Angela Merkelhat sich wieder einmal durchgesetzt . Als die Bundeskanzlerin und Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy am Montagnachmittag in Paris die Marschroute des europäischen Führungsduos für den EU-Gipfel Ende der Woche vorlegten, war von den bei Merkel verhassten Euro-Bonds keine Rede. Dafür soll die Haushaltsdisziplin der Euro-Länder künftig mit automatischen Strafen für Defizitsünder überwacht werden.

Beide drängen außerdem auf einen neuen EU-Vertrag, wenn nötig erst einmal mit den 17 Euro-Staaten. Zudem soll der dauerhafte Euro-Rettungsfonds ESM bereits ab Ende 2012 seine Wirkung entfalten und nicht, wie ursprünglich geplant, 2013.

Ob die Euro-Krise damit im 14. Anlauf wirkungsvoll bekämpft werden kann, muss sich noch erweisen. In Frankreich mehren sich jedenfalls die Kritiker, die kopfschüttelnd beobachten, wie Sarkozy der Kanzlerin seit Wochen scheinbar gegen alle Bedenken folgt und eine Position nach der anderen preisgibt. "Die Bundesregierung fordert zu Recht stärkere Kontrollen der Haushaltsdisziplin. Aber um die Spekulation an den Finanzmärkten einzudämmen, bräuchte es Zuckerbrot und Peitsche. Frau Merkel schwingt aber immer nur die Peitsche",  moniert Elie Cohen. Der Ökonom gehört zum  Sachverständigenrat der französischen Regierung und neuerdings auch zu einem Expertenstab, den der sozialistische Präsidentschaftskandidat François Hollande konsultiert.

Mehr Widerstand gegen Merkel

Sollte der 57-jährige Hollande bei den Wahlen im Mai 2012 Sarkozy besiegen, müsse Merkel mit mehr Widerstand rechnen, als ihr im Augenblick entgegenschlägt, ist Douglas Webber, Politologe an der Business School Insead überzeugt. "Er könnte es sich nicht leisten, Deutschland bedingungslos zu folgen." Schon allein deshalb, weil der umgänglich wirkende Sozialist einen starken linken Flügel innerhalb der eigenen Partei einbinden muss. Man muss aber gar nicht so weit gehen wie einige seiner Genossen, die Merkel vorige Woche eine Politik à la Bismarck attestierten und Sarkozy auf eine Stufe mit Premier Edouard Daladier beim Münchner Abkommen von 1938 stellten.

Dass Merkels harte Haltung die Euro-Krise in den vergangenen Wochen eher verschärft als entspannt habe, sagen inzwischen selbst Ökonomen, die bei Schwierigkeiten nicht reflexartig nach dem Staat rufen. "Ich bin wirklich erschüttert, dass französische Finanzpolitiker offenbar mehr Ahnung von der Psychologie der Märkte haben als die deutschen. Frau Merkel jedenfalls versteht überhaupt nichts davon", kritisiert Cohen. Dennoch kann sich die Kanzlerin in Frankreich ein ums andere Mal durchsetzen.