Euro-KriseViel Arbeit für die Bankenretter

2012 wird wieder ein Jahr der Bankenrettung - der Soffin wird reaktiviert. Im Fokus steht die Commerzbank, der mehr als fünf Milliarden Euro fehlen.

2011 war für Christopher Pleister und seine Mitarbeiter ein vergleichsweise ruhiges Jahr. Zumindest auf den ersten Blick. Die Dienste ihrer Büros in einer vornehmen Villa an der Frankfurter Taunusanlage direkt neben der Hauptverwaltung der Bundesbank und quasi im Schatten der Bürotürme von Deutscher Bank und Commerzbank waren wenig gefragt. Schließlich konnten Banken seit Jahresanfang nicht mehr auf den 2008 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise ins Leben gerufenen Bankenrettungsfonds Soffin zurückgreifen, den der 63-jährige Ex-Banker leitet.

Die Bundesregierung hatte ihn in der Überzeugung geschlossen, dass das Schlimmste für die Banken ausgestanden sei. Mehr noch: Die Commerzbank zahlte im Juni 14,3 Milliarden der 2009 gewährten Staatshilfe von 16,2 Milliarden Euro zurück. Und auch der gewährte Rahmen an Garantien für angeschlagene Finanzinstitute hat sich erkennbar reduziert: Im Oktober 2010 waren es 174 Milliarden Euro, Ende Dezember sind es nur noch gut 28 Milliarden Euro.

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Aber das Bild trügt: Die Staatsschuldenkrise in der Euro-Zone hat die Banken 2011 Milliarden gekostet. Bei genauerem Hinsehen ist von Entspannung beim Soffin und der für ihn verantwortlichen Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (FMSA) auch nichts zu spüren. Schließlich verwaltet er immer noch Hilfen in Höhe von 48 Milliarden Euro. Neben Garantien von 28 Milliarden unter anderem für die Commerzbank, die Aareal Bank, mehrere Landesbanken und auch den Bundesverband Deutscher Banken - damit der geschädigte Lehman-Anleger aus seinem Einlagensicherungsfonds auszahlen kann - sind es Kapitalbeteiligungen an der Commerzbank (6,7 Milliarden), der WestLB, der Aareal Bank und der Hyporealestate (HRE), die dem SoFFin komplett gehören.

Ein gutes Geschäft war die Bankenrettung für den Fonds bislang nicht. Fast zehn Milliarden Euro muss der Soffin auf seine Beteiligungen 2011 abschreiben, in erster Linie für die WestLB. Bereits für 2009 und 2010 wurde ein Buchverlust von 9,1 Milliarden Euro eingestellt, wie FMSA- und Soffin-Chef Pleister einräumt. Die Verluste werden jedoch erst realisiert, wenn der Fonds in zehn oder 15 Jahren abgewickelt wird.

Allerdings hat der Soffin verhindert, dass es in Deutschland in der Krise 2008 und 2009 in Deutschland zu einem Bank-run gekommen und eine Bank zusammengesprochen ist - mit vermutlich noch deutlich höheren Kosten für den Steuerzahler. Im Vergleich zu den USA war der Aufwand für die Stabilisierung der Banken in Deutschland bislang deutlich geringer. Jenseits des Atlantiks lagen allein die Kosten für die beiden Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac um ein Vielfaches höher.

Ob es bei dieser Relation bleibt, ist offen. 2012 könnte für die Soffin erneut ein schwieriges Jahr werden. Die deutschen Banken müssen bis zum Sommer eine Eigenkapitallücke von 13,1 Milliarden Euro schließen, um die von der EU vorgeschriebene Quote von neun Prozent Kernkapital zu erreichen. Die Bundesregierung hat deshalb beschlossen, den Rettungsfonds spätestens bis zum März zu reaktivieren. Ihm soll erneut ein Garantierahmen von 400 Milliarden Euro und 80 Milliarden Euro für Kapitalhilfen zur Verfügung stehen. 

Leserkommentare
  1. ...lasst und die Zauberlehrlinge präventiv mit einem Prädikat auszeichenen. Au weia.

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  2. die Völker und Steuerzahler eigentlich vor den Banken?

    DAS sollte doch hier mal die Frage sein.

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    • joG
    • 03.01.2012 um 16:02 Uhr

    ....sind vielleicht dazu bereit, wenn man ihnen die Banken verkauft. Irgendjemand muss sie aber am Laufen halten, da wir sonst eine unangenehme Arbeitslosigkeit erwarten dürften. Aber es ist schon ein Helfer zugange. Die EZB leiht den Banken unerhörte Geldmengen, die die für Politiker angenehme eigenschaft haben nicht als Garantien durch die einzelnen Regierungen ausgewiesen zu werden brauchen und keine unmittelbaren Staatsausgaben benötigen. So sieht der Wähler die eingegangenen Risiken nicht und die Banken existieren noch.

