SchuldenkriseRating-Agentur entzieht Frankreich Top-Bonität

Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat Frankreichs Kreditwürdigkeit herabgestuft. Das sei keine Katastrophe sagte der französische Wirtschaftsminister François Baroin. von afp und reuters

Der französische Finanzminister François Baroin hat Berichte bestätigt, wonach die US-Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) Frankreich die Top-Bonität entziehen wird. Frankreich werde die Bestnote AAA verlieren und bei der langfristigen Kreditwürdigkeit von S&P um einen Punkt niedriger bei AA+ geführt, sagte Baroin im französischen Fernsehen. Frankreich lasse sich von den Rating-Agenturen aber nicht seine Politik diktieren, fügte der Minister hinzu.

Die französische Budgetministerin Valérie Pécresse bemühte sich um Beruhigung nach dem Gerüchte über die Herabstufung aufkamen. "Frankreich ist ein sicherer Wert, es kann seine Schulden zurückzahlen und das Defizit hat sich zuletzt besser entwickelt als erwartet", sagte sie dem Fernsehsender BFMTV. Von Präsident Nicolas Sarkozy gab es zunächst keine Stellungnahme.

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Die Agentur hatte am 6. Dezember den Ausblick für das Rating von 15 Euro-Ländern auf "negativ" gesetzt und damit eine Herabstufung binnen drei Monaten vorbereitet. Ein schlechteres Rating kann, muss aber nicht, für die betroffenen Länder höhere Finanzierungskosten in Form steigender Zinsen nach sich ziehen. Deutschland hat die beste Bonitätsstufe AAA.

Frankreich steht wegen seines hohen Staatsdefizits seit Monaten unter erheblichem Druck der Märkte. Angesichts der sich verschlechternden Wirtschaftslage musste die Regierung innerhalb weniger Monate zwei Sparprogramme ankündigen, um die Ziele beim Schuldenabbau einhalten zu können.

Euro-Kurs reagierte bereits auf Gerüchte

Der Euro fiel nach der Meldung, dass eine Herabstufung bevorstehe, bis auf 1,2687 Dollar, nachdem er im frühen Geschäft noch um 1,2878 Dollar notiert hatte. Die Aktienmärkte gerieten verstärkt unter Druck. Der Dax gab um 0,6 Prozent nach auf 6.144 Punkte. Auch die Wall Street lag zum Handelsbeginn in New York deutlich im Minus. Als sicher geltende Bundesanleihen waren verstärkt nachgefragt.

Auch die Kurse an den großen Aktienmärkten in New York fielen aufgrund der drohenden Rating-Abstufungen in Europa . Nach ihrem Fünfmonatshoch vom Vortag sanken der Dow Jones und S&P-500-Index zum Handelsauftakt.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer sagte, die Bonitätsherabstufung irritiere zwar kurzfristig die Märkte, sei aber kein großes Problem in einer Welt, in der auch die USA und Japan nicht mehr über das Spitzenrating AAA verfügten. "Dreifach-A ist ohnehin eine aussterbende Spezies", sagte er.

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Leserkommentare
  1. ...man wird doch das Gefühl nicht los, als verdienten diese Agenturen mit ihren Self-Fullfilling Prophecies am Ende wieder nur mehr Geld...

    Kaum scheint sich die Lage zu erholen oder zu stabilisieren, wird der nächste Knüppel aus dem Sack geholt.

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    diese ratings aus den USA sind eindeutig destabilisierend.
    Und zwar gezielt.
    Vermutlich ist einer der "steuerlichen Gründe", die von
    S&P angeführt wurden, die von Sarkozy geforderte
    Finanztransaktionssteuer :)

    Wenn man an die positiven Nachrichten von gestern denkt.

    Mir liegt nichts an Schelte der werten Mitforisten, gleichwohl greifen die Gedanken der meisten Kommentatoren erheblich zu kurz.

