Großbritannien Europapolitik wie im Shakespeare-Drama
Britische Europaskeptiker wettern: Premier Cameron habe auf dem Brüsseler Gipfel die nationalen Interessen verraten. Das Volk teilt die Aufregung nicht.
© Jean-Christophe Verhaegen/AFP/Getty Images

David Cameron auf einer Pressekonferenz am Rande des EU-Gipfels in Brüssel
Britische Zeitungen sind genial darin, sich als des Volkes Stimme zu gebärden. Wenn sie "Empörung" über die Besoldung der Bosse oder Boni der Banker ausmachen, spiegelt das jedoch eher künstliches Entsetzen und populistische Verkaufsstrategien der Pressebarone als eine tatsächliche Auflehnung der Allgemeinheit wider. Die Briten neigen zur Besonnenheit. In ihrem Alltag kümmern sie sich wenig um Politik. Aber sie lieben es, das Zeitgeschehen als permanentes Shakespeare-Drama serviert zu bekommen.
Glaubt man den Schlagzeilen, muss Premierminister David Cameron eine "Rebellion" seiner Partei gewärtigen, weil er bei dem europäischen Krisengipfel am Montag in Brüssel eine 180-Grad-Wendung vollführt und den üblen Machthabern vom Kontinent die Mittel an die Hand gegeben habe, die Freiheit der Nation zu unterminieren, für die Millionen Vorväter ihr Leben geopfert haben.
Es ist kurios, wie sich rechte und linke Blätter die Bälle zuspielen. Rupert Murdochs europafeindliche Sun wittert Verrat und bildet den Premier mit der Bildunterschrift "Beste Freunde" beim Begrüßungskuss mit Angela Merkel ab. Das Blatt berichtet, Camerons Hinterbänkler hätten bereits eine Verschwörung angezettelt. Im Schulterschluss mit dem aufgebrachten Volk begehrten 64 Unterhausabgeordnete in einer Kampagne gegen die EU auf.
Der linksliberale, europafreundliche Guardian zeigt den Regierungschef in verzweifelter Pose mit heruntergezogenen Mundwinkeln und gerunzelter Stirn, als alleine gelassenen, ratlosen Mann. Das Blatt schlägt in die gleiche Kerbe wie die Sun: Cameron habe dem Druck aus Berlin und Paris nachgegeben, berichtet der Guardian, und sein Veto gegen eine Revision des Vertrages von Lissabon im Dezember letzten Jahres fallen gelassen.
Schottland bewegt die Briten stärker als Europa
Von einem Triumph des liberalen Koalitionspartners ist die Rede, ebenfalls von einer Revolte der Tories und von erneutem Druck, ein Referendum über die britische Mitgliedschaft in der EU abzuhalten. Politiker schließen sich den dramatischen Übertreibungen mit Gusto an. Sie bemühen Analogien aus Kriegen und Kämpfen der Vergangenheit. Der Labour-Führer Ed Milliband behauptet, der Premier habe britische Interessen der europäischen Willkür ausgeliefert.
In Wahrheit bewegt Europa die Briten derzeit wenig. Eine für 2014 geplante Volksabstimmung über eine Abspaltung Schottlands vom Königreich wühlt die Gemüter sehr viel mehr auf. Eine Analyse jüngster Umfragen über die Wahlabsichten der Schotten bei diesem Referendum ist soziologisch auch für die Einstellung zur EU aufschlussreich. Arbeitslose und unterprivilegierte Schotten wollen zu 58 Prozent für die sogenannte Unabhängigkeit ihrer Nation stimmen – was immer das im heutigen Europa bedeuten mag. In wohlhabenderen Gegenden sind es nur 27 Prozent der Bevölkerung.
Nationalismus gedeiht auf dem Mistbeet der Armut, das populistische Politiker mit der Jauche ethnischer Vorurteile düngen. Doch die britische Politik wird letztlich nicht von Populisten bestimmt. Es ist immer wieder erstaunlich, wie konsensfähig die Parteien sind, wenn es um zentrale Fragen des nationalen Interesses geht. Dahinter steht der strikt neutrale Beamtenapparat. Der hat enormen Einfluss auf ministerielle Entscheidungen. Die EU-Mitgliedschaft steht für Whitehall – das Kürzel für die Londoner Staatsdiener – nicht zur Debatte.
