Serie: Die neuen EinwandererIns Ausland der Autos wegen

Als Teenager zog Maziar Khosravi aus dem Iran nach Kanada. Für seinen Masterabschluss ging er nach Aachen. Dort fand er einen Job, der ihn begeistert. Von A. Lang von 

Als Maziar Khosravi anfing, an Autos herumzuschrauben, da ging er noch in Kanada zur Schule. Zwei Ford Mustangs, dann ein Ford Explorer und danach ein Dodge Stealth – Khosravi brachte die Oldtimer auf Vordermann, um sie anschließend zu verkaufen. Heute steht ein deutscher Mercedes C180 in seiner privaten Werkstatt. Khosravi ist 28 Jahre alt und arbeitet als Ingenieur bei Ford in Köln .

Den Bachelorabschluss in Maschinenbau machte er noch in Calgary , 2007 war das. Dann entschied er sich, einen Masterabschluss drauf zu setzen, und zwar in einem anderen Land. Ausgewandert war er schon einmal: als Dreizehnjähriger mit seiner Familie aus Teheran nach Kanada. Doch Kanada ist kein Land für einen autovernarrten jungen Ingenieur. Dort werden zwar Autos gebaut, aber kaum welche entwickelt. Also suchte Khosravi im Internet nach Masterprogrammen in den Zentren der Automobilindustrie. Detroit? Nein, er wollte weg aus Nordamerika , zumal es mit der amerikanischen Automobilwirtschaft gerade den Bach runter ging. Schweden ? Das gleiche Bild.

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Am besten ging es noch der deutschen Industrie. Khosravi entschied sich für das Automotive-Masterprogramm der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen (RWTH), das weltweit einen guten Ruf genießt. An Aachen musste sich der junge Mann erst einmal gewöhnen: an die im Vergleich zu Teheran und Calgary sehr überschaubare Größe; an Läden, die sonntags zu sind. Immerhin, die Aussprache seiner neuen Heimatstadt war kein Problem: Khosravis Muttersprache Farsi kennt den schwierigen Reibelaut "ch". Davon abgesehen sprach er aber kein Deutsch.

Das hat sich inzwischen geändert; so richtig flüssig klappt es aber noch nicht. Ein Grund: An der RWTH hatte Khosravi viel mit Studenten aus anderen Ländern zu tun, unter anderem mit anderen Iranern – rund 180 studierten dort, als er anfing. Deutsch brauchte er selten. Und bei Ford arbeitet man zweisprachig; alle Mitarbeiter können Englisch. Für 2012 hat Maziar Khosravi sich trotzdem vorgenommen, seine Sprachkenntnisse weiter zu verbessern. Und nach Köln zu ziehen, um wieder in einer größeren Stadt zu leben und näher am Arbeitsplatz zu wohnen.

Schwierig sei für ihn vor allem der erste Monat in Deutschland gewesen, erzählt er heute, die Eingewöhnungsphase – ähnlich wie nach dem ersten Umzug aus dem Iran nach Kanada. Inzwischen fühlt sich Khosravi in allen drei Ländern zu Hause. Er hat einen iranischen und einen kanadischen Pass, sieht sich aber in erster Linie als Iraner. Heimweh kennt er nicht. "Es ist schwierig, Heimweh zu bekommen", sagt er, "weil ich gar nicht mehr genau weiß, was zu Hause ist."

Zum Ford Forschungszentrum in Aachen kam er, um dort seine Masterarbeit zu schreiben. Der Autobauer übernahm ihn. Seit Oktober arbeitet der Ingenieur im Entwicklungszentrum in Köln-Merkenich. Er entwickelt am Computer Simulationsmodelle, die die Verbrennungsprozesse in Motoren vorhersagen und untersuchen. Verbrennungsmotoren sind sein Spezialgebiet; er glaubt daran, dass sie noch optimierbar sind und Elektromotoren gegenüber Vorteile haben. Seine Arbeit begeistert ihn: "Hier habe ich Einfluss auf die Zukunft der Automobilindustrie."

Die Familie in Kanada sieht er meist nur einmal im Jahr, über Weihnachten oder im Sommer. Seit er in Aachen lebt, reist Khosravi viel in europäische Länder, Spanien , Italien , Luxemburg , die Niederlande , Belgien ; vor allem historische Stätten haben es ihm angetan – Geschichte ist eins seiner Hobbys, neben Fotografieren und Snowboarden. Vier bis fünf Jahre will der 28-Jährige noch in Deutschland bleiben, er will bei Ford seinen PhD machen, seinen Doktor. Danach will er neu entscheiden. Abwarten, wie es der deutschen Industrie bis dahin geht. Ob er sich vielleicht hier verliebt und heiraten möchte. Oder ob es doch zurück nach Kanada gehen soll. Sicher ist zunächst nur: Im nächsten Jahr kauft er sich einen Ford Focus ST. Mit 225 PS.

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Leserkommentare
  1. Wenn ein Mensch, egal wo er lebt, sich für die Entwicklung von Autos interessiert, gibt es ausser Japan und Deutschland keine Staaten die soweit in der Entwicklung von Autos vorangeschritten sind wie diesen beiden Staaten!

