Arbeitsmarkt: Minijobs sind fast immer Niedriglohnjobs
Minijobs werden laut einer Studie schlecht bezahlt und führen fast nie zu einem regulären Arbeitsverhältnis. Forscher nennen die Abschaffung "unvermeidlich".
Minijobs entwickeln sich Wissenschaftlern zufolge zu einer Niedriglohnfalle. Knapp 90 Prozent der insgesamt 7,3 Millionen Betroffenen arbeiten zu Niedriglöhnen, heißt es in einer von drei Studien der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Unternehmen nutzten Minijobs offensichtlich systematisch dazu, Personalkosten zu drücken.
Auswertungen des Statistisches Bundesamts und der Bundesagentur für Arbeit zeigten, dass Brutto-Stundenlöhne von Minijobbern im Durchschnitt nicht einmal halb so hoch seien wie die von regulär Vollzeitbeschäftigten. 58 Prozent der 1,2 Millionen Beschäftigten, die in Deutschland weniger als 5 Euro die Stunde erhielten, arbeiteten in Minijobs. Fast 90 Prozent der Minijobber arbeiteten für Brutto-Stundenlöhne von weniger als 9,76 Euro im Westen und 7,03 Euro im Osten. Vor allem Frauen und Hartz-IV-Empfänger würden dabei durchweg schlechter bezahlt als andere Beschäftigte. Die Untersuchung der Böckler-Stiftung ist eine von drei Studien zu Minijobs.
Nach Angaben der Forscher ist dies mit "objektiven Kriterien" wie einer geringeren Qualifikation nicht zu erklären. Vielmehr deute der Befund darauf hin, dass die Arbeitgeber die speziellen Steuer- und Abgabenregelungen bei Minijobs nutzten, um die Brutto-Löhne zu drücken.
Minijobs sind sogenannte geringfügige Beschäftigungsverhältnisse, bei denen die maximale monatliche Verdienstgrenze bei 400 Euro liegt. Beschäftigte müssen keine Steuern und Abgaben zahlen, erwerben allerdings auch keine oder nur sehr geringe Ansprüche an die Sozialversicherungen. Verbreitet sind Minijobs unter anderem im Einzelhandel, in der Gastronomie und im Reinigungsgewerbe. Ihre Zahl hat in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Viele Minijobber sind Frauen.
"Kombilohn zu Lasten des Fiskus"
Nach einer der anderen beiden Studien trifft das vielfach vorgebrachte Argument, Minijobs seien eine Brücke in reguläre Arbeitsverhältnisse, nicht zu. Nur neun Prozent der geringfügig Beschäftigten schafften diesen Schritt.
Zudem sei es "wahrscheinlich", so eine der Studien, dass Arbeitgeber bei Minijobbern, die zugleich Arbeitslosengeld II bekämen, diese Grundsicherung vielfach mit einrechneten und auf diese Weise "faktisch ein Kombilohn zu Lasten des Fiskus entsteht".
Schwarz-Gelb plant Ausweitung
Die steuer- und abgabenrechtliche Privilegierung der Minijobs sei insgesamt Ursache für "Fehlentwicklungen", die zur Diskriminierung der Betroffenen auf dem Arbeitsmarkt und drohenden Lücken in der sozialen Sicherung führten, teilten die Wissenschaftler mit. Sie bezeichnen die Abschaffung dieses Sonderstatus als "unvermeidlich", um diese Entwicklung zu vermeiden.Die schwarz-gelbe Regierungskoalition plant aber das Gegenteil. Experten der Fraktionen von Union und FDP hatten sich darauf verständigt, die Verdienstgrenze auf 450 von 400 Euro anzuheben.




Die Problematik liegt in der stillschweigenden, unheiligen Allianz von Frauen, Ämtern und Arbeitgebern. Für viele Mütter lohnt es sich nicht einem Vollerwerb nachzugehen. Das gilt für Verheiratete in Steuerklasse V ebenso, wie - ganz besonders - für Alleinerziehende in Hartz IV mit mehreren Kindern und/oder Unterhaltsanspruch.