- Datum 31.01.2012 - 18:42 Uhr
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- Quelle ZEIT ONLINE
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Entfernt. Bitte verzichten Sie auf polemische Kommentare. Danke. Die Redaktion/vn
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf polemische Äußerungen und pauschale Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/vn
.... Vergleiche ich aber bspw die Behandlung der Krise oder die Verträge Maastricht und Lissabon in dieser Wochenschrift und in The Economist, so muss der Engländer so ungebildet im Vergleich zum Deutschen, weil er die deutsche Zeitung und der Hiesige liest englisch.
Nein, im Ernst. Eine so ignorante Behauptung, wie Ihre zu "den Engländern" ist peinlich, da sie sich selbst in Frage stellt. Der Artikel war schon schlimm, aber Ihr Einwurf gewinnt den Keks, wie der Engländer sagt.
.... Vergleiche ich aber bspw die Behandlung der Krise oder die Verträge Maastricht und Lissabon in dieser Wochenschrift und in The Economist, so muss der Engländer so ungebildet im Vergleich zum Deutschen, weil er die deutsche Zeitung und der Hiesige liest englisch.
Nein, im Ernst. Eine so ignorante Behauptung, wie Ihre zu "den Engländern" ist peinlich, da sie sich selbst in Frage stellt. Der Artikel war schon schlimm, aber Ihr Einwurf gewinnt den Keks, wie der Engländer sagt.
Ich hoffe die Besonnenheit der Engländer wird die Oberhand behalten und vielleicht dazu führen, dass auch England einen Beitrag für ein gemeinsames Europa leistet. Bisher konnte England von Europa nur profitieren. Was wäre z.B. London ohne seine französischen Restaurants. Jedenfalls ist es der englischen Küche bisher nicht gelungen, die kontinentaleuropäische Küche zu bereichern. In anderen Bereichen sieht es ähnlich aus.
...bereits einen erheblichen Beitrag. Man braucht nur die Foren oder Wirtschaftszeitung zu lesen um zu wissen, dass selbst hier erheblich Zweifel an Qualität und Durchführung des europäischen Projektes bestehen und es ist kein Geheimnis, dass die Engländer damals dem Euro nicht beitraten, weil sie genau eine solche Krise befürchteten, wie sie kam. Mit der gleichen Arroganz wie man heute Cameron beschimpft, wischte man damals die Warnungen vom Tisch zum Schaden des Deutschen Volks, wie sich herausstellte.
einige ganz einzigartige kulinarische Juwelen hervorgebracht. Hierzu zähle ich vor allem die englischen Blauschimmelkäse. Diese sind bis auf Stilton leider nicht sonderlich bekannt, stellen aber mit Abstand das Beste dar, was Käse sein kann. Auch wie man Fleisch ordentlich zubereitet, kann man in England lernen. Das soll manch befremdlichen Exzesse der englischen Küche nicht in Schutz nehmen. Aber es das Vorurteil ist eben nur die halbe Wahrheit.
...bereits einen erheblichen Beitrag. Man braucht nur die Foren oder Wirtschaftszeitung zu lesen um zu wissen, dass selbst hier erheblich Zweifel an Qualität und Durchführung des europäischen Projektes bestehen und es ist kein Geheimnis, dass die Engländer damals dem Euro nicht beitraten, weil sie genau eine solche Krise befürchteten, wie sie kam. Mit der gleichen Arroganz wie man heute Cameron beschimpft, wischte man damals die Warnungen vom Tisch zum Schaden des Deutschen Volks, wie sich herausstellte.
einige ganz einzigartige kulinarische Juwelen hervorgebracht. Hierzu zähle ich vor allem die englischen Blauschimmelkäse. Diese sind bis auf Stilton leider nicht sonderlich bekannt, stellen aber mit Abstand das Beste dar, was Käse sein kann. Auch wie man Fleisch ordentlich zubereitet, kann man in England lernen. Das soll manch befremdlichen Exzesse der englischen Küche nicht in Schutz nehmen. Aber es das Vorurteil ist eben nur die halbe Wahrheit.
.... Vergleiche ich aber bspw die Behandlung der Krise oder die Verträge Maastricht und Lissabon in dieser Wochenschrift und in The Economist, so muss der Engländer so ungebildet im Vergleich zum Deutschen, weil er die deutsche Zeitung und der Hiesige liest englisch.
