Bundeskanzlerin Angela Merkel und der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy © dpa

Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat für ihre Entscheidung, die Bonität mehrerer Euro-Staaten herabzustufen, mehrere Gründe angegeben . Drei davon lassen sich in zwei Worten zusammenfassen: schlechte Wachstumsaussichten.

Die schwache Konjunktur ist zum großen Problem in der Schuldenkrise geworden. Italien , Spanien und Irland sind auf dem Weg in eine neue Rezession, die griechische Wirtschaft wird 2012 das fünfte Jahr in Folge schrumpfen. Alle Sparanstrengungen im Süden Europas bringen nichts, wenn in den betroffenen Ländern die Steuereinnahmen sinken und die Arbeitslosigkeit steigt. In Griechenland ist genau dies der Fall, eine Insolvenz des Landes, ungeordnet oder geordnet, ist kaum mehr zu vermeiden.

Bis vor wenigen Wochen schien es so, als ob Europa – oder genauer: Angela Merkel – das Problem nicht erkenne, vielleicht auch nicht erkennen will. Deutschland hat ein formidables Jahr hinter sich. 2012 wird schlechter ausfallen, von einer Rezession jedoch bleibt Deutschland wohl verschont. Dieser Erfolg verbindet sich in Deutschland allzu leicht mit einem Glaubenssatz: Nur wer hart genug spart, gewinnt das Vertrauen der Gläubiger zurück und sorgt so am Ende für mehr Wachstum und Stabilität.

So einfach ist die Rechnung aber nicht. Die Konsolidierung der Haushalte ist wichtig, Sparen im Hauruckverfahren jedoch kontraproduktiv. Krisenverschärfend kommt hinzu, dass die EU die Banken verunsichert hat: Einerseits verlangt Europa von den Geldinstituten, dass sie sich freiwillig an einem Schuldenschnitt in Griechenland beteiligen und ihr Kernkapital binnen weniger Monate auf neun Prozent anheben. Andererseits erwartet die EU von den Banken, dass sie weiterhin ausreichend Kredite an die Unternehmen vergeben. Wenn die Geldhäuser am Markt aber kein frisches Geld bekommen, werden sie sich gesundschrumpfen müssen und ihr Kreditangebot reduzieren. Standard & Poor's warnt also zu Recht vor den negativen Folgen einer Kreditklemme in einigen Euro-Staaten.

Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy scheinen das Problem jetzt erkannt zu haben. Frankreich und Deutschland wollen der EU-Kommission Vorschläge für mehr Wachstum und Beschäftigung in Europa unterbreiten, beim Gipfel Ende Januar sollen sie diskutiert werden. Das ist ein weiterer, wichtiger Schritt in Richtung Wirtschaftsunion. Doch wie so oft in dieser Krise stellt sich abermals die Frage: Warum erst jetzt?

Klar ist: Der Süden Europas muss wettbewerbsfähiger werden, ohne in eine Deflation abzurutschen. Dazu gehören Strukturreformen, aber auch kurzfristige Wachstumsimpulse, beispielsweise mit Mitteln aus den EU-Strukturfonds .

Für Deutschland bedeutet dies jedoch im Umkehrschluss: Wir müssen damit aufhören, unsere Wettbewerbsfähigkeit auf Kosten Südeuropas zu steigern. Deutschland muss mehr für die Binnennachfrage tun, um bestehende Ungleichgewichte in Europa abzubauen. Nur will Angela Merkel das immer noch nicht einsehen.