EnergiewendeUnser Strom ist sicher!

Stromimporte aus Österreich erregen die Gemüter. Das ist Blödsinn. Der Vorgang ist trivial und kein Signal für Unterversorgung. Ein Gastbeitrag

Hatten Sie das letzte Mal, als Sie Mozartkugeln aus Österreich aßen, den Eindruck, ein großes Risiko einzugehen? Oder beim Genuss eines Almdudlers am Bundespressestrand? Wenn nein, warum geht beim Import von Strom aus Österreich so ein Aufschrei durch die Medien, als stünde der Zusammenbruch des Energiesystems bevor? Eine Zeitung sprach in der vergangenen Woche sogar vom "Vabanquespiel" mit der Versorgungssicherheit.

Richtig ist, dass ein Netzbetreiber in Deutschland Anfang Dezember Reservekapazität für Strom aus einem Kraftwerk bei Graz importiert hat und dass in enger Absprache mit den Regulierungsbehörden Bundesnetzagentur (Deutschland) und e-Control (Österreich) weitere Gespräche mit möglichen Lieferanten von Reserveleistung geführt werden. Jedoch ist dieser Vorgang insofern unspektakulär, als dass das österreichische und das süddeutsche System seit der Marktöffnung aufs Engste verbunden sind, so dass es – elektrotechnisch gesehen – überhaupt keinen Unterschied mehr zwischen deutschem und österreichischem Strom gibt. 

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Christian von Hirschhausen
Christian von Hirschhausen

Christian von Hirschhausen ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler. Seit 2009 ist er Professor für Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik an der TU Berlin.

Die Koordinierung zwischen Netzbetreibern, der Firma Tennet auf deutscher und der Austrian Power Grid (APG) auf österreichischer Seite, läuft vorbildlich, und Stromerzeuger auf beiden Seiten der Grenze nehmen an den jeweiligen Regelenergiemärkten teil. Das deutsch-österreichische Stromsystem ist sicher. Es gehört nach wie vor zu den stabilsten in Europa und hat diese Qualität auch gerade in den vergangenen Wochen und Monaten eindrucksvoll bewiesen. Schon gar nicht kann der Bau neuer Kohlekraftwerke mit dem Verweis auf die vermeintlich gefährdete Versorgungssicherheit gerechtfertigt werden.

Wollte man aus den jüngsten Vorkommnissen dennoch eine Lehre ziehen, bezöge sie sich auf die Bedeutung der lokalen, meist bilateralen Kooperation; diese wurde landläufig unterschätzt, lag der Fokus doch einseitig auf der, nach wie vor richtigen, Bildung eines nachhaltigen gesamteuropäischen Binnenmarktes.

Letzterer stockt jedoch: De facto kommen die transeuropäischen Netze derzeit nicht richtig voran, sei es im Süden der Mittelmeerring oder im Norden das Nordseenetz. Dagegen funktionieren lokale Koordinationsmechanismen unkomplizierter, wie in diesem Beispiel oder auch innerhalb der skandinavischen oder der Benelux-Staaten. Dass dies nicht immer über Strommärkte, sondern auch aufgrund von bi- oder trilateralen Verträgen beziehungsweise unter regulatorischer Aufsicht erfolgt, mag für marktgläubige Ordnungspolitiker neu sein, dürfte jedoch effizient sein und zu geringeren Strompreisen führen als nationale Alleingänge.

Übrigens: Stromimporte aus Österreich sind seit 1925 üblich, als der RWE-"Verbundbetrieb" das Ruhrgebiet und Österreich mit einer Höchstspannungsleitung verband.

 
Leserkommentare
  1. Das war eine Sofortabschaltung des AKWs in Grundremmingen.

    Im Norden gab es genug Windstrom, doch der wurde fest nach Italien verkauft und die Leitungen nach Süden deshalb ausgelastet. Deswegen konnten auch die fossilen Kraftwerke im Norden aus der Teillast hochgefahren werden weil die Leitungen nichts mehr aufnehmen konnten.