Nein, im Ernst. Eine so ignorante Behauptung, wie Ihre zu "den Engländern" ist peinlich, da sie sich selbst in Frage stellt. Der Artikel war schon schlimm, aber Ihr Einwurf gewinnt den Keks, wie der Engländer sagt.
“Nationalismus gedeiht auf dem Mistbeet der Armut, das populistische Politiker mit der Jauche ethnischer Vorurteile düngen. Doch die britische Politik ... “
Erstens: In Schottland ist der überwiegende Teil der Bevölkerung eher sozialdemokratisch eingestellt als wirtschaftsliberal. Der Staat soll eben mehr sein als nur der Garant für eine liberale Marktplatform.Seit es mit dem Abgang von Neil Kinnock im UK aber keine “linke” mehr gibt, fuehren sich viele Schotten – und nicht nur die Armen - von Westminster einfach nicht mehr vertreten. Das geht lange Jahre zurueck: Die Wunden, die der kalte Liberalismus von M. Thatcher gerissen hat, sind eigentlich nie richtig verheilt. Daher hört man auch in besseren Kreisen Edinburgh's des öfteren: “Well, they have had their Union”.
Zweitens: Lässt man Fußball beiseite, dann kommt der schottische Nationalismus irgendwie fast vollständig ohne Fremdenfeindlichkeit aus (das schließt Engländer übrigens mit ein).
Drittens: Übrigens ist Verschleiß des UK kein Schottisches Phänomen: Auch die Waliser und die Nordiren werden die Systemfrage stellen, wenn die Schotten packen. DA brodelt es gewaltig, denn die eigentliche Grenzlinie ist naemlich ganz woanders: Alle Nicht-Londoner haben's langsam Leid, das Westminster nur Politik für eine Londoner Elite macht.
Den hardcore Tories ist es uebrigens gar nicht so unrecht: Mit dem Abgang der Schottischen Labour-Wähler waere dann ja endlich eine Tory-Regierung in Westminster für Jahre zementiert.
Der Geldfluss, der nun in Frankreich besteuert werden soll, ist der "Atem der Wirtschaft" im Euroraum. Man führt ja auch keine Luftsteuer für die Bürger ein, damit sie jeden Atemzug bezahlen.
Ich verstehe die Transaktionssteuer nicht als Besteuerung der Atemluft, sondern eher als Maßnahme der Luftreinhaltung zum Schutz vor Feinstaub.
Ich verstehe die Transaktionssteuer nicht als Besteuerung der Atemluft, sondern eher als Maßnahme der Luftreinhaltung zum Schutz vor Feinstaub.
...bereits einen erheblichen Beitrag. Man braucht nur die Foren oder Wirtschaftszeitung zu lesen um zu wissen, dass selbst hier erheblich Zweifel an Qualität und Durchführung des europäischen Projektes bestehen und es ist kein Geheimnis, dass die Engländer damals dem Euro nicht beitraten, weil sie genau eine solche Krise befürchteten, wie sie kam. Mit der gleichen Arroganz wie man heute Cameron beschimpft, wischte man damals die Warnungen vom Tisch zum Schaden des Deutschen Volks, wie sich herausstellte.
Sie verkennen, wie ideologisch die britische Europa-Politik ist. Ich glaube, in Folge 4 der 1. Serie von "Yes, Minister" wird das hinlaenglich erklaert.
Es ist Ihnen auch entgangen, dass die Briten eigentlich nur deshalb nicht Pleite sind, weil sie einfach 100 Mrd GBP gedruckt haben. Wenn das die Loesung ist, frage ich mich, warum wir Deutsche das der EZB nicht erlauben.
Sie verkennen, wie ideologisch die britische Europa-Politik ist. Ich glaube, in Folge 4 der 1. Serie von "Yes, Minister" wird das hinlaenglich erklaert.
Es ist Ihnen auch entgangen, dass die Briten eigentlich nur deshalb nicht Pleite sind, weil sie einfach 100 Mrd GBP gedruckt haben. Wenn das die Loesung ist, frage ich mich, warum wir Deutsche das der EZB nicht erlauben.
unter einem sachlichen und angemessenen Argumentationsstil stelle ich mir etwas anderes vor.
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