BlumenindustrieAusbeutung für den Valentinstag

Viele Blumen kommen aus Entwicklungsländern. Dort werden die Arbeiter unfair bezahlt und vergiftet durch Pestizide, kritisiert Menschenrechtsexpertin Gertrud Falk.

Eine Arbeiterin erntet Rosen in einem Gewächshaus am Rande der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba (Archivbild).

Eine Arbeiterin erntet Rosen in einem Gewächshaus am Rande der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba (Archivbild).

ZEIT ONLINE: Frau Falk, was hat der Valentinstag mit dem Hunger in der Welt zu tun?

Gertrud Falk: Die Schnittblumen, die am Valentinstag verschenkt werden, kommen zunehmend aus Billiglohnländern. Was die Arbeiter dort verdienen, reicht nicht aus, um eine Familie zu ernähren. Das bedeutet nicht unbedingt, dass die Menschen hungern. Aber sie essen einseitig, nährstoffarm und damit ungesund. Das ist der ganz direkte Zusammenhang zwischen Blumengeschäft und Unterernährung.

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ZEIT ONLINE: Was wäre der indirekte?

Falk: Die Blumenindustrie setzt massiv Pestizide ein. Es kommt immer wieder zu Unfällen – wenn Arbeitern beim Mischen der Stoffe das Gift ins Gesicht spritzt, zum Beispiel. Das kann bis hin zur Erblindung führen. In einem Fall in Uganda starb ein Arbeiter, weil er nicht rechtzeitig ärztlich behandelt wurde. Andere werden arbeitsunfähig.

Gertrud Falk

ist Referentin für Sozialstandards bei FIAN (Food First Informations- und Aktionsnetzwerk) Deutschland. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist die Blumenindustrie. FIAN setzt sich für das Menschenrecht auf Nahrung ein und hat Mitglieder in 60 Ländern.

Zudem gibt es massive Langzeitfolgen. Wir wissen von schleichenden Vergiftungen, die sich manchmal erst nach Jahrzehnten bemerkbar machen. Die Arbeiterinnen in den Betrieben – ein Großteil der Beschäftigten sind Frauen – sind einer Unmenge von Giften ausgesetzt. Häufig erhalten sie keine ausreichende Schutzkleidung oder sie benutzen sie nicht, weil dicke Handschuhe sie bei der Arbeit behindern. Viele sind Analphabeten, sie wissen gar nicht, wie gefährlich die Mittel sind.

ZEIT ONLINE: Was sind die Folgen der Pestizide?

Falk: Kopfschmerzen, Schwindel und Sehstörungen. Die Beschäftigten haben Atem- und Hautbeschwerden. Auch Fruchtbarkeitsstörungen treten auf, bis hin zu Fehlgeburten. Untersuchungen aus Ecuador haben ergeben, dass die Kinder von Blumenarbeiterinnen körperlich nicht auf dem Stand von Gleichaltrigen sind. Das Risiko, dass sie auch geistig zurückbleiben, ist hoch.

Das Problem ist, dass die schädlichen Folgen von einzelnen Stoffen zum Teil untersucht sind; aber man weiß sehr wenig darüber, wie Mischungen aus verschiedenen Pestiziden zusammenwirken.

ZEIT ONLINE: Betreffen die Vergiftungen nur die in der Blumenindustrie Angestellten und ihre Familien?

Falk: Nein. Über Abwässer gelangen die Gifte auch in die Umgebung der Plantagen, wo sie Böden, Trink- und Grundwasser verseuchen. Die Planen, aus denen die Gewächshäuser gemacht sind, halten maximal zwei Jahre. Danach werden sie oft nicht als Giftmüll entsorgt, wie es nötig wäre – die Unternehmen überlassen sie anderen zum Gebrauch. Wer Nahrung zu sich nimmt, die in der Nähe von Blumenplantagen gewachsen ist oder auf andere Art mit den Giftabfällen zu tun hat, unterliegt ebenfalls dem Risiko, sich zu vergiften. 

ZEIT ONLINE: Wie hoch ist der Anteil an Blumen aus Entwicklungsländern am deutschen Markt überhaupt?

Falk: Das ist schwer zu sagen. Die Statistiken erfassen nur das Land, aus dem nach Deutschland importiert wurde – oft sind das die Niederlande, die Blumen aus Entwicklungsländern einführen und dann weiterverkaufen. Wir gehen davon aus, dass im Jahresdurchschnitt etwa 30 Prozent der in Deutschland gehandelten Schnittblumen aus Entwicklungsländern kommen. Jetzt in der kalten Jahreszeit sind es natürlich viel mehr.

ZEIT ONLINE: Welche Länder sind denn die wichtigsten Lieferanten?

Falk: Kenia, Äthiopien, Uganda, Kolumbien und Ecuador.

Leserkommentare
  1. Diesmal sogar für Menschenrechte.

    Ich fühle mich umgeben von Experten. Im Laufe der Woche die Experten für Finanzwirtschaft, am Wochenende zum Sedieren die Fußballexperten usw......

    Denken Sie nach. Auf was kommt es wirklich an ?

    Dieser Artikel ist beliebig. Er läßt sich umschreiben für die Grubenarbeiter in Peru, für die Plantagenarbeiter weltweit, für die Teppichknüpfer ...... usw..... usw ......