    Dann gibt es noch Reservekraftwerke in Süddeutschland. Da diese aber zu teuer gewesen wären hat man auf ein kleines 150 MW Ölkraftwerk in Österreich zurückgegriffen.

    Und dann hat man in der Journalie (lobenswerterweise nicht in der ZEIT) wieder die Panik geschürt von wegen, Netzausbau u. Energiewende klappen nicht. Dabei aber stand am Anfang der Ausfall eines AKW was wieder einmal zeigt: Atomstrom ist Zufallsstrom!

    4 Leserempfehlungen
    • Crest
    • 09.01.2012 um 19:50 Uhr

    "Unser Strom ist sicher!"

    Unsere Rente auch. C.

    3 Leserempfehlungen
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    wenn der deutsche dumme Michel endlich das umlagefinanzierte System verstehen würde.

    Sollte es tatsächlich mal zu einem Stromausfall kommen, würde ich folgenden Kommentar schreiben:

    Es darf wieder passieren, und es wird auch wieder passieren.

    Dabei werden von mal zu mal die Auswirkungen weniger gravierend sein. Und genau das macht es erträglich.

    Die Menschheit hat das Recht, ökologische Technologien zu entwickeln, da sie aus Fehlern lernt und solche Technologien deshalb im Lauf der Zeit ihre Risiken einbüssen.

    Ist das ideologisch gedacht?

    Ich denke, es ist weit mehr ideologisch, wenn man konstatierte: "Die Erneuerbaren Energien werden immer unbeherrschbar bleiben."

    Aber bevor jemand ein "Ottplag" im Internet veröffentlicht gebe ich zu: Das ist ein copy-and-paste-Kommentar, nur etwas verändert. Ganz ohne Reue poste ich hier anschließend das Original zu Vergleichen, der Autor steht in der Unterschrift.

    Der Bezug ist Fukushima.

    Es darf wieder passieren, und es wird auch wieder passieren.

    Dabei werden von mal zu mal die Auswirkungen weniger gravierend sein. Und genau das macht es erträglich.

    Die Menschheit hat das Recht, gefährliche Technologien zu entwickeln, da sie aus Fehlern lernt und solche Technologien deshalb im Lauf der Zeit ihre Gefährlichkeit einbüssen.

    Ist das ideologisch gedacht?

    Ich denke, es ist weit mehr ideologisch, wenn man konstatierte: "Die Kernkraft wird immer unbeherrschbar bleiben."

    Herzlichst Crest

    wenn der deutsche dumme Michel endlich das umlagefinanzierte System verstehen würde.

    Sollte es tatsächlich mal zu einem Stromausfall kommen, würde ich folgenden Kommentar schreiben:

    Es darf wieder passieren, und es wird auch wieder passieren.

    Dabei werden von mal zu mal die Auswirkungen weniger gravierend sein. Und genau das macht es erträglich.

    Die Menschheit hat das Recht, ökologische Technologien zu entwickeln, da sie aus Fehlern lernt und solche Technologien deshalb im Lauf der Zeit ihre Risiken einbüssen.

    Ist das ideologisch gedacht?

    Ich denke, es ist weit mehr ideologisch, wenn man konstatierte: "Die Erneuerbaren Energien werden immer unbeherrschbar bleiben."

    Aber bevor jemand ein "Ottplag" im Internet veröffentlicht gebe ich zu: Das ist ein copy-and-paste-Kommentar, nur etwas verändert. Ganz ohne Reue poste ich hier anschließend das Original zu Vergleichen, der Autor steht in der Unterschrift.

    Der Bezug ist Fukushima.

    Es darf wieder passieren, und es wird auch wieder passieren.

    Dabei werden von mal zu mal die Auswirkungen weniger gravierend sein. Und genau das macht es erträglich.

    Die Menschheit hat das Recht, gefährliche Technologien zu entwickeln, da sie aus Fehlern lernt und solche Technologien deshalb im Lauf der Zeit ihre Gefährlichkeit einbüssen.

    Ist das ideologisch gedacht?

    Ich denke, es ist weit mehr ideologisch, wenn man konstatierte: "Die Kernkraft wird immer unbeherrschbar bleiben."