    Nebenbei bemerkt, in Kanada lässt Daimler hochmoderne Brennstoffzellen entwickeln und es wird massiv an Technik für Elektroautos geforscht!!

    Zudem wandern seit fast 20 Jahren Leute aus aller Welt nach Deutschland ein weil sie was in der Automobilindustrie arbeiten wollen!
    Einwanderer arbeiten auch gerne in der Baubranche weil die in Deutschland im Vergleich zu vielen anderen Staaten recht gut bezahlt ist!
    Der Artikel sagt das aus, was alle in Deutschland seit über 10 Jahren wissen!

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Einwanderer arbeiten auch gerne in der Baubranche weil die in Deutschland im Vergleich zu vielen anderen Staaten recht gut bezahlt ist!" -

    Das ist auch der Grund, warum die Branche NICHT mehr gut bezahlt ist und einen Mindestlohn einführen musste:

    es gibt zuviel Zuwanderung, zuviel Konkurrenz um diese Arbeitsplätze - die eigentlich nur noch über Subunternehmer/ international existieren
    zu Dumpinglöhnen und unter Ausbeutungsmethoden von Firmen, die ihren Sitz im Ausland haben und deren Geschäftsführer schnell abtauchen können und mit neuen Strohmännern dieselben Leute und dieselben Kunden beschäftigen/ bedienen.

    Für Menschen, die aus ärmsten Ländern hierher kommen, ungelernt, ist ein niedriger deutscher Lohn immer noch ein Versprechen für mehr Lebensqualität - der dann oft nicht gezahlt wird oder zur Umgehung des Mindestlohnsatzes für andere "Dienstleistungen" des AG an den AN abgezogen wird.

    Und das wiederum ist auch der Grund, warum zusätzlich zu den Millionen Arbeitslosen immer weiterer ungehemmter bedingungsloser Zuzug von Arbeitskräften gefordert wird.
    Je mehr kommen, egal zu welchem Ausbildungsstandard - sie werden genommen, sobald sie billiger als die vorherigen Kräfte arbeiten.

    Bedingungsloser Zuzug zerstört nicht nur die Löhne, sondern auch die Sozialstandards, die unter solchen Beschäftigungsverhältnissen nicht das Papier wert sind, auf dem sie gedruckt stehen.

  2. "Einwanderer arbeiten auch gerne in der Baubranche weil die in Deutschland im Vergleich zu vielen anderen Staaten recht gut bezahlt ist!" -

    Das ist auch der Grund, warum die Branche NICHT mehr gut bezahlt ist und einen Mindestlohn einführen musste:

    es gibt zuviel Zuwanderung, zuviel Konkurrenz um diese Arbeitsplätze - die eigentlich nur noch über Subunternehmer/ international existieren
    zu Dumpinglöhnen und unter Ausbeutungsmethoden von Firmen, die ihren Sitz im Ausland haben und deren Geschäftsführer schnell abtauchen können und mit neuen Strohmännern dieselben Leute und dieselben Kunden beschäftigen/ bedienen.

    Für Menschen, die aus ärmsten Ländern hierher kommen, ungelernt, ist ein niedriger deutscher Lohn immer noch ein Versprechen für mehr Lebensqualität - der dann oft nicht gezahlt wird oder zur Umgehung des Mindestlohnsatzes für andere "Dienstleistungen" des AG an den AN abgezogen wird.

    Und das wiederum ist auch der Grund, warum zusätzlich zu den Millionen Arbeitslosen immer weiterer ungehemmter bedingungsloser Zuzug von Arbeitskräften gefordert wird.
    Je mehr kommen, egal zu welchem Ausbildungsstandard - sie werden genommen, sobald sie billiger als die vorherigen Kräfte arbeiten.

    Bedingungsloser Zuzug zerstört nicht nur die Löhne, sondern auch die Sozialstandards, die unter solchen Beschäftigungsverhältnissen nicht das Papier wert sind, auf dem sie gedruckt stehen.

    Antwort auf "Logischer Schritt"
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    @ #2:

    Man lese am besten erst den Text und dann DENKEN bevor ein dummsinniges Kommentar erfasst wurde. Es ist hier keine Bild-Zeitung. ;-)

    "Das ist auch der Grund, warum die Branche NICHT mehr gut bezahlt ist."

    Aha... was ist dann die genaue Definition von "gut bezahlt"? 5 Euro pro Stunde? 50 Euro? 500 Euro?

    "...noch über Subunternehmer/ international existieren zu Dumpinglöhnen und unter Ausbeutungsmethoden von Firmen, die ihren Sitz im Ausland haben und deren Geschäftsführer schnell abtauchen können..."

    Na ja... Die deutsche Automobilbauer möchten auch im Ausland den Markt gewonnen. So funktioniert "die Geschäft", es ist fair genug, nicht?

    "Für Menschen, die aus ärmsten Ländern hierher kommen, ungelernt..."

    Den Text noch mal lesen. Es wird nicht von "ungelernt" gesprochen. "Aus ärmsten Ländern" stimmt ja auch nicht. Kanada ist in jedem Fall nicht arm.

