Krisenpolitik: Europa braucht industrielle Erneuerung
Das Spardiktat ist der falsche Weg für Europa. Um die Wirtschaft zu sanieren, braucht es Investitionen und eine starke Industrie, schreibt Armin Steinbach im Gastbeitrag.
© Patrick Seeger/dpa

Deutsche Industrie: Blick in die Fertigung von Busgetrieben in einem Werk am Bodensee
Auf den ersten Blick geht es Deutschland gut. Die deutsche Wirtschaft ist so sicher wie kein anderes Land durch die Krise gekommen. Das Erfolgsrezept ist simpel: Es liegt in einer breiten Wertschöpfungskette und starken industriellen Basis. Sie sind der Garant für Wachstum, Beschäftigung und hoch innovative Produkte. Fast 90 Prozent der Aufwendungen für Forschung und Entwicklung der Wirtschaft entfallen auf die Industrie – kein Wunder also, dass sich die deutsche Industrie in ganz Europa zum Champion gemausert hat. Sie steht heute für knapp ein Viertel der gesamten europäischen industriellen Wertschöpfung.
Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass die Stärke unserer Industrie zugleich die Anfälligkeit der deutschen Volkswirtschaft erhöht. Deren Wohl ist eng verknüpft mit dem Schicksal Europas. 60 Prozent unserer Ausfuhren gehen nach Europa, nur sechs Prozent nach China. Geht es Europa schlecht, kann es Deutschland auf Dauer nicht gut gehen. Oder, positiv formuliert: Nutznießer von Wachstum in den Krisenländern ist zuallererst die deutsche Wirtschaft.
Das gegenwärtige Spardiktat gegenüber den Krisenländern ist deshalb der falsche Weg für Deutschland und Europa. Es erstickt Wachstumsimpulse und Nachfrage im Keim. Stattdessen gilt: Wachstum ist die beste Schuldenbremse. Das Beispiel Irland zeigt, dass eine Schuldenkrise viel schneller überwunden werden kann, wenn ein Land über eine wettbewerbsfähige Industrie verfügt. In Irland macht die Industrie 26 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus, mehr als in jedem anderen Euro-Land. Aus dieser Position heraus konnte das Land im Jahr 2010 erstmalig seit 1999 wieder einen Leistungsbilanzüberschuss erwirtschaften. Das ermöglichte es Irland, seine Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland abzubauen und das Vertrauen der Finanzmärkte zurückzugewinnen.
Investitionen statt Sparen
Hingegen gehen die einseitigen Spardiktate für die Krisenländer zunehmend zulasten der deutschen Wirtschaft. Der verheerende Abwärtssog aus Sparzwängen, Rezession, ausbleibenden Investitionen und mangelnder Nachfrage verschont auch die deutsche Industrie nicht. Umgekehrt kann unsere Wirtschaft nur dann erfolgreich bleiben, wenn es gelingt, die Krise auf dem Kontinent insgesamt zu überwinden.

ist Referent in einem Bundesministerium. Der Inhalt des Beitrags spiegelt allein seine persönliche Auffassung wider.
Finanzkrise und Strukturwandel erfordern eine Politik der industriellen Erneuerung in Europa, die auf Innovation, Investitionen und reale Wertschöpfung setzt. Es geht um Investitionen in die industrielle Modernisierung, in Forschung und Entwicklung und darum, die Stärken der jeweiligen Länder zu mobilisieren. Potenziale für neue Leitmärkte existieren in den Krisenländern zweifellos. Beispiel Erneuerbare Energien: Wenn die Photovoltaik schon im sonnenarmen Deutschland eine breite Wertschöpfungskette initiieren kann, sind die Voraussetzungen hierfür in Südeuropa erst recht gegeben. Hier liegen auch Chancen für die deutsche Industrie.
Ein industrieller Wiederaufbau Europas ist im wohlverstandenen Interesse von Wachstum und Beschäftigung hierzulande. Und nur mit einer breiten industriellen Basis werden neue Wachstumsimpulse für ganz Europa gesetzt. Dafür müssen günstige Voraussetzungen in den Krisenländern geschaffen werden: Die Verkehrs- und Breitbandinfrastruktur muss ausgebaut und modernisiert werden. Der Binnenmarkt für Strom und Gas muss zugunsten von Verbrauchern endlich realisiert werden. Der Bankenkrise zum Trotz muss eine mit ausreichenden Mitteln ausgestattete Europäische Investitionsbank gewährleisten, dass investitionswillige Unternehmen das nötige Kapital erhalten. Neue und innovative Geschäftsideen dürfen nicht in bürokratischen Mühlen zerrieben werden.




