Rating-Agentur : Moody's geht Euro-Rettungsgipfel nicht weit genug

Die Rating-Agentur Moody’s behält die Kreditwürdigkeit der EU-Länder unter strenger Beobachtung. Die Agentur sieht nur wenig neue Maßnahmen, um die Euro-Krise zu lösen.

Die Rating-Agentur Moody's behält die Kreditwürdigkeit der EU-Länder auch nach dem Euro-Rettungsgipfel unter verschärfter Beobachtung.

Das Krisentreffen habe wenig neue Maßnahmen zur Lösung der Schuldenkrise in der Euro-Zone gebracht, teilte die Agentur mit. "An unserer Ansicht, dass der Zusammenhalt in der Euro-Zone gefährdet ist, hat sich nichts geändert." Der Agentur zufolge fehlten "entscheidende Maßnahmen" zur kurzfristigen Stabilisierung der Finanzmärkte.

Die Bonitätsnoten der Länder der Währungsunion würden überprüft. Eine Entscheidung über eine mögliche Herabstufung der Bonität solle aber erst im ersten Quartal 2012 getroffen werden. Die Mitglieder der EU hatten sich am Freitag mit Ausnahme Großbritanniens auf dem EU-Gipfel auf eine stärkere wirtschaftliche Integration und strengere Haushaltsdisziplin geeinigt.

Kurz vor dem Gipfel hatte bereits die Rating-Agentur Standard and Poor's den Druck auf die Euro-Länder erhöht. Die Rating-Agentur hatte damit gedroht, die Kreditwürdigkeit von 15 der 17 Euroländer herabzustufen. Damit droht Deutschland und den fünf weiteren Eurostaaten mit der Topbewertung AAA der Verlust dieser Einstufung. Die Rating-Agentur warnte überdies, dass sie auch dem Euro-Rettungsfonds EFSF die Topnote AAA entziehen könnte.

Verlagsangebot

Entdecken Sie mehr.

Lernen Sie DIE ZEIT 4 Wochen lang im Digital-Paket zum Probepreis kennen.

Hier testen

Kommentare

23 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Wäre ich eine (unabhängige) Ratingagentur

hätte ich alles was Euro betrifft 3 Stufen runtergestuft, nach dem Gipfel.
Was ist das Ergebnis ?

1 Austerity, Chance sozialer Unruhen, bis hin zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen, steigen (nicht meine Einschätzung, sondern eines Top US Militärs in Europa)

2 Strafen für Defizitsünder, nicht neu

3 Monatelanges Verhandeln für neue Verträge, Referenden, Verfassungsgerichte, Ausgang ungewiss.

4 alle Staaten ausser D wollten ein anderes Ergebnis (auch Frankreich). Die Menschen werden sich von D annektiert fühlen. siehe Punkt 1

Im Übrigen: Was Rating-Agenturen und ihre Urteile anbelangt:

In diesen trüben Tagen lese ich Michael Lewis „The Big Short“. Ein Happen gefällig?

>> Auf die Frage, wer solche Schrottpapiere kaufe, soll Lippmann wörtlich geantwortet haben: „Düsseldorf. Die dummen Deutschen. Sie glauben den Ratingagenturen. Sie glauben an die Regeln.“ <<<

http://politischeberichte.wordpress.com/2011/05/04/rezension-%E2%80%9Edusseldorf-die-dummen-deutschen%E2%80%9C-michael-lewis-zu-akteuren-der-globalen-finanzmarktkrise/

Der angespochene Herr Lipmann war übrigens damals bei der Deutschen Bank beschäftigt. Und wer ist "Düsseldorf"?

>>> Und eine Ballung von Wettverlierern und skandalgeschüttelten Banken gab es in Düsseldorf: IKB, WestLB, Ärzteund Apothekerbank, Düsseldorfer Stadtsparkasse, Citibank, Düsseldorfer Hypothekenbank.<<<

Wie gesagt: Alles nur Zitate. Ich selbst glaube nicht , dass der Deutsche dumm ist. Ich weiss aber, dass er sich dumm machen lässt.

Eben!

Und deshalb wäre es an der Zeit die Regeln des Kapitalismus einmal konsequent anzuwenden und die Banken, Hedgefonds etc. vor folgende Alternativen zu stellen:

Entweder ihr verzichtet auf die Anhebung der Zinsen für die Schuldnerländer und gebt ihnen nur Verlängerungen der bestehenden Kredite, damit sie nicht zahlungsunfähig werden.

Oder die Staaten sind zahlungsunfähig und zahlen ihre Schulden gar nicht zurück. Siehe Argentinien!

PS. Was Herr Lafontaine sagt, dass die Banken gerettet werden ist auch nicht richtig. Mit Eurobonds oder anderen Maßnahmen werden zwar die Banken gestützt, letztendlich aber deren Anleger. Dieser wohlhabende Teil der Bevölkerung der diversen Länder wird bei der Bankenrettung mit den Steuern auch der ärmsten Bevölkerungsteile gerettet, für die Bankkonten und Hedgefondsanteile außerhalb ihrer Möglichkeiten sind.

