GriechenlandWenn der Rentner nicht weiterweiß
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Vielen Griechen fehlt das Geld für Heizöl

In vielen Athener Mietshäusern bleiben in diesem Winter die Zentralheizungen ausgeschaltet, weil die Mieter kein Geld für das Heizöl haben, das sich wegen Steuererhöhungen kräftig verteuert hat. Auch hier trifft der Sparkurs der Athener Regierung vor allem jene, die ohnehin zu kurz kommen.

In vielen Supermärkten stehen neben den Kassen Behälter mit der Aufschrift "Gemeinsam schaffen wir es". Hier können jene, die Geld übrig haben, Lebensmittel für Bedürftige spenden. Davon gibt viele: 250.000 Menschen werden Tag für Tag allein in den Armenspeisungen der orthodoxen Kirche verköstigt.

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Welche Schicksale sich hinter den Armutsstatistiken verbergen, weiß auch Nikitas Kanakis von der griechischen Sektion der Hilfsorganisation Ärzte der Welt. Sie betreibt in vier griechischen Städten Krankenstationen, wo Bedürftige kostenlos behandelt werden. "Wir sind mit einer humanitären Krise konfrontiert", sagt der Zahnarzt Kanakis.

Das staatliche Gesundheitssystem steht vor dem Zusammenbruch. Auf Weisung der Troika muss der Staat in diesem Jahr bei den Ausgaben für Medikamente weitere 1,1 Milliarden Euro sparen und den Ärzten Überstunden streichen. Ein Brennpunkt der Arbeit der Ärzte der Welt ist Perama, eine Industriestadt westlich Athens.

Chronik
Die Euro-Krise seit 2009
Mai 2013
Zustimmung zur EU Umfrage Pew

© Aris Messinis/AFP/Getty Images

Europa wird unbeliebter: Laut einer Studie des US-Meinungsforschungsinstituts Pew ist die Zustimmung zur EU im Vergleich zum Vorjahr von 60 auf 45 Prozent gesunken. Befragt wurden knapp 8.000 Bürger in acht EU-Staaten. In Deutschland wurden das europäische Projekt und die wirtschaftliche Lage noch in Deutschland bewertet, in Frankreich sank die Zustimmung am stärksten. Allerdings ergibt die Studie auch, dass eine Mehrheit der Bürger den Euro behalten will und dass etwa zwei Drittel der Befragten in Krisenländern die Sparpolitik großen Mehrausgaben vorziehen.

28. April 2013
Proteste Griechenland

© John Kolesidis/Reuters

Um sich zukünftige Hilfszahlungen der Troika zu sichern, verabschiedet die griechische Regierung ein neues Sparpaket. Unter anderem sollen bis Ende nächsten Jahres 15.000 Beamte entlassen werden. Ohnehin erreicht die Arbeitslosigkeit immer neue Rekord-Ausmaße: Schon Anfang des Jahres waren in der ganzen Euro-Zone 19 Millionen Menschen ohne Erwerb. In Griechenland und Spanien lag die Arbeitslosenquote bei über 26, bei unter 25-jährigen sogar über 55 Prozent. Immer wieder kommt es in den Krisenländern zu Streiks und heftigen Protesten.

April 2013
Harvard Rofogg Reinhart Studie Sparen

© Jessica Rinaldi/Reuters

Die wissenschaftliche Basis der Sparpolitik bröckelt: Eine maßgebliche Studie von Kenneth Rogoff und Carmen Reinhart kam zu dem Schluss, dass Staatsschulden das Wachstum bremsen, sobald sie einen bestimmten Punkt überschreiten. Jetzt wird die Arbeit massiv angezweifelt. Neue Forschungen ergeben, dass der errechnete Zusammenhang zwischen Schulden und Wachstum weniger stark ausfällt. Das gibt den Kritikern der Sparpolitik neue Argumente.

14. April 2013
AfD bernd Lucke

© Carsten Koall/Getty Images

Der konservative Protest gegen den Euro formiert sich: Auf ihrem Gründungsparteitag hat die Alternative für Deutschland (AfD) beschlossen, zur Bundestagswahl anzutreten. Die Partei um den Wirtschaftsprofessor Bernd Lucke fordert den Ausstieg aus dem Euro, die Wiedereinführung der D-Mark und das Ende der Rettungspakete. Die AfD gibt sich bürgerlich und versucht, sich von Rechtspopulismus-Vorwürfen abzusetzen. Zustimmung zum Euro-Austritt äußert unter anderem auch der frühere Linken-Vorsitzende Oskar Lafontaine. In Umfragen Anfang Mai erreicht die AfD drei Prozent.

März 2013
Zypern Präsident Nicos Anastasiades

© Andreas Manolis/Reuters

Zypern droht die Staatspleite. Ein erster Rettungsplan der Euro-Finanzminister sieht vor, auch die Bankkunden an den Kosten zu beteiligen, die vergleichsweise kleine Summen bei Zyperns Banken angelegt haben. Doch das Parlament in Zypern lehnt die Zwangsabgabe ab. Schließlich werden nur Konten mit über 100.000 Euro belastet, die Troika zahlt zehn Milliarden Euro, Zypern bleibt mit umstrukturiertem Finanzsektor im Euro. Am 28. März öffnen zyprische Banken nach einer zwölftägigen Pause wieder, der befürchtete Ansturm der Kunden auf die Institute bleibt aus.

Januar 2013
David Cameron Grundsatzrede zur EU

© Oli Scarff/Getty Images

In Großbritannien legt die eurokritische Partei UKIP in Umfragen stark zu. In einer Grundsatzrede kündigt Premierminister David Cameron ein Referendum zum Austritt aus der EU an. Er spricht sich für den Verbleib in der Staatengemeinschaft aus – wenn diese sich "möglicherweise bis zur Unkenntlichkeit" verändere. Die EU müsse flexibler, anpassungsfähiger und offener werden, die Schuldenkrise überwinden. Dazu müsste allerdings der Lissabon-Vertrag verändert werden, was für viele EU-Politiker nicht infrage kommt.

