Wirtschaftskrise in Europa EU-Kommission bemängelt Merkels Wachstumsplan

Die Kanzlerin will die EU-Strukturfonds stärker nutzen – unrealistisch, entgegnet die Kommission. Eine Äußerung Schäubles zeigt, wie gereizt die Stimmung ist.

Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos

Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos

Die EU-Kommission weist die Pläne von Bundeskanzlerin Angela Merkel zurück, mit ungenutztem EU-Geld das Wirtschaftswachstum in Europa zu fördern. Das Geld zur Förderung wirtschaftlich schwacher Regionen werde von den EU-Ländern gut abgerufen, teilte die Kommission mit. "Es gibt Geld für Wachstum und dieses Geld wird genutzt", sagte der Sprecher von EU-Regionalkommissar Johannes Hahn. Allein im vergangenen Jahr seien 32,9 Milliarden ausgegeben worden.

Zuvor hatte Regionalkommissar Hahn die Pläne Merkels als "unrealistisch" bezeichnet. Es sei kaum freies Geld verfügbar. "Wenn ich alle nicht genutzten Mittel der Jahre 2010 und 2011 zusammenfasse, komme ich auf 30 Millionen Euro", sagte Hahn der Süddeutschen Zeitung. "Nachdem ich die Verantwortlichen darauf aufmerksam gemacht habe, um wie viel Geld es sich dabei handeln würde, ist diese Idee mit dem Wachstumsfonds wieder verschwunden."

Anzeige

Deutschland und Frankreich verlangen eine Neuausrichtung der Strukturfonds der Europäischen Union. Das Geld müsse in der Finanzkrise dazu dienen, die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft vor allem in den Krisenländern zu verbessern. Merkel hatte diesen Plan zur Anregung des Wirtschaftswachstums bei mehreren öffentlichen Reden vorgestellt. Die Forderung nach Kursänderung bei den Strukturfonds kam nun erneut auf zu Beginn eines Treffens der Außen- und Europaminister der EU-Staaten über die Ausgaben der EU in den Jahren 2014 bis 2020.

"Einige haben noch nicht den Gong gehört"

In einem gemeinsamen Papier gehen die Regierungen in Paris und Berlin auf Konfrontation zur EU-Kommission. Diese müsse die Strukturmittel nach neuen Kriterien bewilligen. "Wenn der Druck der Schuldenkrise nicht zu den Kurskorrekturen veranlasst, dann werden sie nie möglich sein. Und deswegen ist jetzt die Zeit zu starten", sagte der deutsche Außenminister Guido Westerwelle. In der laufenden Haushaltsperiode von 2007 bis 2013 sind für die Regionalpolitik 347 Milliarden Euro vorgesehen – mehr als ein Drittel des EU-Haushalts.

Der Sprecher von Regionalkommissar Hahn sagte, von den 347 Milliarden Euro seien 82 Milliarden noch nicht konkret verplant. Das sei ein normaler Wert, da die Mittel im Laufe einer Haushaltsperiode erst nach und nach abgerufen würden. Am Ende seien in der Regel nahezu alle Gelder verplant und würden ausgegeben. Die Mittel flössen bereits in wachstumsfördernde Programme, zum Beispiel für kleine und mittlere Unternehmen, Erziehung, Beschäftigung oder Verbesserung der Infrastruktur.

Dazu sagte Westerwelle: "Einige haben offensichtlich noch nicht den Gong gehört, der hier für Europa schlägt. Das muss durchgeforstet werden." Es gebe eine Fülle von Beispielen dafür, dass Strukturmittel bisher vor allem als Rückfluss der eigenen Einzahlungen in den EU-Haushalt betrachtet worden seien.

Wie gereizt die Debatte in der EU über die Lösung der Krise geführt wird, zeigt nicht allein der Streit um die Wachstumsfonds. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) spottete auf dem Weltwirtschaftsform in Davos offen über die EU-Politik des britischen Premiers David Cameron. Gefragt danach, wer die nationalen Interessen der EU-Bürger in der Krise noch wahren könne, antwortete Schäuble: "Ich möchte Ihnen gern die Handynummer von David Cameron geben."

