Die Firma unterstützte aktiv das Dritte Reich
Für seine Rolle im Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen immer wieder scharf kritisiert. Der damalige Geschäftsführer Richard Kaselowsky, Ehemann von August Oetkers Tochter Ida, war überzeugter Nazi, die Firma unterstützte aktiv das Dritte Reich. Kaselowsky starb 1944 bei einem Bombenangriff.
Nach dem Krieg übernahm der Enkel des Gründers, Rudolf-August Oetker, im Alter von nur 28 Jahren die Firma. Unter seiner Leitung schaltete das Unternehmen den ersten Werbetrickfilm in deutschen Kinos und Hörfunkspots. Als der Fernseher Einzug in die Wohnzimmer hielt, vermarktete sich Dr. Oetker auch dort: Erst mit "Frau Renate", die den Hausfrauen Tipps fürs Backen gab, in den 60ern dann durch Filme mit der 2004 verstorbenen Marie-Luise Haase. "Bei den Dreharbeiten war ständig ein Fahrdienst zwischen Hamburg und Bielefeld eingerichtet, der die Kuchen aus der Versuchsküche in Westfalen in den Norden brachte", berichtet Frank Becker. Der Bielefelder besitzt ein privates Filmarchiv und hat sich intensiv mit der Geschichte der Oetkers beschäftigt. Das Scheinwerferlicht schadete besonders den Sahnetorten, die unter der Hitze der Strahler dahinschmolzen.
Weil im Laufe der 50er Jahre der Absatz mit den klassischen Produkten zum Backen und Kochen zurückging, setzte Dr. Oetker fortan auf Backmischungen und verzehrfertige Puddings. In den 70er Jahren kam das Geschäft mit Tiefkühlkost hinzu, Dr. Oetker brachte die erste Tiefkühlpizza nach Deutschland. Rudolf-August erschloss zudem neue Geschäftsfelder. Das Unternehmen investierte in Versicherungen, in ein Schifffahrtsunternehmen und in ein Bankhaus. So entstand die Oetker-Gruppe.
Die Zukäufe zahlten sich aus. Auch wenn die meisten heute bei Oetker an Backmischungen, Pudding und Pizza denken dürften, hat die Unternehmensgruppe längst wichtigere Standbeine: Die Zentrale in Bielefeld steuert rund 400 Unternehmen, darunter Brauereien, Sektkellereien, eine Reederei, ein Bankhaus sowie Luxushotels. Die bekannten Biermarken Jever und Radeberger, aber auch die Sektmarken Henkell und Fürst von Metternich und Wodka Gorbatschow gehören zu Dr. Oetker. Die Gruppe ist zu 100 Prozent im Familienbesitz der acht Nachfahren von August Oetker. Seit 2010 wird sie von Augusts Urenkel Richard Oetker geführt, macht einen Jahresumsatz von 9,5 Milliarden Euro und hat weltweit mehr als 25 000 Mitarbeiter. Den größten Umsatzanteil bei Oetker hat die Reedereigruppe Hamburg Süd.
In der Werbung ist Dr. Oetker bei seiner Linie geblieben. Das Unternehmen will mit seiner Marke Qualität und Tradition transportieren, Attribute, die nach Jahrzehnten der Discount-Mentalität gerade wieder modern geworden sind. Man wolle "ein Stück zu Hause vermitteln", heißt es bei Dr. Oetker.
- Datum 06.01.2012 - 15:09 Uhr
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- Quelle Tagesspiegel
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"An diesem Freitag wäre August Oetker 150 Jahre alt geworden."
Wenn er weniger Pudding und Kuchen gegessen hätte? Oder wenn er unsterblich wäre?
Nicht einmal Jeanne Louise Calment hat es geschafft, 150 zu werden. Sie wurde nur 122. Manche Bemerkungen sind reflexionsfrei unbedacht.
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