Energiepolitik "Energiesparen und Wachstum sind keine Gegensätze"
Eine Energiewende ist nicht teuer, wenn man es richtig macht, sagt der dänische Energieminister Lidegaard. Im Interview erklärt er, warum sich das für Deutschland lohnt.
© dpa

Der dänische Energieminister Martin Lidegaard
ZEIT ONLINE: Herr Minister Lidegaard, bis zum Sommer hat Dänemark die EU-Präsidentschaft inne. Was haben Sie sich für die Bereiche Energie und Klima vorgenommen?
Martin Lidegaard: Wir haben die historische Chance, die EU-Energieeffizienz-Richtlinie endlich voranzubringen – und zwar zu einer Zeit, in der die Energiepreise durch die Decke gehen und wir in einer tiefen Wirtschaftskrise stecken. Jeder Euro, den wir für eine effizientere Nutzung von Energie ausgeben, schafft Arbeitsplätze und hilft dabei, die Ressourcenkrise zu lösen. Es ist eine Investition in Europas Zukunft. Deshalb ist es so wichtig, dass wie die Richtlinie endlich verabschieden.
ZEIT ONLINE: Finden Sie mit Ihrer Energie- und Klimaagenda in der aktuellen Krise überhaupt Gehör?
Lidegaard: Natürlich bindet die Euro-Krise in den Ländern erhebliche Kapazitäten. Deshalb ist es ist schwer, das Thema Energieeffizienz auf die Regierungsebene zu heben. Aber: Wir müssen sie im ersten Halbjahr verabschieden, damit endlich investiert werden kann.
- Die Energieeffizienz-Richtlinie
Bis 2020 will die EU ihre Energieeffizienz um 20 Prozent steigern. Dieses Ziel soll die EU-Energieeffizienz-Richtlinie umsetzen. Der Entwurf sieht vor, dass Energieversorger ihren Kunden zukünftig Vorschläge fürs Energiesparen machen müssen. So sollen die Unternehmen die Vorgabe erfüllen, jährlich mindestens 1,5 Prozent des Energieabsatzes einzusparen.
Die EU-Kommission geht von bis zu zwei Millionen neuen Arbeitsplätzen bis 2020 aus und schätzt die jährlichen Energieeinsparungen auf bis zu 200 Milliarden Euro. In Deutschland sorgt der Entwurf allerdings seit Monaten für Streit zwischen dem Bundeswirtschaftsministerium und dem Bundesumweltministerium. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) lehnt – im Gegensatz zu seinem Kollegen Norbert Röttgen (CDU) – verpflichtende Einsparvorgaben ab. Dänemark arbeitet zurzeit an einem Kompromissvorschlag und will bis Sommer die Richtlinie verabschiedet haben.- Dänemark
Fast unbemerkt hat sich das kleine Nachbarland im Norden mit seinen 5,5 Millionen Einwohnern zu einem Parade-Klimaschützer entwickelt. Kaum ein anderes EU-Mitglied geht sparsamer mit Energie um als Dänemark. Seit 1980 wuchs das Bruttoinlandsprodukt um rund 78 Prozent, während der Energieverbrauch nahezu konstant blieb und die CO2-Emissionen sanken.
Vorbildhaft auch der Ausbau der erneuerbaren Energien. Während Dänemark früher auf Kohlekraft setzte, liegt der Ökostromanteil an der Stromerzeugung inzwischen bei mehr als 33 Prozent (in Deutschland sind es zurzeit 20 Prozent). Bis 2020 sollen erneuerbare Energien gar die Hälfte des Strombedarfs liefern. Unsere Nachbarn setzen vor allem auf Windkraft an Land und auf See. Anfang des Jahres begannen die Bauarbeiten für Dänemarks größten Offshore-Windpark.
ZEIT ONLINE: Sie wollen Energiekonzernen vorschreiben, bei ihren Kunden jährlich Energie einzusparen. Der Widerstand ist allerdings enorm – auch in Deutschland.
Lidegaard: Sicher, deswegen wollen wir das Ganze so flexibel wie möglich gestalten. Das Ziel ist vorgegeben: Bis 2020 muss die Energieeffizienz um 20 Prozent erhöht werden. Wie wir das umsetzen, ist eine ganz andere Frage. Unser Vorschlag lautet: Wir verpflichten die Energie-Konzerne dazu, jedes Jahr 1,5 Prozent der verkauften Energie einzusparen. Das ist aber nur eine von vielen möglichen Varianten. Wenn ein Land sagt: Das passt nicht zu uns, dann sage ich: Okay, wie wollt ihr es umsetzen? Die Hauptsache ist, ihr erreicht das vorgegebene Ziel.