Hintergrund der Aussage sind Unstimmigkeiten mit Großbritannien, das sich beim Gipfeltreffen der EU-Staats- und Regierungschefs im Dezember gegen eine Vertragsänderung gesperrt hatte, mit der mehr Haushaltsdisziplin festgeschrieben werden sollte.

 
Leser-Kommentare
  1. Es läuft prächtig in Europa! Herr Cameron unterstellt unserer Kanzlerin „Wahnsinn“. Herr Hollande aus Frankreich will alles noch einmal verhandeln und er will Euro-Bonds. Die EU sieht keinen Anlass, ihren Strukturfonds auf die „notleidenden Südländer“ auszurichten, faselt aber andauernd etwas von einem Marschall-Plan für Griechenland. Herr Kauder will in Griechenland einen Staatskommissar einsetzen und die Griechen tun das, was sie besonders gut können: tricksen! Herr Rehn fordert mehr Geld für Griechenland. Die US-Regierung fordert wesentlich größere Anstrengungen in „keynesianistischer Schuldenmacherei“. Die Schotten wollen weg von GB und die Norditaliener planen den Staat „Pandanien“( Bayern, Österreich, Savoyen und Norditalien). Und die Rote Front(SPD/Grüne/ Linke) in Deutschland plant die Selbstauflösung des Landes. Im Zentrum dieser „verkehrten Welt“ aber steht Frau Merkel in einer stoizistischen Manier, die Respekt abnötigt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    .. das Ergebnis wenn Kauders, Schäubles und die Zuchtmeisterin aus der Uckermark erkenntnisresistent ihrer ideologischen Lebenslügen überführt werden. Realität als Korrektiv gegen opportune Bauernfängerei.

    Ich wußte gar nicht, dass Desorientierung neuerdings als Stoizismus durchgeht.

    die griechen haben uns lange genug an der NAse herumgeführt. Entgegen der ursprünglichen Plannung, schafft die EU nur Fremdenhass, MIssgunst, und Eigensinn, den man ja entwickeln muss, sobald die ganzen Ersparnisse für evidente Minderleistung verprasst werden.
    Und einmal ist nicht die Kanzlerin shculd, wie es uns die Shculdenbarone der SPD glauben machen wollen.
    zu Hollande: ich hoffe, dass die französisch-deutsche Achse dann bricht, denn eine oktroyierten Sozialismus müssen wir uns nicht gefallen lassen

    .. das Ergebnis wenn Kauders, Schäubles und die Zuchtmeisterin aus der Uckermark erkenntnisresistent ihrer ideologischen Lebenslügen überführt werden. Realität als Korrektiv gegen opportune Bauernfängerei.

    Ich wußte gar nicht, dass Desorientierung neuerdings als Stoizismus durchgeht.

    die griechen haben uns lange genug an der NAse herumgeführt. Entgegen der ursprünglichen Plannung, schafft die EU nur Fremdenhass, MIssgunst, und Eigensinn, den man ja entwickeln muss, sobald die ganzen Ersparnisse für evidente Minderleistung verprasst werden.
    Und einmal ist nicht die Kanzlerin shculd, wie es uns die Shculdenbarone der SPD glauben machen wollen.
    zu Hollande: ich hoffe, dass die französisch-deutsche Achse dann bricht, denn eine oktroyierten Sozialismus müssen wir uns nicht gefallen lassen

  2. .. das Ergebnis wenn Kauders, Schäubles und die Zuchtmeisterin aus der Uckermark erkenntnisresistent ihrer ideologischen Lebenslügen überführt werden. Realität als Korrektiv gegen opportune Bauernfängerei.

    Ich wußte gar nicht, dass Desorientierung neuerdings als Stoizismus durchgeht.