    Herzlichst Crest

  2. ... scheint mir allemal sicherer und in mancherlei Hinsicht weniger fragwürdig als russisches Gas, was wir ja in größeren Mengen importieren. Wenn wir den Wirtschaftsraum ernst meinen sollte der Stromimport aus Österreich kein prinzipielles Problem darstellen.
    Und wenn wir Angst um die energiepolitische Autonomie Deutschlands haben: In Deutschland müssen wir sämtliche Arten fossiler (Kohle, Öl, Gas) und nuklearer Brennstoffe importieren da unsere niedlichen Vorkommen nicht ausreichen. Nur Wind, Sonne und Wasser haben wir.
    Was genau ist jetzt das Problem?

    2 Leserempfehlungen
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    Sowohl für die Heizung als auch für die Stromerzeugung. Der Kohleverbrauch stagnierte und das alles trotz 8 abgeschalteter AKW.

    Also kein höherer CO2 Ausstoß trotz Atomausstieg. Im Gegenteil.

    "Und wenn wir Angst um die energiepolitische Autonomie Deutschlands haben: In Deutschland müssen wir sämtliche Arten fossiler (Kohle, Öl, Gas) und nuklearer Brennstoffe importieren da unsere niedlichen Vorkommen nicht ausreichen. Nur Wind, Sonne und Wasser haben wir."

    Das stimmt so nicht, im Mai 2011 habe ich mir bei einer Inforeise ins Rheinische Braunkohlenrevier folgende Zahlen notiert:

    Verbrauch 10 Mio to/Jahr, Vorrat reicht min. 500 Jahre noch.
    Betrieben werden 5 Kraftwerke mit 11.000 MW installierter Leistung

    Entstaubung, Entstickung, Entschwefelung; experimentelle Verfahren der CO2-Verwertung in Algentanks...

    ...und es gibt weitere Braunkohlereviere, Gesamtvorrat 55 Mrd to
    Bitte nageln Sie mich auf die Zahlen nicht fest, es geht um grobe Größenordungen und die Tatsache eigener Primärenergieträger.

    Die eigenen deutschen Steinkohlevorkommen sind auch nicht "niedlich", sondern nur schwer und teuer zu fördern, deshalb bleiben die zunächst im Boden, so haben nachfolgende Generationen auch noch Rohstoff, Kohle muss ja nicht nur zur Verstromung dienen.

    Sowohl für die Heizung als auch für die Stromerzeugung. Der Kohleverbrauch stagnierte und das alles trotz 8 abgeschalteter AKW.

    Also kein höherer CO2 Ausstoß trotz Atomausstieg. Im Gegenteil.

    "Und wenn wir Angst um die energiepolitische Autonomie Deutschlands haben: In Deutschland müssen wir sämtliche Arten fossiler (Kohle, Öl, Gas) und nuklearer Brennstoffe importieren da unsere niedlichen Vorkommen nicht ausreichen. Nur Wind, Sonne und Wasser haben wir."

    Das stimmt so nicht, im Mai 2011 habe ich mir bei einer Inforeise ins Rheinische Braunkohlenrevier folgende Zahlen notiert:

    Verbrauch 10 Mio to/Jahr, Vorrat reicht min. 500 Jahre noch.
    Betrieben werden 5 Kraftwerke mit 11.000 MW installierter Leistung

    Entstaubung, Entstickung, Entschwefelung; experimentelle Verfahren der CO2-Verwertung in Algentanks...

    ...und es gibt weitere Braunkohlereviere, Gesamtvorrat 55 Mrd to
    Bitte nageln Sie mich auf die Zahlen nicht fest, es geht um grobe Größenordungen und die Tatsache eigener Primärenergieträger.

    Die eigenen deutschen Steinkohlevorkommen sind auch nicht "niedlich", sondern nur schwer und teuer zu fördern, deshalb bleiben die zunächst im Boden, so haben nachfolgende Generationen auch noch Rohstoff, Kohle muss ja nicht nur zur Verstromung dienen.

  3. Sowohl für die Heizung als auch für die Stromerzeugung. Der Kohleverbrauch stagnierte und das alles trotz 8 abgeschalteter AKW.