    Bereits am 12.12.2011 sendete der WDR eine ausgesprochen bemerkenswerte Analyse seitens Folker Hellmeyer dem Chefanalyst der Bremer Landesbank mit dem Titel: Wirtschaftskrieg per Rating? Er begründet seine These, dass „…die US-Agenturen sozusagen die Front in einem Wirtschaftskrieg gegen Europa…“ führen, durchaus eindrucksvoll.
    http://www.wdr5.de/sendun...

    zum Nachhören:

    http://www.wdr5.de/nachho...

    Mich wundert nur, dass sich diese Auffassung nicht schon auf breiter Front, um im Duktus zu bleiben, durchgesetzt hat, geschweige denn dass solche Angriffe vom europäischen Führungspersonal abgewehrt werden.

    • joG
    • 13. Januar 2012 19:06 Uhr

    ....nur Buch. Es sind in diesem Fall die europäischen Politiker und Eurokraten, die eine atemberaubende Zerstörung riskieren. Wir können nur Danken, wenn jemand das auch sagt. Dies tun die Agenturen. Oder haben Sie wirklich geglaubt, dass die Gefahr gebannt ist? Sie ist vielmehr größer geworden. Nur sieht man im Augenblick auf die ablenkenden Eskapaden eines Provinzpolitikers, der nun Vater der Nation spielt.

  2. diese ratings aus den USA sind eindeutig destabilisierend.
    Und zwar gezielt.
    Vermutlich ist einer der "steuerlichen Gründe", die von
    S&P angeführt wurden, die von Sarkozy geforderte
    Finanztransaktionssteuer :)

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  3. 3. ......

    Wen interessieren denn noch diese Rating-Agenturen, die nichts besseres zu tun haben, als vorgebliche und selbstgeamchte Krisen zu befeuern?

    Es wurde auch gedroht Deutschland die Bestnote zu entziehen, dennoch wurden die letzen Anleihen mit einem Negativ-Zinz versteigert.

    Spanien hat man gejagt, obwohl es dazu keinen echten Anlass gab. In diesem Jahr werden 24 Mrd. Euro für den Schuldendienst fällig und 26 Mrd wurden dafür bereitgestellt - für alle Eventualitäten. Dennoch wurde Spanien weiter abgeratet. Aber mittlerweile haben wohl einige Investoren das billige Spiel der Rating-Agenturen - die allesamt US-amerikanisch sind und durchaus ein Interese am Niedergang des Euros haben (um den Dollar zu stützen) - durchschaut und die Spanier haben ihre Anleihen ebenfalls zu einem vernünftigen Kurs versteigern können.

    Also kurz und gut: Zum Teufel mit den Rating-Agenturen und ihren Kaffeesatzlesereien, die mit ihrem Rating und dem AAA-Zertifikat für Ramschkredite die Finenzkrise erst mit ermöglicht haben.

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    "Aber mittlerweile haben wohl einige Investoren das billige Spiel der Rating-Agenturen - die allesamt US-amerikanisch sind und durchaus ein Interese am Niedergang des Euros haben (um den Dollar zu stützen) - durchschaut"

    Stimmt nicht. Eine der drei grossen Ratingsagenturen, Fitch, ist franzoesisch, sie gehoert mehrheitlich der franzoesischen Firma Fimalac SA.

    Wie kommt's dass die grossen Verschwoerungstheoretiker, die den Niedergang des Euros (wie alles Schlechte) auf die boesen Amis schieben, das nicht wissen (oder behaupten es nicht zu wissen)?

  4. haben sich die jünger des gesenkten daumens aber auch einfach mal wieder verrechnet.

    • Mike M.
    • 13. Januar 2012 17:12 Uhr

    Den Ratingagenturen kam man m.E. nur begrenzt einen Vorwurf machen. Denn sie überbringen nur einer Botschaft bzw. äußern nur ihre Meinung über die Bonität eines Staates, was man ihnen nicht verbieten kann. An der realen Bonität von frankreich ändert das aber über Nacht nichts.

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    • Klüger
    • 13. Januar 2012 18:20 Uhr

    ... gerade gestern konnten sich Italien und Spanien zu unerwartet günstigen Zinsen mit Geld versorgen.

