Rating-AgenturMoody's geht Euro-Rettungsgipfel nicht weit genug

Die Rating-Agentur Moody’s behält die Kreditwürdigkeit der EU-Länder unter strenger Beobachtung. Die Agentur sieht nur wenig neue Maßnahmen, um die Euro-Krise zu lösen. von AFP, dpa und Reuters

Die Rating-Agentur Moody's behält die Kreditwürdigkeit der EU-Länder auch nach dem Euro-Rettungsgipfel unter verschärfter Beobachtung.

Das Krisentreffen habe wenig neue Maßnahmen zur Lösung der Schuldenkrise in der Euro-Zone gebracht, teilte die Agentur mit. "An unserer Ansicht, dass der Zusammenhalt in der Euro-Zone gefährdet ist, hat sich nichts geändert." Der Agentur zufolge fehlten "entscheidende Maßnahmen" zur kurzfristigen Stabilisierung der Finanzmärkte.

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Die Bonitätsnoten der Länder der Währungsunion würden überprüft. Eine Entscheidung über eine mögliche Herabstufung der Bonität solle aber erst im ersten Quartal 2012 getroffen werden. Die Mitglieder der EU hatten sich am Freitag mit Ausnahme Großbritanniens auf dem EU-Gipfel auf eine stärkere wirtschaftliche Integration und strengere Haushaltsdisziplin geeinigt.

Kurz vor dem Gipfel hatte bereits die Rating-Agentur Standard and Poor's den Druck auf die Euro-Länder erhöht. Die Rating-Agentur hatte damit gedroht, die Kreditwürdigkeit von 15 der 17 Euroländer herabzustufen. Damit droht Deutschland und den fünf weiteren Eurostaaten mit der Topbewertung AAA der Verlust dieser Einstufung. Die Rating-Agentur warnte überdies, dass sie auch dem Euro-Rettungsfonds EFSF die Topnote AAA entziehen könnte.

Leserkommentare
    • Chali
    • 12. Dezember 2011 8:54 Uhr

    "Die Agentur sieht nur wenig neue Maßnahmen, um die Euro-Krise zu lösen."

    Also einige doch?

    Erstaunlich. Ich sehe gar keine neuen Massnahmen. Nur solche, die schon vor 80 Jahren versagt haben.

    • ludna
    • 12. Dezember 2011 9:08 Uhr

    hätte ich alles was Euro betrifft 3 Stufen runtergestuft, nach dem Gipfel.
    Was ist das Ergebnis ?

    1 Austerity, Chance sozialer Unruhen, bis hin zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen, steigen (nicht meine Einschätzung, sondern eines Top US Militärs in Europa)

    2 Strafen für Defizitsünder, nicht neu

    3 Monatelanges Verhandeln für neue Verträge, Referenden, Verfassungsgerichte, Ausgang ungewiss.

    4 alle Staaten ausser D wollten ein anderes Ergebnis (auch Frankreich). Die Menschen werden sich von D annektiert fühlen. siehe Punkt 1

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    Haben Sie vielleicht einen Link zu dem US-Militärangehörigen, auf den Sie sich beziehen? Würde mich interessieren.

    Besten Dank im Voraus!

    • Chali
    • 12. Dezember 2011 9:22 Uhr

    In diesen trüben Tagen lese ich Michael Lewis „The Big Short“. Ein Happen gefällig?

    >> Auf die Frage, wer solche Schrottpapiere kaufe, soll Lippmann wörtlich geantwortet haben: „Düsseldorf. Die dummen Deutschen. Sie glauben den Ratingagenturen. Sie glauben an die Regeln.“ <<<

    http://politischeberichte...

    Der angespochene Herr Lipmann war übrigens damals bei der Deutschen Bank beschäftigt. Und wer ist "Düsseldorf"?

    >>> Und eine Ballung von Wettverlierern und skandalgeschüttelten Banken gab es in Düsseldorf: IKB, WestLB, Ärzteund Apothekerbank, Düsseldorfer Stadtsparkasse, Citibank, Düsseldorfer Hypothekenbank.<<<

    Wie gesagt: Alles nur Zitate. Ich selbst glaube nicht , dass der Deutsche dumm ist. Ich weiss aber, dass er sich dumm machen lässt.

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    Und deshalb wäre es an der Zeit die Regeln des Kapitalismus einmal konsequent anzuwenden und die Banken, Hedgefonds etc. vor folgende Alternativen zu stellen:

    Entweder ihr verzichtet auf die Anhebung der Zinsen für die Schuldnerländer und gebt ihnen nur Verlängerungen der bestehenden Kredite, damit sie nicht zahlungsunfähig werden.

    Oder die Staaten sind zahlungsunfähig und zahlen ihre Schulden gar nicht zurück. Siehe Argentinien!

    PS. Was Herr Lafontaine sagt, dass die Banken gerettet werden ist auch nicht richtig. Mit Eurobonds oder anderen Maßnahmen werden zwar die Banken gestützt, letztendlich aber deren Anleger. Dieser wohlhabende Teil der Bevölkerung der diversen Länder wird bei der Bankenrettung mit den Steuern auch der ärmsten Bevölkerungsteile gerettet, für die Bankkonten und Hedgefondsanteile außerhalb ihrer Möglichkeiten sind.

    • joG
    • 12. Dezember 2011 10:21 Uhr

    ...machen? Zu bestätigen scheint Ihre Annahme die hiesige Reaktion auf die Beschlüsse vom Freitag mit Hass geladenen Kommentaren auf die völlig nachvollziehbare Entscheidung Englands.

