Emissionshandel Klimaschutz zum Spottpreis
Der Emissionshandel steckt in der Krise: Die Preise rauschen in die Keller, das Vertrauen in das System schwindet. Nun will die Politik gegensteuern.
© Sean Gallup/Getty Images

Das Kohlekraftwerk Jänschwalde
Selten war es für Unternehmen günstiger, auf den Klimaschutz zu pfeifen. Gerade einmal sechs Euro kostet zurzeit ein CO2-Verschmutzungsrecht an der Leipziger Strombörse – das ist der tiefste Stand seit 2008. Noch vor einem halben Jahr lag der Preis für ein Verschmutzungszertifikat bei rund 18 Euro. Für die Firmen ist es mittlerweile billiger, die Tonne Kohlendioxid auszustoßen und dafür einfach zu bezahlen. Von "verzerrten Marktpreisen" spricht Felix Matthes, der Energieexperte des Öko-Instituts. "Der Markt untertreibt momentan komplett."
Rund 20 bis 30 Euro müsste der Preis für ein Zertifikat betragen, damit die Unternehmen anfangen, in Klimaschutz zu investieren, schätzen Experten. Doch offenbar funktioniert der Markt im Moment nicht so, wie er geplant wurde. Wer als Unternehmen CO2 ausstößt, muss für jede Tonne ein Verschmutzungsrecht ausweisen. Entweder er kauft dieses am Markt oder er investiert in eine Maßnahme, die den Ausstoß des Klimagases reduziert. Die Entscheidung hängt vom Preis der Verschmutzungsrechte ab. So war es ursprünglich gedacht.
Das Problem ist nur: Weil zu viele Emissionszertifikate auf dem Markt sind, liegt der CO2-Preis am Boden. Zum einen wurde der Großteil der Zertifikate in der ersten Handelsperiode 2005 bis 2007 dank der erfolgreichen Lobbyarbeit der Industrie kostenlos ausgegeben. Die Unternehmen schlugen trotzdem die Kosten für die Zertifikate auf den Strompreis auf – und erwirtschaften dadurch zusätzliche Gewinne.
Die Preise werden niedrig bleiben
Nun, in der zweiten Handelsperiode, fällt zudem die Wirtschaftskrise ins Gewicht. Weil die Produktion insgesamt sinkt, brauchen die Unternehmen weniger Zertifikate. Die Nachfrage sinkt, der Preis fällt. Zudem startet ab dem kommenden Jahr einen neue Handelsphase. Die Firmen können dann erstmals ungenutzte Emissionsrechte in diese nächste Handelsperiode hinüberretten.
In diesem Jahr kommen außerdem noch mehr Emissionsrechte auf den Markt, da der Flugverkehr in das Handelssystem aufgenommen wird. Die Folge ist ein Überangebot an Zertifikaten. Auch in der dritten Handelsperiode werde es keine "Gesamtknappheit" geben, schätzt Jürgen Hacker vom Bundesverband Emissionshandel und Klimaschutz. Vermutlich werden die Preise noch länger niedrig bleiben.
Das ist ein Problem. Denn das Vertrauen in den CO2-Markt schwindet. Zwar zeigt der aktuelle Preis eine Knappheit an. Allerdings würden auch Spekulanten den CO2-Preis nach oben und nach unten treiben, sagt der Experte Hacker. Keiner wisse, wo die tatsächlichen Grenzvermeidungskosten für eine Tonne CO2 liegen. "Das aber sollte das System offen legen", sagt Hacker. "Diese Orientierung liefert das System derzeit nicht."
Die dauerhaft niedrigen Preise haben auch finanzielle Folgen. Denn die Einnahmen aus dem Emissionshandel sind längst für den Energie- und Klimaschutzfonds verplant. Dieses Sondervermögen hatte die Regierung im vergangenen Jahr aufgelegt, um Energie- und Klimaschutzmaßnahmen zu finanzieren. Der Fonds soll nicht nur Mittel für den Ausbau der Elektromobilität bereitstellen, sondern etwa auch das CO2-Gebäudesanierungsprogramm und internationale Klimaschutzmaßnahmen finanzieren.
- Datum 18.01.2012 - 15:18 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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unfug funktioniert nicht und nun wird über neuen unfug nachgedacht, wie der andere unfug besser greift.
wichtig, hauptsache es kostet geld, was dann umverteilt in die gedachten kanäle fließt ...
Gewinner sind wieder einmal Börsianer, Bankster und Unternehmer. Verlierer sind Regierung und Bürger.
Wie eigentlich bei so jedem Mist den diese Regierungen bisher verzapft haben.
