ChefvolkswirtEZB überrascht mit Ernennung Praets

Der Nachfolger von Jürgen Stark steht fest: Chefvolkswirt der EZB wird der belgische Währungsexperte Peter Praet. Der Deutsche Asmussen hat das Nachsehen.

Der Belgier Peter Praet wird neuer Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB). Das Direktorium der Notenbank einigte sich auf den Belgier als Nachfolger von Jürgen Stark, der den Posten Ende 2011 aufgegeben hatte. Das teilte die EZB in Frankfurt am Main mit.

Der Ökonom Praet ist seit Juni im Direktorium der EZB und arbeitete nach Stationen im Finanzministerium, beim Internationalen Währungsfonds (IWF) und in der Wissenschaft zuletzt bei der Zentralbank Belgiens. Praet ist Experte auf den Gebieten Finanzaufsicht und Finanzstabilität. Geldpolitisch wird er eher den "Tauben" zugerechnet, die anders als die "Falken" beim Thema Preisstabilität ein Auge zudrücken, um mit niedrigen Zinsen die lahmende Konjunktur in Schwung zu bringen.

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Mit der Entscheidung für den Belgier wurden deutsche Hoffnungen enttäuscht: Zuvor galten der Deutsche Jörg Asmussen und der Franzose Benoît Coeuré als aussichtsreichste Kandidaten für den Posten. Währungsfachmann Praet ist der erste Belgier auf diesem Spitzenposten: Seit Gründung der EZB hatten nur Deutsche das Amt bekleidet

Asmussen ist dennoch zufrieden

Deutschland wird damit entschädigt, dass Ex-Finanzstaatssekretär Jörg Asmussen künftig unter anderem einen Großteil der Außenbeziehungen der EZB steuern wird – etwa die Beziehungen zum EcoFin, zur Euro-Gruppe und zu den G20. Bei den wichtigen internationalen Institutionen wird also künftig ein Deutscher EZB-Präsident Mario Draghi vertreten. Bislang war dies dem Vizepräsidenten, dem Portugiesen Vitor Constancio, vorbehalten. Asmussen sagte, er sei zufrieden. "Gemeinsam mit EZB-Präsident Draghi werde ich mich um das kurzfristige Krisenmanagement und die langfristige Ausgestaltung der Euro-Stabilitätsunion kümmern."

Der Franzose Coeuré übernimmt unter anderem die Abteilung Marktoperationen vom im Frühjahr turnusmäßig ausscheidenden Spanier José Manuel González Páramo. Die Abteilung koordiniert neben den regulären Refinanzierungsgeschäften mit den Banken auch die höchst umstrittenen Staatsanleihenkäufe der EZB. Die Entscheidung, wie viele Bonds die EZB kauft, fällt aber im EZB-Rat und Direktorium. Coeuré gilt als Befürworter ausgedehnterer Bondkäufe durch die Zentralbank.

Leserkommentare
  1. Stark hat mit voller Berechtigung mangelhaften Kontrollmechanismen der EZB angemahnt.

    In allgemeiner Betrachtung bleibt unzureichende institutionelle Gestaltung der €-Gruppe das Hauptproblem der Zukunft. Da hat Herr Stark völlig richtig die Grundprobleme mit oder ohne Infaltionssorge aufgezählt.

    Übrigens die gleiche Problematik betrifft die ganze EU, die fehlenden institutionellen Kontrollen sind eine große Gefahr der weiteren demokratischen Entwicklung geworden.

    Institutionelle Kontrolle heißt selbstverständliche rechtliche demokratische Basis zu schaffen, zu achten, zu kontrollieren und notfalls rechtzeitig zu sanktionieren.

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    • Chilly
    • 04.01.2012 um 19:41 Uhr

    angeht, gebe ich Ihnen durchaus recht. Das Problem hierbei ist aber, dass eine echte Machtverschiebung zugunsten Brüssels bei den nationalen Regierungen nicht sehr beliebt ist. Eine solche wäre aber Voraussetzung für eine entsprechende Weiterentwicklung. Gerade in D hat Frau Merkel erkannt, dass sie nach einem starkten Duchhänger im vergangenen Frühjahr/Sommer mit einer "Eindeutschung" der EU wieder Sympathiepunkte beim deutschen Wahlvolk sammeln kann. Dies zeigen nicht zuletzt die jüngeren Umfrageergebnisse, nach denen sie wieder an der Spitze der Beliebtheitsskalen liegt.

    Nur wenn es eine Europäische Regierung gibt, gibt eine Kontrolle durch das Europäische Parlament Sinn. Solange aber die Macht bei einer Versammlung der nationalen Regierungen (= Rat bzw. Ministerrat) liegt, erfolgt logischerweise auch die Kontrolle national und damit mit nationaler Brille. Das ist genau das Problem.