November 2012
Lagarde und Draghi Konferenz der Eurozone

© Yves Herman/Reuters

Die Euro-Finanzminister, die EZB und der IWF einigen sich auf Maßnahmen gegen die griechische Staatsverschuldung. Aus dem zweiten Hilfspaket werden Notkredite in Höhe von 44 Milliarden Euro gewährt. Außerdem bekommt Athen mehr Zeit, um seine Schulden abzubauen – bis zum Jahr 2020 muss die Schuldenlast nun um 120 statt 124 Prozent gesunken sein, für die Rückzahlungen an den EFSF ist auch über 2020 hinaus Zeit. Einen zweiten Schuldenschnitt für Griechenland hatte unter anderem Deutschland zunächst kategorisch abgelehnt.

Oktober 2012
Rettungsschirm ESM

© Nicolas Armer/dpa

Der Rettungsschirm ESM tritt in Kraft. Insgesamt 500 Milliarden Euro können in Form von Hilfskrediten oder durch das Ankaufen von Anleihen an Krisenstaaten vergeben werden. Die Staaten müssen dazu bestimmte Auflagen erfüllen. In Deutschland lehnte das Bundesverfassungsgericht zuvor Klagen gegen den ESM ab. Geklagt hatten unter anderem Peter Gauweiler (CSU) und die Linke im Bundestag. Das Gericht stellte aber zugleich die Bedingung, dass die deutsche Haftung maximal 190 Milliarden Euro betragen dürfe.

September 2012
Mario Draghi EZB kauft Staatsanleihen

© Johannes Eisele/AFP/Getty Images

EZB-Chef Mario Draghi kündigt an, unbegrenzt Staatsanleihen von Spanien und Italien anzukaufen und so deren Zinsen für Neuverschuldungen zu senken. Bedingung ist, dass die Rettungsfonds EFSF und ESM beantragt und entsprechende Reformen zugesagt werden. Damit setzt die EZB ihre Bemühungen fort, die Kreditvergabe anzuregen und die Konjunktur in Krisenländern zu stärken. Im Juli hatte die Bank zu diesem Zweck den Leitzins von 1,0 auf einen Rekordwert von 0,75 Prozent gesenkt.

29. Juni 2012

© Thierry Charlier/AFP/Getty Images

In Brüssel treffen sich die Staats- und Regierungschefs der EU zum Krisengipfel. Spanien und Italien verlangen schnelle Hilfen. Merkel lehnt Euro-Bonds oder ein Eingreifen der EZB, um die Finanzmärkte zu stabilisieren, ab. Spanien und Italien aber verhandeln hart. Am Ende wird ein Pakt für Wachstum und Beschäftigung beschlossen. Rettungsgeld soll zukünftig "flexibler" vergeben werden. Die spanischen Banken sollen direkt Geld aus Brüssel erhalten. Die Staatschef verabreden die Schaffung einer Bankenunion.

25. Mai 2012
bankia

© Getty Images

Eine Zahl schreckt die Finanzwelt auf. In die Welt gesetzt hat sie José Ignacio Goirigolzarri, der Chef von Bankia, der viertgrößten Bank Spaniens. 19 Milliarden Euro braucht die Bank demnach an Staatshilfen, um zu überleben – weit mehr als bisher angenommen. Die Meldung untergräbt das Vertrauen in spanische Anleihen weiter, auch die Börsenkurse rutschen weltweit ab. Eine neue Debatte beginnt: Angela Merkel schlägt vor, Europas systemrelevante Banken unter eine gemeinsame Aufsicht zu stellen.

6. Mai 2012
hollande

© Getty Images

Frankreich wählt einen neuen Präsidenten: Der Sozialist François Hollande weckt vor allem bei Frankreichs Linken die Hoffnung, die Krisenagenda in Europa verändern zu können. Hollande war im Wahlkampf mit der Forderung nach Euro-Bonds aufgetreten – anders als sein Vorgänger Nicolas Sarkozy. Auch kritisierte er, Europas Politik setze zu sehr auf Sparen und zu wenig auf Wachstum.

6. Mai 2012
griechenland opposition

© Getty Images

Die Parlamentswahl in Griechenland endet im Chaos: Mehr als eine Woche lang gelingt es den Parteichefs von Konservativen, Linksradikalen und Sozialisten sowie den kleineren Demokratischen Linken nicht, eine Koalition zu bilden. Am Ende fällt die Entscheidung für Neuwahlen im Juni. Die Unsicherheit in Griechenland beunruhigt nicht nur die Finanzmärkte in Europa, sondern auch die griechischen Bürger: Viele räumen ihre Konten und bringen das Geld außer Landes. In Europa wächst die Sorge vor einer Kapitalflucht im Süden.

8. März 2012
Griechenland

© Oli Scarff/Getty Images

Die griechische Regierung verschickt eine Erfolgsmeldung: An dem angekündigten Schuldenschnitt beteiligen sich nach Angaben des Finanzministeriums rund 86 Prozent aller Gläubiger, die Papiere nach griechischem Recht halten. Damit ist das nötige Quorum erreicht, um auch die anderen Gläubiger zum Umtausch zu zwingen. Insgesamt wären dann rund 95 Prozent der Investoren im Boot. Rund 197 Milliarden der 206 Milliarden Euro an griechischen Staatsschulden können nun umgeschuldet werden. Die Anleger erhalten Papiere mit längerer Laufzeit und niedrigerem Zinssatz. Griechenland bekommt mehr Zeit.

21. Februar 2012
Venizelos und Juncker

© Yves Herman/Reuters

Die EU-Finanzminister bringen ein zweites Rettungspaket für Griechenland auf den Weg. Es umfasst neue Kredite in Höhe von 130 Milliarden Euro; private Gläubiger sollen auf mehr als 50 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Die Euro-Gruppe bannt damit die Gefahr, dass Griechenland am 20. März endgültig zahlungsunfähig wird – an diesem Tag werden 14,5 Milliarden Euro an Zahlungen aus Anleihen fällig. Für die griechischen Staatseinnahmen soll ein Sperrkonto eingerichtet werden, das die vorrangige Bedienung der Kredite sichert.

