Ratings Keine Angst um den Rettungsfonds

Die Folgen der Herabstufung des Rettungsfonds sind überschaubar. Die Handlungsfähigkeit wird dadurch nicht wirklich eingeschränkt, schreibt IW-Chef Hüther im Gastbeitrag.

Man kann den Eindruck gewinnen, dass die Europäer ihre Rechnung ohne die Rating-Agenturen gemacht haben. Die Herabstufung zahlreicher Staaten der Eurozone, darunter Frankreich und Österreich, durch Standard & Poor‘s scheint die Logik der bisherigen Rettungspolitik in Frage zu stellen.

Dabei geht es nicht so sehr um die direkte Wirkung der Herabstufung auf die betroffenen Staaten selbst. Entscheidend ist, ob die Entscheidung von Standard & Poor's dem temporären Rettungsfonds der Eurozone schadet, dem EFSF. Wird es für die European Financial Stability Facility jetzt schwerer, sich am Kapitalmarkt zu refinanzieren?

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Der EFSF ist als Aktiengesellschaft nach Luxemburger Recht ohne Eigenmittel konstruiert worden. Gesellschafter sind die Staaten der Eurozone, die durch ihre Garantien die Refinanzierung zu bester Bonität sicherstellen wollen. Das entspricht einem AAA-Rating – und ob sich das halten lässt, ist nach der Herabstufung zumindest fragwürdig.

Michael Hüther
Michael Hüther

ist Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW).

Der EFSF soll maximal 440 Milliarden Euro ausgeben können, um Defizitländern direkt zu helfen, Staatsanleihen am Sekundärmarkt zu erwerben oder Mittel für die Rekapitalisierung der systemrelevanten Banken in der Eurozone zur Verfügung zu stellen. Hätten alle garantierenden Staaten eine AAA-Bonität, dann wäre es ausreichend, wenn die Garantien genau der gewünschten Summe von 440 Milliarden Euro entsprächen. Doch das ist nicht der Fall. Deshalb wurde das Kreditvergabevolumen des EFSF ursprünglich zu 120 Prozent abgesichert. Das heißt, jeder jeder Euro-Staat haftet für 20 Prozent mehr als es seinem Kapitalanteil an der Europäischen Zentralbank entspricht, der hier als Schlüssel für die Aufteilung der Garantiesumme gewählt wurde. Im Sommer 2011 wurde die Garantiesumme auf 780 Milliarden Euro erhöht. Nur so werden die avisierten 440 Milliarden Euro als Kreditvolumen verfügbar.

Bislang ist beschlossen, dass Irland, Portugal und Griechenland Geld aus dem EFSF erhalten. Irland soll insgesamt bis zu 85 Milliarden Euro erhalten. Bis zu 18 Milliarden Euro davon kommen in den Jahren 2011 und 2012 vom EFSF. Portugal soll bis zu 78 Milliarden bekommen, maximal 26 Milliarden davon vom EFSF. Für Griechenland sollen von EFSF und IWF bis zu 109 Milliarden bereitgestellt werden.

Wie hoch der Anteil des EFSF tatsächlich sein wird, ist noch unklar. Die Umschuldung der ausstehenden griechischen Staatsanleihen des Privatsektors in Höhe von rund 200 Milliarden in langfristige neue Anleihen mit einem Nennwert von 100 Milliarden Euro soll dadurch attraktiv gemacht werden, dass diese mit einem Betrag von 30 Milliarden Euro durch Nullkupon-Anleihen besichert werden. Der EFSF soll diese Anleihen garantieren. Damit hätte der EFSF noch mindestens 257 Milliarden Euro zur Verfügung – falls er die notwendigen Mittel am Finanzmarkt aufnehmen kann.

Die Sorge um eine Überforderung der Rettungsfonds speiste sich im Herbst 2012 durch die Einschätzung, dass Italien und Spanien Kandidaten für die europäische Rettung sein könnten. Deshalb beschloss die Eurogruppe im vergangenen Oktober, dass der EFSF gehebelt und dadurch vom Kreditfonds zur Kreditversicherung weiterentwickelt werden solle.

Seither hat sich die Diskussion in Italien und Spanien entspannt. Die Zinsniveaus für die dortigen Staatsanleihen sind deutlich gesunken, und die Zinsstrukturkurven haben sich normalisiert. Damit ist der Druck auf eine Hebelung der EFSF deutlich vermindert. Übrigens ist es bisher auch nicht gelungen, den Hebel auch technisch umzusetzen.