    Was ist so krank an diesem System ?

    Wir beuten uns selber aus ! Bremse ziehen. Innehalten. Nachdenken.

    Nur weil die Nachfrage gesichtert scheint, wird sie durch diese Art von Angeboten bedient.

    8 Leserempfehlungen
  2. dass faire Bedingungen bei Blumen wichtig sind und wir mit jedem nicht fair gehandelten Strauß das Leid von Menschen sehr stark vergrößern.

    Und es passiert jedes Jahr nichts, weil es den Menschen zum überwiegenden Teil völlig gleichgültig zu sein scheint.

    Falls es doch jemanden interessiert: Alle Jahre ähnliche Links:

    http://www.fairtrade-deut...

    3 Leserempfehlungen
    • keibe
    • 13.02.2012 um 18:29 Uhr

    ich am 14.2. meinem Ehepartner sagen kann: Ich hätte Dir ja gerne ein paar Blumen geschenkt, aber sieh doch nur [ausgedruckter ZEIT-online-Artikel].

    Das ist nebenbei und nahezu (un) bemerkt auch preiswerter.

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    Wieso nicht gleich fair kaufen? Und den Artikel dazu, wenn das Gespräch drauf kommt....

    Wieso nicht gleich fair kaufen? Und den Artikel dazu, wenn das Gespräch drauf kommt....

    • Hagmar
    • 13.02.2012 um 18:29 Uhr

    ...kommt aus Kenia. Quelle:
    http://www.transfair.org/...

    Interessanter Fairtradeblumen-Artikel.
    Von den rund 180 Blumenfarmen in Kenia befinden sich 64 Farmen mit zusammen circa 2000 Hektar
    Anbaufläche rund um den Lake Naivasha. Die Blumenindustrie ist einer von mehreren Faktoren, die
    dazu beitragen, dass der Wasserspiegel des Sees sinkt und das Wasser zunehmend verschmutzt wird.

    .....

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  3. Wieso nicht gleich fair kaufen? Und den Artikel dazu, wenn das Gespräch drauf kommt....

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    Antwort auf "Nun weiß ich, was "
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    • keibe
    • 13.02.2012 um 18:55 Uhr

    für dieses Jahr: Ein Schneeglöckchen-Krokus-Gebinde ummantelt mit einem Hauch von Schneeheide. ;-)

    • keibe
    • 13.02.2012 um 18:55 Uhr

    für dieses Jahr: Ein Schneeglöckchen-Krokus-Gebinde ummantelt mit einem Hauch von Schneeheide. ;-)

  4. Schade, dass in dem Artikel nicht die Preise erwähnt werden. In Ecuador kosten 24 Stück (!) Rosen 1 US-Dollar, in Deutschland kostet eine Rose zwischen 1 bis 2 Euro. Ein netter Unterschied, oder?

    Ansonsten: Begrüßenswert, dass es endlich einen Artikel dazu gibt.

    Den Valentinstag kann man vergessen, ist eh nur wirtschaftliche PR:
    "An Bekanntheit gewann der Valentinstag im deutschsprachigen Raum durch den Handel mit Blumen, besonders jedoch durch die intensive Werbung der Blumenhändler und Süßwarenfabrikanten."

    https://de.wikipedia.org/...
    Hat vll einen ähnlich ökonmischen Ursprung wie der "Muttertag": https://de.wikipedia.org/...

    Ist eh die Frage, warum Liebe ausgerechnet durch ein gesellschaftliches Rituatl ausgedrückt werden soll/kann.

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    "Der Muttertag hat seinen Ursprung in der englischen und amerikanischen Frauenbewegung. Die Amerikanerin Ann Maria Reeves Jarvis versuchte 1865 eine Mütterbewegung namens Mothers Friendships Day zu gründen. An von ihr organisierten Mothers Day Meetings konnten Mütter sich zu aktuellen Fragen austauschen.[1] 1870 wurde von Julia Ward Howe eine Mütter-Friedenstag-Initiative unter dem Schlagwort peace and motherhood gestartet. Sie hatte das Ziel, dass die Söhne nicht mehr in Kriegen geopfert werden sollen."

    So steht's in dem von Ihnen angegebenen Artikel.

    "Der Muttertag hat seinen Ursprung in der englischen und amerikanischen Frauenbewegung. Die Amerikanerin Ann Maria Reeves Jarvis versuchte 1865 eine Mütterbewegung namens Mothers Friendships Day zu gründen. An von ihr organisierten Mothers Day Meetings konnten Mütter sich zu aktuellen Fragen austauschen.[1] 1870 wurde von Julia Ward Howe eine Mütter-Friedenstag-Initiative unter dem Schlagwort peace and motherhood gestartet. Sie hatte das Ziel, dass die Söhne nicht mehr in Kriegen geopfert werden sollen."

    So steht's in dem von Ihnen angegebenen Artikel.

    • keibe
    • 13.02.2012 um 18:55 Uhr

    für dieses Jahr: Ein Schneeglöckchen-Krokus-Gebinde ummantelt mit einem Hauch von Schneeheide. ;-)

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    Antwort auf "Wieso nicht kaufen? "

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