Einzelhandel Schleckers schmerzhafter Neuanfang
Mieses Image, einbrechende Marktanteile, veraltetes Konzept: Der Drogerie-Riese Schlecker schließt Hunderte Filialen und will jetzt endlich alles anders machen.
Nur die Neonröhren hängen noch in den kahlen Schaufenstern und an der niedrigen Decke. Die grau-beigen Wände sind kahl, das große blau-weiße Schild an der Außenwand ist schon abmontiert. Und an die Scheibe hat der Besitzer ein großes "zu vermieten"-Schild geklebt. Vor rund zwei Wochen hat sie geschlossen, die Filiale des Drogerie-Discounters Schlecker an der Aachener Straße in Köln, still und leise – so wie Hunderte weitere Filialen in ganz Deutschland.
Es sieht düster aus für den einstigen Marktführer. Bis Ende dieses Jahres wird das Unternehmen dem Vernehmen nach rund 800 bis 1.000 seiner vormals etwa 8.000 Filialen schließen, die allermeisten davon erst im November und Dezember. Und 2012 wird es wohl weitergehen. Seit drei Jahren fährt Schlecker Verluste ein, kurz vor Weihnachten spitzt sich die Lage bei dem Drogerie-Discounter anscheinend zu: Einem Spiegel-Bericht zufolge leidet das Unternehmen unter akuten Liquiditätsproblemen, Firmengründer Anton Schlecker soll bereits einen hohen zweistelligen Millionenbetrag aus seinem Vermögen locker gemacht haben. Schlecker dementiert, aber es ist offensichtlich, dass das Unternehmen in der Krise steckt.
Wie schlecht es um Schlecker steht, zeigt sich daran, dass selbst diejenigen, die ihm auf die Beine helfen sollen, nicht gerade optimistisch in die Zukunft blicken: "Ob es das Unternehmen in einem Jahr noch gibt? Mit hoher Wahrscheinlichkeit", sagt Thomas Roeb, Handelsexperte der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Die aktuelle Sanierung sei ein "Rudern gegen die Strömung", bei der jeder mitziehen müsse, so der Hochschullehrer, der das Unternehmen bei der Umstrukturierung des Sortiments berät – einer der vielen Baustellen des Discounters, die zu lange nicht angegangen wurden.
Experten werfen Firmenpatriarch Anton Schlecker vor, lange verkannt zu haben, dass sein Konzept nicht mehr funktioniert. Seit Beginn seiner rasanten Expansion Ende der siebziger Jahre setzte Schlecker darauf, im ganzen Land viele Filialen mit kleiner Verkaufsfläche zu eröffnen. "Schlecker wollte immer ein Nahversorger sein", sagt Wolfgang Adlwarth, Drogeriemarkt-Experte der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Dank der günstigsten Preise und eines standardisierten Angebots expandierte das eigentümergeführte Unternehmen zwischenzeitlich auf bundesweit über 10.000 Filialen. Dass die Filialen nicht gerade einladend und eher ramschig wirkten, stand dem Erfolg lange nicht im Weg.
Doch das änderte sich mit der zunehmenden Konkurrenz durch DM und Rossmann. Sie jagen Schlecker seit Jahren Marktanteile ab. Im Gegensatz zum Marktführer setzten die aufstrebenden Ketten auf weniger, dafür aber größere Filialen mit freundlicherem Ambiente. Während Schlecker auf den hohen Kosten für die Ladenmieten saß, konnten die Konkurrenten mit ihrem hohen Eigenmarkenanteil auch bei den Preisen vorbeiziehen, so Marktforscher Adlwarth. Das Schlecker-Konzept sei überholt.
