Anleihemarkt Rettungsfonds bei Anlegern trotz Herabstufung gefragt

Die Herabstufung des Euro-Rettungsfonds EFSF durch eine Rating-Agentur schreckt Anleger offenbar nicht: Bei einer Anleihen-Auktion gingen viele leer aus.

Der europäische Rettungsfonds EFSF hat bei der ersten Anleihe-Auktion nach der Herabstufung durch die Rating-Agentur Standard & Poor's (S&P) problemlos Geld zu günstigen Konditionen erhalten. Die Versteigerung von Wertpapieren mit einer Laufzeit von sechs Monaten erbrachte 1,501 Milliarden Euro.

Die Anleger erhalten dafür einen durchschnittlichen Zins von 0,2664 Prozent. Die Nachfrage war stark: Die Auktion war mehr als dreifach überzeichnet.

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S&P hatte am Montagabend die Kreditwürdigkeit des 2010 gegründeten EFSF um eine Stufe auf AA+ gesenkt und ihm damit die Bestnote AAA entzogen. Zuvor verschlechterte die US-Agentur auch die Noten mehrerer Euro-Länder, darunter Frankreich und Österreich.

Der Rettungsfonds soll Euro-Länder mit Krediten versorgen, die der Kapitalmarkt wegen überhöhter Schulden nicht mehr bedient oder nur zu schlechten Konditionen Kredit gibt.

Günstige Zinsen auch für Spanien

Auch auf die Finanzierung Spaniens hatte die Abstufung durch S&P keine negative Wirkung: Das Land erhielt von Anlegern 4,88 Milliarden Euro. Der durchschnittliche Zinssatz für die Papiere mit zwölf- und 18-monatiger Laufzeit lag deutlich niedriger als bei der letzten derartigen Auktion Mitte Dezember, wie die Notenbank mitteilte.

Für Anleihen mit zwölf Monaten Laufzeit fielen demnach 2,049 Prozent Zinsen an, nach 4,050 Prozent im Dezember. Für Schuldpapiere mit 18-monatiger Dauer wurde diesmal im Schnitt ein Zinssatz von 2,399 Prozent fällig. Fünf Wochen zuvor hatten die Zinsen noch 4,226 Prozent erreicht.

Insgesamt hatten Investoren für die spanischen Papiere Angebote für 16,7 Milliarden Euro abgegeben. Die Auktion war damit mehr als dreifach überzeichnet.

Italien ändert Strategie

Standard & Poor's senkte am Dienstag jedoch den Ausblick für die Hausbank der Europäischen Union. Die Bonitätsprüfer drehten den Ausblick für die Europäische Investitionsbank auf negativ, was als Vorstufe einer möglichen Abstufung gilt. "Der negative Ausblick spiegelt unsere Ansicht einer möglichen Abstufung im Jahr 2012 oder 2013 wider", teilte die Agentur mit.

Das ebenfalls stark verschuldete Italien kündigte an, in nächster Zeit mehr kurzfristige Anleihen anzubieten. Das Land werde in den ersten Monaten des Jahres stärker auf kürzere Bonds zurückgreifen, um länger laufende Anleihen bei Fälligkeit abzulösen, sagte ein Vertreter des Finanzministeriums in Rom der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Lage der drittgrößten Volkswirtschaft sei nach der schlechteren Bewertung ihrer Kreditwürdigkeit durch Standard & Poor's unsicher. Sorgen darum, ob Italien seine Schulden bewältigen könne, seien aber übertrieben.

 
Leser-Kommentare
    • fanta4
    • 17.01.2012 um 15:39 Uhr

    Gleichgültig ob sie nun recht haben, oder nicht.

  1. Sollte sich tatsächlich herausstellen, daß das
    goldene Kalb (S&P, Moodys, etc.), um das "die Märkte" so fröhlich tanzen, aus Katzengold besteht?
    Sind wir endlich soweit, daß wir die "Ratings" der Agenturen nur als zusätzliche Info nehmen?

    Die Zeichen seh' ich wohl, allein, mir fehlt der Glaube.

  2. Die EZB gibt 500Mrd.Euro den Banken zu sehr günstigen Zinsen
    für fast nichts,also wer finanziert jetzt den Anleihenver-
    kauf?Die Banken oder die EZB?Die Kredite von der EZB für die
    Banken laufen drei Jahre,in denen die Banken schönes Geld
    verdienen mit den Anleihen,hätte die EZB auch gleich selber
    kaufen können ohne das die Banken daran verdienen!Mal wieder
    wird das Volk verdummt,seht her,trotz Abstufung gehen die
    Anleihen weg wie warme Semmel!Auf Deutsch,die EZB gibt Kre-
    dite den Banken,damit sie die Anleihen kaufen,nur fällt nicht jeder auf dieses Täuschungsmanöver rein!

  3. Ein studierter Landschaftsplaner!! erklärt uns die Finanzpolitik. Selten so gelacht. Das einzige was er gelernt hat, ist die dümmliche Spiegelansicht zur Wirtschaftspolitik.

  4. Geldnot mal anders rum, wohin sollen die Milliardäre, Fonds und Banken sonst ihre Milliarden investieren?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters
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