31. Januar 2012
Evangelos Venizelos

© Getty Images

Die Staats- und Regierungschefs der EU verabschieden in Brüssel den Fiskalpakt. 25 Staaten stimmen dem Regelwerk zu; Großbritannien und Tschechien bleiben außen vor. Die neuen Regeln sollen ab 2013 gelten. Künftig kann die Kommission ein Defizitverfahren auch ohne die Zustimmung der Finanzminister eröffnen, immer dann, wenn die Defizitquote eines Landes drei Prozent überschreitet. Das strukturelle Defizit in den Haushalten darf in der Regel nicht mehr die Grenze von 0,5 Prozent überschreiten. Die Krisenstaaten müssen ihre Schulden um fünf Prozent jährlich abbauen. Beschlossen wird auch der dauerhafte Krisenmechanismus ESM, der ab Juli in Kraft treten soll.

13. Januar 2012
fillon-frankreich-rating

© Getty Images

Die Rating-Agentur Standard & Poor's stuft Frankreichs Kreditwürdigkeit herab. Einen Tag später entzieht sie neun weiteren Ländern die Bestnote. Auch der Krisenfonds EFSF verliert sein AAA-Rating. Die Folgen sind begrenzt: Die Zinsaufschläge für einige Krisenländer bleiben zwar hoch, sinken aber in der Tendenz. Die erste Auktion des EFSF nach seiner Herabstufung verläuft reibungslos. Allerdings nimmt die Flucht in sichere Häfen zu: Wenige Tage vor der Herabstufung von Frankreich zahlt Deutschland erstmals negative Zinsen auf kurzfristige Staatspapiere – wie zuvor die Schweiz und Dänemark.

Mitte November 2011
Mario Monti

© Filippo Monteforte/AFP/Getty Images

Nach wachsendem Druck der Finanzmärkte auf Italien tritt Regierungschef Silvio Berlusconi zurück. Sein Nachfolger wird der frühere EU-Kommissar Mario Monti. Im Dezember stimmt das Parlament in Rom seinem Spar- und Sanierungsprogramm zu. Auch in Spanien wechselt die Regierung: Bei der vorgezogenen Parlamentswahl am 20. November werden die Sozialisten abgewählt, die konservative Volkspartei (PP) mit ihrem Spitzenkandidaten Mariano Rajoy siegt. Er löst im Dezember José Luis Rodríguez Zapatero als Regierungschef ab.

Anfang November 2011
Lucas Papademos (r.) mit seinem Amtsvorgänger Giorgos Papandreou

© Orestis Panagiotou/EPA/dpa

Am 31. Oktober kündigt Griechenlands Ministerpräsident Papandreou überraschend an, er wolle seine Bevölkerung über die EU-Rettungshilfen abstimmen lassen. Europas Regierungen setzten Griechenland daraufhin unter Druck: Die nächste Kredittranche, von den Euro-Finanzministern eigentlich schon gebilligt, wird auf Eis gelegt. Am 3. November sagt Papandreou das Referendum wieder ab. Sechs Tage später kündigt er seinen Rücktritt an. Das frühere EZB-Ratsmitglied Lucas Papademos wird neuer griechischer Ministerpräsident.

Oktober 2011

© Odd Andersen/AFP/Getty Images

Am 26. Oktober stimmt der Bundestag schon wieder über eine Ausweitung des Rettungsfonds EFSF ab. In ihrer Regierungserklärung appelliert Kanzlerin Merkel an die Abgeordneten, ihre Rettungspolitik zu unterstützen: "Scheitert der Euro, scheitert Europa", sagt sie. 503 von 596 Abgeordneten stimmen für die Erweiterung. Auf dem anschließenden EU-Gipfel beschließen die Staats- und Regierungschefs einen Schuldenschnitt für Griechenland, eine Ausweitung des EFSF und eine Rekapitalisierung der Banken. Italien verspricht, stärker zu sparen.

29. September 2011

© Sean Gallup/AFP/Getty Images

Der Bundestag billigt die von den Euro-Ländern geplante Aufstockung des Rettungsfonds EFSF auf 780 Milliarden Euro, von denen 440 Milliarden an überschuldete Euro-Staaten verliehen werden können. Treten die geplanten Änderungen in Kraft, steigen die deutschen Garantien um 88 Milliarden auf 211 Milliarden Euro. Zudem erhält der Fonds dann weitere Kompetenzen: Künftig soll er an der Börse Staatsanleihen von Krisenstaaten kaufen, um deren Kurse zu stabilisieren. Von 611 anwesenden Abgeordneten im Bundestag stimmen 523 dem Gesetzentwurf der Koalitionsfraktionen zu.

7. September 2011
Bundesverfassungsgericht

© Ralph Orlowski/Getty Images

Erneut weist das Bundesverfassungsgericht Verfassungsbeschwerden gegen die Griechenland-Hilfen ab. Die Richter entscheiden, dass die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds EFSF mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Sie setzen aber voraus, dass der Haushaltsausschuss des Bundestages allen Rettungsmaßnahmen zustimmen muss. Bisher musste sich Finanzminister Wolfgang Schäuble lediglich um ein Einvernehmen mit dem Parlament bemühen.

August/September 2011
Banken Frankfurt

© Alex Grimm/Getty Images

Die europäischen Banken misstrauen einander zunehmend. Statt sich gegenseitig Geld zu leihen, bemühen sie die EZB. Der Liquiditätsfluss im Finanzsektor droht auszutrocknen, die Angst vor einer neuen großen Bankenpleite wächst. Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), fordert deshalb, die Banken mit neuem Kapital auszustatten, das direkt vom Rettungsfonds EFSF kommen soll. Auch die Bankenaufsicht (EBA) zeigt sich besorgt. EZB-Chef Trichet und Deutsche-Bank-Chef Ackermann hingegen kritisieren die Vorstöße.

31. August 2011

© Sean Gallup/Getty Images

Das Bundeskabinett bringt das "Gesetz zur Übernahme von Gewährleistungen im Rahmen eines europäischen Stabilisierungsmechanismus" auf den Weg. Damit setzt es die Beschlüsse des Euro-Gipfels vom 21. Juli um. Deutschland bürgt nun für weitere 211 Milliarden Euro. Knackpunkt in der deutschen Diskussion ist die Beteiligung des Bundestages: Künftig soll das Parlament über alle neuen Hilfen abstimmen. Unter anderem haben die Unions- und die FDP-Fraktion dies gefordert.