Viel perverser finde ich die Vorstellung einer CO2-Steuer, denn dann soll der Bürger für die jahrelange Unfähigkeit der Unternehmen zahlen, umzurüsten. Aber es ist ja klar, Energieunternehmen werden nie zur Kasse gebeten...
Hallo Stefan_T
na, ich würde auf jeden Fall sagen, dass der wichtigste Verlierer das Klima ist. Und sicherlich leisten die großen Energieversorger ihren Anteil zur Energiewende - allerdings sieht der noch recht bescheiden aus, da stimme ich Ihnen zu.
Viele Grüße
M.Uken
Hallo Stefan_T
na, ich würde auf jeden Fall sagen, dass der wichtigste Verlierer das Klima ist. Und sicherlich leisten die großen Energieversorger ihren Anteil zur Energiewende - allerdings sieht der noch recht bescheiden aus, da stimme ich Ihnen zu.
Viele Grüße
M.Uken
Hallo Stefan_T
na, ich würde auf jeden Fall sagen, dass der wichtigste Verlierer das Klima ist. Und sicherlich leisten die großen Energieversorger ihren Anteil zur Energiewende - allerdings sieht der noch recht bescheiden aus, da stimme ich Ihnen zu.
Viele Grüße
M.Uken
Bis gerade wusste ich nicht, dass "KLIMA" auch verlieren kann.
Sollte es sich bei Ihnen beklagt haben,
schöne Grüße von mir.
Freundlichst
g p
Bis gerade wusste ich nicht, dass "KLIMA" auch verlieren kann.
Sollte es sich bei Ihnen beklagt haben,
schöne Grüße von mir.
Freundlichst
g p
um Böses CO2 zu teigen , werden immer die Kühltürme von Kraftwerken gezeigt. Da kommt Wasserdampf raus, kein Gramm co2
Ist das eine Parabel auf den Wissensstand des Autors ? Oder soll damit Aufmerksamkeit erzielt werden und der unwissende Leser beeinflusst werden ?
Wasserdampf ist das gefährlichste Klimagas.
"Da kommt Wasserdampf raus, kein Gramm co2"
Das ist falsch. Nur weil Sie das CO2 nicht sehen können, heißt das nicht, daß es nicht da wäre. Das Bild zeigt das Kraftwerk Jänschwalde. Dazu folgende Information:
"Jede der drei Einheiten verfügte ursprünglich über einen 300 Meter hohen Schornstein zur Rauchgasemission. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurden bis Mitte der neunziger Jahre Anlagen zur Entschwefelung der Rauchgase nachgerüstet, so dass ein Weiterbetrieb möglich wurde. [...] Die gereinigten Rauchgase werden seitdem über die insgesamt neun Kühltürme (drei pro Einheit) in die Umwelt abgegeben."
Bei Kraftwerksneubauten ist die Rauchgasableitung über den Kühlturm sowieso Standard.
Es kommt offensichtlich den Autoren weniger auf die Wirklichkeit sondern vielmehr auf die Wirkung an.
Es ist eine Unart, die nicht nur in der ZEIT gepflegt wird, sondern auch in vielen anderen Zeitungen und Zeitschriften.
Ich hatte mir bereits vor Jahren die Mühe gemacht, einen zuständigen Redakteur des SPIEGEL auf eine ähnliche Methode der Manipulation aufmerksamt zu machen.
Nach mehreren E-Mails kam dann eine Antwort,dass es mehr auf die Wirkung ankomme als auf eine genaue Darstellung.
Ein schlechtes Gewissen ob der ersichtlichen Manipulation hatte der Redakteur des SPIEGEL wohl kaum.
Offensichtlich herrschen bei der ZEIT ähnliche Gepflogenheiten.
Wasserdampf ist das gefährlichste Klimagas.
"Da kommt Wasserdampf raus, kein Gramm co2"
Das ist falsch. Nur weil Sie das CO2 nicht sehen können, heißt das nicht, daß es nicht da wäre. Das Bild zeigt das Kraftwerk Jänschwalde. Dazu folgende Information:
"Jede der drei Einheiten verfügte ursprünglich über einen 300 Meter hohen Schornstein zur Rauchgasemission. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurden bis Mitte der neunziger Jahre Anlagen zur Entschwefelung der Rauchgase nachgerüstet, so dass ein Weiterbetrieb möglich wurde. [...] Die gereinigten Rauchgase werden seitdem über die insgesamt neun Kühltürme (drei pro Einheit) in die Umwelt abgegeben."
Bei Kraftwerksneubauten ist die Rauchgasableitung über den Kühlturm sowieso Standard.
Es kommt offensichtlich den Autoren weniger auf die Wirklichkeit sondern vielmehr auf die Wirkung an.
