Im Vergleich der Krisenregionen kam Europa an diesem Nachmittag in Davos nicht gut weg. Wolfgang Schäuble und seine Kollegen aus Paris und Madrid hatten zwar versucht, Zuversicht zu verbreiten. Doch so recht wollte es nicht gelingen .

Als dann noch der amerikanische Finanzminister Tim Geithner davon berichtete, wie überraschend stark die Wirtschaft der USA gegenwärtig wachse, blieb dem deutschen Finanzminister nur noch, in Richtung Amerika zu drohen, man werde auch wieder über andere Regionen reden, wenn Europa erst mal neu aufgestellt sei.

Dann aber kam Mario Draghi . Der italienische Chef der Europäischen Zentralbank legte nicht nur Ehre ein, weil er perfekt Englisch spricht. Er nahm die erste Frage an ihn auch zum Anlass, freihändig den Stand der Dinge in Europa zu analysieren. Das Auditorium der Topmanager folgte ihm, man kann es kaum anders sagen, gebannt.

Das europäische Finanzsystem sei heute deutlich widerstandsfähiger als noch 2008, erklärte er. Die Banken hielten den Krisendruck deutlich besser aus. Die Zinsen für die europäischen Krisenländer seien zwar sehr hoch, aber beschweren mochte Draghi sich darüber nicht. Schließlich hätten vor 2008 Länder mit hohen Schulden und ohne Wachstum kaum höhere Zinsen zahlen müssen als wirtschaftlich stärkere Staaten. Das war eine Übertreibung nach unten, jetzt gebe es eine nach oben.

Geht es Europa schon besser?

Draghi erinnerte an die italienische Krise in den neunziger Jahren. Allen Reformen zum Trotz habe es noch viele Jahre gedauert, bis die Zinsen wieder unten waren. Vertrauen bilde sich nur langsam. So sei es auch jetzt.

Geht es Europa also schon besser, als die Zinsen es ausdrücken? Jedenfalls ist die Gemeinschaft Draghi zufolge schon erstaunlich weit gekommen mit den Reformen. Der Fiskalpakt sei auf dem Weg und werde hoffentlich bald beschlossen, der dauerhafte Rettungsmechanismus werde vorgezogen. Auch die Höhe der Mittel werde noch einmal überprüft. Im Dezember habe Europa ungeheuer viel auf den Weg gebracht.

Aber werden die Krisenländer jetzt nicht die Konjunktur kaputtsparen? Auch da hatte der eloquente Ökonom vorsichtigen Optimismus zu bieten. Natürlich werde die Konjunktur vorübergehend darunter leiden, doch "manche Länder wachsen auch sonst nicht", sagte er. Sie bräuchten strukturelle Reformen, um wieder auf die Beine zu kommen. Übersetzt heißt das: Wenn die Mittelmeerländer Arbeitsmarktreformen wie die Deutschen schaffen, dann kehren Hoffnung und Wachstum bald zurück.