August 2011

© David Ramos/Getty Images

Die Debatte über Euro-Bonds entflammt. Euro-Gruppen-Chef Juncker ist dafür, die Krisenstaaten im Süden auch. In Deutschland drängen SPD und Grüne auf die gemeinsamen Anleihen; auch in der CDU bröckelt der Widerstand. Die FDP ist weiterhin strikt gegen Euro-Bonds, auch Angela Merkel lehnt sie ab. Unterdessen sorgen Gerüchte, Frankreich könnte sein AAA-Rating verlieren, für Turbulenzen an den Börsen. Der Dax fällt zeitweise um bis zu sechs Prozent im Vergleich zum Vortag. Sarkozy kündigt weitere Sparpläne an.

8. August 2011

© Daniel Roland/AFP

Die Europäische Zentralbank kauft erstmals auch italienische und spanische Staatsanleihen am Sekundärmarkt. Sie will damit verhindern, dass die Zinsen für die Krisenstaaten weiter steigen. Mit Erfolg: Der Druck auf die beiden Länder nimmt in den kommenden Wochen etwas ab. Italien erklärt sich bereit, ein weiteres Sparpaket aufzulegen: Bis 2013 soll der Haushalt um weitere 45 Milliarden Euro gekürzt werden.

21. Juli 2011

© Ralph Orlowski/Getty Images

Die Euro-Länder beschließen das zweite Rettungspaket für Griechenland. Es umfasst neue Kredite in Höhe von 109 Milliarden Euro und soll bis 2014 reichen. Erstmals beteiligen sich freiwillig private Gläubiger: Banken sollen 37 Milliarden Euro beisteuern, indem sie griechische Staatsanleihen in neue Bonds mit geringeren Zinsen umtauschen. Ein Erfolg für die Bundesregierung, die sich für die Beteiligung privater Gläubiger eingesetzt hat.

Juli 2011

© Vincenzo Pinto/AFP

Die Sorge um Italien lässt die Gemeinschaftswährung abrutschen. Die Staatsverschuldung der drittgrößten Volkswirtschaft Europas ist, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, mit fast 120 Prozent höher als die Irlands und Portugals. Die Renditen auf ihre Anleihen steigen. Die Regierung plant, in vier Jahren knapp 48 Milliarden Euro einzusparen, etwa im öffentlichen Dienst und im Gesundheitswesen. Berlusconi meint trotzdem: "Wir sind stabil."

7. April 2011

© Patrick Pleul/dpa

Auch Portugal will unter den Rettungsschirm. Das ärmste Land Westeuropas sieht keine Alternative, nachdem die Opposition im März ein geplantes Sparprogramm der Minderheitenregierung ablehnte. Nach dreiwöchigen Verhandlungen bekommt Portugal 78 Milliarden Euro zugesprochen – und mehr Zeit für den Schuldenabbau: Die Neuverschuldung des Staates darf in diesem Jahr nun statt 4,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts 5,9 Prozent betragen.

April 2011

© Wolfgang Kumm/dpa

Innerhalb der schwarz-gelben Koalition regt sich Widerstand gegen den ESM: Mehr als 30 FDP-Politiker fordern, den Rettungsfonds auf dem Parteitag im Mai abzulehnen. Außerdem wollen sie ein Insolvenzverfahren für EU-Staaten mit starker Gläubigerbeteiligung und ein Verbot für die EZB, Anleihen aufzukaufen. Sie scheitern: Zwei Drittel der Liberalen sprechen sich gegen ein Nein zum ESM aus. Außenminister Westerwelle sagt: "Europa liegt im deutschen Interesse."

11. März 2011

© Sean Gallup/Getty Images

Die Staats- und Regierungschefs der EU-Länder beschließen, die Kreditvergabekapazität des EFSF auf 440 Milliarden aufzustocken. Außerdem einigen sich die Staaten auf den "Pakt für den Euro" – die Selbstverpflichtung, sich in der Haushalts-, Steuer- und Sozialpolitik enger abzustimmen – und verpflichten sich zum Sparen. Gleichzeitig wird der Stabilitäts- und Wachstumspakt verschärft. Die von Deutschland geforderten automatischen Sanktionen scheitern allerdings am Widerstand der Mitgliedsstaaten.

16. Dezember 2010 /25. Januar 2011

© Frank Rumpenhorst/dpa

Die EZB verdoppelt ihr Grundkapital auf elf Milliarden Euro, um ihre Anleihekäufe abzusichern. Zu diesem Zeitpunkt hat sie bereits für 72 Milliarden Euro Anleihen aufgekauft – griechische, irische, portugiesische, spanische. Einen Monat später gibt der Rettungsfonds EFSF erstmals selbst Anleihen auf dem Kapitalmarkt aus. Das Interesse der Anleger an den EFSF-Anleihen ist enorm, unter anderem wegen seines Top-Ratings.

28. November 2010

© Georges Gobet/AFP

Die Finanzminister der Euro-Länder einigen sich auf einen dauerhaften Krisenfonds, den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM). Er soll 2013 den Rettungsfonds EFSF ablösen. Der ESM umfasst 700 Milliarden Euro, von denen maximal 500 Milliarden an Not leidende Staaten verliehen werden können. Der Rest dient als Sicherheitseinlage. Sie soll die Rating-Agenturen überzeugen, auch dem ESM Bestnoten zu verleihen. Im Gegensatz zum EFSF wird der neue Fonds mit einer Bareinlage in Höhe von 80 Milliarden Euro ausgestattet. In Einzelfällen können auch private Gläubiger beteiligt werden.

21. November 2010

© David Cannon/Getty Images

Irland muss vom Euro-Rettungsschirm aufgefangen werden. Das Land hat seine Banken mit Milliardenbeträgen vor dem Zusammenbruch gerettet und ist dadurch selbst in eine Schieflage geraten. Die Euro-Finanzminister beschließen Hilfskredite in Höhe von 85 Milliarden Euro, im Gegenzug muss Irland wie zuvor schon Griechenland hart sparen. Die irischen Bürger sind wütend: Bis zuletzt hatte ihre Regierung bestritten, Hilfe aus Brüssel beantragen zu wollen.

30. September 2010

© Bernd Thissen/dpa

Die Rating-Agentur Moody's stuft Spanien herab, die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone. Sie bewertet die Bonität des Landes nun nicht mehr mit der Bestnote. Vor dem Platzen der Immobilienblase befand sich Spanien noch im Aufschwung. Seitdem kämpft das Land mit den Folgen der Finanzkrise. Ministerpräsident Zapatero bestreitet, finanzielle Hilfe der EU zu brauchen. Spanien hat auf einen rigorosen Sparkurs geschwenkt – genau wie der ebenfalls hoch verschuldete Nachbar Portugal.