Es ist eine Unart, die nicht nur in der ZEIT gepflegt wird, sondern auch in vielen anderen Zeitungen und Zeitschriften.
Ich hatte mir bereits vor Jahren die Mühe gemacht, einen zuständigen Redakteur des SPIEGEL auf eine ähnliche Methode der Manipulation aufmerksamt zu machen.
Nach mehreren E-Mails kam dann eine Antwort,dass es mehr auf die Wirkung ankomme als auf eine genaue Darstellung.
Ein schlechtes Gewissen ob der ersichtlichen Manipulation hatte der Redakteur des SPIEGEL wohl kaum.
Offensichtlich herrschen bei der ZEIT ähnliche Gepflogenheiten.
Warum wird denn ein Mindestpreis diskutiert, wenn eine künstliche Verknappung den an sich wünschenswerteren Effekt hätte, die Verringerung des CO2-Ausstoßes? Oder wird darauf spekuliert, dass das Geld anderen Ortes einen größeren Einsparungseffekt hätte, als bei der dt. Industrie?
Wasserdampf ist das gefährlichste Klimagas.
Wasserdampf wird uns alle umbringen. Nur wolkenloser Himmel ist gut fürs Klima. Wie z.B. in der Sahara...
In der Klimadebatte wird ja viel Unsinn geredet. Ich hoffe, Ihr Kommentar war so ironisch gemeint wie meiner.
Wasserdampf wird uns alle umbringen. Nur wolkenloser Himmel ist gut fürs Klima. Wie z.B. in der Sahara...
In der Klimadebatte wird ja viel Unsinn geredet. Ich hoffe, Ihr Kommentar war so ironisch gemeint wie meiner.
Verschmutzungsrechte und der Handel damit sind ein intelligentes und zielführendes Konzept. Dass die Zertifikate weniger knapp und damit billiger werden, wenn und solange die Produktion und damit der Schadstoffausstoß sinken, ist nicht zu kritisieren. Bei steigender Produktion läuft es anders herum.
Wenn man allerdings bei Start und Ausweitung des Konzepts auf zusätzliche Branchen zu viele Rechte kostenlos ausgibt, ist das ein fundamentaler Steuerungsfehler, für den wahrscheinlich die Politik verantwortlich ist. Außerdem muss es m.E. möglich sein, dass die Stellen, die die Zertifikate ausgeben oder ausgegeben haben, diese, falls sinnvoll, auch wieder aus dem Markt nehmen können. Sie müssen, anders gesagt, die Möglichkeit haben, die Menge der umlaufenden Zertifikate zu steuern.
Und dass nach dem Atomausstieg die Summen entfallen würden, die der Atomstrom einspielen sollte, kann ja nun Niemanden ernsthaft überraschen. Sollten diese nach wie vor im Staatshaushalt eingeplant sein, müsste man das wohl als vorsätzliche Täuschung bezeichnen.
Wer sich auf den Markt verlässt, ist bei Zeiten verlassen.
... aber die Politik muss ihn auch lassen. Emissionszertifikate sind, richtig eingesetzt, ein sehr effizienter Mechanismus der Emissionsreduktion. Die Politik muss allerdings die richtigen Voraussetzungen für das Funktionieren schaffen. Das schließt ein, die Zertifikate ausreichend knapp zu halten, was im Moment wohl nicht passiert ist. Ich hoffe, dass es gelingen wird, dieses Instrument zum Laufen zu kriegen.
Das Beispiel zeigt in der Tat in erschreckender Deutlichkeit, dass man politische Steuerungsinstrumente nicht zur Disposition des Marktes stellen darf - da gewinnen immer die shareholder.
Man hätte sich trauen müssen, gnadenlos und unter Missachtung jeglichen Jammerns eine Verschmutzungsgebühr zu erheben. Schade.
... aber die Politik muss ihn auch lassen. Emissionszertifikate sind, richtig eingesetzt, ein sehr effizienter Mechanismus der Emissionsreduktion. Die Politik muss allerdings die richtigen Voraussetzungen für das Funktionieren schaffen. Das schließt ein, die Zertifikate ausreichend knapp zu halten, was im Moment wohl nicht passiert ist. Ich hoffe, dass es gelingen wird, dieses Instrument zum Laufen zu kriegen.
Das Beispiel zeigt in der Tat in erschreckender Deutlichkeit, dass man politische Steuerungsinstrumente nicht zur Disposition des Marktes stellen darf - da gewinnen immer die shareholder.
Man hätte sich trauen müssen, gnadenlos und unter Missachtung jeglichen Jammerns eine Verschmutzungsgebühr zu erheben. Schade.
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