Ohne Schuldenbremse kein Vertrauen, ohne Vertrauen keine finanzielle Stabilität und als Folge keine politische Stabilität.
Jede industrielle Erneuerung kommt nur aus Innovation und Investition. Wir (alle Euroländer) müssen aufhören zu deindustrialisieren ohne gleichzeitig Neues zu schaffen.
Wir müssen an all die wachstumshemmenden Strukturen heran, dann kommen auch die Investitionen.
>>>Ohne Schuldenbremse kein Vertrauen, ohne Vertrauen keine finanzielle Stabilität und als Folge keine politische Stabilität.<<<
Das ist nicht mehr als eine Zeitgeistmeinung, mit nichts zu beweisen.
Das Gegenteil schon: In der Vergangenheit wurde investiert und es gab reichlich Innovationen.
Würde investiert könnte man anschließend sparen - theoretisch: Würde man's tatsächlich tun, hieße es, die Konjunktir würde abgewürgt.
Kapitalismus ohne Schulden gibt es nicht.
Das Experiment an der griechischen Bevölkerung ist vergeblich.
Die Neoliberalen haben ihre Experimente ja zu Genüge in den Ländern es ehemaligen sowjetischen Ostblocks durchgeführt: Nach 20 Jahren alle pleite: Toll! Die Schuldenmacher existieren nach 60 Jahren immer noch.
Das ist der Beweis, das Schulden nichts taugen...
>>>Ohne Schuldenbremse kein Vertrauen, ohne Vertrauen keine finanzielle Stabilität und als Folge keine politische Stabilität.<<<
Das ist nicht mehr als eine Zeitgeistmeinung, mit nichts zu beweisen.
Das Gegenteil schon: In der Vergangenheit wurde investiert und es gab reichlich Innovationen.
Würde investiert könnte man anschließend sparen - theoretisch: Würde man's tatsächlich tun, hieße es, die Konjunktir würde abgewürgt.
Kapitalismus ohne Schulden gibt es nicht.
Das Experiment an der griechischen Bevölkerung ist vergeblich.
Die Neoliberalen haben ihre Experimente ja zu Genüge in den Ländern es ehemaligen sowjetischen Ostblocks durchgeführt: Nach 20 Jahren alle pleite: Toll! Die Schuldenmacher existieren nach 60 Jahren immer noch.
Das ist der Beweis, das Schulden nichts taugen...
Scheinbar geht ohne staatliche Beihilfen bei den großen Unternehmen gar nichts mehr. Schade, dass beim Anspruchsdenken immer nur von den Sozialsystemen gesprochen wird.
Herr Steinbach,
nur um Sie be(un)ruhigen, unsere derzeitige Wirtschaft fußt auf einen Schuldgeldsystem, welches Zinsen verlangt, in dem es nicht gedecktes Geld verleiht.
Um es für die weniger informierten Menschen einfacher zu machen, die Zentralbanken wie FED oder EZB drucken zwar Dollar/Euros, aber diese sind nicht mehr mit Gold, Arbeitsstunden, Produkten, oder Innovationen aufgewogen. Sprich diese Scheine (Scheine/Münzen machen noch 3-5% am Geldanteil aus, der Rest sind digitale Zahlen), sind wertlos, bzw. wenigstens noch das Papier wert auf dem diese gedruckt sind.
Wer hat eigentlich das recht wertloses Geld zu drucken, oder beliebige Zahlen im Computer zu erschaffen, während 99,99% dafür arbeiten müssen?
Aber das ist alles relativ, denn in diesem Artikel wird behandelt, wie die Wirtschaft wieder langfristig auf die Beine kommt. Ganz einfach, derzeit gar nicht! Das Schuldgeldsystem ist so angelegt, daß regelmäßige Neustarts des Systems hingelegt werden müssen.
Der informierte Leser weiß, wohin die Reise die nächsten Monate und Jahre geht, allen anderen viel Glück noch! Lösungsansätze generieren, ohne Realisierung der gegebenen Umstände, ist wie Wasser schöpfen mit einem Sieb.