ZEIT ONLINE: Ist das nicht alles noch sehr schwammig?
Lidegaard: Sicher, es ist kompliziert. Allein das Europäische Parlament hatte 1.800 Änderungswünsche zur Richtlinie. Aber so sieht unser Alltag aus: Die Interessen von 27 Mitgliedsstaaten müssen unter einen Hut gebracht werden.
ZEIT ONLINE: Wie wollen Sie den Handel mit CO2-Verschmutzungsrechten wieder in Schwung bringen, das Herzstück der europäischen Klimapolitik?
Lidegaard: Der niedrige Preis für die Zertifikate ist in der Tat ein Problem – mit der Energieeffizienz-Richtlinie könnte der Preis sogar noch weiter sinken. Ein effektiver Klimaschutz ist so nicht möglich, und unter den Investoren nimmt die Unsicherheit zu. Wie wir den Preisverfall stoppen, ist noch nicht entschieden. Die EU-Kommission schlägt vor, Zertifikate bei kommenden Auktionen zurückzuhalten. Aber soll jedes Land selbst darüber entscheiden, oder wird es verpflichtend gemacht? Unklar ist auch, ob die Aktion zeitlich befristet wird oder nicht.
ZEIT ONLINE: Ist das Problem bis zum Sommer lösbar?
Lidegaard: Wir können das Problem nur vernünftig lösen, wenn andere wichtige Fragen geklärt sind – beispielsweise wenn die Energieeffizienzrichtlinie vom Tisch ist. Vorher hat das keinen Sinn.
ZEIT ONLINE: Dänemark gilt als Musterland, wenn es um Energieeffizienz geht. Was kann Europa von Ihnen lernen?
Lidegaard: Dänemark hat in den vergangenen 20 Jahren das Bruttoinlandsprodukt verdoppelt, ohne den Energieverbrauch zu steigern. Unsere Erfahrung ist, dass Energiesparen und Wachstum keine Gegensätze sind.
- Datum 20.01.2012 - 14:41 Uhr
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Energiesparen und Wachstum sind keine Gegensätze. Stimmt!
Freiheit/Selbstbestimmung der Völker und Europa schon. Leider auch wahr.
Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke, die Redaktion/jz
Werte Zeit-Redaktion! Wäre es möglich, für Rösler einen Crashkurs bei Lidegard zu organisieren?
Ja genau - ich spare fleissig Energie und mein Stromkonzern wächst fleissig (in der Sparte Gewinn).
Selten ein so inhaltsloses Geblabel gelesen. Ich weiss nicht, wir werden sehen, es wundert mich auch, etc. etc.
Nur schwammige substanzlose Behauptungen, wie wir es auch von unseren Politikern gewöhnt sind. Und wie sollen denn bitteschön die Energiekosten durch die "Energiewende" sinken? Die Gestehungskosten für Solarstrom sind 4-5 mal so hoch wie bei Kohle und Atom, bei Windanlagen sind diese 2 bis 3 mal so hoch. Prof. Ganteför (Uni Konstanz) hat die Mehrkosten für die vollständige Umstellung auf Ökostrom auf ca. € 150/Haushalt/Monat berechnet, was mit massiven Wohlstandseinbußen verbunden sein dürfte und evtl auch den Industriestandort Deutschland gefährdet. Nachzulesen unter "Was kostet der Umstieg..." http://www.faszinationphy... Durch die hohen Strompreise und das geringere Wachstum geht der Energieverbrauch schon von alleine zurück, da brauchen wir auch keine Energieeffiezienz-Richtlinie mehr!
Daß sich ein führendes Industrieland ohne real existierende Probleme nur aus Angst selbst wirtschaftlich ruiniert, ist in der Geschichte einzigartig.
wenn nicht offensichtlich unsere Fossilen Energieträger im ersten drittel des Jahrhunderts allesamt über den förderpeak gehen würden.
Sinkende förderleistungen und gleichzeitig exponentiell wachsende Wirtschaften ? da hats sich dann ganz schnell ausgeträumt mit wohlstand und wachstum...
Die realität ist wahrscheinlich wohl die , dass die Erneuerbaren nur mit gewaltigen Anstrengungen in die Lücke springen werden, die die Fossilen Energien übrig lassen werden.
1 zu 1 werden wir unseren Lebensstil mit sicherheit nicht weiterführen können.
Nur eines ist sicher.. Ohne diese Anstrengugnen in EE und zwar sehr sehr rechtzeitig, wird es wesentlich schwieriger werden.
Es ist schon erstaunlich, wie manche Menschen es hindrehen können, jemanden, der bestimmte Erfahrungen gemacht und Erfolge erzielt hat, als Phantasten und Spinner hinzustellen.
Und das nur, um das eigene armselige Weltbild zu retten.
