Schuldenkrise Griechenland dominiert inoffiziell den EU-Gipfel

Noch immer steht ein Schuldenerlass für Griechenland aus. Die Probleme des Landes sollen ab Montag in Brüssel nicht offiziell Thema sein, doch der Druck auf Athen wächst.

Auf dem Treffen der europäischen Staats- und Regierungschefs am Montag in Brüssel soll es nicht nur ums Sparen gehen. Europas Politiker wollen vor allem darüber beraten, wie sich das Wachstum in Europa voranbringen lässt. Außerdem steht die Billigung des neuen Rettungsschirms ESM und des Fiskalpakts für mehr Haushaltsdisziplin an.

Das Dauerthema Griechenland findet sich zwar nicht auf der Tagesordnung. Beobachter erwarten aber, dass es dennoch eine Rolle spielen wird. Verhandlungen der Kreditgeber des Landes mit seiner Regierung wurden gestern zunächst beendet. Regierungschef Lucas Papademos mahnte nach einer Sitzung mit griechischen Parteichefs eindringlich Fortschritte an. Ohne eine Einigung mit seinen Gläubigern auf einen teilweisen Schuldenerlass drohe dem Land die Zahlungsunfähigkeit.

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Die Verhandlungen seien nicht leicht, sagte Papademos. Trotz der Anstrengungen gebe es Abweichungen im griechischen Stabilisierungsprogramm. Deswegen stellten die Partner zusätzliche Forderungen und Bedingungen. Die Parteivorsitzenden gaben keine Erklärungen ab.

Nach Abbruch der Gespräche soll es in der kommenden Woche zu einer Einigung kommen. Bevor es so weit ist, kann Griechenland nicht auf die nächste Tranche Hilfskredite von EU und Internationalem Währungsfonds in Höhe von 130 Milliarden Euro hoffen.

EU-Kontrolle für griechischen Staatshaushalt vorgeschlagen

Für Kontroversen sorgte im Vorfeld ein deutsch-französischer Vorschlag, die Kontrolle über den griechischen Staatshaushalt einem EU-Kontrolleur zu übertragen. Berliner Regierungskreise bestätigten, dass in der Euro-Gruppe ein entsprechendes informelles Papier diskutiert werde, das im Gegenzug für weitere Hilfen eine strenge Überwachung der griechischen Finanzen fordert. Der EU-Kontrolleur solle alle größeren Ausgaben Griechenlands genehmigen. Zudem müsse Athen gesetzlich festlegen, dass Staatseinnahmen zuerst für den Abbau der Schulden verwendet würden.

Offiziell dreht sich beim Gipfel indes alles ums Wachstum. Sparen allein reiche nicht, heißt es in einem Entwurf der Gipfelerklärung: "Wir müssen aktiv Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit stärken, um Arbeitsplätze zu schaffen, unsere Sozialmodelle zu bewahren und das Wohlergehen unseres Volkes sicherzustellen." Gelingen soll dies mit gezielten Fördermaßnahmen für den Mittelstand, sinkender Jugendarbeitslosigkeit und einem besser funktionierenden europäischen Binnenmarkt.

Finanzierung der Maßnahmen durch ungenutzte Gelder

Nach einem deutsch-französischen Vorschlag könnte das Geld für diese Konjunkturmaßnahmen aus den milliardenschweren Töpfen für die EU-Regionalförderung kommen. In der laufenden Haushaltsperiode von 2007 bis 2013 sind für die Regionalpolitik 347 Milliarden Euro vorgesehen – mehr als ein Drittel des EU-Haushalts. 82 Milliarden davon seien noch nicht konkreten Projekten zugeordnet, erklärte der Sprecher des EU-Regionalkommissars Johannes Hahn am Freitag.

Leser-Kommentare
    • WiKa
    • 29.01.2012 um 21:01 Uhr

    … dann noch die Info, dass man es eilig hat und den ESM um ein Jahr vorziehen will. Wo bleibt die kritische Auseinandersetzung mit eben diesem ESM? Mir ist nicht bekannt, dass die Ausgestaltung geändert wurde und die bisherige Aufstellung des ESM und dem sogenannten allgewaltigen „Gouverneursrat“ ist schlicht eine Entmachtung der nationalen Parlamente. Nach bisherigen Erkenntnissen führt der ESM geradewegs in eine „Finanzdiktatur“, völlig fern ursprünglicher Ideen für eine geeintes Europa der Menschen. Hier nochmals darauf verwiesen und kindgerecht erklärt: http://qpress.de/?p=2026

    Warum um Himmels Willen nimmt die Presse diesen ESM nicht mal systematisch auseinander? Wer hat die ganzen Redaktionen so fest im Griff dass dieser Putsch so totgeschwiegen werden kann?

    Bislang versuchte und versucht man diese offenbar durch Umgehung auszutricksen. Hierbei denke ich an die Einbeziehung des IWF oder sehe einfach mal auf das „Target 2“ der Bundesbank wo normal eine Null zu stehen hat, da stehen per Saldo gut 500 Milliarden € die jetzt in Europa kreisen, wird nur wenig beachtet. Würde man alle diese Zahlen / Risiken mal zusammenaddieren, dann kommt da ein erheblich höheres Risiko bei heraus als man uns heute Glauben machen möchte.