Der Deutsche fällt doch auf jeden Kompetenz-Simulanten herein

Solange der nur laut und markig daherquatscht, verweigert der Deutsche doch jeden Blick auf die Realität.
Nicht einmal offensichtliche Widersprüche werden wahrgenommen.

Der Deutsche hat so sein Problem mit vitil-autoritären Vaterfiguren und unterwirft sich ihnen gern. ("Der Kontakt war ein inniglicher!")

Hier eben die "Schulden-Krise".
Dass es allen möglichen Ländern mit viel höheren Schulden prächtig geht, USA GB JP -, dass also Schulden offensichtlich gar keine Rolle spielen, sondern vielmehr die Existenz oder Nicht-Existenz einer Notenbank, ficht den Michel doch nicht an.

Im dogmatisch-ideologischen Glauben lässt sich der Deutsche nicht überttreffen!

Prächtig ist relativ

Momentan setzt man den Euro unter Druck, da der tatsächlich einige Mängel aufweist, wie eben die fehlende Fiskalunion. "Die Märkte" werden aber nach und nach merken, das man das Projekt Euro nicht aus der Hand geben wird. Und was passiert dann?

Dann beobachten Sie mal wie es dann den prächtigen USA, Großbritannien und Japan ergehen wird. Die USA wollen den Euro doch nur klein halten um von ihrem gescheiterten Dollar abzulenken.

Mein Tipp: als nächstes ist der Dollar dran. Mal sehen wie sich die Ratingagenturen dann verhalten. Da müsste der Dollar recht schnell auf Ramsch gestuft werden.

Es ist völlig Wahnwitzig jedes mal Schulden mit neuen Schulden zu bezahlen. Und sowieso: Haben sie mal die Wirtschaftsdaten der EU mit denen von Japan, USA, China verglichen? Die EU steht top da. Wenn die Märkte glauben das sie da eine Schnitte machen können, dann beweißt das nur das der Markt nicht wirklich so klug ist wie man immer behauptet.

Ja, da haben Sie wohl darin recht....

....dass es an der EU Verfassung und ihrer Unverträglichkeit mit dem GG. Alles, das sinnvoll an Maßnahmen war/ist juristisch bestenfalls zwielichtig. Die meistens Maßnahmen allerdings sind ohne Frage illegal. In eine solche Lage gerät man, wenn man bereits in der eigenen Verfassung keine effektiven Kontrollen hat und mit seinem Wortlaut massive Interessenkonflikte in Gesetze gießt.

Nun fährt man die Ernte ein. Die Welt sieht das und kann nicht fassen noch glauben, was sie sieht. Die Beschlüsse jetzt als Beispiel. Man sieht, dass die Politiker sich mit Dingen aufhalten, die frühstens für die nächste Krise helfen könnten, wenn sie durchsetzbar sein sollten und überhaupt legal sein sollten.

Und dann tun die Nasen so, als hätten sie nicht in den Wind gepinkelt.

3 Chali: Ich kann das nur bestätigen.

Vor einiger Zeit hatte ich einen Bericht im US-TV gesehen über die Finanzkrise. Ein US-Bänker erzählte, dass es um 2006 kaum noch möglich war, die Schrottpapiere der US-Immobilien zu verkaufen, weil jeder Experte wusste, dass sie Schrott enthalten. Der Bänker sagte, zu den wenigen, denen man diese Papiere noch andrehen konnte, gehörte die IKB- Bank (!!!).
Der Ex-Chef Orttseifen bekommt ja für diese "Kompetenz" heute eine fürstliche Altersvergütung.

"Rettungsgipfel"

... welches europastische Regime macht eigentlich nicht jedes Jahr neue Schulden? Hier wird doch nur hin und her geschuffelt, wer am wenigsten offensichtlich insolvent ist.

Wie toll Europa funktioniert sieht man doch an den Bonzen, die Ihr Gold ins Ausland bringen. Also diejenigen, die uns den Euro verkaufen wollten, die sind die Ersten die nun flüchten...

Warum werden die Bonzen nicht enteignet? Selbst wenn die nur die Hälfte verlieren, sind die besser dran als jeder Arbeiter?

Im Übrigen, die Demokratie tötet Menschen_
"Lebenserwartung von Geringverdienern sinkt"

http://www.spiegel.de/pol...

@7 Ganz so weit ist es ja nun noch nicht

das ist wohl mal die krassestmögliche Deutung der aktuellen Situation. Aber man sollte nicht vergessen, daß zwischen Inkaufnahme von Armut und Niedriglohnarbeit und der gezielten millionenfachen Verfolgung und Ermordung von Menschen ein gigantischer Unterschied besteht (wenn Ihr Kommentar allerdings als ein "wehret den Anfängen" gemeint ist, ist das natürlich zu diskutieren).

Aber auch hier sollte man eine grundlegende Regel bei der Deutung komplexer von Menschen gemachter Probleme beachten:
"unterstelle niemals Bosheit, wo Inkompetenz als Erklärung dienen kann".