Vor allem zwei Frauen lenken 2012 die Geschicke Europas . Angela Merkel ist die eine, und sie bestimmte mit ihrer Eröffnungsrede auf dem World Economic Forum in Davos große Teile der Krisendebatte. Die andere ist Helle Thorning-Schmidt, dänische Regierungschefin und als solche derzeit EU-Ratspräsidentin. Ihr Auftritt auf dem Davoser Podium war ein Plädoyer für ein stabileres Europa.

Aber machen die Bürger auch mit? Thorning-Schmidt ist sich sicher, allerdings sagte sie auch: "Die Bürger sind zu Opfern bereit, solange sie sicher sind, dass sie nicht geopfert werden."

Ein schöner Satz. Und ein wichtiger dazu. Denn längst steht hinter vielen Euro-Debatten nicht die Frage, ob die Rechnung bezahlt werden muss, sondern wer sie bezahlt. Und die Entscheidungen dazu fallen teilweise bereits, ohne dass die eigentliche Frage weiter diskutiert würde. Kaum jemand weiß darüber besser Bescheid als die amerikanische Finanzforscherin Carmen Reinhart, die mehrere Auftritte in Davos hat. Die Professorin vom Petersen Institute in Washington interessiert sich für das, was sie "financial repression" nennt. Wo also wird merklich oder unmerklich Zwang ausgeübt? Wo lässt die Politik den Markt schon nicht mehr über die Preise bestimmen und beeinflusst auf diese Weise die Verteilung der Lasten?

Die private Altersvorsorge verliert an Wert

Zuallererst natürlich ist es die Zentralbank, die den Zinssatz in die Nähe von Null getrieben hat, obwohl die Preise beispielsweise in Deutschland 2011 merklich stiegen. Sie beschert den normalen Sparern einige Jahre minimaler Zinsen und damit Verlust an Kaufkraft in der Zukunft. Die private Altersvorsorge zum Beispiel, zu der Vater Staat seine Bürger zuletzt kräftig drängte, verliert auf diese Weise massiv an Wert. Dort wird also längst für die Krise gezahlt.

Außerdem zwingen oder drängen die Regierungen von Krisenländern in Europa ihre Banken und Pensionsfonds längst, mehr Kapital als gewohnt in die heimischen Staatsanleihen zu stecken. Mit anderen Worten, sie setzen den Markt außer Kraft. Not macht erfinderisch, das gilt auch für Krisenländer.

Es wird also Zeit für die Debatte darüber, wer welche Lasten zur Bewältigung der großen Krise trägt. Sonst werden Fakten geschaffen, und zwar nicht nach Gesichtspunkten der Fairness, sondern einfach dort, wo es möglichst leicht und unsichtbar möglich ist.

Wer hat bisher schon Opfer gebracht? Wer dürfte vor allem leiden, wenn die heutige Politik des billigen Geldes künftig zu erhöhter Inflation führt? Wen müsste man eigentlich belangen, weil er bisher von den Rettungsmaßnahmen vor allem profitierte? 

Die Antworten sind komplizierter als nur ein "Der kleine Mann muss wieder zahlen". Die Fairness-Frage muss 2012 in die Krisendebatte Eingang finden, und zwar ganz konkret. Sonst fühlen sich Bürger bald als Opfer, und dann, um mit der dänischen Regierungschefin zu reden, sind sie nicht mehr zu notwendigen Opfern der Gesellschaft bereit.