7. Juni 2010

© Georges Gobet/AFP

Die Euro-Finanzminister gründen in Luxemburg die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF), den sogenannten Euro-Rettungsschirm. Die Zweckgesellschaft soll im Notfall am Kapitalmarkt Kredite aufnehmen, um klamme Staaten finanziell zu stützen. Die Euro-Länder sollen für die Kredite bürgen, Deutschland mit bis zu 148 Milliarden Euro. Der EFSF umfasst insgesamt 750 Milliarden Euro. Die tatsächliche Kreditvergabekapazität liegt niedriger, weil für ein AAA-Rating hohe Garantien erforderlich sind.

10. Mai 2010

© Frank Rumpenhorst/dpa

Die Europäische Zentralbank (EZB) beschließt, Staatsanleihen kriselnder Staaten aufzukaufen. Sie will verhindern, dass die Länder ihre Schulden nicht mehr bedienen können, weil die Zinsen immer weiter steigen. Ihre Statuten verbieten ihr, Anleihen direkt von den Emittenten zu erwerben; also wird sie am öffentlichen und privaten Anleihemarkt – dem sogenannten Sekundärmarkt – tätig. Mit der Ankündigung bricht die EZB mit einem Tabu: Bisher hat sie derartige Mittel zur Krisenbekämpfung stets abgelehnt.

2. Mai 2010

© Jean-Christophe Verhaegen/AFP

Die EU-Finanzminister beschließen, Griechenland Kredite in Höhe von 110 Milliarden Euro zu gewähren: 80 Milliarden kommen von den Euro-Staaten, 30 vom IWF. Nur zehn Tage später fließt die erste Tranche nach Athen. Im Gegenzug wird Griechenland verpflichtet, hart zu sparen, die Wirtschaft zu reformieren und staatliche Unternehmen zu privatisieren. An den Kapitalmärkten kann sich Griechenland nur noch zu hohen Zinsen refinanzieren. Standard & Poor's bewertet die Anleihen des Landes als hochspekulativ (B).

11. Februar 2010

© John Thys/Getty Images

Die Staats- und Regierungschefs der EU erklären sich bereit, Griechenland finanziell zu unterstützen, um die Stabilität der Währungsunion zu sichern. Die EU fordert Griechenland jedoch gleichzeitig auf, die Sparanstrengungen zu verstärken. Zuvor bescheinigte die Kommission ihren Finanzstatistiken qualitative Mängel. Die griechische Regierung verkündet zusätzliche Sparmaßnahmen in Höhe von 4,8 Milliarden Euro. Das entspricht rund zwei Prozent des griechischen BIPs.

16. Dezember 2009

© Justin Lane/dpa

Als erste Rating-Agentur stuft Fitch die Kreditwürdigkeit Griechenlands herab; die anderen Agenturen folgen. Die Sparmaßnahmen Griechenlands reichten nicht aus, um das Defizit nachhaltig zu verringern, begründet Standard & Poor's die Entscheidung. In der EU wächst die Angst vor einem Staatsbankrott, der andere Länder anstecken könnte. In Griechenland kommt es zu ersten Streiks gegen die Sparpolitik der Regierung.

Oktober 2009

© Vladimir Rys/Getty Images

Die griechische Regierung revidiert die Schätzung des Staatsdefizits für 2009 nach oben – von sechs auf mehr als zwölf Prozent des BIPs. Bereits zuvor enthielt die Schuldenstatistik des Landes gravierende Fehler: Im Jahr 2004 wurde bekannt, dass die Neuverschuldung in den Jahren 1998 und 1999 – also kurz vor Einführung des Euro – deutlich über den im Maastricht-Vertrag festgeschriebenen drei Prozent des BIPs lag. Ende 2010 werden Griechenlands Schulden mehr als 140 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen.


Früher war Perama das Zentrum der griechischen Schiffsbauindustrie. Heute hat der 25.000 Einwohner zählende Ort die wohl höchste Arbeitslosenquote Griechenlands, rund 60 Prozent. Wenn die Arbeitslosenhilfe nach spätestens zwölf Monaten ausläuft, verliert man in Griechenland automatisch auch seine Krankenversicherung.

Immer mehr Menschen suchen deshalb Hilfe bei der Krankenstation der Ärzte der Welt in Perama. "Und immer mehr Menschen, die zu uns kommen, fragen nicht nach Medikamenten", berichtet Nikitas Kanakis, "sie sind hungrig und bitten um etwas zu Essen". Was sich in seinem Land abspiele, sei "beschämend und schockierend", sagt der Arzt.

So weit, dass er um Essen betteln muss, ist Vyron Nikolopoulos noch nicht. Ihm fehlt nur das Geld für die Stromrechnung. Nach zwei Stunden tritt er aus der Geschäftsstelle der Elektrizitätsgesellschaft wieder auf die Straße. Die Rechnung hat er noch in der Hand, unbezahlt. "Die Angestellte war sehr freundlich und verständnisvoll", berichtet der Rentner. Aber viel Hoffnung hat sie ihm nicht machen können. "Letztlich müssen Sie bezahlen", hat sie mir gesagt. Nur einen kleinen Aufschub hat Nikolopoulos herausgehandelt – eine Galgenfrist.

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Leserkommentare
  1. was in Griechenland passiert.
    Erst wartet man, bis die Vermögenden ihr Geld komplett ins Ausland bringen konnten und dann dürfen es die Ärmsten wieder ausbügeln.

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    deswegen ist es sehr weise eine breite Mittelschicht zu halten. Auch hier in Deutschland sieht man, wie die Mittelschicht zunehmend kleiner wird. Ich finde es eher beschämend, dass man in Griechenland so tolerant in der breiten Bevölkerung mit Korruption umgegangen ist, nach dem Motto "so sind wir halt, das ist unsere Mentalität". Die paar Millionäre und Milliardäre sind die Früchte von diesem Trend.