    Der Euro legt zu - da wird am nächsten Tag mit der Herabstufung von Frankreich gedroht.

    Das Problem ist, dass die Ratingagenturen völlig ungestraft unter dem Deckmantel der meinungsfreiheit irgendwelche Einschätzungen verbreiten dürfen, im sicheren Wissen, damit bestimmte Marktbewegungen auszulösen.

    Wer sagt uns denn, dass:

    1. keine Interessen bestimmter Gruppen stehen, die gezielt den Euro schwächen

    2. mit den vorhersagbaren Kursbewegungen sowohl auf dem Devisen- als auch dem Aktienmarkt keine Insidergeschäfte gedreht werden?

    Immerhin sind die Ratingagenturen alesamt in der Hand von privaten Marktteilnehmern.

    Zu glauben, diese würden der Versuchung widerstehen, ihre üppigen Gebühreneinnahmen durch noch üppigere Insidergeschäfte aufzubessern, ist m. E. schlichtweg naiv!

  5. Wieder mal Panikmache. Es ist völlig unverständlich warum die "Märkte" immer noch auf diese "Gerüchte" reagieren. Die kürzere Vergangenheit hat doch gezeigt, dass nicht wirklich etwas gravierendes geschehen ist. Die Rating-Agenturen machen die ganze Angelegenheit viel schlimmer. Am besten "völlig ignorieren". Aber wem sage ich das?

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    der Märkte besteht ja wahnwitziger Weise immer darin, dass sie nicht auf reale Gegebenheiten reagieren,sondern dass sie antizipieren, wie die anderen Teilnehmer agieren werden.
    Da kann eine Abstufung, auch in den Augen der Marktteilnehmer,
    in der Sache völlig ungerechtfertigt sein, da sie idR zu Devisen-und Aktienverkäufen führt, verkauft man prophylaktisch auch schon mal und schafft /verstärkt einen sich selbst beschleunigenden
    Trend.
    In der jetzt gerade einsetzenden Phase der Beruhigung war dies
    eine gezielte Destabilisierung...ein Wirtschaftskrieg der USA
    gegen Europa.

  6. Das wahre Problem der Finanzwirtschaft ist die extreme Intransparenz.
    Wieso haben sich die Banken nach der Lehman Pleite kein Geld mehr geliehen?

    Die Bilanz einer Bank hat anders als die Bilanz eines Unternehmens keine oder nur eine sehr begrenzte Aussagekraft über den Zustand der Bank. Die Ratingagenturen haben daraus ein Geschäftsmodell entwickelt, welches allerdings offensichtlich problematisch ist. Denn die Bank bezahlt die Ratingagentur für die eigene Bewertung und stellt hierzu der Ratingagentur interne Daten zur Verfügung.

    Eine möglicher Lösungsansatz wäre der gesetzliche Zwang zur vollständige Offenlegung aller Kreditgeschäfte, mit Angabe von Kredithöhe, Zinssatz und Gläubiger. Kleine private Gläubiger könnte man unter einem Punkt anonym zusammenfassen.
    Wieso eigentlich nicht? Völlige Transparenz des Kapitalmarkts hätte aus meiner Sicht erhebliche Vorteile und könnte den Finanzmarkt nachhaltig stabilisieren und die Renditen drücken.

  7. Am einen Tag noch halbwegs gute Laune an den Märkten, da beipielsweise der ausgewiesene Experte und Technokrat Monti in Italien notwendige und gute Reformen auf den Weg bringt, heute genau das Gegenteil.
    Die einen ächzen unter der Zinslast, im Falle Deutschlands werden sogar negative Zinsen möglich, da nichts mehr unmöglich scheint.
    Natürlich wird unter diesen Umständen die Neuverschuldung im nächsten Jahr wieder höher ausfallen.Ja, Schulden machen hat plötzlich wieder einen Sinn. Verrückte Welt!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, Reuters
  • Schlagworte Dax | Nicolas Sarkozy | Dow Jones | Frankreich | Agentur | Aktienmarkt
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