanken den Kapitalisten und ihren Handlangern entziehen. Wir lassen uns doch nicht von einem Geldsystem versklaven, dass nur für eine kleine Elite Profit abwirft. Basta!

Wahrscheinlich werden uns

einige Experte auch diesmal noch erzählen, dass das alles kein Problem ist, wir müssen nur sparen, wage Schuldenbremsenabsichtserklärungen abgeben und GR. & Co. wieder wettbewerbsfähig machen.
Dann fassen die Investoren schon wieder Vertrauen und borgen in 2012 das Geld.
- Italien: ca. 307 Mrd. Euro
- Deutschland: ca. 267 Mrd. Euro
- Frankreich: ca. 225 Mrd. Euro
- Spanien: ca. 136 Mrd. Euro
„Die Stabilität vieler Regierungen und Volkswirtschaften werde dadurch gefährdet.“
Ich glaube mit diesem Satz meinte die OECD nicht den Sudan oder Timbuktu.