Der Abwärts-Trend verschärfte sich, als das Unternehmen vor zwei Jahren wochenlang Negativschlagzeilen produzierte: Schlecker beute seine Mitarbeiter durch Auslagerungen in firmeneigene Zeitarbeitsbetriebe aus, lautete der Vorwurf. Der Umgang sorgte für einen "regelrechten Boykott der Kunden", so Adlwarth. Laut einer GfK-Analyse hat das Unternehmen in den ersten vier Monaten 2010 wegen seiner umstrittenen Personalpolitik 16 Prozent seiner Erlöse eingebüßt. Das Unternehmen selbst will zu den betriebswirtschaftlichen Schäden nichts sagen. Es tut seitdem aber alles, um den Ruf des Leute-Schinders wieder loszuwerden: Die Zeitarbeitstochter wurde längst beerdigt, die Beschäftigten werden nun nach Tarif bezahlt – inklusive Weihnachtsgeld – und selbst die Gewerkschaft Ver.di findet mittlerweile lobende Worte für Schlecker. Doch eine fairere Personalpolitik kostet eine Menge Geld, und so könnte es ironischerweise vielleicht gerade der angestrebte Wandel sein, der Schlecker finanziell noch weiter in Bedrängnis bringt.
- Datum 23.12.2011 - 17:34 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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... großen Bogen, wann immer möglich.
Sorry, aber ich denke, viele nicht auf den Kopf gefallene Menschen werden sich freuen, wenn Schlecker Insolvenz anmeldet. Schlecker hat viele Jahre lang das Bild des Arbeitnehmer-Knechters kultiviert, so einen Ruf wird man nicht eben mal schnell mit einem neuen Reklameslogan wieder los (im übrigen ist "For you vor Ort" eine glatte Lüge, da sich Schlecker derzeit ja aus der Fläche, d.h. kleinen Orten und zentrumsfernen unrentablen Stadtlagen zurückzieht). Im übrigen genießt Schlecker auch bei den Lieferanten wegen seiner erpresserischen EKpreis-Politik einen legendär schlechten Ruf. Die Kinder sind jetzt dazu verdammt, innerhalb weniger Monate das auszuwetzen, was der Vater über Jahrzehnte angerichtet hat – ein nahezu aussichtsloses Unterfangen in diesem brutalen Verdrängungsmarkt, in dem DM-Chef Götz "bedingungsloses Grundeinkommen" Werner geschickt die Ethikkarte als unique selling proposition spielt. Tschüs, Schlecker - und zwar hoffentlich bald!
Sie haben Recht, auch ich bezweifel, dass ein neuer Slogan das Negativ-Image mal eben aufpolieren kann. Vorallem wenn er doch recht ungelenk daherkommt wie "For you - Vor Ort".
Einen guten Ruf muss man sich, sobald man ihn einmal verloren hat, über Jahre hinweg mühsam wieder neu erarbeiten. Z.B. indem man seine Mitarbeiter fair behandelt und bezahlt. Das gibt natürlich keine schnellen Schlagzeilen wie der umgekehrte Fall, sondern muss sich langsam von Mund zu Mund verbreiten. Aber dafür muss es auch erst einmal der Realität entsprechen.
Sie haben Recht, auch ich bezweifel, dass ein neuer Slogan das Negativ-Image mal eben aufpolieren kann. Vorallem wenn er doch recht ungelenk daherkommt wie "For you - Vor Ort".
Einen guten Ruf muss man sich, sobald man ihn einmal verloren hat, über Jahre hinweg mühsam wieder neu erarbeiten. Z.B. indem man seine Mitarbeiter fair behandelt und bezahlt. Das gibt natürlich keine schnellen Schlagzeilen wie der umgekehrte Fall, sondern muss sich langsam von Mund zu Mund verbreiten. Aber dafür muss es auch erst einmal der Realität entsprechen.
für die Personalausbeutung.
Nur ist es leider mittlerweile so, dass Konkurrent Rossmann statt angestellter Verkäufer/innen zunehmend Kassenkräfte und Regalservic-Personal einsetzt, die bei Subfirmen beschäftigt sind - zu sehr niedrigen Löhnen.
Leider ist diese Entwicklung irgendwie untergegangen, weil alle Medienberichte immer auf Schlecker fixiert waren.
agieren nahezu ohne Ausnahme so wie von Ihnen beschrieben. Die dortigen Angestellten haben meist nichts zu lachen.
