Energiewende : Das Bürgernetz kommt

Um die Akzeptanz von neuen Strommasten zu erhöhen, will Schleswig-Holstein erstmals die Bürger finanziell beteiligen. Investitionen in Stromleitungen könnten sich lohnen.
Windräder und Schafe bei Husum/Schleswig-Holstein © Johannes Eisele/AFP/Getty Images

Schleswig-Holstein schlägt einen neuen Weg beim Stromnetzausbau ein. Erstmals sollen auch Bürger in eine Stromleitung investieren können. Im Gegenzug profitieren sie von den Netzentgelten, die jeder Stromkunde über seinen Strompreis zahlt. So wollen die Landesregierung und der Netzbetreiber Tennet den Widerstand gegen neue Höchstspannungsleitungen brechen.

"Wir wollen die Beteiligung der Bürger wörtlich nehmen – im Sinne von finanzieller Beteiligung", sagt eine Tennet-Sprecherin. Bereits in die Westtrasse , die ab 2015 entlang der Nordseeküste gebaut werden soll, können Bürger aller Voraussicht nach investieren. Landesregierung und Bundesnetzagentur unterstützen die Idee.

Für Deutschland wäre es ein Novum, wenn sich Bürger am Höchstspannungsnetz finanziell beteiligen würden. Die Vorteile liegen auf der Hand: Ein Bürgernetz könnte die Akzeptanz neuer Strommasten deutlich erhöhen. Denn die Zeit drängt. Für die ehrgeizigen Pläne zum Ausbau der erneuerbaren Energie muss das deutsche Stromnetz modernisiert und erweitert werden. In zahlreichen Bundesländern haben sich jedoch Bürgerinitiativen gegen neue Strommasten gegründet. Gerade in Niedersachsen und Thüringen , klassischen Transitländern, wehren sich Bürger gegen neue Trassen, von denen sie nicht profitieren.

Auch in Schleswig-Holstein ist die Skepsis groß. Auf den Bürgerkonferenzen zum Stromnetzausbau, welche die Landesregierung in den vergangenen Monaten organisierte, wurde klar, dass sich vor allem die Landwirte eine finanzielle Beteiligung wünschen. Sie erhalten jährlich vom Windparkbetreiber zwischen 20.000 und 40.000 Euro Pacht für ein Windrad – ein lukratives Geschäft.

Für einen Strommast zahlt der Netzbetreiber dagegen nur eine einmalige Entschädigung in Höhe von mehreren Tausend Euro. Dass es weniger Geld für einen Strommast als für ein Windrad gibt, ist den Bauern schwer zu vermitteln – schließlich stellen die Landwirte jeweils ihr Land zur Verfügung.

Allerdings sind Strommast und Windrad kaum vergleichbar. "Bei Strommasten steht das kommerzielle Interesse nicht im Vordergrund", sagt der Sprecher von Tennet. "Wir stellen öffentliche Infrastruktur zur Verfügung und unsere Rendite ist staatlich reguliert – somit gelten hier auch andere Entschädigungsgrundsätze."

Hinter der Idee zum Bürgernetz steckt die Arge Netz. Der Zusammenschluss von Windparkbetreibern aus Schleswig-Holstein hat sich die Bürgerwindparks zum Vorbild genommen. "Das Bürgernetz ist ein großer Schritt, um die Akzeptanz für neue Leitungen zu erhöhen", sagt Geschäftsführer Martin Grundmann. "Jetzt kommt es darauf an, ein attraktives Beteiligungsmodell zu entwickeln, das von den Bürgern angenommen wird."

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Kommentare

11 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Das ist nur konsequent

denn bei Bürger-Wind/Solarparks ist ebenfalls die Akzeptanz hoch. Und es geht dabei vermutlich gar nicht allein um das Geld, das man als Landwirt dazuverdient, wenn man einige Windräder auf seinen Koppeln aufstellen lässt. Es geht auch darum, wahrgenommen zu werden, wenn andere Millionengeschäfte machen.

Der "kleine Bürger" möchte nicht immer nur als Verhandlungsmasse oder Konsument ohne Stimme angesehen werden. Beteiligt sie/ihn so früh als möglich, und viele Demonstrationen, Einwendungen und böse Leserbriefe werden unterbleiben.

Typisch deutscher Quatsch und Abzockerei!

Wenn ich als Bürger Geld investiere um bei meinem „Nachbarn“ eine Stromleitung über das Haus verlaufen zu lassen, dann ist er nicht erfreut!
Interessant sind für mich die Pachtzahlungen! 20000€ für nichts! Und das jährlich bis in alle Ewigkeit?
Wir sind ein Abzockerstaat! In Norwegen wäre der Landwirt wahrscheinlich verpflichtet das Land zum Ackerbodenpreis an den Staat zu verkaufen und das war es!
Offenbar sind diese Windräder nur eine weitere Möglichkeit für Bauern die Allgemeinheit zu schröpfen. Reichen die Subventionen nicht?
Das Ganze erinnert mich an den Wegezoll im Mittelalter.

Also das Artikel so

gnadenlos wiederverwertet werden ist shcon chuzpe und wird dadurch nicht richtiger.

http://www.zeit.de/wirtsc...

Empfehle allen die ihr Geld gegen Glasperlen eintauschen wollen, in diese Konstruktionen zu investieren.

Vielleicht liest man demnächst mal einen Artikel über die Lukrativität von EE Fonds und die "Gewinne" die die Anleger damit einfahren. Spannend wird es da demnächst besonders im Solarsektor.

Für den Rest

hier weiterlesen gilt immer noch

http://www.zeit.de/wirtsc...