Eigentlich soll gerade Ewald Wostes Unternehmen die Energiewende vorantreiben. Doch das ist zurzeit ein schlechtes Geschäft. Woste ist Chef der Stadtwerkeholding Thüga, einem Verbund von rund 90 Stadtwerken und kommunalen Versorgern. Er setzt radikal auf den Ausbau erneuerbarer Energien. In den kommenden zehn Jahren will die mit der Holding verbundene Thüga Erneuerbare Energien rund eine Milliarde Euro investieren.

Doch weil der Wind nicht immer weht und die Sonne nicht immer scheint, sind ebenso konventionelle Kraftwerke nötig, die spontan einspringen können. Gleich drei effiziente Gas-und Dampfkraftwerke (GuD-Kraftwerke) würde Woste gerne bauen, Milliarden dafür investieren. Die GuD-Kraftwerke werden gebraucht. Spätestens ab 2022 werden mindestens zehn Gigawatt Leistung als Reservekapazität benötigt, so eine Studie des Bundesverbandes Neue Energieanbieter .

Doch Woste zögert, und das schon seit Monaten. "Der Bau von Gaskraftwerken lohnt sich einfach nicht", sagt der Vorstandsvorsitzende, "die Gaspreise sind zu hoch und die Stromerlöse zu niedrig." Das Problem sind – neben den niedrigen Preisen für CO 2 -Verschmutzungszertifikate – die Laufzeiten der Gaskraftwerke. Sie wären nicht komplett ausgelastet, schließlich hat der Ökostrom, den inzwischen Zehntausende Windräder und Millionen Solaranlagen produzieren, Vorfahrt im Netz.

Das EEG hat den Strommarkt umgekrempelt

"Unsere neuen Gaskraftwerke würden im Jahr öfter stillstehen als produzieren", sagt Woste. Sein Zögern zeigt, welche Probleme die Energiewende und insbesondere der enorme Ausbau der alternativen Energien nach sich zieht. Die Betreiber von Kohle- und Gaskraftwerken müssen komplett umdenken. "Im Geschäftsmodell der Zukunft nehmen konventionelle Erzeuger nicht mehr die klassischen Rollen als Grund-, Mittel- oder Spitzenlastkraftwerke ein, sondern stellen eine flexible Ergänzung der erneuerbaren Energien dar", heißt es in einem aktuellen Gutachten der Beratungsgesellschaft LBD zu der Problematik.

Es ist vor allem der Boom des Ökostroms, der das Neudenken nötig macht. Inzwischen liegt der Ökostromanteil bei etwa 21 Prozent. Ein enormer Erfolg des Erneuerbaren-Energien-Gesetz, das Windmüllern und Solarwirten einen gesetzlich festgelegten Abnahmepreis garantiert. Das EEG hat den Strommarkt in Deutschland auf den Kopf gestellt, es hat dazu beigetragen, dass der Einfluss der großen Energieversorger schwindet und die alternativen Energien groß wurden.

Es senkt auch die Strompreise an der Börse. Dort trifft der Ökostrom auf Strom aus Kohle-, Gas- und Atomkraftwerken. Und diese Energieträger haben eine komplett andere Struktur. Während für die Rohstoffe Gas und Kohle Kosten anfallen, sind Wind und Sonne kostenfrei erhältlich. Manchmal gibt es sogar so viel davon, dass enorme Mengen an Ökostrom ins Netz eingespeist werden müssen. Dann kann der Strompreis auch einmal negativ werden. Das bringt das System an seine Grenzen.