...so einfach ist es nicht.
"Dollar/Euros, aber diese sind nicht mehr mit Gold, Arbeitsstunden, Produkten, oder Innovationen aufgewogen."
Doch sind sie. Geld entsteht auch Krediten bei Privatbanken und die verlange dafür Sicherheiten. DIESE sind genau die ominöse "Deckung". Wenn ich ein Haus baue, ist der Kredit dafür "gedeckt" mit der Grundschuld.
"gedruckt sind."
Sie sind eine Menge wert, oder kannst du dafür nicht einkaufen gehen?
Was du vermutlich meinst, sind Geldsummen, die an den Börsen vagabundieren und die teilweise nur unzureichend mit Schrottpapieren "gedeckt" sind. Aber da die sich kaum auf die Realwirtschaft auswirken, wüsste ich nicht wieso man die bei diesem Artikel thematisieren sollte.
"Schuldgeldsystem ist so angelegt, daß regelmäßige Neustarts des Systems hingelegt werden müssen."
Nein, Umverteilung würde es auch tun oder eine gewisse Inflationierung. Genauso könnte die Rendite sinken, man muss nur dafür sorgen, dass alles Geld wieder reinvestiert wird und nicht ungenutzt spekuliert oder ins Ausland abfliesst.
"Lösungsansätze generieren"
Der Ansatz im Artikel ist schon richtig. Investition bedeutet entweder Geld drucken oder das Schuldenkarusell antreiben (was mit gescheiten Steuern auch funktionieren könnte).
Leider verschweigt Herr Steinbach, woher die "Investitionsbank" ihre Mittel erhalten soll. Ein typischer Politiker Artikel, wenn auch ein etwas besserer...
...so einfach ist es nicht.
"Dollar/Euros, aber diese sind nicht mehr mit Gold, Arbeitsstunden, Produkten, oder Innovationen aufgewogen."
Doch sind sie. Geld entsteht auch Krediten bei Privatbanken und die verlange dafür Sicherheiten. DIESE sind genau die ominöse "Deckung". Wenn ich ein Haus baue, ist der Kredit dafür "gedeckt" mit der Grundschuld.
"gedruckt sind."
Sie sind eine Menge wert, oder kannst du dafür nicht einkaufen gehen?
Was du vermutlich meinst, sind Geldsummen, die an den Börsen vagabundieren und die teilweise nur unzureichend mit Schrottpapieren "gedeckt" sind. Aber da die sich kaum auf die Realwirtschaft auswirken, wüsste ich nicht wieso man die bei diesem Artikel thematisieren sollte.
"Schuldgeldsystem ist so angelegt, daß regelmäßige Neustarts des Systems hingelegt werden müssen."
Nein, Umverteilung würde es auch tun oder eine gewisse Inflationierung. Genauso könnte die Rendite sinken, man muss nur dafür sorgen, dass alles Geld wieder reinvestiert wird und nicht ungenutzt spekuliert oder ins Ausland abfliesst.
"Lösungsansätze generieren"
Der Ansatz im Artikel ist schon richtig. Investition bedeutet entweder Geld drucken oder das Schuldenkarusell antreiben (was mit gescheiten Steuern auch funktionieren könnte).
Leider verschweigt Herr Steinbach, woher die "Investitionsbank" ihre Mittel erhalten soll. Ein typischer Politiker Artikel, wenn auch ein etwas besserer...
Wer jetzt vermögend ist und Zinsen für sein Geld erwartet, für den ist es sicherer, mithilfe der Politik alles Geld aus der Volkswirtschaft herauszupressen, als sein Glück in Investitionen zu versuchen.
Wenn ich das verbriefte Recht habe, meinem Nächsten das Essen vom Tisch zu nehmen, fange ich nicht an, mir die Finger schmutzig zu machen und ein Gemüsebeet zu bestellen, nur um irgendwann einmal eine eigene Ernte einfahren zu können.
Man muß sich von der Vorstellung freimachen, daß Kapitalisten irgendjemandem Gutes wollen außer sich selbst. So ist deren Ideologie! Und wenn die ganze Welt untergeht: Die eigene Rendite geht vor.
...Keynes hatte das auch erkannt:
"Der Kapitalismus basiert auf der merkwürdigen Überzeugung, dass widerwärtige Menschen aus widerwärtigen Motiven irgendwie für das allgemeine Wohl sorgen werden."
