Südsudan Rendite gegen den Hunger
Während der Südsudan vor einer Hungerkrise steht, sucht die Weltbank nach privaten Investoren, um das Land aufzubauen. Doch die Hindernisse sind hoch.
© Mohamed Nureldin Abdallah/Reuters

Ein südsudanesischer Junge wartet in Khartoum auf die Abfahrt des Zuges, der ihn zurück in seine Heimat bringen soll.
Es ist ein weiter Weg von der südsudanesischen Hauptstadt Juba in den Norden des Landes. Bentiu zum Beispiel, das Verwaltungszentrum des nördlichen Bundesstaates Unity, liegt mehr als tausend Kilometer von Juba entfernt. Die Verkehrswege sind schlecht, der Norden ist nur schwer zu erreichen. Viel näher als die Hauptstadt ist den Menschen in Bentiu deshalb die Grenze zum benachbarten Sudan. Sie liegt nur 70 Kilometer weit weg. Weil der Transport von Gütern quer durchs Land langwierig und beschwerlich ist, wurde die Grenzregion bis vor wenigen Monaten noch aus dem Sudan versorgt.
Doch seit der Süden am 9. Juli 2011 seine Unabhängigkeit vom Norden feierte, sind die Grenzübergänge dicht – für die Hilfsorganisationen, die das von über 20 Jahren Bürgerkrieg verwundete Land mit dem Nötigsten versorgen, genauso wie für die kleinen Händler aus dem Sudan, die ihre Geschäfte im Südsudan machten. Jetzt muss Nahrung per Schiff über den Nil nach Bentiu gebracht werden; der Treibstoff kommt aus Kenia – und die Preise für Benzin, Diesel und Essen sind drastisch gestiegen.
Im ganzen Land sind Nahrungsmittel knapp und teuer, denn die Ernte fällt schlecht aus in diesem Jahr. Selbst im besten Fall wird es in diesem Jahr ein Drittel weniger Getreide geben als 2010. Im Norden sind die Preise besonders stark gestiegen. Jetzt warnen die Vereinten Nationen: 2012 könnte es im Südsudan zu einer Hungerkrise kommen, wenn die Welt nicht rechtzeitig hilft. 2,7 Millionen Menschen seien in Gefahr.
Schon jetzt hängen 2,5 Millionen von Nahrungshilfe ab, berichtet das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP). "Die Zahl der Menschen, die sich viel weniger oder gar keine Nahrungsmittel mehr leisten können, wächst, die Zahl der Unterernährten steigt", sagt Julia Bacher, die bis vor Kurzem für das WFP im Südsudan gearbeitet hat. Dabei befände sich in den WFP-Lagern im Sudan ausreichend Nahrung, zumindest für 800.000 Menschen: Sorghumhirse, Hülsenfrüchte, Öl, Salz und Spezialnahrung für kleine Kinder, Schwangere und stillende Mütter. Doch wegen der Blockade gelangen die Hilfsgüter nicht über die Grenze.
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Die Vereinten Nationen drängen: Um eine Hungersnot zu verhindern, seien allein in den ersten vier Monaten des kommenden Jahres etwa 92 Millionen Dollar nötig. Spätestens Ende März müssten die Nahrungsmittel dem WFP zufolge bei den Hungernden sein. Danach beginnt die Regenzeit, die mehr als die Hälfte des Landes für die Helfer unerreichbar macht. "Man muss die Trockenzeit von November bis März ausnutzen, um Nahrungsmittel dorthin zu bringen", sagt Julia Bacher. "Allein das ist eine ziemliche logistische Herausforderung."
Schon jetzt ist es schwierig, die Hilfsbedürftigen zu versorgen – wegen des schlechten Zustands der Straßen, der Landminen und den gewaltsamen Konflikten in einigen Regionen. Der Grenzkonflikt mit dem Sudan verschärft die Lage; Hunderttausende sind schon geflohen. Allein aus der umstrittenen Provinz Abiyei, berichtet Bacher, seien 300.000 Menschen über die Grenze in den Süden gekommen. "Viele sitzen im Grenzgebiet fest. Die Flüchtlinge aus Süd-Kordofan, die in Yida festsitzen, können wir nur aus der Luft mit Hilfsgütern versorgen." Hinzu kommen die internen Vertriebenen und Hunderttausende ehemalige Bürgerkriegsflüchtlinge, die aus dem Sudan in ihre alte Heimat Südsudan zurückgekehrt sind. Sie alle hängen von Hilfslieferungen ab.
Doch während das WFP vor einer Hungersnot warnt, wirbt Weltbank-Chef Robert Zoellick um private Investoren. Auf einer zweitägigen Konferenz für den Südsudan versammelten sich Mitte Dezember Repräsentanten von Staaten und Hilfsorganisationen aus aller Welt in Washington, um über Unterstützung für das jüngste Land der Erde zu beraten. Den Südsudan nach jahrzehntelangem Bürgerkrieg wieder aufzubauen, ist eine gewaltige Aufgabe.
Auf der Washingtoner Konferenz ging es um öffentliche Hilfsgelder, aber auch um Geschäftschancen für Unternehmer, zum Beispiel in der Ölbranche, den erneuerbaren Energien und der Landwirtschaft. "Der Privatsektor spielt eine kritische Rolle, um wirtschaftliches Wachstum, Jobs, nachhaltige Märkte und ökonomische Vitalität zu stimulieren", sagte Zoellick. "Und Südsudan bietet signifikante Chancen für Energie, Innovation und Investment."
