Schuldenkrise Ratingagentur Fitch stuft Ungarn auf Ramschniveau herab

Das von der Pleite bedrohte Ungarn tendiert nur noch bei BB+. Ministerpräsident Orbán will Milliardenhilfen vom IWF – doch das Verhältnis zum Währungsfonds ist gespannt.

Nach den Ratingagenturen Standard & Poor's und Moody's hat nun auch Fitch die Kreditwürdigkeit Ungarns auf Ramsch-Niveau herabgestuft. Die Agentur senkte Ungarns Bonität auf BB+ und setzte den Ausblick für das verschuldete Land auf negativ. Sie begründete ihre Entscheidung unter anderem mit einer "weiteren Verschlechterung" der Finanzlage und der Wachstumsaussichten des Landes. Die "unorthodoxe Politik" der Regierung in Budapest untergrabe zudem Vertrauen der Investoren. Damit erschwere die Regierung eine Vereinbarung über neue Finanzhilfen des Internationalen Währungsfonds (IWF).

Ungarns Regierung zeigte sich in einer ersten Stellungnahme überrascht von der Herabstufung. Zuletzt habe sich der Kurs des ungarischen Forint nach einer rasanten Talfahrt wieder stabilisiert, und die Kurse der Kreditausfallversicherungen hätten sich verbessert, sagte ein Regierungssprecher.

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Das auf eine Rezession zusteuernde Land baut auf den Internationalen Währungsfonds (IWF) und die EU als Retter in der Not. "Die Regierung hat alle nötigen Schritte unternommen, damit die Gespräche so schnell wie möglich begonnen und abgeschlossen werden können", sagte Ministerpräsident Viktor Orbán. Er hatte sich zuvor mit Notenbankchef Andras Simor getroffen. Bisher zeigen sich IWF und EU aber reserviert.

Ungarn hatte sich mit einer umstrittenen Verfassungsreform und einem auch von der EZB kritisierten Zentralbankgesetz auf Konfrontationskurs zu Brüssel begeben. Aus Protest gegen die Reform der Notenbank hatten die Europäische Union und der IWF im Dezember eine Mission abgebrochen, bei der die Vergabe von Krediten im Umfang von bis zu 20 Milliarden Euro geprüft werden sollte.

Orbán will das Notenbankgesetz nicht ändern

Trotz heftiger Kritik aus Brüssel lehnte Orbán die Überarbeitung des Notenbankgesetzes seines Landes ab. Zwischen Ungarn auf der einen sowie der Europäischen Kommission und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) auf der anderen Seite gebe es "einen Meinungsunterschied", sagte Orbán. Das Problem solle nun "nach den Sitten und Gebräuchen" der Europäischen Union gelöst werden.

Orbán bezeichnete die Hilfe des IWF als unverzichtbares "Sicherheitsnetz", bevor er sich an die Stärkung des Wachstums machen könne. "Das ist eine dringliche Aufgabe", so Orbán. Der Notenbankchef erklärte in einer getrennten Stellungnahme, er werde sich künftig regelmäßig mit dem Wirtschaftsminister treffen und "alle verfügbaren Instrumente zur Stabilisierung der Wirtschaft nutzen". Zwar nannte Simor keine Details, doch gehören etwa Interventionen am Devisenmarkt oder Leitzinserhöhungen zum Arsenal der Notenbank im Kampf gegen die Krise.

Ende vergangenen Jahres hatten bereits die Ratingagenturen Standard & Poor's und Moody's Ungarns Bonität auf Ramschniveau herabgestuft.

 
Leser-Kommentare
  1. „Erst wenn die Unabhängigkeit der Notenbank gewährleistet ist, werden wir die Gespräche wieder aufnehmen“, heißt es in der Brüsseler Behörde. Urprünglich wollte die EU-Kommission bereits heute entscheiden, ob ihre Forderungen umgesetzt wurden, oder es Vertragsverletzungsverfahren gegen Ungarn setzt.

    Doch entweder scheut die Kommission wieder einmal vor Sanktionen zurück - wie so oft, wenn es um die Grundwerte geht (man erinnere sich nur an die unselige CIA-Flugaffäre). Man habe einfach keine rechtliche Handhabe, heißt es meist zur Begründung.

    Oder sie möchte erst einmal prüfen, was von der überraschenden Kehrtwende in Budapest zu halten ist. Regierungschef Orban hatte nach einer Krisensitzung in Budapest erklärt, er wolle sich mit EU und IWF so schnell wie möglich einigen und sei auch zu Kompromissen bereit.

    So oder so drängt sich der Eindruck auf, dass die EU Ungarn lieber aushungert statt endlich zu handeln. http://lostineurope.poste... - im Gegensatz zu den Ratingagenturen...

    • sdicke
    • 08.01.2012 um 13:14 Uhr

    Ich bin der Meinung, dass Staaten ihre Haushalte selbst kontrollieren müssen - und wenn ihnen das nicht gelingt sollte ihnen nicht geholfen werden. Einige Jahre später hatten sie sich erneut überschuldet, dieses Mal für Infrastrukturprojekte, aber die US-Regierung half ihnen nicht mehr.

    Das Problem bei Bail-Outs von Staaten - oder von Banken - ist, dass die betroffenen danach davon ausgehen, dass ihnen wieder geholfen wird, was dafür sorgt, dass sie unvernünftig mit Geld umgehen. Das beste Beispiel dafür ist die Schuldenübernahme der US-Regierung 1790, nachdem sich die Bundesstaaten im Unabhängigkeitskrieg bis zum Bankrott verschuldet hatten.

    Ungarn sollte man aus Prinzip nicht helfen, genauso wie man Griechenland fallen lassen sollte (auch wenn hier der Euro ein Problem ist). Spanien, Italien, Irland und sonstige inkompetent geführte Länder sollten ebenso nicht unterstützt werden, da jede Rettung die Bonität der Retter gefährdet und wenn es keine schmerzlichen Folgen gibt, werden diese Länder nie lernen, wie man mit Geld umgeht.

    • sdicke
    • 08.01.2012 um 13:15 Uhr

    Aufgrund eines Doppelpostings entfernt. Die Redaktion/ls

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