    Antwort auf "Respekt!"
  3. die griechen haben uns lange genug an der NAse herumgeführt. Entgegen der ursprünglichen Plannung, schafft die EU nur Fremdenhass, MIssgunst, und Eigensinn, den man ja entwickeln muss, sobald die ganzen Ersparnisse für evidente Minderleistung verprasst werden.
    Und einmal ist nicht die Kanzlerin shculd, wie es uns die Shculdenbarone der SPD glauben machen wollen.
    zu Hollande: ich hoffe, dass die französisch-deutsche Achse dann bricht, denn eine oktroyierten Sozialismus müssen wir uns nicht gefallen lassen

    Antwort auf "Respekt!"
  4. also in der natur gibt es m.E. zwei strategien zur verteidigung:

    a) die fluchttier-strategie - das schwächste tier wird geopfert, damit der rest überlebt

    b) die elefanten-trutzburg - da organisiert die erfahre leitkuh den abwehrblock um die jungen oder kranken zu schützen und alle überleben

    unsere frau bundeskanzlerin hat weder a) noch b) gewählt, sondern den kuschelkurs mit dem 'leitbulllen' gesucht und sich dann mit dem in trippelschritten bewegt

    => das ist im tierreich immer der untergang!

    (vielleicht trifft dieses 'naturgesetz' auch auf den homo sapiens zu?!?!)

  5. wir brauchen einfach mehr wachstum, dann läuft der laden wieder!

    welch ein grandioser irrtum!

    wir sehen gerade die finale phase eines zinsbasierten schuldgeldsystems, in der weder wachstum noch esm, weder rente mit 81 noch irgendeine andere grandiose idee irgendetwas bewirken können. der fehler liegt im system. unsere geldschöpfung aus kredit bedingt zwangsläufig die entwicklung, welche die meisten staunend betrachten. mehr dazu hier: http://bettercentury.blog...

    es wird ZEIT, unser finanzsystem dahin zu scjcken, wo es hingehört: in die hölle.

    • JWGRU
    • 27.01.2012 um 19:08 Uhr

    Vielleicht sollte sich Frau Merkel mit dem Gedanken anfreunden, einen Europaweiten Finanzausgleich über einen Fonds, der von der EZB bankmässig verwaltet wird, vorzuschlagen. Darin könnten dann Regionalfonds, Agrarfonds und ähnliches aufgehen und man könnte die zugehörige EU Bürokratie und Riesenantragsindustrie einsparen.
    Der Verteilungsschlüssel wird vom Parlament festgesetzt und vom Rat abgesegnet.
    Für Deutschland ändert sich nicht viel, da es jedenfalls bei derzeitiger Finanzstärke Geberland Europas bleibt so wie Hessen, Bayern und Baden W. in Deutschland.
    Man erinnere, der Marshallplan war auch in erster Linie die Bereitstellung von Finanzmittel an die einzelnen Länder Europas, die dann in Eigenverantwortung diese Mittel ausgegeben haben. Wozu braucht es da eine übergeordnete Behörde. Die USA jedenfalls waren mit der damaligen Verwaltung in Europa weitgehend zufrieden.

    Weitergehend wäre ein Finanzausgleich nach Deutschem Muster; allerdings müsste dann auch die Möglichkeit bestehen, Auflagen einzuführen und eventuell einen Staatskommissar einzuführen, der für eine begrenzte Zeit die Finanzverwaltung übernimmt. Also weitgehende Aufgabe der Finanzsouveränität der einzelnen Mitgliedsstaaten.

    Die Eurokrise zeigt doch, dass das alte System von Souveränen Staaten im Finanzwesen nicht mehr funktioniert.

  6. Das brandneue Geschäftsmodell der Südländer heißt "Schuldenschnitt".Ist prächtig angelaufen! Wo gelingt es schon mal, den Gläubigern zu drohen, wie z.B. in Griechenland.Jetzt sind die Portugiesen auf den Geschmack gekommen.
    http://www.sueddeutsche.d...

  7. .....und ihr Gefolge haben es immer noch nicht verstanden was mittlerweile in Europa abgeht.Wir Durchschnittsbürger werden systemathisch verheizt vom Kapitalismus`und Wirtschaft..Gedanken braucht die Frau sich aber keine machen,Ihr wird`s weiterhin gutgehen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters
  • Kommentare 24
  • Versenden E-Mail verschicken
  • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
  • Artikel Drucken Druckversion | PDF
  • Schlagworte Europa | Angela Merkel | Arbeitslosigkeit | Euro-Krise
  • Artikel-Tools präsentiert von:

Service