Wo es an allem fehlt, könnte alles ein Geschäft sein. Das Land braucht gute Straßen – bisher sind nur 100 Kilometer asphaltiert, dabei ist Südsudan so groß wie Frankreich. Nur ein Prozent der Bevölkerung verfügt über Strom, es fehlen Krankenhäuser und Schulen. Zoellick pries die hohen Ölreserven des Landes, die gut ausgebildeten Exilanten, die jetzt zurückkehrten, das fruchtbare Ackerland, das gute Wetter und die reichlichen Wasserreserven.
Doch die fehlende Infrastruktur macht es schwer, den Reichtum wirtschaftlich zu nutzen. Korruption ist ein Problem – und die Ressourcen begründen neue Konflikte. Zwar ist Südsudan reich an Öl – seine Vorkommen sind dreimal so groß wie die des Nordens. Doch der Sudan verfügt über die Pipeline, die nötig ist, um den Rohstoff auf den Markt zu bringen. Die Frage, wie die Erlöse zwischen den beiden Ländern verteilt werden sollen, ist noch nicht geklärt. Zugleich hängt der Südsudan von den Öleinnahmen ab. "Für die Führung in Juba sind sie eine elementare Ressource", schreibt SWP-Experte Wolfgang Lacher in einer Studie. "Sie machten in den Jahren 2009 bis 2011 rund 98 Prozent der Regierungseinnahmen aus."
Gewalt ist das größte Entwicklungshindernis
Die fruchtbaren Ackerflächen wecken Begehrlichkeiten. Bislang werden nur ein bis zwei Prozent der nutzbaren Flächen bewirtschaftet, und der größte Teil der Ernten dient der Selbstversorgung. Die Bevölkerung habe kaum Zugang zu Märkten, denke kaum kommerziell und produziere ohnehin zu wenig, um Überschüsse zu vermarkten, schreibt Wolfgang Lacher.
Ausländische Investoren hingegen kaufen bereits große Flächen Land. Schon im März berichtete die norwegische Hilfsorganisation Norwegian People's Aid, dass Interessenten aus dem Ausland sich 2,64 Millionen Hektar für land- oder forstwirtschaftliche Zwecke und zur Produktion von Agrotreibstoffen gesichert hätten. Heimische Investitionen eingeschlossen, steige die Zahl auf 5,74 Millionen Hektar oder neun Prozent der Landesfläche. "Theoretisch könnten die Investitionen Entwicklungschancen bieten", schreibt die Organisation in ihrem Report. "Aber wenn das Land noch nicht über die passenden Verfahren verfügt, besteht die Gefahr, dass die Existenzgrundlage der Bevölkerung untergraben wird."
Weltbank-Chef Zoellick sieht die wieder aufflammenden Konflikte als die größte Bedrohung für die Entwicklung des Südsudan. Die Vereinten Nationen versuchen derweil, die Notversorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Vor wenigen Tagen startete ein Hilfsflug des Flüchtlingswerks UNHCR aus Kenia nach Malakal, im Norden des Landes gelegen. Weitere Flüge sollen folgen. Im Moment ist der Kampf gegen den Hunger die drängendste Aufgabe im Südsudan.
- Datum 23.12.2011 - 14:46 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Hat der Suedsudan keine Einnahmen aus Erdoel?
Was passiert damit?
Die Grundlage jeder Entwicklung ist die Selbstversorgung eines Landes mit Nahrungsmitteln. Unterentwickelte Länder haben eine nur wenig arbeitsteilige Wirtschaft und äußerst geringe Prokopfeinkommen. Hier müssen die Menschen in der Lage sein, sich selbst mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Dazu müssen sie über Land verfügen. Die zweite wichtige Voraussetzung ist Bildung, damit sie in der Lage sind, das Land bestmöglich zu nutzen. Erst wenn die Menschen in der Lage sind, Nahrungsmittel über das für die Selbstversorgung notwendige Maß hinaus zu erzeugen, stehen Arbeitskräfte für Aufgaben außerhalb der Urproduktion zur Verfügung. Erst dann können sich eine stärker differenzierte, arbeitsteilige Wirtschaft und Handel entwickeln, und das umso mehr, je produktiver die Landwirtschaft wird. So lange jedoch die Basis der Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln nicht geschaffen ist, gibt es keine nachhaltige Entwicklung.
kommen ganz gut ohne eigene Nahrungsmittelversorung durch.
Ich weiss auch nicht, ob Japan Selbstversorger ist.
Aber in einem Land wie Suedsudan muss natuerlich die
Landwirtschaft aufgebaut und gefoerdet werden. Das geht
allerdings nur mittelfristig - kurzfristig ist also
Krisenhilfe notwendig. Aber ich glaube, es gibt Oelein-
nahmen, die 23 Mio. USD monatlich sehr leicht finanzieren
koennen.
kommen ganz gut ohne eigene Nahrungsmittelversorung durch.
Ich weiss auch nicht, ob Japan Selbstversorger ist.
Aber in einem Land wie Suedsudan muss natuerlich die
Landwirtschaft aufgebaut und gefoerdet werden. Das geht
allerdings nur mittelfristig - kurzfristig ist also
Krisenhilfe notwendig. Aber ich glaube, es gibt Oelein-
nahmen, die 23 Mio. USD monatlich sehr leicht finanzieren
koennen.
kommen ganz gut ohne eigene Nahrungsmittelversorung durch.
Ich weiss auch nicht, ob Japan Selbstversorger ist.
Aber in einem Land wie Suedsudan muss natuerlich die
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allerdings nur mittelfristig - kurzfristig ist also
Krisenhilfe notwendig. Aber ich glaube, es gibt Oelein-
nahmen, die 23 Mio. USD monatlich sehr leicht finanzieren
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