    CHILLY

    • Chilly
    • 04.01.2012 um 19:41 Uhr

    angeht, gebe ich Ihnen durchaus recht. Das Problem hierbei ist aber, dass eine echte Machtverschiebung zugunsten Brüssels bei den nationalen Regierungen nicht sehr beliebt ist. Eine solche wäre aber Voraussetzung für eine entsprechende Weiterentwicklung. Gerade in D hat Frau Merkel erkannt, dass sie nach einem starkten Duchhänger im vergangenen Frühjahr/Sommer mit einer "Eindeutschung" der EU wieder Sympathiepunkte beim deutschen Wahlvolk sammeln kann. Dies zeigen nicht zuletzt die jüngeren Umfrageergebnisse, nach denen sie wieder an der Spitze der Beliebtheitsskalen liegt.

    Nur wenn es eine Europäische Regierung gibt, gibt eine Kontrolle durch das Europäische Parlament Sinn. Solange aber die Macht bei einer Versammlung der nationalen Regierungen (= Rat bzw. Ministerrat) liegt, erfolgt logischerweise auch die Kontrolle national und damit mit nationaler Brille. Das ist genau das Problem.

    CHILLY

    • ludna
    • 03.01.2012 um 17:52 Uhr

    Da wurde beim Wahlkaisertum auch immer streng drauf geachtet, dass der Kaiser möglichst schwach war. Irgendwann werden die Prozesse so zähflüssig und nichts geht mehr vorwärts, dass sich das Gebilde selbst überlebt. Dann brauch es nur noch eines kleines Anstosses und alles kippt zusammen. Damals war es Napoleon.

    2 Leserempfehlungen
    • pabaco
    • 03.01.2012 um 17:58 Uhr

    "Damit wurden deutsche Hoffnungen enttäuscht: Zuvor galten der Deutsche Jörg Asmussen und der Franzose Benoît Coeuré als aussichtsreichste Kandidaten"

    Ich empfehle jedem , der auf Asmussen hoffte, den entsprechenden Wikipedia Artikel. Hier wird seine Rolle vor der Finanzkrise beleuchtet. [...]

    http://de.wikipedia.org/w...

    Gekürzt. Bitte üben Sie Kritik auf einer sachlichen, respektvollen Ebene. Danke. Die Redaktion/vn

    9 Leserempfehlungen
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    • Nest
    • 03.01.2012 um 20:18 Uhr

    Der Wikipedia-Artikel ist der Hammer.
    Mal sehen, wie lange das so stehen bleibt...

    • Nest
    • 03.01.2012 um 20:18 Uhr

    Der Wikipedia-Artikel ist der Hammer.
    Mal sehen, wie lange das so stehen bleibt...

  2. Herr Praet hat in seinem Bart gewiß noch Goldvorräte versteckt, daher ist seine Berufung nicht nur verständlich, sondern auch beruhigend.

  3. nach ihrer Logik müßte ein Bundeskanzler immer aus Nordrhein-Westfalen stammen.
    Auch an solchen Kommentaren sieht man:
    Es ist noch ein weiter Weg zu einem vereinten Europa!

    6 Leserempfehlungen
  4. Hat nicht Asmussen als Mitglied des Aufsichtsrats der Pleitebank IKB sich nicht aktiv dafür eingesetzt, dass die Schrottpapiere gekauft wurden, die diese Bank dann ruiniert haben?

    Bei dieser "Kompetenz" ist es doch positiv zu bewerten, dass der Mann die Nachfolge Starks nicht antreten durfte.

    7 Leserempfehlungen
  5. als Schäuble-Einflüsterer? Also hat man ihm den Chefvolkswirt in Aussicht gestellt. "Nach der Wahl ist es manchmal anders als vor der Wahl", habe vergessen von wem das ist.;-)

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    • BerndL
    • 03.01.2012 um 18:23 Uhr

    wurde angesichts seiner Rolle während der Finanzkrise. Unter normalen Umständen sollten nach den Fehlern, die zur Finanzkrise führten, die wesentlichen Akteure aus der Politik verschwinden. Dass Asmussen immer noch im Finanzministerium tätig ist, halte ich für einen Skandal.
    Die Besetzung der Posten in der EZB durch Personen aus notorischen Schuldenstaaten halte ich für sehr bedenklich. Fair wäre es Besetzung von Posten und Stimmrechte direkt mit dem Nettoeinzahlungsanteil zu verbinden.
    Derzeit ist es eher so, als würde in einer Kneipenrunde mit 2-3 Zahlungskräftigen demokratisch angestimmt, wer die nächsten Bierrunden bezahlt.

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