Seitdem ich über die Ausnahme dm gelesen und mehrere Dokus gesehen habe, bin ich dort Kunde, und bisher sehr zufrieden. Und manchmal sind die sogar günstiger als Rossmann.
(nein, ich habe nichts mit den oben erw. Unternehmen zu tun)
agieren nahezu ohne Ausnahme so wie von Ihnen beschrieben. Die dortigen Angestellten haben meist nichts zu lachen.
Seitdem ich über die Ausnahme dm gelesen und mehrere Dokus gesehen habe, bin ich dort Kunde, und bisher sehr zufrieden. Und manchmal sind die sogar günstiger als Rossmann.
(nein, ich habe nichts mit den oben erw. Unternehmen zu tun)
Sie haben Recht, auch ich bezweifel, dass ein neuer Slogan das Negativ-Image mal eben aufpolieren kann. Vorallem wenn er doch recht ungelenk daherkommt wie "For you - Vor Ort".
Einen guten Ruf muss man sich, sobald man ihn einmal verloren hat, über Jahre hinweg mühsam wieder neu erarbeiten. Z.B. indem man seine Mitarbeiter fair behandelt und bezahlt. Das gibt natürlich keine schnellen Schlagzeilen wie der umgekehrte Fall, sondern muss sich langsam von Mund zu Mund verbreiten. Aber dafür muss es auch erst einmal der Realität entsprechen.
Eine größere Freude hätten Sie mir zum Weihnachtsfest nicht machen können. Ein Segen, daß dieses Menschen verachtende Unternehmen vom Markt verschwindet.
daß schlechte Unternehmer gute Gewinne machen können, wenn sie die Mitarbeiter nur entsprechend ausnutzen. Seit dis nicht mehr so möglich ist wie vor Jahren noch, macht Schlecker Veluste.
Ich arbeite auch in so einem Unternehemen, das nur durch Löhne unterhalb derer der KOnkurrenz, am Leben bleiben kann.
Deshalb sind (seit den Hartz-Gesetzen, vorher war das nicht möglich) Mindestlöhne wichtig und ein Gradmesser für eine gute Unternehmensführung.
Als die Potknkurrenten Mindeslöhne zahlen sollten, waren die auch alle auf einmal verschwunden. Es bedufte nicht mal eines Studiums der BWL, um ein Unternehmen zu leiten. Löhne runter, Konkurrenz im Preis unterbieten - fertig ist der erfolgreiche UNternehmer des Jahres 2000 gewesen.
Ich habe den Laden danach nie wieder betreten ! Der Name "Schlecker" ist verbrannt. Zumindest der Name muss geändert werden !
...aufgrund kapitalistischer Asozialität.
Schade, dass ich nicht programmieren kann, eine Boykott-App© wäre sowas wie das neue Groupon. Einfach Gruppe auswählen, was man boykottiert (zB. Kinderarbeit, Apple, o.ä.) und dann mit dem Handy den Strichcode ablesen und prüfen...
Schöne Idee.
Ich erkenne den gewissen zynischen Humor dahinter. Und ich würde sogar darüber lachen, wenn die App-Store-Erfinder Apple nicht die gleichen Ausbeutermethoden anwenden würden. Den Foxxcon-Arbeitern geht es immer noch übel und verdienen tun sie noch nicht mal das Lebensnotwendige mit ihren 220 Euro/Monat. Da geht es den Schleckerarbeitern womöglich marginal besser.... :-(
Schöne Idee.
Ich erkenne den gewissen zynischen Humor dahinter. Und ich würde sogar darüber lachen, wenn die App-Store-Erfinder Apple nicht die gleichen Ausbeutermethoden anwenden würden. Den Foxxcon-Arbeitern geht es immer noch übel und verdienen tun sie noch nicht mal das Lebensnotwendige mit ihren 220 Euro/Monat. Da geht es den Schleckerarbeitern womöglich marginal besser.... :-(
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