Jede Arbeit über einen Minijob hinaus schmälert die Gratisleistung/Steuerersparnis, so dass bei einem Halbtagsjob kaum ein finanzieller Vorteil entsteht und bei einem Ganztagsjob häufig sogar ein Nachteil, weil dann noch die exorbitant teure Kinderbetreuung privat bezahlt werden muss, die "Minijobberinnen auf Stütze" gratis vom Amt bekommen.
Außerdem sind viele klassische Frauenjobs so jämmerlich bezahlt, dass die Betroffenen auch mit Vollzeit-Arbeiten aus dem Aufstocken nicht heraus kämen, dann doch lieber nur ein paar Stunden arbeiten, statt fürs gleiche Geld die ganze Woche knechten...
Die Misere ist also von allen Beteiligten gleichermaßen einkalkuliert - inkl. der daraus folgenden Altersarmut.
Ein Trauerspiel und ein echtes Ärgernis.
"Unternehmen nutzten Minijobs offensichtlich systematisch dazu, Personalkosten zu drücken."
Lücken werden ausgenutzt. Die Gesellschaft ist eig. dazu da, daß entweder solche Lücken auf Grund von moralischen und ähnlichen Gründen nicht ausgenutzt werden und die Politik ist eig. dazu da, solche Lücken zu schließen.
Daß jetzt die Politik diese Lücken erst geöffnet hat und die Gesellschaft (ich nehme mich hier ausdrücklich raus) zur Zeit leider total Ich-bezogen agiert sehe ich in naher Zukunft leider schwarz für meine Mitbürger.
Ganz einfache Rechnung, da der 400 Euro Job auf besagte 400 Euro festgelegt ist, erreicht man mit einem niedrigen Stundenlohn, das der Arbeitnehmer dafür länger Umsatz bringt.
Kapitalismus pur, und so was geb es früher als Tagelöhner. Ist nur eine modernere Form in der heutigen humanitäreren Gesellschaft.
und dann kommen eines Tages die Sprüche: "Ich habe immer gearbeitet und nun eine Rente von ... Euro", wie ich es von einigen Frauen aus dem Umfeld meiner Mutter höre.
Dass sie obwohl seit den 70ern, als die Kinder etwas älter waren, irgendwo immer werkelten, nie oder nur Minimalbeiträge an Sozialabgaben oder Steuern zahlten, wird dabei gern unterschlagen und die Armut war absehbar.
Allerdings hat diese Frauengeneration noch den Vorteil, dass sie von den Renten der Ehemänner oder Exehemänner profitieren, sodass es oftmals nicht um eine existenzielle Bedrohung geht.
Die kommende Generation der kurzsichtigen, die nichts oder wenig bei Teilzeit gern mit Überstunden versteuern und an Sozialabgaben zahlen, wird dieses Eheprivileg aber oftmals nicht mehr leben und so sind sie die kommenden Armen.
Nichts wäre sinnvoller, als diese Jobberei zu beenden. Davon haben im Endeffekt weder die Jobber noch die Gesellschaft etwas und ausser den Unternehmern profitiert davon keiner.
Das Mini-Job Ausbeutungssystem ist doch so gewollt. Deshalb wurden die doch ins Parlament und in die Regierung gewählt. Ich verstehe diese Aufregung nicht.
Nun steht die Ausweitung auf 450 € an - ebenso politisch und gesellschaftlich gewollt. Ein hervorragendes System der legalisierten rechtelosen Schwarzarbeit. Das ist ein Teil unserer Demokratie. Die Mehrheit will es so. Schade eigentlich.
Was ich am Artikel irritiert: Das Geld, das beim Arbeitnehmer ankommt, ist der Nettolohn.
Warum sind in dem Artikel nur Vergleiche der Bruttolöhne gezogen? An denen kann ich erst mal nur ablesen, dass die Arbeitgeber einsparen.