Das funktioniert tatsächlich auch nur, wenn man sie dazu zwingt.
...Keynes hatte das auch erkannt:
"Der Kapitalismus basiert auf der merkwürdigen Überzeugung, dass widerwärtige Menschen aus widerwärtigen Motiven irgendwie für das allgemeine Wohl sorgen werden."
Das funktioniert tatsächlich auch nur, wenn man sie dazu zwingt.
....wir mehr Industrie brauchen etwas wenig stringent. Das musste der Autor etwas besser belegen, finde ich, zumal Industrie im Vergleich zu Dienstleistung oft eine ungünstige CO2 Bilanz ausweisen kann.
Wenn ein Land wie Deutschland über Jahre hinaus Exportüberschüsse produziert und produzieren will, weil es weder Löhne noch Preise so anpassen will (kann?), dass es zu einem Gleichgewicht im Mart kommt, muss sich darüber im Klaren sein, dass seine Überschüsse entweder wertlos werden oder sie für irgendwelche Transferzahlungen an die Abnehmerländer verwendet werden.
Man kann eben nicht alles haben: Potente Abnehmerländer und eigene Exportüberschüsse.
...gerade fährt unser Wirtschafts und Finanzsystem gegen die Wand.
Grundprodukte der Industrie werden durch Verknappung und Spekulation immer teurer.
Dank ungehemmter Globalisierung kann man heute High-Tech Produkte in Indien oder China herstellen lassen die billig sind und nach ein paar Jahren kaputt gehen was weiteren Absatz garantiert.
Innovation und Rationalisierung, gute Idee aber die Hersteller lassen von ganz alleine in Asien produzieren, siehe Apple.
Die Altersdemographie in Europa wird immer noch vollkommen ignoriert, obwohl das für Industrie, Dienstleistung und vor allem Regierungen von noch mehr Bedeutung ist/sein wird als das EUROproblem.
Die Umweltprobleme die mit einer Re-Industrialisierung auf uns zukommen sind ungelöst.
An ein paar Schrauben drehen funktioniert nicht mehr.
Das System als Ganzes gehört generalüberholt.
Mit alten Methoden werden wir nur wieder in der Wand landen.
Ausser Krieg, der hat bisher immer funktioniert.
Ohne Euro können wir produzieren und arbeiten wie die Irren ohne den Nachbarn zu schaden und unsere Nachbarn können früh in Rente gehen ohne uns zu schaden. Wir wollen nicht griechisch werden und die Griechen nicht deutsch, warum verstehen das keiner der Entscheidungsträger in der EU?
dass leider alle Europäischen Länder runterziehen würde...ist doch klar.
Investitionen und Ankurbelung der Binnenwirtschaft sind das eine und im Gegensatz zu den Sparmaßnahmen, welche wohl nur schaden bzw. dem Finanzsektor und den Reichen zu gute kommen, eine eher langfristige Teillösung.
Eine dauerhafte Sanierung der europäischen Wirtschaft kommt wohl nicht an einem grundlegenden Wandel im Finanzsektor herum: http://isw-muenchen.de/do...
"Der Finanzsektor muss unter demokratische Kontrolle. Spekulation jeder Art muss verboten werden, Banken
müssen sich auf ihre Kernfunktionen konzentrieren: Abwicklung des Geldverkehrs, Sicherung der Einlagen
und Vergabe gesellschaftlich sinnvoller Kredite zu verantwortungsvollen Zinsen."
dass leider alle Europäischen Länder runterziehen würde...ist doch klar.
Investitionen und Ankurbelung der Binnenwirtschaft sind das eine und im Gegensatz zu den Sparmaßnahmen, welche wohl nur schaden bzw. dem Finanzsektor und den Reichen zu gute kommen, eine eher langfristige Teillösung.
Eine dauerhafte Sanierung der europäischen Wirtschaft kommt wohl nicht an einem grundlegenden Wandel im Finanzsektor herum: http://isw-muenchen.de/do...
"Der Finanzsektor muss unter demokratische Kontrolle. Spekulation jeder Art muss verboten werden, Banken
müssen sich auf ihre Kernfunktionen konzentrieren: Abwicklung des Geldverkehrs, Sicherung der Einlagen
und Vergabe gesellschaftlich sinnvoller Kredite zu verantwortungsvollen Zinsen."
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