    • joG
    • 03.01.2012 um 16:02 Uhr

    ....sind vielleicht dazu bereit, wenn man ihnen die Banken verkauft. Irgendjemand muss sie aber am Laufen halten, da wir sonst eine unangenehme Arbeitslosigkeit erwarten dürften. Aber es ist schon ein Helfer zugange. Die EZB leiht den Banken unerhörte Geldmengen, die die für Politiker angenehme eigenschaft haben nicht als Garantien durch die einzelnen Regierungen ausgewiesen zu werden brauchen und keine unmittelbaren Staatsausgaben benötigen. So sieht der Wähler die eingegangenen Risiken nicht und die Banken existieren noch.

  3. Vielleicht sollte die Commerzbank auch an ihrer Attraktivität arbeiten und für Privat- und Geschäftskunden interessanter werden, denn ohne bessere Angebote und besseren Service, wird die Commerzbank nie aus den roten Zahlen kommen.

    Man liest ja nicht viel positives über die Commerzbank.

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    Ich kann persönlich nicht erkennen, worin speziell die Commerzbank ein schlechtes Produktportfolio hat.

    Zufällig habe ich gestern noch einige Prospekte durchgelesen und verglichen. Und ich kann sagen, dass die Produkte und die Preispolitik der Commerzbank mir persönlich jedenfalls um Längen besser und moderner erscheinen als die der Volks- und Raiffeisenbanken.

    Mit der Übernahme der Dresdner Bank hat sich die Commerzbank die Eurohpyo aufgehalst. Dem Vorgänger vom jetzigem Vorstand sei dank. Blessing hat die Altlast von Müller übernommen und muss sie bereinigen. 2005 erwarb die Commerzbank die Eurohypo, die 13 Milliarden an Staatsanleihen lagert. 2007 lag der Kurs der Commerzbank bei 35 Euro. Nach der kalten Anleihendusche liegt der Kurs der Commerzbank bei 1.34 Euro. Was passiert, wenn die Commerzbank die Sorgen um den Patienten Eurohypo lindern oder gar ganz los wird? Übergabe in eine Badbank? 5 Milliarden Eigenkapital werden in dem Moment die Quote der Bank erhöhen. Durch den Rückkauf eigener Anleihen, hat die Commerzbank bereits 700 Millionen eingefahren. Der Kreditbedaf liegt nicht bei 5.3 Milliarden sondern bei 4.6 Milliarden und täglich werden es weniger.

    Ich kann persönlich nicht erkennen, worin speziell die Commerzbank ein schlechtes Produktportfolio hat.

    Zufällig habe ich gestern noch einige Prospekte durchgelesen und verglichen. Und ich kann sagen, dass die Produkte und die Preispolitik der Commerzbank mir persönlich jedenfalls um Längen besser und moderner erscheinen als die der Volks- und Raiffeisenbanken.

    Mit der Übernahme der Dresdner Bank hat sich die Commerzbank die Eurohpyo aufgehalst. Dem Vorgänger vom jetzigem Vorstand sei dank. Blessing hat die Altlast von Müller übernommen und muss sie bereinigen. 2005 erwarb die Commerzbank die Eurohypo, die 13 Milliarden an Staatsanleihen lagert. 2007 lag der Kurs der Commerzbank bei 35 Euro. Nach der kalten Anleihendusche liegt der Kurs der Commerzbank bei 1.34 Euro. Was passiert, wenn die Commerzbank die Sorgen um den Patienten Eurohypo lindern oder gar ganz los wird? Übergabe in eine Badbank? 5 Milliarden Eigenkapital werden in dem Moment die Quote der Bank erhöhen. Durch den Rückkauf eigener Anleihen, hat die Commerzbank bereits 700 Millionen eingefahren. Der Kreditbedaf liegt nicht bei 5.3 Milliarden sondern bei 4.6 Milliarden und täglich werden es weniger.

  4. Man sollte eventuell die Banken so klein machen und genügend Eigenkapital verpflichtend machen, dass sie auch insolvent werden können, ohne dass das ganze Staaten gefährdet sind.

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    " Banken zerschlagen?
    Man sollte eventuell die Banken so klein machen und genügend Eigenkapital verpflichtend machen, dass sie auch insolvent werden können, ohne dass das ganze Staaten gefährdet sind. "

    Warum den Spuk nicht komplett beenden, indem man den Privatbanken die Geldschöpfung aus den Giergriffeln nimmt?

    Wenn Privatbanken kein Monopol mehr darauf haben, arbeitsteiligen Gesellschaften mit den benötigten Tauschmitteln zu versorgen, die Gesellschaft diese selbst emmitiert, gibts auch kein Erpressungspotenzial und die Marktmacht fällt ins Bodenlose.