    • BerndL
    • 12. Dezember 2011 20:55 Uhr

    Vor einiger Zeit hatte ich einen Bericht im US-TV gesehen über die Finanzkrise. Ein US-Bänker erzählte, dass es um 2006 kaum noch möglich war, die Schrottpapiere der US-Immobilien zu verkaufen, weil jeder Experte wusste, dass sie Schrott enthalten. Der Bänker sagte, zu den wenigen, denen man diese Papiere noch andrehen konnte, gehörte die IKB- Bank (!!!).
    Der Ex-Chef Orttseifen bekommt ja für diese "Kompetenz" heute eine fürstliche Altersvergütung.

  1. ... welches europastische Regime macht eigentlich nicht jedes Jahr neue Schulden? Hier wird doch nur hin und her geschuffelt, wer am wenigsten offensichtlich insolvent ist.

    Wie toll Europa funktioniert sieht man doch an den Bonzen, die Ihr Gold ins Ausland bringen. Also diejenigen, die uns den Euro verkaufen wollten, die sind die Ersten die nun flüchten...

    Warum werden die Bonzen nicht enteignet? Selbst wenn die nur die Hälfte verlieren, sind die besser dran als jeder Arbeiter?

    Im Übrigen, die Demokratie tötet Menschen_
    "Lebenserwartung von Geringverdienern sinkt"

    http://www.spiegel.de/pol...

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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf die Verwendung historisch kontaminierter Begriffe und formulieren Sie Ihre Meinung sachlich. Danke. Die Redaktion/ag

  2. 5. Eben!

    Und deshalb wäre es an der Zeit die Regeln des Kapitalismus einmal konsequent anzuwenden und die Banken, Hedgefonds etc. vor folgende Alternativen zu stellen:

    Entweder ihr verzichtet auf die Anhebung der Zinsen für die Schuldnerländer und gebt ihnen nur Verlängerungen der bestehenden Kredite, damit sie nicht zahlungsunfähig werden.

    Oder die Staaten sind zahlungsunfähig und zahlen ihre Schulden gar nicht zurück. Siehe Argentinien!

    PS. Was Herr Lafontaine sagt, dass die Banken gerettet werden ist auch nicht richtig. Mit Eurobonds oder anderen Maßnahmen werden zwar die Banken gestützt, letztendlich aber deren Anleger. Dieser wohlhabende Teil der Bevölkerung der diversen Länder wird bei der Bankenrettung mit den Steuern auch der ärmsten Bevölkerungsteile gerettet, für die Bankkonten und Hedgefondsanteile außerhalb ihrer Möglichkeiten sind.

  3. 6. [...]

    Es hat mich zu Zeiten der Herrschaft der stalinistischen Kaderfunktionärsnomenklatura schon immer mächtig in Rage gebracht, wenn ich die "systemisch klar gespülte" Agitation und Propaganda, die damals unter dem Titel "Nachrichtenberichterstattung" durch die Medien der Arbeiter- und Bauernstaaten des Ostblocks lesen musste.

    Heute bringt mich in Rage, dass wir offenbar weder über die geistigen, noch die professionellen Fähigkeiten und Kenntnisse verfügen, die es uns ermöglichen, als Gesellschaft das System des großen Clous zu erfassen, mit dem die Plutonomics http://blogs.wsj.com/weal...
    heute den globalen Vermögensumschichtungsprozess betreiben,
    der schon immer Gegenstand des Krieges gewesen war und heute Gegenstand der hoch gehaltenen globalen Finanzspekulations- und -anlagenbetrugswirtschaft ist.

    Welch Narretei, die sich das Publikum da heute von den Massenmedien anbieten lässt und auch noch konsumiert, statt sich auf die Socken zu machen, um die Geldeinlagen bei den systemischen Großbanken abzuheben und bei regionalen, alternativen Banken wieder einzuzahlen.

    Die grundlegende Einsicht, dass globale Finanzkonzerne und "Ratingagenturen" für Sicherheit sorgen würden, erinnert an die Mähr vom Hans im Glück.

    Aber wie heisst es: Gegen Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens.

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/ag

  4. 7. [...]

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf die Verwendung historisch kontaminierter Begriffe und formulieren Sie Ihre Meinung sachlich. Danke. Die Redaktion/ag

    Antwort auf ""Rettungsgipfel""
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    das ist wohl mal die krassestmögliche Deutung der aktuellen Situation. Aber man sollte nicht vergessen, daß zwischen Inkaufnahme von Armut und Niedriglohnarbeit und der gezielten millionenfachen Verfolgung und Ermordung von Menschen ein gigantischer Unterschied besteht (wenn Ihr Kommentar allerdings als ein "wehret den Anfängen" gemeint ist, ist das natürlich zu diskutieren).

    Aber auch hier sollte man eine grundlegende Regel bei der Deutung komplexer von Menschen gemachter Probleme beachten:
    "unterstelle niemals Bosheit, wo Inkompetenz als Erklärung dienen kann".

  5. das ist wohl mal die krassestmögliche Deutung der aktuellen Situation. Aber man sollte nicht vergessen, daß zwischen Inkaufnahme von Armut und Niedriglohnarbeit und der gezielten millionenfachen Verfolgung und Ermordung von Menschen ein gigantischer Unterschied besteht (wenn Ihr Kommentar allerdings als ein "wehret den Anfängen" gemeint ist, ist das natürlich zu diskutieren).

    Aber auch hier sollte man eine grundlegende Regel bei der Deutung komplexer von Menschen gemachter Probleme beachten:
    "unterstelle niemals Bosheit, wo Inkompetenz als Erklärung dienen kann".

    Antwort auf "[...]"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters
  • Schlagworte Europäische Union | Agentur | Aktienmarkt | EU-Gipfel | Euro-Zone | Finanzmarkt
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