Reaktion auf die Herabstufung der Bonität von neun Staaten der Euro-Zone durch Standard & Poor's am späten Freitagabend, die auch die Kreditwürdigkeit des  Euro-Rettungsschirms EFSF infrage stellte: Aus Sicht von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ( CDU ) kann der Schirm bleiben, wie er ist. "Für das, was der EFSF in den nächsten Monaten an Aufgaben hat, reicht der Garantierahmen bei Weitem aus", sagte Schäuble im Deutschlandfunk.

Im vergangenen Oktober hatten sich die Euro-Staaten darauf geeinigt, die Garantiesumme des Euro-Rettungsschirms auf 780 Milliarden Euro zu erhöhen. Davon stehen allerdings nur 440 Milliarden Euro für Hilfen konkret zur Verfügung. Deutschland trägt davon etwa 211 Milliarden Euro. Fachleute bezweifeln nach der Herabstufung von insgesamt neun Euro-Staaten, darunter Frankreich und Österreich , dass der Schirm ohne zusätzliche Maßnahmen sein Spitzen-Rating behalten kann. Deutschland behielt sein Spitzen-Rating. Vor wenigen Tagen hatte Deutschland sogar Kredit zum Negativzins erhalten: Investoren zahlten dafür, ihr Geld dem Staat zur Verfügung stellen zu dürfen. Die herabgestuften Staaten dürften es nun jedoch schwerer haben, ihre Staatsanleihen an Banken loszuwerden.

Schäuble zweifelte die Urteilsfähigkeit der Agentur an. "Ich glaube nicht, dass Standard & Poor's wirklich begriffen hat, was wir in Europa schon auf den Weg gebracht haben", sagte der Finanzminister. Standard & Poor's habe vielleicht auch nicht ausreichend bewertet, was alle betroffenen Länder schon für die Reduzierung ihrer Defizite getan haben.

Standard & Poor's wies Vorwürfe zurück, parteiisch gegen Europa zu handeln. "Wir erfüllen unsere Aufgabe", sagte der Leiter der für die Länderratings zuständigen Abteilung, Moritz Kraemer. Sie bestehe im Analysieren von Risiken und das täten die Rating-Agenturen unparteiisch. Er verwies darauf, dass S&P im Herbst den USA das Spitzen-Rating AAA entzog und verwahrte gegen den Vorwurf der Unausgewogenheit zugunsten der angelsächsischen Länder.

Minister Schäuble sprach sich dafür aus, den Einfluss von Rating-Agenturen zurückzudrängen. Sie sollten sich darauf beschränken, "was sie tatsächlich sind", sagte er. Europa arbeite an Regeln, die Rating-Agenturen bestimmte Transparenzverpflichtungen auferlegen. Sie sollen sicherstellen, dass die Agenturen "nicht noch eigene Geschäftsinteressen haben." Es bestehe da dringender Handlungsbedarf. Im Gespräch in Brüssel ist derzeit, eine europäische Rating-Agentur zu gründen.

Den Unternehmen gehe es vor allem auch um ein "hohes Maß an Werbung" für sie selbst. Er habe den Eindruck, dass es beim Verkünden der Ratings um öffentliche Aufmerksamkeit gehe.

Die Herabstufung belastete die europäischen Finanzmärkte leicht. Dax und EuroStoxx50 verloren zur Eröffnung am Montag jeweils weniger als ein Prozent auf 6.111 beziehungsweise 2.318 Punkte. Die Leitindizes der Aktienbörsen von Paris und Wien gaben in ähnlichem Umfang nach. Der Euro stabilisierte sich nach seinem Kursrutsch vom Freitag etwas und kostete 1,2652 Dollar.