Deutsche Wurstwaren bei der Grünen Woche in Berlin © Sean Gallup/Getty Images

Frage: Herr Abraham, wie gut sind deutsche Lebensmittel?

Jürgen Abraham:  Deutsche Lebensmittel sind hervorragend und erfreuen sich großer Beliebtheit. Das zeigt auch unser Exporterfolg. Wir produzieren im Jahr Waren im Wert von 150 Milliarden Euro, davon geht fast ein Drittel ins Ausland. Das ist ein Zeichen für die hohe Qualität und Wertschätzung, die Lebensmittel made in Germany haben.

Frage: In Deutschland ist die Wertschätzung nicht ganz so hoch. Viele Verbraucher trauen der Lebensmittelindustrie nicht über den Weg.

Abraham: Die kritische Berichterstattung in den Medien und die manchmal dramatisierten Darstellungen von Lebensmittelskandalen haben im Bewusstsein der Konsumenten Spuren hinterlassen. Die Fakten sprechen jedoch eine andere Sprache: Lebensmittel waren in Deutschland noch nie so sicher, so hochwertig und günstig wie heute. Allerdings hat die Lebensmittelindustrie keine hohe Vertrauensstellung in Umfragen bei Verbrauchern, diese orientieren sich eher an der Stiftung Warentest und den Verbraucherschutzorganisationen. Daher muss die Branche stärker über ihre tägliche Arbeit und die Qualität ihrer Produkte informieren und sollte die Kommunikation nicht allein den Kritikern überlassen.

Frage:  Wie sollen Verbraucher der Industrie vertrauen, wenn diese mit ihrer Werbung und ihren hübsch aufgemachten Verpackungen ständig falsche Erwartungen schürt?

Abraham: Die Ernährungsindustrie arbeitet auf der Basis der geltenden Gesetze. Im Marketing muss mit Emotionen und Bildern gearbeitet werden, um die Produkte im Wettbewerb zu profilieren. Das verstehen aufgeklärte Konsumenten auch. Der Lebensmitteleinkauf befriedigt mehr als Hungergefühle, es geht um sozialen Status, Nachhaltigkeit und vieles mehr. Das heißt nicht, dass jede Marketingaussage akzeptiert werden muss, natürlich darf keine Irreführung des Verbrauchers stattfinden. Dazu gibt es Gesetze, mit denen entsprechende Auswüchse auch bekämpft werden. Nicht akzeptabel ist es jedoch, wenn das subjektive Meinungsbild einzelner Verbraucherschützer zum neuen Standard erhoben wird, für den es keine rechtliche Grundlage gibt.

Frage: Nicht nur Verbraucherschützer, auch immer mehr Verbraucher verstehen nicht, warum eine Kalbswiener nur 15 Prozent Kalbfleisch enthalten muss.

Abraham: Die im Lebensmittelbuch niedergelegte allgemeine Verkehrsauffassung hat sich über Jahre und Jahrzehnte gebildet; sie kann selbstverständlich Wandlungen unterworfen sein. Diese werden dann von der Lebensmittelbuchkommission in Fortentwicklung der Leitsätze berücksichtigt. In der Lebensmittelbuchkommission sind zu gleichen Teilen Verbraucherorganisationen, die Wissenschaft, die Lebensmittelüberwachung und die Wirtschaft vertreten. Das was jetzt beklagt wird, haben alle vier Gruppen, also auch die Verbraucherschützer, als das, was man von einem Lebensmittel erwarten darf, gemeinsam beschlossen. Die Leitsätze werden derzeit einer Überarbeitung unterzogen, an der wir mitwirken.

Frage: Agrarministerin Ilse Aigner plant gesetzliche Regeln für die regionale Herkunft von Lebensmitteln. Zu Recht?

Abraham: Die regionale Herkunft ist eine große Chance insbesondere für kleine und mittlere Lebensmittelhersteller. Sie können mit regionalen Spezialitäten und ihrer regionalen Herkunft erfolgreich sein. Ich bin aber dagegen, Regionalsiegel gesetzlich verpflichtend einzuführen. Damit würde man die Wettbewerbschance kleinerer Firmen wieder zunichte machen.

Frage: Wissen Sie, woher die Schweine für Ihre Schinken kommen?