Um die erste These ("Minijobs entwickeln sich Wissenschaftlern zufolge zu einer Niedriglohnfalle.") fundiert belegt werden soll, müsste man schon die Netto-Stundenlöhne vergleichen. Sicher werden auch die bei Minijobbern geringer sein als bei Vollzeitbeschäftigten, keine Frage. Nur wird vermutlich die Differenz nicht mehr so eklatant sein?
Ich kann dem Artikel folgen: wenn der mini-jobber arbeitslos ist, dann ist der Bruttolohn 0 Euro und die Allgemeinheit zahlt den gesamten Nettolohn.
Die Verfasser dieser Studien scheinen zu glauben, dass die 7.3 Millionen mini-jobber im Falle einer Abschaffung der 400 Euro jobs ploetzlich Vollzeitarbeitsplaetze bekommen wuerden. Die wahrscheinlichere Alternative ist wahrscheinlich Arbeitslosigkeit.
Gucken Sie sich mal die Unternehmen an, die diese Jobs anbieten - glauben Sie, dass die Gastronomiebetriebe Riesenprofite mit den mini-jobs erwirtschaften?
Ich kann dem Artikel folgen: wenn der mini-jobber arbeitslos ist, dann ist der Bruttolohn 0 Euro und die Allgemeinheit zahlt den gesamten Nettolohn.
Die Verfasser dieser Studien scheinen zu glauben, dass die 7.3 Millionen mini-jobber im Falle einer Abschaffung der 400 Euro jobs ploetzlich Vollzeitarbeitsplaetze bekommen wuerden. Die wahrscheinlichere Alternative ist wahrscheinlich Arbeitslosigkeit.
Gucken Sie sich mal die Unternehmen an, die diese Jobs anbieten - glauben Sie, dass die Gastronomiebetriebe Riesenprofite mit den mini-jobs erwirtschaften?
Ich kann dem Artikel folgen: wenn der mini-jobber arbeitslos ist, dann ist der Bruttolohn 0 Euro und die Allgemeinheit zahlt den gesamten Nettolohn.
Die Verfasser dieser Studien scheinen zu glauben, dass die 7.3 Millionen mini-jobber im Falle einer Abschaffung der 400 Euro jobs ploetzlich Vollzeitarbeitsplaetze bekommen wuerden. Die wahrscheinlichere Alternative ist wahrscheinlich Arbeitslosigkeit.
Gucken Sie sich mal die Unternehmen an, die diese Jobs anbieten - glauben Sie, dass die Gastronomiebetriebe Riesenprofite mit den mini-jobs erwirtschaften?
Minijobs werden laut einer Studie schlecht bezahlt und führen fast nie zu einem regulären Arbeitsverhältnis. Forscher nennen die Abschaffung "unvermeidlich".
Diese Erkenntnis hätte ich bestimmt preiswerter liefern können.
Wenn Sie in Zukunft Geld sparen wollen, kontaktieren Sie mich.
Ich sage auch Alterarmut und eine schlechtere Krankenvorsorge vorraus wenn diese Leistungen weiter privatisiert werden.
Außerdem garantiere ich ihnen das Alle Modelle die aussagen das wir zuviele Staatsausgaben haben falsch liegen. Unsere Ausgaben sind nicht zu hoch sondern unsere Einnahmen zu gering die einzige sinnvole Lösung die ich anzubieten habe ist dort Steurn zu erheben wo Superreiche und Multinationale Konzerne sowie "Finanznomaden" absahnen!
Kein System verträgt auf Dauer eine ständige Umverteilung von Unten nach Oben und die Familie ist die Keimzelle desa Staaates (Max Weber).
Wer also Staat und Demokratie vor dem Aussterben erhalten will muss ermöglichen das ein Gehalt für eine Familie aussreicht.
Die Idee Kinderin Krippen zu geben ist zwar kurzfristig prima für die Industrie (rationalisierung und industrialisierung des Sozialen) aber es macht keinen Sinn Kinder in die Welt zu setzen um sie abzugeben... tja auf Dauer abgeloost.
Diese Erkenntnisse verkaufe ich gerne gegen entsprechende Forschungsgelder. Ich untermauere sie auch gerne mit Umfragen und Studien und jetzt her mit der Kohle....
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