Leser-Kommentare
  1. Na da können wir ja alle froh sein, dass das deutsche Geld illegalerweise von Griechenland und Co. ausgegeben werden kann.

    Das ist keine Rettung, sondern eine illegale Aktion. Kein Land darf für die Verbindlichkeiten eines anderen haften (vgl. Art. 125 AEUV).

    Zudem darf die EZB keine Staatsanleihen aufkaufen (Art. 123 AEUV). Also: was soll diese ständige Verharmlosung illegaler Vorgänge?

  2. Schön wäre ja, wenn auch ausgewiesene Fachleute sich einmal mit den Argumenten derer auseinandersetzen würden, die behaupten, dass unser Finanzsystem auf Dauer nicht funktionieren kann. Ein zinsbasiertes Schuldgeldsystem wie das unsere kann auf Dauer nicht funktionieren.

    ich versuche es in aller kürze:

    die wurzel allen übels ist die geldschöpfung - also die prozesse, bei denen unser geld entsteht. geld entsteht bei uns nur in zwei prozessen: a) die zentralbank gibt einer geschäftsbank einen KREDIT b) eine geschäftsbank gibt einem kunden (unternehmen, privatperson) einen KREDIT.

    fällt ihnen etwas auf?

    alles geld entsteht als KREDIT. für kredite sind ZINSEN zu zahlen. das geld für diese zinsen wurde aber nicht geschaffen und kann in der gesamtheit nur über neue kredite von den schuldnern aufgebracht werden. dies bedingt eine endlose verschuldungsspirale, die im crash des systems enden MUSS.

    ausführlicher hier: http://bettercentury.blog...

    Ich wünsche noch einen schönen Abend!

    Eine Leser-Empfehlung
  3. Auf Wunsch entfernt. Die Redaktion/se

  4. ... ist die Tatsache, dass es nichts schadet, wenn man mal einen verpasst. In der folgenden Woche gibt es ganz bestimmt schon wieder einen.

    • EURO
    • 20.01.2012 um 23:51 Uhr

    … um solchen Geschwätz noch Glauben zu schenken?
    Es ging z.B. nie um die Rettung Griechenlands, sondern immer nur um die Rettung von Banken. Das hat selbst der ehemalige EU-Kommissar Verheugen (SPD) am 16.01.2012 in „Unter den Linden“ zugestanden. Keine Währung ist es als solche wert gerettet zu werden.

    Es werden Banken gerettet und es soll ein politisches Projekt gerettet werden! Allein darum geht es. Das politische Projekt ist der Traum und Wahn der politischen Klasse, und da sind sie alle dabei, die Akteure in CDU/CSU/FDP/GRÜNE/SPD/LINKE. Sie glauben, ein supranationaler EU-Zentralstaat sei möglich und zu begrüßen. Und sie glauben, eine gemeinsame Währung, die uns, den Griechen und allen Untertanen in der Zone oktroyiert wurde, könne Einheit schaffen. Gleichgerichtetes Denken und Handeln etc. wollen sie. Man denke nur an Stoiber, der meinte, man müsse die Mentalitäten der Länder ändern.

    Nein! Europas (das ist mehr als die Eurozone und die EU) Reichtum besteht u.a. gerade in der Vielfalt der Mentalitäten, die es auf so kleinem Raum wohl kein weiteres Mal auf der Welt gibt.

    Kooperation: JA. Gleichmacherei: Nein. Gleichschaltung der Gesellschaftsysteme in der EU oder Europa: Nein. Bevormundung anderer durch uns: Nein. Freiwilliges Lernen voneinander: Ja.

    Wettbewerb im Denken, wirtschaftlichen Handeln, im Leben und eben auch in den Währungen muss wieder möglich werden! Das geht mit dieser EU nicht. Mit der Zone schon gar nicht!

  5. Von überschaubaren Folgen und scheinbar geordneten Verhältnissen wird in diesem Artikel gesprochen, dabei ist die Zeit schon wieder vorgerückt, nur dass man es in der ZEIT immer noch nicht lesen kann:

    Italien fordert eine Verdoppelung des Rettungsschirms ESM auf 1 Billion Euro. Unbegrenzte Schulden sollen dem deutschen Steuerzahler von seinen europäischen Freunden aufgebürdet werden. Billionen, Trillionen, Myrillionen, wir haben es ja. Nur nicht heute, sondern morgen, wenn das Geld aus dem Nichts geschaffen wurde und dann durch Hyperinflation wertlos geworden ist.

    Es ist doch offensichtlich, was gespielt wird.

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