Die US-Ratingagentur Standard & Poor's hat den Ausblick für die gesamte Euro-Zone wegen der Schuldenkrise auf "negativ" gesetzt. Deutschland und Frankreich laufen damit Gefahr, bei der Kreditwürdigkeit ihre Spitzennote AAA zu verlieren. Auch die Bonität von Österreich, Finnland, den Niederlanden und Luxemburg könnte herabgesetzt werden. Insgesamt sind 15 Euro-Staaten von einer möglichen Herabstufung betroffen. Ein Verlust der Topnote für die sechs kreditwürdigsten Länder der Euro-Zone hätte auch Folgen für den Euro-Rettungsfond EFSF.

Standard & Poor's begründete den Schritt damit, dass die Probleme der Euro-Staaten in den vergangenen Wochen ein Maß erreicht hätten, das die Zone als Ganzes unter Druck setze. Auch das laut der Rating-Agentur "unkoordinierte und unentschlossene Handeln" der Politiker sei ein Grund für die Abwertung.

Es gebe das Risiko, dass die gesamte Euro-Zone im kommenden Jahr in die Rezession rutsche, so Standard & Poor's. Die Wahrscheinlichkeit hierfür liege bei 40 Prozent. Bei Staaten wie Spanien, Portugal und Griechenland geht die Agentur von einem sicheren Wirtschaftsabschwung aus.

In einer gemeinsamen Erklärung gaben Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bekannt, die Ankündigung der Rating-Agentur würde "zur Kenntnis" genommen. Zudem verwiesen Merkel und Sarkozy darauf, dass Deutschland und Frankreich erst am Montag Vorschläge vorgelegt hätten, wie die haushaltspolitische und wirtschaftliche Koordinierung in der Euro-Zone verstärkt werden könne.

Die Vorschläge würden zu mehr Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit führen. "Deutschland und Frankreich sind solidarisch in ihrer Entschlossenheit, gemeinsam mit ihren europäischen Partnern und den europäischen Institutionen alle notwendigen Maßnahmen zu treffen, um die Stabilität der Euro-Zone zu gewährleisten", heißt es in der Erklärung.

Frankreich muss schon seit Längerem um sein Bestnoten-Rating fürchten. Immer wieder hatten die Rating-Agenturen mit einer Herabstufung gedroht. Deutschland dagegen galt bislang als stabiler Garant in der Euro-Zone. Folge einer Herabstufung ist in der Regel, dass die Kreditaufnahme für die betroffenen Länder teurer wird.

Nach Veröffentlichung der Meldung gab der Dax im späten Handel einen Teil seiner Gewinne aus dem Hauptgeschäft wieder ab. Der L-Dax endete bei 6.094,71 Punkten, nachdem der Leitindex Dax im Hauptgeschäft um 0,42 Prozent auf 6.106,09 Punkte zugelegt hatte.

Der MDax ging bei 9.045,85 Punkten etwas höher aus dem späten Geschäft als aus dem Xetra-Kernhandel. Dort hatte der Index mittelgroßer Werte um 0,63 Prozent auf 9.043,87 Punkte gewonnen.