    • joG
    • 22. Februar 2012 11:42 Uhr

    ...anders verhalten sollen und Zahlen jetzt nur für ihre Fehler. So liest man hier doch oft. So sagten unsere Politiker. Auch haben die Griechen und betrogen!
    Ich weiß nicht, ob das genügt zu begründen, dass wir sie in eine Depression stürzen. Natürlich sind sie so schuldig wie damals die Deutschen. Aber die folgen sind wichtig. Versailles funktionierte schlechter als Marshall. Und wir riskieren die Eu. Bei aller Gerechtigkeit. Wir riskieren sie.

    Ps: man kann natürlich auch sagen, dass wir mit dem Maastrichter Vertrag die Eu riskierten. Denn auch das hat etwas wahres. Eigentlich wussten wir es aber damals schon, das er nicht funktionieren konnte. So war es eigentlich nicht "Risiko", das Zweifel impliziert.

  2. daß in Europa Menschen in Armut und Elend leben müssen und hungern und frieren müssen - im 21. Jahrhundert und in einem Europa, das so reich ist wie niemals zuvor.
    Gebt die 130 Milliarden direkt an die Rentner und Armen, sie kommen zurück, sie werden wieder in den Wirtschaftskreislauf eingespeist und hätten wenigstens eine positive Wirkung, anstatt daß womöglich irgendwelche Banken Teile davon als Gebühren einziehen - und die Schuldner, die jahrelang profitiert haben, auch die griechischen Millionäre und Milliardäre, sollten sich ernsthaft überlegen, ihre Landsleute zu ernähren und zu behausen.

    48 Leserempfehlungen
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    Wäre schön, wenn es so wäre. Diese dramatischen Szenen spielen sich ja deshalb ab, weil in Griechenland das geliehene Geld der letzten Jahrzehnte genau auf die von Ihnen geforderte Art und Weise unter die Leute gebracht wurde. Das Ergebnis sieht man jetzt. Sie wollen eine solch sinnlose Politik also weiter fortsetzen?

    Wäre das Geld sinnvoll in Infrastruktur investiert worden, wäre der Absturz nicht so krass gewesen!

    • NoG
    • 22. Februar 2012 10:45 Uhr

    aus einem staat der steuern per stromrechnung direkt einzieht,
    samt sanktionen per stromabschaltung.
    ein sinbild der viel kritisierten, scheinbar nicht existenten, verwaltung griechenlands.

    "wenn der rentner nicht weiter weiß"

    ist uebrigens eine verniedlichung existenzieller probleme dieser menschen. da findet sich sicherlich auch eine bessere formulierung.

    13 Leserempfehlungen
    • Freakgs
    • 22. Februar 2012 10:46 Uhr

    Mit "so ein Staat" meine ich einen Staat, der am Boden ist aber auf den wir weiter eintreten.

    Natürlich, die Schulden müssen gesenkt werden aber gleichzeitig würgen diese Maßnahmen die Wirtschaft ab. Ergebnis: Griechenland wird immer auf Hilfe angewiesen sein, weil es keine funktionierende Wirtschaft mehr hat.

    Und fernab aller wirtschaftlichen Betrachtungen: Was sich dort abspielt ist eine menschliche Tragödie, das kann doch niemand guten Gewissens wollen?

    25 Leserempfehlungen
  3. "Und bei uns kommt von dem Hilfsgeld doch kein einziger Euro an".

    Das ist das was mich so ärgert: Milliarden und Milliarden werden herumgeschoben, aber der normale Grieche sieht davon gar nichts. Ich hätte kein Problem damit unseren Griechischen Miteuropäern mit meinen Steuern finanziell beizustehen, wenn denn auch die Leute was davon hätten.

    Stattdessen wirkt es so als würde die Kohle bei Politikern und Bankern versumpfen, während die Chance genutzt wird Arbeitnehmerechte auszuhöhlen und mit gnadenlosen Neoliberalen Kahlschlägen die Leute wieder dazu zu bringen um Arbeit betteln zu müssen - wie zu Beginn des 20 Jh., wo der Arbeitnehmer "seinen Platz noch kannte"!

    Sehr interessant hierzu auch dieser Artikel, der beschreibt wie die ganzen EZB-Zahlungen einmal im Kreis wieder zur EZB kommen:

    http://www.zeit.de/2011/2...

    51 Leserempfehlungen
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    "Stattdessen wirkt es so als würde die Kohle bei Politikern und Bankern versumpfen, während die Chance genutzt wird Arbeitnehmerechte auszuhöhlen und mit gnadenlosen Neoliberalen Kahlschlägen die Leute wieder dazu zu bringen um Arbeit betteln zu müssen"

    Das "wirkt so" können Sie streichen.

    Und auch kein Bankgeheimnis mehr! Das ganze Geld wandert direkt in den unersättlichen Schlund der Banken.
    Man fürchtet eine Kettenreaktion nach einem Bankenzusammenbruch? Es wurde absolut nichts gelernt nach der Finanzkrise.
    Wie denn auch, wenn der Herr Ackermann seinen Geburtstag im Kanzleramt feiert.
    Ich jedenfalls werde spätestens nächste Woche meine Riester und sonstige Lebensversicherungen beitragsfrei stellen lassen. Wir werden sowieso nur noch betrogen und belogen.
    Rufe auch alle anderen auf endlich etwas zu tun bevor wir uns die Köpfe gegenseitig einschlagen. Oder hörts beim eigenen Geldbeutel auf? Kettenmail jetzt!

    MACHT was!

  4. Hat Schäuble kein Mitgefühl? Wer hier bluten muss, sind die schuldigen Eliten und Banken, nicht der einfache Grieche.

    Hier handeln keine Europäer, hier handeln Bankditen.

    37 Leserempfehlungen
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    • cegog
    • 22. Februar 2012 11:10 Uhr

    Nochmal zur Erinnerung: Griechenland hat über eine Dekade 100 Mrd. aus den EU-Kassen an direkten Strukturhilfen bekommen. Dazu kamen billige Kredite dank Euro-Bonität. Es profitierten vor allem die Reichen - soweit richtig. Bekannt ist aber auch, dass sich diese Schludrigkeit von oben nach unten zog, damit auch das Wahlvolk die abfallenden Brosamen vom großen Schulden- und Subventionskuchen abbekam.
    Niemand hat das Recht, die Leute für ihre Anpassung an ein korrumpiertes System moralisch zu verurteilen. Nur haben wir jetzt das Problem, dass es keinen integeren Personenkreis gibt, dem man vertrauensvoll (!) Mittel in die Hand geben kann, um die Not zu lindern.
    Es ist auf der humanitären Ebene das gleiche wie bei den geforderten Konjunkturprogrammen oder "Marshall-Plänen": wem kann man zu treuen Händen Geld in die Hand geben?