    "Je mehr kommen, egal zu welchem Ausbildungsstandard - sie werden genommen, sobald sie billiger als die vorherigen Kräfte arbeiten."

    Verifizerbare Quelle?

  3. @ #2:

    Man lese am besten erst den Text und dann DENKEN bevor ein dummsinniges Kommentar erfasst wurde. Es ist hier keine Bild-Zeitung. ;-)

    "Das ist auch der Grund, warum die Branche NICHT mehr gut bezahlt ist."

    Aha... was ist dann die genaue Definition von "gut bezahlt"? 5 Euro pro Stunde? 50 Euro? 500 Euro?

    "...noch über Subunternehmer/ international existieren zu Dumpinglöhnen und unter Ausbeutungsmethoden von Firmen, die ihren Sitz im Ausland haben und deren Geschäftsführer schnell abtauchen können..."

    Na ja... Die deutsche Automobilbauer möchten auch im Ausland den Markt gewonnen. So funktioniert "die Geschäft", es ist fair genug, nicht?

    "Für Menschen, die aus ärmsten Ländern hierher kommen, ungelernt..."

    Den Text noch mal lesen. Es wird nicht von "ungelernt" gesprochen. "Aus ärmsten Ländern" stimmt ja auch nicht. Kanada ist in jedem Fall nicht arm.

    "Je mehr kommen, egal zu welchem Ausbildungsstandard - sie werden genommen, sobald sie billiger als die vorherigen Kräfte arbeiten."

    Verifizerbare Quelle?

    • Xdenker
    • 13. Januar 2012 13:12 Uhr

    Der Mann ist ein moderner Nomade, heute hier morgen dort, übermorgen wieder woanders. Die Globalisierung macht es möglich, dass, leichter als jemals zuvor, jeder so leben kann, der über genügend Grips, einen starken inneren Antrieb und wenig persönliche Bindungen verfügt.

  4. Es ist trotzdem traurig, dass sich die Einwanderungspolitik so schwer tut mit einigen sonderfällen.

    In meinem Fall sieht man das am besten.

    Ich lebe bereits seit 20 Jahren hier, bin zur Grundschule gegangen und habe mein Abitur gemacht. Danach eine Ausbildung als Fachinformatiker und nun nach 5,5 Jahren Studium mein Staatsexamen und bin jetzt Zahnarzt mit einer Anstellung. Als ich beim Einbürgerungsamt angerufen habe um mich über die Modalitäten zu Erlangung einer deutschen Staatsbürgerschaft zu erkundigen wurde mir gesagt ich müsste seit 8 Jahren "regullär" in Deutschland leben. Dummerweise besitze ich die Niederlassungserlaubnis erst seit 7 Jahren. DAs heißt ich muss noch 1 Jahr warten bis ich den Antrag stellen kann. DA fast man sich doch dann an den kopf und denkt sich : Wie dumm kann Bürokratie sein die einen quasi aus Deutschland herausekeln... In London würde ich mit offenen Armen empfangen, würde vermutlich den Pass innerhalb von Monaten erhalten und verdiente dann doppelt so viel Gehalt.
    Fragt man sich ob die Fussballprofis von Baxern München ebenfalls 8 Jahre warten mussten bis sie den deutschen Pass erhalten konnten.... nein warum Zweifel? Unsere Demonkratie ist doch makellos. Jeder ist vor ihr gleichgestellt! * man bemerke den Zynismus*

  5. Es ist trotzdem traurig, dass sich die Einwanderungspolitik so schwer tut mit einigen sonderfällen.

    In meinem Fall sieht man das am besten.

    Ich lebe bereits seit 20 Jahren hier, bin zur Grundschule gegangen und habe mein Abitur gemacht. Danach eine Ausbildung als Fachinformatiker und nun nach 5,5 Jahren Studium mein Staatsexamen und bin jetzt Zahnarzt mit einer Anstellung. Als ich beim Einbürgerungsamt angerufen habe um mich über die Modalitäten zu Erlangung einer deutschen Staatsbürgerschaft zu erkundigen wurde mir gesagt ich müsste seit 8 Jahren "regullär" in Deutschland leben. Dummerweise besitze ich die Niederlassungserlaubnis erst seit 7 Jahren. DAs heißt ich muss noch 1 Jahr warten bis ich den Antrag stellen kann. DA fast man sich doch dann an den kopf und denkt sich : Wie dumm kann Bürokratie sein die einen quasi aus Deutschland herausekeln... In London würde ich mit offenen Armen empfangen, würde vermutlich den Pass innerhalb von Monaten erhalten und verdiente dann doppelt so viel Gehalt.
    Fragt man sich ob die Fussballprofis von Baxern München ebenfalls 8 Jahre warten mussten bis sie den deutschen Pass erhalten konnten..... nein warum Zweifel? Unsere Demonkratie ist doch makellos. Jeder ist vor ihr gleichgestellt! * man bemerke den Zynismus*

    • Zack34
    • 16. Januar 2012 9:55 Uhr

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  • Serie Die neuen Einwanderer
  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Ford | Mercedes | Kanada | Automobilindustrie | Elektromotor | Oldtimer
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