Bisweilen erinnert die öffentliche Wahrnehmung von Europas Schuldenkrise an eine Seifenoper. Am Ende einer Episode hängt der Held mit einer Hand an der Klippe, unter ihm der Abgrund. Doch bevor der Held fallen kann, friert das Bild ein. Wie’s weiter geht, wird erst nächste Woche verraten. Beim Euro scheint es nicht anders zu sein: Manchmal verkünden die Schlagzeilen den baldigen Bruch der Währungsunion. Dann ist es wochenlang still, so wie im Moment.

Die Ruhe mag den Regeln des Mediengeschäfts geschuldet sein – doch sie trügt. Tatsächlich ist die Lage kaum weniger bedrohlich als noch vor Wochen, als Wirtschaftsmagazine zerbrochene Euro-Münzen auf den Titel hoben. Zwar hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Panik auf den Märkten fürs Erste gebannt, indem sie den Banken vor dem Jahreswechsel rund 500 Milliarden Euro an Liquidität zur Verfügung stellte . Ein Blick auf die Renditen für Staatsanleihen ausgewählter Staaten zeigt jedoch, dass die Sorgen der Anleger keinesfalls verschwunden sind (siehe Grafik).

Zwei Fragen werden die kommenden Monate bestimmen. Erstens: Werden die Anleger den Euro-Staaten im Süden das nötige Geld leihen, damit diese ihr Schulden refinanzieren können? Je nach Schätzung müssen Europas Staaten in diesem Jahr Kredite in Höhe von 1.500 bis 2.000 Milliarden Euro neu aufnehmen oder refinanzieren. Allein im ersten Quartal, rechnet die japanische Investmentbank Nomura vor, brauchen die Euro-Länder rund 444 Milliarden Euro, um alte Schulden zu refinanzieren.

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Frankreich konnte sich zum Wochenbeginn acht Milliarden Euro leihen – ohne große Risikoaufschläge zahlen zu müssen. Doch schon in wenigen Tagen könnte erneut Panik ausbrechen, wenn Italien und Spanien wieder an den Kapitalmarkt gehen. Die Zinsen für italienische Papiere liegen immer noch nahe an der bedrohlichen Sieben-Prozent-Marke – obwohl die EZB massiv am Sekundärmarkt für Staatsanleihen interveniert. Italien muss im ersten Quartal mehr als 100 Milliarden Euro refinanzieren . In diesen Monaten könnte es "eng" werden, warnte unlängst auch EZB-Chef Mario Draghi .

Die Probleme Italiens führen zur zweiten Frage: Wie stark wird die Konjunktur im Süden des Kontinents abstürzen? Die griechische Wirtschaft wird auch in diesem Jahr stark schrumpfen , die Arbeitslosigkeit hat sich verdoppelt. Die Lage seines Landes könnte "düsterer nicht sein", warnte Spaniens neuer Ministerpräsident Mariano Rajoy in seiner Antrittsrede. Auch Italiens Wirtschaftsleistung schrumpft. Auf dem jüngsten EU-Gipfel haben sich die Krisenländer verpflichtet, ihre Schulden weiter abzutragen – egal wie es um die heimische Wirtschaft steht. "Das wird diese Länder in die Rezession treiben", sagt Sylvain Broyer, Chefökonom der französischen Investmentbank Natixis.