    Die jetzige Regierung unter Papademos mit Venizelos als Finanzminister ist letztlich immer noch dieselbe Clique, die das Land in die Schuldenmisere geritten hat und deren jeweilige Hofkamarilla weiter jede Reformanstrengung unterläuft.

    Nicht ohne Grund werden jeder "Sparkommissar" und Hilfsangebote beim Verwaltungsaufbau mit dem verlogenen Hinweis auf den griechischen Stolz abgeblockt. Eben diese Gruppen wären nämlich als erste ihre Pfründe los.

    Da greift man doch lieber zum beliebten Sündenbockspiel, und wer würde sich hierzu besser eignen als Deutschland?

    Jagt lieber eure Elite zum Teufel und kehrt zur Drachme zurück!

    • Mike M.
    • 22. Februar 2012 12:27 Uhr

    ...dann gibt es sicherlich keine deutschen Kredite und gar keine Renten mehr. Zudem hat ein osteuropäischer Rentner immer noch weniger als ein Grieche, warum sollen diese Länder dann solidarisch sein?

    Welch erbärmliches Schwarz-Weiß-Weltbild:
    Banken/Eliten = böse
    einfacher Mann = gut und brav

    Im Übrigen hängt es nur sehr bedingt von Schäuble und seinem Mitgefühl ab, wer wofür bluten muss. Im Ausland ohnehin.

  5. Über ihren Verhältnissen! Das hat sich so fest eingefahren, dass man es nicht mehr schafft, sich die reale Lage anzuschauen. Es war die Minderheit und nicht die Mehrheit, die über ihren Verhältnissen gelebt hat oder sollen jetzt die Grundbedürfnisse bereits das Verhältnis sein, welches man nicht überschreiten darf? Der Traum und die Utopie vom Kapitalismus sind wohl hier zu Ende. In einer globalisierten Welt, verzieht sich das Kapital an die billigsten Standorte (nicht weil es geizig ist, sondern aus Konkurrenzgründen muss). Es bleiben nur zwei alternativen (auch für Deutschland auf lange Sicht): Entweder Lebensstandart und die Verhältnisse der ärmsten der Welt unterbieten oder mal über den Kapitalismus als Konzept der Produktion und Konsumtion nachdenken. www.icomart.blogspot.com

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    Wir erleben gerade die marginalisierung einer Ganzen Bevölkerung zu Gunsten der Hochfinanz/Leistungträger.

    Leider wird sich dieser Trend immer mehr verschärfen,
    denn Denn der Produktionsfaktor spielt Volkswirtschaftlich, im Vergleich zur KapitalStock eine immer geringere Rolle,

    Unsere Politiker haben bewegen sich durch ihre KurzSchicht und selbstprofilierung in eine Liquiditätsfalle ungeahnten Ausmaßes gebracht.
    Aufgrund der in der weltgemeinschaft herrschenden Anarchie bleibt ihnen, um sich weiter zu behaupten, nichts anderes übrig als sich das Geld dort zu holen wo man noch rankommt,
    dies sind dann die Menschen die sich nicht wehren können, die schwächsten in der Kette.

    Durch dieser Globalen Brutalen Verteilungkampf, der meiner meinung nach durch Strukturfehler im Zinsystem Etstanden ist,
    der bis rauf in die Nationalstaatliche ebene Reicht,
    werden wir früher oder später jede zwischenmenschlichen Verbindung aufknüpfen MÜSSEN um zu Überleben.

    "die Griechen leben über ihren Verhältnissen, sind es dementsprechend selber schuld" ist der Anfang einer Trendwende im Betrachten Menschlichen Lebens die wir vor 73 Jahren aufgrund einer Rassistischen Ideologie erleben mussten, nun erleben wir diese aufgrund einer viel diffuseren verschleierten Klassistischen Ideologie.

    Intelligenz Geld und Macht, Sind kein Garant dafür das man ein guter Mensch ist.

    http://www.spiegel.de/wir...

  6. "Wenn die uns den Strom kappen, dann erfrieren wir": der Staat ist gezwungen, die Grundsteuer über die Stromrechnung zu kassieren. Die Menschen sehen es sonst als überflüssig an, Steuern zu zahlen, während sie auf der anderen Seite die teuerste Art und Weise benutzen, um ihre Wohnungen zu heizen: mit Strom! Dieses kleine Detail aus der privaten Misswirtschaft vieler Griechen ist sehr bezeichnend für die gesamte Problematik. Straßenbeleuchtungen, die wohl für Blinde gedacht sind, so verschwenderisch hell, Pensionen, die für den Lebensabend ganzer Sippschaften bemessen sind usw. usw. Griechenland hat tatsächlich noch sehr viel Sparpotential.

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    in england oder auch in frankreich wird ebenfalls zu einen grossen teil mit strom geheizt.

    Möchten Sie die Rentner noch mehr zur Kasse bitten und die Mindestlöhne noch weiter heruntersetzen?

    • P_S
    • 22. Februar 2012 11:17 Uhr

    denn wo sonst als in einem Land mit enormer Sonneneinstrahlung würde ein Heizen mit Strom Sinn machen?!
    Nur brauchen die Leute ersteinmal Geld für die Erneuerung der Technik!
    Das andere ist, ach wenn man mit Gas, Öl oder was auch immer für ein Mist geheizt wird, gilt je neuer der Brenner umso mehr elektornische Steuerung ist vorhanden. D.h. auch wenn die nur 10 Watt verbrachen würde so ist das Strom der bezahlt werden muss!

    Aber der deutsche Michel jammert zwecks ein paar Euro rum, wenn ihr Griechen nicht spart, dann kein Geld, anstelle hier habt hier Geld investiert, in ökologische Technik, die in eurem Land produziert wird.

    Wann wird in dem Land der Aufklärung (Kant), endlich mit dem gleichen Maß gemessen?
    Liebe Bremer, Berliner, Saarländer etc. es tut mir Leid, aber so wie die Griechen sparen müsssen, müsst auch ihr sparen!