Jeder, der sich gegen erneuerbare Energien ausspricht, soll gefälligst sinnvolle und machbare Alternativen aufzeigen.
Und zwar ohne:
absolut unkalkulierbares Strahlenrisiko (Atomenergie)
Verwüstung von Landschaften (Braunkohle)
Absenkung und Zerstörung von Landschaften und Städten (Steinkohle)
Vergiften der Meere und des Grundwassers (Erdöl) (Hydrofracking)
Produktion großer Mengen an radioaktivem Abfall (Erdöl- und Erdgasproduktion)
Hungersnöte (Biosprit)
usw. usf.
wenn nicht offensichtlich unsere Fossilen Energieträger im ersten drittel des Jahrhunderts allesamt über den förderpeak gehen würden.
Sinkende förderleistungen und gleichzeitig exponentiell wachsende Wirtschaften ? da hats sich dann ganz schnell ausgeträumt mit wohlstand und wachstum...
Die realität ist wahrscheinlich wohl die , dass die Erneuerbaren nur mit gewaltigen Anstrengungen in die Lücke springen werden, die die Fossilen Energien übrig lassen werden.
1 zu 1 werden wir unseren Lebensstil mit sicherheit nicht weiterführen können.
Nur eines ist sicher.. Ohne diese Anstrengugnen in EE und zwar sehr sehr rechtzeitig, wird es wesentlich schwieriger werden.
Es ist schon erstaunlich, wie manche Menschen es hindrehen können, jemanden, der bestimmte Erfahrungen gemacht und Erfolge erzielt hat, als Phantasten und Spinner hinzustellen.
Und das nur, um das eigene armselige Weltbild zu retten.
Jeder, der sich gegen erneuerbare Energien ausspricht, soll gefälligst sinnvolle und machbare Alternativen aufzeigen.
Und zwar ohne:
absolut unkalkulierbares Strahlenrisiko (Atomenergie)
Verwüstung von Landschaften (Braunkohle)
Absenkung und Zerstörung von Landschaften und Städten (Steinkohle)
Vergiften der Meere und des Grundwassers (Erdöl) (Hydrofracking)
Produktion großer Mengen an radioaktivem Abfall (Erdöl- und Erdgasproduktion)
Hungersnöte (Biosprit)
usw. usf.
...Industrie. Das ist bekannt. Es zu heben ist auch bedingt möglich. So lange die Kostenreduzierung aus Investitionen geringer ist, als die dazu notwendigen Ausgaben ist es billiger einzusparen. So weit ist alles klar.
20% ist jedoch ein Wort. Der Minister scheint jedoch davon überzeugt, dass wir das können ohne Verzicht. Wenn er bereit ist persönlich hart zu haften für seine Aussage, so würde ich dazu tendieren ihm Gehör zu geben und seine Vorschläge umzusetzen.
Ist er nicht bereit zu haften, so würde ich ihm so sehr glauben, wie Blüm oder seinen Kollegen, die den Euro damals so lobten.
Liebe Autoren,
ich bitte folgendes zu beachten:
Eine Einsparung von Primärenergie von 20% ist nicht das Gleiche wie die Steigerung der Energieeffizienz um 20%.
In der Richtlinie (und auf den Folien der EC) ist klar von "objective of 20% primary energy savings in 2020" bzw. "reduce energy consumption by 20%" die Rede, in ihrer Infobox und im Interview wird von Herrn Lidegaard jedoch von Steigerung der Energieeffizienz um 20% gesprochen.
Diese auf den ersten Blick einfache Definitionsfrage hat bei genauerer Betrachtung erhebliche Auswirkungen (zu umfangreich für einen Kommentar an dieser Stelle) und sollte in jeden Fall im Rahmen einer qualifizierten Diskussion des Themas Energieeffizienz (und Ziele der EC) berücksichtigt werden.
Bisher ist es so, wenn der Verbrauch steigt wird der Preis geringer. Dies müsste umgekehrt werden, so dass mit steigendem Verbrauch der Preis steigt. In Haushalten und Gewerbe ist das eine sofort umsetzbare Möglichkeit.
Aha, sozusagen als Belohnung fürs Heiraten, Kinderkriegen oder Aufnahme eines Lebensgefähren oder Elternteils. Gute Geschäftsidee. Jeder bekommt seinen Zähler, zur Miete natürlich, und schon hat man wieder Einnahmen geriert.
Aha, sozusagen als Belohnung fürs Heiraten, Kinderkriegen oder Aufnahme eines Lebensgefähren oder Elternteils. Gute Geschäftsidee. Jeder bekommt seinen Zähler, zur Miete natürlich, und schon hat man wieder Einnahmen geriert.
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