Die Alarmmeldungen klingen merkwürdig bekannt: Die Vereinten Nationen warnen vor einer Hungersnot in Afrika . Schon zum vierten Mal innerhalb weniger Jahre ist in der Sahelzone der Regen ausgeblieben . Der EU-Kommission zufolge sind sieben Millionen Menschen in Gefahr, vor allem in Niger , Mauretanien , dem Tschad , Mali , Nigeria und Burkina Faso . Internationale Organisationen drängen auf schnelle Hilfe. Zusätzlich zum bisher eingesetzten Geld seien 150 Millionen Dollar nötig, sagt Ralf Südhoff, der Berliner Büroleiter des World Food Programmes der Vereinten Nationen (WFP).

Die Trockenheit trifft die Menschen im Sahel in einer labilen Situation: Hunger ist in der Region ohnehin alltäglich. Selbst in Jahren, in denen ausreichend Regen fällt, sterben rund 300.000 Kinder pro Jahr an Unterernährung, berichtet die Hilfsorganisation Oxfam . Die Menschen haben sich noch nicht von den Folgen der vergangenen Dürre im Jahr 2010 erholt. Damals mussten viele Familien Vieh und andere Rücklagen veräußern, um zu überleben. Jetzt haben sie keine Reserven mehr, um Nahrung zu kaufen.

Das Frühwarnsystem funktioniert: Schon im November des vergangenen Jahres gab es erste Warnungen vor einer Hungerkrise in der Sahelzone. Doch das allein ist noch keine Garantie, dass Hilfe kommt. Auch in Somalia , Kenia und Äthiopien warnten Helfer frühzeitig vor der Hungersnot . Schon im August 2010 gab es erste Hilferufe. Wäre darauf reagiert worden, hätten Zehntausende Tote vermieden werden können, kritisieren die Organisationen Oxfam und Save the Children in einem Bericht , der vergangene Woche veröffentlicht wurde.

Doch es passierte viel zu wenig . Erst ein Jahr später, als der Regen im Sommer 2011 zum zweiten Mal ausfiel und die Menschen in Somalia verhungerten, kam die Hilfsmaschinerie richtig in Gang .

Die Hilfsorganisationen reagierten zu spät

Die wichtigste Lektion der beiden Organisationen aus der Katastrophe vom Horn von Afrika : Die Helfer müssen künftig handeln, selbst wenn sie die Notlage noch nicht mit allen Details einschätzen können. "Entscheidungsträger mögen keine Unsicherheit und Prognosen. Sie wollen harte Fakten, bevor sie eine Reaktion veranlassen", heißt es in dem Report. Zwar hätten die Helfer, die in der Notregion arbeiteten, schon früh versucht, das Management ihrer Organisationen zu alarmieren. Doch ihre Warnungen wurden auf den oberen Hierarchieebenen nicht ernst genommen. So verstrich wertvolle Zeit.

Das ist auch ein mediales Problem. "Es ist häufig uninteressant, über die Verhinderung einer Krise zu berichten", sagt WFP-Sprecher Südhoff. "Das ist teils auch nachvollziehbar. Es mangelt an harten Fakten. Es ist schwerer zu beantworten, welche Hilfe nötig ist und wie viele Menschen in Gefahr sind. Und es gibt keine dramatischen Bilder." Selbst wenn die Politik rechtzeitig handle, sei das den Medien oft nur eine Randnotiz wert. "Dadurch wird Prävention auch politisch weniger interessant."

"Wir haben mittlerweile eine Fülle von Informationen zur Verfügung, wenn sich solche Krisen anbahnen", sagt WFP-Nothilfekoordinator David Kaatrud. "Jetzt arbeiten wir daran, dass die entsprechenden Warnungen bei den Geberstaaten auch zu raschem Handeln führen." Einen Teil der Kritik weist er allerdings zurück. Seine Organisation habe sehr wohl schnell reagiert: "Wir hatten Vorräte in der Region angelegt. So konnten wir später Nahrung innerhalb von Tagen statt Wochen zu den Hungernden bringen", sagt er.

Doch die Möglichkeiten des WFP seien begrenzt. "Wir hängen zu 100 Prozent von freiwilligen Spenden ab, und die sind häufig zweckgebunden." Als das Geld im Land war, verursachte starker Regen logistische Probleme. "Teile Somalias waren uns wegen des Bürgerkriegs verschlossen. Wäre das nicht gewesen, hätte sich die Lage viel weniger dramatisch entwickelt."