    Also kein höherer CO2 Ausstoß trotz Atomausstieg. Im Gegenteil.

    Eine Leserempfehlung
  4. wenn der deutsche dumme Michel endlich das umlagefinanzierte System verstehen würde.

  5. Es wird nach wie vor jede Menge Energie gedankenlos verbraten. Beispiele sind: energiefressende Wäschetrockner, überdimensionierte Heizungspumpen, Aufbacken von einem Brötchen im großen Backofen, Leuchtziffernuhren am Radio oder Küchenherd, IR-Strahler an fast jeder Wirtshausterrasse usw. Und wer weiß schon, dass ein DSL-Modem, das den ganzen Tag am Netz hängt, mehr Strom verbraucht als ein moderner Kühlschrank. Und mit dem Herunterdimmen von Leuchtkörpern werden diese zu Wärmequellen abgewürgt bei fast gleichem Stromverbrauch. Nicht alte österreichische Kraftwerke als Notnagel hochfahren, sondern Kopf einschalten ist das Gebot der Zeit.

    Eine Leserempfehlung
  6. 7. Zitat

    Sollte es tatsächlich mal zu einem Stromausfall kommen, würde ich folgenden Kommentar schreiben:

    Es darf wieder passieren, und es wird auch wieder passieren.

    Dabei werden von mal zu mal die Auswirkungen weniger gravierend sein. Und genau das macht es erträglich.

    Die Menschheit hat das Recht, ökologische Technologien zu entwickeln, da sie aus Fehlern lernt und solche Technologien deshalb im Lauf der Zeit ihre Risiken einbüssen.

    Ist das ideologisch gedacht?

    Ich denke, es ist weit mehr ideologisch, wenn man konstatierte: "Die Erneuerbaren Energien werden immer unbeherrschbar bleiben."

    Aber bevor jemand ein "Ottplag" im Internet veröffentlicht gebe ich zu: Das ist ein copy-and-paste-Kommentar, nur etwas verändert. Ganz ohne Reue poste ich hier anschließend das Original zu Vergleichen, der Autor steht in der Unterschrift.

    Der Bezug ist Fukushima.

    Es darf wieder passieren, und es wird auch wieder passieren.

    Dabei werden von mal zu mal die Auswirkungen weniger gravierend sein. Und genau das macht es erträglich.

    Die Menschheit hat das Recht, gefährliche Technologien zu entwickeln, da sie aus Fehlern lernt und solche Technologien deshalb im Lauf der Zeit ihre Gefährlichkeit einbüssen.

    Ist das ideologisch gedacht?

    Ich denke, es ist weit mehr ideologisch, wenn man konstatierte: "Die Kernkraft wird immer unbeherrschbar bleiben."

    Herzlichst Crest

    2 Leserempfehlungen
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    um welchen Punkt genau darzulegen? Wenn der Kommentar den Sie abgeändert zitierten, so zu Fukushima geschrieben wurde, dann sagt das viel über die geistige Haltung des ursprünglichen Autoren, seine katastrophale Einstellung zu Menschenleben und Natur, aber was genau wollen Sie damit ausdrücken bzw. wo ist der Zusammenhang zu den erneuerbaren Energien?

    um welchen Punkt genau darzulegen? Wenn der Kommentar den Sie abgeändert zitierten, so zu Fukushima geschrieben wurde, dann sagt das viel über die geistige Haltung des ursprünglichen Autoren, seine katastrophale Einstellung zu Menschenleben und Natur, aber was genau wollen Sie damit ausdrücken bzw. wo ist der Zusammenhang zu den erneuerbaren Energien?

  7. um welchen Punkt genau darzulegen? Wenn der Kommentar den Sie abgeändert zitierten, so zu Fukushima geschrieben wurde, dann sagt das viel über die geistige Haltung des ursprünglichen Autoren, seine katastrophale Einstellung zu Menschenleben und Natur, aber was genau wollen Sie damit ausdrücken bzw. wo ist der Zusammenhang zu den erneuerbaren Energien?

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