    • Afa81
    • 22. Februar 2012 12:26 Uhr

    ...von denen hat wahrscheinlich auch keiner das Geld, mal eben nen neue Öl-Heizung installieren zu lassen. Und wenn es Misswirtschaft ist - jetzt ist es zu spät. Bei uns ist das mit der Energieeffizient auch ein ewig dauernder Prozess.

    Ich bin froh, dass Griechenland in der EU ist. Jetzt kann Merkel sich mal ansehen, was sie da anrichtet - in Europa - in der EU - Menschen ohne Krankenversicherung und komplett ohne staatliche Zuwendungen. Das wird unser eitles Bild von Elitopa schön verzerren.

    Und wir werden endlich sehen, dass die Finanzkrise real ist und nicht nur ein Zahlengespenst, von dem wir immer wieder lesen. Und wenn dann die ersten Menschen in Europa verrecken, dann kann man ja mal überlegen, ob man vielleicht doch irgendwann mal etwas macht...was man seit 2008, also seit vier Jahren verspricht. Dann hat die Europäische Politik wirklich Blut an ihren Händen...

    • ihana
    • 22. Februar 2012 12:31 Uhr

    Die Investitionskosten für so ein Heizsystem sind sehr gering im Vergleich zu anderen Formen, bspw. Fernwärme.
    Bei einer im Vgl. zu Dtl. deutlich geringeren Heizperiode also wahrscheinlich doch kosteneffizient.
    Außerdem hat Griechenland sicher gerade kein Geld, Heizungen komplett umzurüsten.

    • okmijn
    • 22. Februar 2012 12:52 Uhr

    ohne Strom funktioniert meine Heizung auch nicht - ohne Steuerung kommt da nämlich bei mir nicht viel an. Eine Kerze anzünden ist zwar unbefriedigend, gibt aber etwas Licht. Ohne Strom wird es jedoch kalt und man darf (da i.d.R. ohne geeigneten natürlich klimatisierten Lageraum) täglich Lebensmittel besorgen.

    • Klüger
    • 22. Februar 2012 13:21 Uhr

    "Die Menschen sehen es sonst als überflüssig an, Steuern zu zahlen, während sie auf der anderen Seite die teuerste Art und Weise benutzen, um ihre Wohnungen zu heizen: mit Strom!"

    Das ist doch eine neue Steuer, die da über Nacht eingeführt wurde.

    Ich gehe davon aus, dass eine Sondersteuer von 240 EUR monatlich für eine 60 qm Wohnung auch in Deutschland jeden normalen Rentner in Panik, wenn nicht gar in die Armut stürzt!

    Ich denke mal, die Griechen sollten sich Gedanken machen, wie sie ihre sogenannten Eliten zur Kasse bitten können.

    Wahrscheinlich wird Griechenland sozialistisch oder Militärdiktatur.

    Das hat die EU dann ganz prima hingebekommen!

    Sie schreiben:
    "während sie auf der anderen Seite die teuerste Art und Weise benutzen, um ihre Wohnungen zu heizen: mit Strom! Dieses kleine Detail aus der privaten Misswirtschaft vieler Griechen ist sehr bezeichnend"

    Zu ihrer Information. Fast ganz Südfrankreich heizt mit Atomstrom. Die Wohnungen haben teilweise gar keine Heizungen, sondern man besorgt sich elektrische Heizkörper in Baumärkten, die auch "Wandtoaster" genannt werden.

    Die griechische Tragödie ist ja erst am Anfang und enthüllt schon dermaßen grausame Details. Kommt da gar kein Aufschrei? Wie viele Suizide mag es schon gegeben haben? Wie viele Kinder hungern oder leben schon auf der Straße?

    Die Erniedrigung und Ausraubung Griechenlands zeigt die hässliche Fratze des Neoliberalismus. Ich bin wütend.

    Dass das Konzept nicht funktionnieren würde, musste doch jedem klar sein.

    Man kann Unmengen von Benzin in einen Tank schütten. Wenn man gleichzeitig den Anlasser und den Motor ausbaut, wird das Auto nicht fahren.

    Aus Verzweiflung fangen die Griechen an, Bäume zu fällen, um ein bisschen heizen zu können.

    Dass die Reichen und Mächtigen dieser Welt so weit gehen würden, hätte ich nicht gedacht.

    • mixpan
    • 22. Februar 2012 14:09 Uhr

    Das ist nur ein Missverständnis. Die meisten griechischen Gebäude sind alt und werden mit Heizöl gewärmt. Das Heizöl ist aber auch sehr teuer wegen neuen Steuert des gr. Staates geworden, so dass viele Wohnungen in alten Wohnhäusern, wo alle Einwohner sich zusammen über die Heizung entscheiden müssen, kein Heizöl kaufen konnten. Sie benutzen deshalb nur Strom. Auch für Warmwassen wird Strom benutzt.

    In Griechenland wird, wenn die Heizungen im Hochhaus zentral laufen, mit Oel geheizt. Hat man eine Etagenheizung, dann es das entweder Nachtspeicher oder Gas, wenn es dort Gas gibt. In den ländlichen Gebieten heizen viele Menschen mit Holzöfen.

    Wenn ich eine Nachtspeicherheizung habe, brauche ich natürlich Strom. Wenn ich eine Gasheizung habe, brauche ich natürlich Strom! Und das gleiche gilt für die Oelheizung! Warm? Der Brenner der Heizung braucht Strom damit er arbeitet. Soviel zur teuersten Art zu Heizen.

    • caro-v
    • 22. Februar 2012 14:58 Uhr

    Ich möchte mal wissen, ob Ihre Heizung ohne Strom läuft, glaube kaum, außer Sie haben einen Kohleofen, was ich bezweifele.
    Zweitens, wie hoch die Renten der Mehrheit ist, steht im Text, und wie bitte wollen Sie davon Heizölpreise von 1€/liter bezahlen?
    Überall gibt es die, die "Pensionen für eine ganze Sippschaft" bekommen, z.b. die Honorarbezüge für einen ehemaligen Bundespräsidenten, und die, die abends überlegen müssen, ob sie ein oder zwei Scheiben Brot essen können ohne morgen zu hungern.
    Erst denken dann schreiben!

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