    Ein Ansatz wäre dieser hier: www.monetative.de

    Vorraussetzung dafür ist natürlich die Abkehr der repräsentiv-demokratischen Plutokratie (nach dem Motto: Wer das Land besitz, darf es auch regieren, siehe: http://www.chomskyarchiv....).

    Ohne dies scheint mir aber selbst die Zerschlagung der "too big to fail" Großbanken illusionär...

    " Banken zerschlagen?
    Man sollte eventuell die Banken so klein machen und genügend Eigenkapital verpflichtend machen, dass sie auch insolvent werden können, ohne dass das ganze Staaten gefährdet sind. "

    Warum den Spuk nicht komplett beenden, indem man den Privatbanken die Geldschöpfung aus den Giergriffeln nimmt?

    Wenn Privatbanken kein Monopol mehr darauf haben, arbeitsteiligen Gesellschaften mit den benötigten Tauschmitteln zu versorgen, die Gesellschaft diese selbst emmitiert, gibts auch kein Erpressungspotenzial und die Marktmacht fällt ins Bodenlose.

    Ein Ansatz wäre dieser hier: www.monetative.de

    Vorraussetzung dafür ist natürlich die Abkehr der repräsentiv-demokratischen Plutokratie (nach dem Motto: Wer das Land besitz, darf es auch regieren, siehe: http://www.chomskyarchiv....).

    Ohne dies scheint mir aber selbst die Zerschlagung der "too big to fail" Großbanken illusionär...

    • Beebo
    • 03.01.2012 um 13:49 Uhr

    Bei der ersten gewährung von Staatshilfen, musste die Coba auf die Einlagen des Staates nicht einmal Zinsen zahlen. Die wurden nur fällig, wenn die Coba gewinne schreibt. Oh Wunder, sind da nur Verluste bei der Coba angefallen. Als der Bundestag das Gesetzt geändert hatte, hat die Coba die Hilfen schnell zurückgezahlt. Die Coba hätte sonst auch bei Verlusten Zinsen zahlen müssen.

    Zinsen wird die Coba wohl jetzt von Anfang an bezahlen müssen. Das ist Unattraktiv für die Coba. All zu viel wird die Bank daher nicht vom Bund abrufen.

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  5. Ich kann persönlich nicht erkennen, worin speziell die Commerzbank ein schlechtes Produktportfolio hat.

    Zufällig habe ich gestern noch einige Prospekte durchgelesen und verglichen. Und ich kann sagen, dass die Produkte und die Preispolitik der Commerzbank mir persönlich jedenfalls um Längen besser und moderner erscheinen als die der Volks- und Raiffeisenbanken.

    Antwort auf "Kundenorientierung"
  6. Mit der Übernahme der Dresdner Bank hat sich die Commerzbank die Eurohpyo aufgehalst. Dem Vorgänger vom jetzigem Vorstand sei dank. Blessing hat die Altlast von Müller übernommen und muss sie bereinigen. 2005 erwarb die Commerzbank die Eurohypo, die 13 Milliarden an Staatsanleihen lagert. 2007 lag der Kurs der Commerzbank bei 35 Euro. Nach der kalten Anleihendusche liegt der Kurs der Commerzbank bei 1.34 Euro. Was passiert, wenn die Commerzbank die Sorgen um den Patienten Eurohypo lindern oder gar ganz los wird? Übergabe in eine Badbank? 5 Milliarden Eigenkapital werden in dem Moment die Quote der Bank erhöhen. Durch den Rückkauf eigener Anleihen, hat die Commerzbank bereits 700 Millionen eingefahren. Der Kreditbedaf liegt nicht bei 5.3 Milliarden sondern bei 4.6 Milliarden und täglich werden es weniger.

    Antwort auf "Kundenorientierung"
  7. " Banken zerschlagen?
    Man sollte eventuell die Banken so klein machen und genügend Eigenkapital verpflichtend machen, dass sie auch insolvent werden können, ohne dass das ganze Staaten gefährdet sind. "

    Warum den Spuk nicht komplett beenden, indem man den Privatbanken die Geldschöpfung aus den Giergriffeln nimmt?

    Wenn Privatbanken kein Monopol mehr darauf haben, arbeitsteiligen Gesellschaften mit den benötigten Tauschmitteln zu versorgen, die Gesellschaft diese selbst emmitiert, gibts auch kein Erpressungspotenzial und die Marktmacht fällt ins Bodenlose.

    Ein Ansatz wäre dieser hier: www.monetative.de

    Vorraussetzung dafür ist natürlich die Abkehr der repräsentiv-demokratischen Plutokratie (nach dem Motto: Wer das Land besitz, darf es auch regieren, siehe: http://www.chomskyarchiv....).

    Ohne dies scheint mir aber selbst die Zerschlagung der "too big to fail" Großbanken illusionär...

    Antwort auf " Banken zerschlagen?"

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