Angesichts der Euro-Krise geht der Internationale Währungsfonds ( IWF ) jetzt von schlechteren Konjunkturentwicklungen aus. Der Fonds minderte seine Vorhersage für die deutsche Wirtschaft um einen Prozentpunkt und erwartet dieses Jahr noch 0,3 Prozent Wachstum. 2013 soll es wieder um 1,5 Prozent nach oben gehen.

Im letzten Quartal des Jahres 2011 sei die Euro-Krise "in eine gefährliche neue Phase getreten", schreibt der IWF in seinem aktualisierten Weltwirtschaftsausblick . Die Folge seien "trübere Aussichten für das globale Wachstum und sprunghaft gestiegene Risiken."

Der Weltkonjunktur sagt der IWF 2012 ein Plus von nur noch 3,3 Prozent voraus. Im September war noch von 4 Prozent die Rede gewesen. Kommendes Jahr rechnet der Fonds mit einem globalen Wachstum von 3,9 Prozent. Schlecht sind hingegen die Aussichten für die Euro-Zone: Dort soll die Wirtschaft 2012 um 0,5 Prozent schrumpfen. Im Jahr darauf sei dann ein geringes Plus von 0,8 Prozent zu erwarten.

Ausweitung des ESM würde Euro-Zone "erheblich helfen"

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann bezeichnete die IWF-Konjunkturprognose als zu pessimistisch. Die deutsche Wirtschaft werde sich in den kommenden beiden Jahren besser schlagen als vom IWF erwartet, sagte Weidmann beim Neujahrsempfang der Deutschen Börse. Der Aufschwung, den Deutschland in den beiden zurückliegenden Jahren erlebt habe, sei "keineswegs beendet".

"Er ist zwar vorläufig unterbrochen, doch dürfte der konjunkturelle Schwung im Verlauf des Jahres zurückkehren, sofern sich die Krise nicht verschärft", ergänzte der Bundesbank-Präsident. Vor allem die niedrige Arbeitslosigkeit in Deutschland trage dazu bei, dass der Aufschwung dieses Mal anders als sonst von der Binnenwirtschaft getragen werde. Diese könne "ein Gegengewicht zu möglicherweise schwächeren Exporten bilden". Die lange Zeit erfolgsverwöhnten deutschen Exporteure dürften nach Einschätzung so gut wie aller Ökonomen in diesem Jahr unter der gedämpften wirtschaftlichen Entwicklung in weiten Teilen Europas und im Rest der Welt in diesem Jahr leiden.

In der Prognose des IWF sticht unter den Industrieländern die US-Wirtschaft heraus, für die es allmählich bergauf geht : 1,8 Prozent Wachstum in diesem und 2,2 Prozent im nächsten Jahr prognostiziert der Fonds dort. Für die Schwellen- und Entwicklungsländer sieht der Bericht ein Plus von 5,4 Prozent in diesem und 5,9 Prozent im nächsten Jahr. Das ist jeweils gut ein halber Punkt weniger als zunächst gedacht.

Wachstum fördern und Staatsfinanzen in Ordnung bringen

Um die Krise in der Euro-Zone in den Griff zu bekommen, sollen die Euro-Länder nach Ansicht des Währungsfonds Wachstum fördern und zugleich ihre Staatsfinanzen in Ordnung bringen. "Eine zusätzliche und zeitnahe Lockerung durch die EZB wird wichtig sein", heißt es weiter. Außerdem sollte die Europäische Zentralbank weiterhin "voll engagiert" in Anleihekäufe sein, um Liquidität zu schaffen und das Vertrauen in den Euro zu stärken. Wichtig sei auch, dass die durch den Hilfsfonds EFSF und den nachfolgenden Rettungsschirm ESM bereitgestellten Mittel auch wirklich ausreichten.

Erst am Montag hatte IWF-Chefin Christine Lagarde dafür plädiert, den ESM deutlich auszuweiten und die Mittel des im Sommer auslaufenden EFSF seinem Nachfolger zur Verfügung zu stellen. "Das würde erheblich helfen", heißt es im IWF-Bericht.

Außerdem drängt der Fonds zu neuerlichen Kapitalspritzen für Banken der Euro-Zone, auch aus öffentlichen Quellen. Es müsse zudem dafür gesorgt werden, dass die Geldinstitute nicht "übermäßig schnell" den Schuldenabbau vorantrieben, weil sie so eine "verheerende Kreditklemme" heraufbeschwören könnten, schreibt der IWF.