    Ich sehe es als Hinweis dass hier nur getrickst und vertuscht wird. Nur bruchstückhaft bekommen wir das ganze Dilemma mit und natürlich alles nur zur Beruhigung der Märkte. Den Bürger beruhigt man offensichtlich immer noch am Besten mit Verschweigen.

    10 Leser-Empfehlungen
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    Es passt doch sehr gut. Während die Mainstream-Presse mit Griechenland und dem Dschungel-Camp beschäftigt ist, kann heimlich still und leise das Monster ESM ins Haus gelassen werden.

    Die SPD hat schon mit ihren Kommentaren zum 1. Vertragsentwurf ihre Intellektuelle Überforderung mit diesem Werk offen kund getan, da kann man nichts erwarten, die FDP bereitet die Feierlichkeiten anlässlich ihrer eigenen Beerdigung vor, von dieser Seite droht auch kein Ungemach.

    Europa ist in einer postdemokratischen Ära, der ESm ist nur ein weiterer Schritt auf diesem Weg.

    Grüße

    Es passt doch sehr gut. Während die Mainstream-Presse mit Griechenland und dem Dschungel-Camp beschäftigt ist, kann heimlich still und leise das Monster ESM ins Haus gelassen werden.

    Die SPD hat schon mit ihren Kommentaren zum 1. Vertragsentwurf ihre Intellektuelle Überforderung mit diesem Werk offen kund getan, da kann man nichts erwarten, die FDP bereitet die Feierlichkeiten anlässlich ihrer eigenen Beerdigung vor, von dieser Seite droht auch kein Ungemach.

    Europa ist in einer postdemokratischen Ära, der ESm ist nur ein weiterer Schritt auf diesem Weg.

    Grüße

  1. Wir sind das Griechenland von morgen liebe Landsleute, Sozialkürzungen, Massenarbeitslosigkeit usw. Die gute Konjunktur gerade sind nur Momentaufnahmen... abwarten ob sich das Volk hierzulande einlullen lässt..

  2. Glaubt aber selbst allen Ernstes immer noch, mit ihren leeren Aussagen und Versprechen irgendjemanden, insbesondere die potenziellen Geldgeber, beeindrucken zu können.

    Die Stabilitätskriterien des EU-Vertrages wurden und werden ohne Konsequenzen gebrochen.

    Die No-Bail-out-Klausel wird umgangen.

    Griechenland bekommt weiter Hilfen, ohne dass die als Zahlungsvoraussetzung propagierten Vorgaben umgesetzt sind.

    Finnland bekommt Sonderkonditionen als Preis für die Zustimmung zum Zwangsrettungsschirm.

    Das slowenische Parlament wird mit Druck auf Kurs gebracht.

    Eine Volksabstimmung in Griechenland wird mit durch einen von der EU inszenierten Quasi-Sturz des Regierungschefs verhindert.

    Die großartig verkündete Idee eines strengen Fiskalpakts wird bis zur Unkenntlichkeit aufgeweicht.

    ...

    Der totale Glaubwürdigkeitsverlust.

    Das Schlimme ist, dass die Akteure nicht einmal merken, was sie damit angerichtet haben bzw. anrichten.

  3. 4. Zu #3

    Korrektur: "Das slowakische Parlament" muss es heißen, nicht das slowenische.

  4. Selbst verschuldeter Sturz in den Abgrund ohne jeden Hoffnungsschimmer bei gleichzeitiger Verleugnung jedweder Realität. Wie sich die Dinge doch gleichen!

    Eine Leser-Empfehlung
  5. ist klarer Verfassungsbruch.

    Wer geht nach Karlsruhe.....

    Die einzige Hoffnung in D ruht auf Herrn Gauweiler !
    Armes Deutschland!

    Vielleicht muss ja auch deswegen Herr Wulff abgesägt werden weil der sich kritisch zum Thema geäussert hat!

  6. Es passt doch sehr gut. Während die Mainstream-Presse mit Griechenland und dem Dschungel-Camp beschäftigt ist, kann heimlich still und leise das Monster ESM ins Haus gelassen werden.

    Die SPD hat schon mit ihren Kommentaren zum 1. Vertragsentwurf ihre Intellektuelle Überforderung mit diesem Werk offen kund getan, da kann man nichts erwarten, die FDP bereitet die Feierlichkeiten anlässlich ihrer eigenen Beerdigung vor, von dieser Seite droht auch kein Ungemach.

    Europa ist in einer postdemokratischen Ära, der ESm ist nur ein weiterer Schritt auf diesem Weg.

    Grüße

  7. Heraklit:

    „Krieg ist aller Dinge Vater, aller Dinge König. Die einen macht er zu Göttern, die anderen zu Menschen, die einen zu Sklaven, die anderen zu Freien.“

    http://de.wikipedia.org/w...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
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