Beflügelt vom Sturz Muammar al-Gaddafis und der breiten Allianz gegen das syrische Regime widmet sich die EU nun dem Iran . Brüssel will Teheran durch ein Öl-Embargo zum Kurswechsel in der Atompolitik zwingen. Am 30. Januar sollen die Maßnahmen beschlossen werden. Zusätzlich könnte US-Präsident Barack Obama ab März einen großen Teil des internationalen Zahlungsverkehrs des Landes blockieren. Die Abwicklung der Ölgeschäfte durch die iranische Zentralbank wäre dadurch kaum noch möglich.

Wieder einmal wird damit die Energieversorgung benutzt, um außen- und sicherheitspolitische Probleme zu lösen. Und wieder einmal stellt sich die Frage, ob die EU damit nicht ein ökonomisches Eigentor schießt, weil mit den Mitteln des 20. Jahrhunderts in der Energiewelt des 21. Jahrhunderts agiert wird.

Der Ölpreis stieg aufgrund der Spannungen in den vergangenen Tagen bereits auf 113 Dollar pro Fass (159 Liter) an. Ein Embargo auf iranisches Öl wird die Versorgung der EU zwar nicht gefährden, denn nur vier Prozent der Importe kommen aus dem Iran. Aber Öl wird sich nach Meinung der meisten Experten weltweit um zehn bis 20 Dollar verteuern, weil die logistischen Versorgungsketten bei einem Embargo mit großem Aufwand umgebaut werden müssen. 

Das kostet die Ölverbraucher in der EU, also vor allem die Autofahrer, zusätzlich vier bis acht Milliarden Dollar pro Monat. Davon entfallen 0,7 bis 1,4 Milliarden Dollar auf Deutschland. Italien , Spanien und Griechenland , für die der Iran ein wichtiger Lieferant ist, wären am stärksten betroffen; also Länder, die sich ohnehin in einer ökonomisch schwierigen Situation befinden. Sie müssten auf zusätzliche Mengen aus Saudi-Arabien , Russland oder Libyen hoffen. Rom und Athen haben deshalb bereits Ausnahmeregelungen gefordert.

Nutznießer der Verwerfungen auf dem Ölmarkt sind vor allem die Ölproduzenten, also auch Teheran, sowie die großen Ölhändler. Iran müsste dann allerdings nach neuen Käufern für etwa 20 Prozent seiner Ölexporte von insgesamt 2,3 Millionen Fass pro Tag suchen. Doch die gibt es reichlich: China ist der größte Kunde Teherans; auch Indien , Japan und Südkorea sind große Abnehmer.