Die neuen Einwanderer Auf der anderen Seite der Krise
Der Spanier Diego Ruiz del Arbol wollte schon während seines Studiums nach Berlin. Vor vier Jahren zog er von Madrid her. Er fand einen Job und: Glück.
Diego Ruiz del Arbol weiß um sein Glück. Und er weiß, dass es ihm besser geht als vielen seiner Freunde in Madrid. In Spanien ist inzwischen jeder Fünfte ohne Job, unter den Jugendlichen fast jeder zweite. Oft kriegt er E-Mails von früheren Kommilitonen, die ihn fragen, wie das Leben in Berlin sei. Ob er von freien Stellen gehört habe.
Der 32-Jährige sitzt zurückgelehnt auf seinem Sofa in einer hellen Altbauwohnung im Berliner Stadtteil Friedrichshain. Er trägt ein schwarzes Poloshirt, blaue Jeans, Turnschuhe. Im Zimmer nebenan krabbelt sein einjähriger Sohn auf einem Matratzenstapel herum.
Ruiz del Arbol kam vor vier Jahren aus Madrid hierher. Geplant hatte er das schon während seines Informatikstudiums. Berlin steht bei spanischen IT-Spezialisten hoch im Kurs: höheres Gehalt, mehr Sicherheiten, günstigere Wohnungen. Während der Semesterferien vor elf Jahren war er das erste Mal in Deutschland. Später kam er immer wieder her. Als er sein Diplom in der Tasche hatte, arbeitete er zwei Jahre lang für eine Softwarefirma in Madrid. Dann schrieb er Bewerbungen nach Berlin. Die erste Einladung eines großen deutschen Automatenherstellers nahm er an und blieb. Er quartierte sich bei Freunden in einer WG ein und büffelte Deutsch, drei Stunden täglich, immer nach Dienstschluss. Als er eine Wohnung gefunden hatte, zog ihm seine Frau, eine Architektin, hinterher. Auch sie hat inzwischen einen Job gefunden.
- Serie: Die neuen Einwanderer
Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik waren Einwanderer so gut ausgebildet wie den vergangenen zwei Jahren. Wenn in Deutschland von Migration die Rede ist, denken viele noch immer an den Arbeiter aus Anatolien – nicht an den Ingenieur aus Spanien oder den Architekten aus Polen. Dabei ist die letzte Gruppe mittlerweile fast in der Mehrheit – rund 44 Prozent der Zuwanderer hatten zuletzt einen Hochschulabschluss. ZEIT ONLINE stellt die neuen Einwanderer in einer Serie vor. Bereits erschienen ist das Porträt des Iraners Maziar Khosravi der über Kanada nach Deutschland kam – um heute für Ford in Köln zu arbeiten. Danach porträtierte Stephan Degenhardt die Ungarin Viktoria Szabo, die bei der Telekom in Bonn eine Stelle fand. Konrad Daubek beschrieb, wie der Spanier Diego Ruiz del Arbol nach Deutschland kam. Katharina Heckendorf traf eine Biochemikerin, die sich in Polen langweilte. Vergangene Woche porträtierte Wendelin Sandkühler die Argentinierin Virginia Ayala. Mit der Geschichte über die Amerikanerin Lisa Tauszig endet unsere Serie.
Für seinen Arbeitgeber stellt Ruiz del Arbol die Verbindung zwischen Deutschland und Spanien her. Er betreut die spanischen Kunden, verhandelt mit Kasinobetreibern, kümmert sich um den Vertrieb und berät seinen Chef in Rechtsfragen zum spanischen Glücksspielmarkt.
Am Wochenende zieht Ruiz del Arbol sein Trikot von Real Madrid an. Dann spielt er mit seinen spanischen Freunden Fußball. Abends geht er in die Kneipen am Bergmann-Kiez oder am Boxhagener Platz. Er sagt, dass er vor allem die deutsche Verlässlichkeit schätze. Die Autofahrer seien weniger aggressiv als in Madrid, an der Supermarkt-Kasse drängele sich keiner vor. Sogar Überstunden würden bezahlt. Nur hin und wieder sehnt er sich nach seiner Heimat. Wenn es tagelang regnet, denkt er an die spanische Sonne und an seine Familie in Madrid.
- Datum 26.01.2012 - 18:20 Uhr
- Serie Die neuen Einwanderer
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 3
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Von den späten 90er Jahren bis zum Eintritt der Finanzkrise zogen viele Deutsche ins wirtschaftspolitisch angeblich so vorbildliche europäische Ausland (England, Irland, Skandinavien, Spanien...), da die Arbeitsbedingungen für Studienabgänger damals in Deutschland miserabel waren. Ich selbst lebte einige Jahre in Irland. Dort wimmelte es auch von (mehr oder weniger) jungen Spaniern, Italienern, Deutschen, Polen etc. Mehrmals im Jahr wurden über Heimatflüge die Kontakte zu den Herkunftländern aufrecht erhalten.
Jetzt liegt Irland danieder, und die flexiblen Singles verließen die Insel in Scharen. Dafür scheint jetzt Deutschland vergleichsweise attraktiv zu sein.
Wenn die wirtschaftliche Lage irgendwann wieder umdreht, wird die Karawane ganz schnell weiter ziehen.
Es ist ziemlich naiv, diese temporären Arbeitsmigranten schon als "Einwanderer" oder gar neue Deutsche zu begrüßen. Sie mögen willkommen sein, werden aber garantiert nicht soviel Sitzfleisch mitbringen wie die Einwanderer in unser Sozialsystem.
Es würde vielleicht auch ein wenig zu sehr an die dickleibige Mentalität der Kohl-Ära anknüpfen, würde man erwarten, dass gut bis hoch qualifizierte Menschen in Deutschland unter schlechten Bedingungen hier bleiben wollten.
Wahrscheinlich muss unsere Gesellschaft. die Politik eingeschlossen, endlich umdenken und aktiv etwas dafür tun, dass gute Leute, gleich welcher Nationalität, sich hier wohl fühlen und heimisch werden können. Mit der Attitüde "naja, die sind sowieso bald wieder weg" erreicht man das jedenfalls nicht.
Es würde vielleicht auch ein wenig zu sehr an die dickleibige Mentalität der Kohl-Ära anknüpfen, würde man erwarten, dass gut bis hoch qualifizierte Menschen in Deutschland unter schlechten Bedingungen hier bleiben wollten.
Wahrscheinlich muss unsere Gesellschaft. die Politik eingeschlossen, endlich umdenken und aktiv etwas dafür tun, dass gute Leute, gleich welcher Nationalität, sich hier wohl fühlen und heimisch werden können. Mit der Attitüde "naja, die sind sowieso bald wieder weg" erreicht man das jedenfalls nicht.
Es würde vielleicht auch ein wenig zu sehr an die dickleibige Mentalität der Kohl-Ära anknüpfen, würde man erwarten, dass gut bis hoch qualifizierte Menschen in Deutschland unter schlechten Bedingungen hier bleiben wollten.
Wahrscheinlich muss unsere Gesellschaft. die Politik eingeschlossen, endlich umdenken und aktiv etwas dafür tun, dass gute Leute, gleich welcher Nationalität, sich hier wohl fühlen und heimisch werden können. Mit der Attitüde "naja, die sind sowieso bald wieder weg" erreicht man das jedenfalls nicht.
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