FacebookRisiko Börsengang

An den Börsengang von Facebook knüpfen die Investoren hohe Erwartungen. Sie zu erfüllen, wird nicht immer im Sinne der Nutzer sein, kommentiert K. Polke-Majewski.

Wir gehen an die Börse! Oder sind Sie nicht bei Facebook? 845 Millionen Menschen rund um den Globus sind jedenfalls dabei, unter ihnen 20 Millionen Bundesbürger. Sie alle könnten die Folgen des größten Börsengangs der IT-Branche zu spüren bekommen.

Denn Facebook-Nutzer sind keine Kunden, sie sind das Erz, aus dem das Unternehmen seinen Rohstoff extrahiert: private Daten. Aus diesen Daten erstellt das Unternehmen  Profile, die eine passgenaue Werbung erlauben. Damit verdient Facebook Geld. Wie viel genau, ist nicht ganz klar. Im vergangenen Jahr kam Facebook offenbar auf einen Umsatz von drei bis sechs Milliarden Dollar; bei einem Gewinn von einer Milliarde Dollar.

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Das klingt nicht nach einem entspannten Börsengang. Denn der Börsenwert des Unternehmens wird zurzeit mit 80 bis 100 Milliarden Dollar kalkuliert. Wenn aber die Erwartung der Finanzmärkte um ein Vielfaches über dem tatsächlichen Gewinn liegt, stellt sich die Frage: Was wird die Geschäftsleitung von Facebook tun, wenn die Investoren nach einem Jahr das erste Mal Geld sehen wollen, und sie deren Erwartung nicht erfüllen kann? Wird sie sich dann den vielen vorstellbaren Schweinereien im Umgang mit Nutzerdaten noch entziehen können? Schon heute zeigt Facebook hier bekanntlich wenig Feingefühl.

Hinzu kommt: Facebook bereitet den Börsengang seit mehr als einem Jahr vor. Schon damals konnten Handelshäuser und Privatiers Anteile auf dem Graumarkt erwerben. Die Investmentbank Goldman Sachs investierte beispielsweise 450 Millionen Dollar und legte einen 1,5 Milliarden Dollar schweren Fonds auf, über den sich wiederum ausgewählte Anleger an Facebook beteiligen konnten.

Wie viel Gewinn ist noch möglich?

Das wirft die Frage auf, welche Gewinnerwartung diese Investoren wohl damals schon formulierten. Eine Antwort ist naturgemäß schwer zu geben, aber Facebook hat erkennbar viel geliefert. Vor einem Jahr zählte man noch 500 Millionen Nutzer, nun 845 Millionen. Auch das Angebot wurde systematisch umgebaut, zuletzt wurde die umstrittene Timeline eingeführt.

Von alledem können die Anleger, die erst mit dem Börsengang einsteigen, aber nicht profitieren. Ihre Wachstumserwartung setzt erst mit dem ersten Handelstag an der Börse an. Nach der Logik der Finanzmärkte müsste sich die Wachstumsrate von diesem Zeitpunkt an noch besser entwickeln als bisher schon, um die neuen Anleger zufrieden zu stellen. Kann man sich das vorstellen? Wohl eher nicht. Es könnte sogar sein, dass diejenigen, die im vergangenen Jahr vorab kauften, nun schon bald wieder aussteigen werden, um ihren Gewinn einzustreichen.

Die Hoffnung, Facebook könne unter diesen Bedingungen professioneller, innovativer, auch transparenter werden, weil es nun regelmäßig Rechenschaft über seine Arbeit ablegen muss, wird sich deshalb wohl nicht bewahrheiten. Den Beweis, dass es auch im Netz möglich ist, mit einem hohen Qualitätsversprechen an Nutzer und Werbekunden nachhaltig Geld zu verdienen, müssen andere antreten.

 
Leserkommentare
  1. Der hohe Wert eines solchen Unternehmens wird mir wohl ewig ein Rätsel bleiben. Ich kaufe doch nicht Sachen, die mir per Werbung aufgedrängt werden sollen. Normalerweise stelle ich im Alltag fest, dass ich etwas brauche für einen bestimmten Zweck, dann gehe ich ins Internet und suche nach diesem Gegenstand. Gekauft wird, was meinen Vorstellungen von Qualität und Preis am nächsten kommt. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, jemals ein Produkt gekauft zu haben, nur weil es auf irgendeiner Webseite beworben wird. Vielleicht sollte ich mich mal beim Psychiater anmelden, denn offensichtlich tickt der Rest der Menschheit anders.

    Meine Facebook-Mitgliedschaft aus Neugier habe ich ganz schnell wieder aufgegeben. Bei der Frage, mit der man empfangen wurde "Was machst Du gerade?", kam ich mir vor wie in einem Überwachungsstaat, ständig wird man per Mail aufgefordert, wieder mal aktiv zu werden und das, was die mir bekannten Leute so geschrieben haben, war nur belangloses Zeugs. Es ist mir absolut ein Rätsel, warum Facebook so ein Erfolg ist, Mails schreiben ist privater und reicht doch völlig aus.

    Eine Leserempfehlung
  2. Für Firmen ist Facebook AUCH ALS Werbeplattform viel zu riskant.

    "heute gefeiert morgen verteufelt"

    Schlechte Nachrichten,verbreiten sich dort schneller als gute,und ist der Ruf mal ruiniert,den loszuwerden ist fast unmöglich.

    Siehe Schlecker.

  3. Breit gestreut werden soll die erste Tranche von Aktien,
    möglichst eine an jeden facebook-user.

    Da so viele Aktine aber gar nicht ausgegeben werden Insgeheimspricht man schon von Verlosung !

    Insgeheim soll aber nur an die verlost werden, wo die Gesichtserkenneungssoftware des Börsenaspirantren zu eindeutigen Ergebnissen führt.

    :-OO

    gms

  4. "frag sich natürlich wieviel stillgelegte, bzw verlassene accounts dabei sind."

    Da gab es früher einen Begriff dafür: Nennt sich "Karteileichen".

    Antwort auf "Stillgelegte Accounts"
  5. Aus Interesse und Neugier hatte ich einen Account bei Facebook. Ich wollte zu diesem Thema mitreden können.

    Nach zwei Wochen bemerkte ich wie schwachsinnig die ganze Sache ist. Zwei Wochen später schaute ich per Suchmaschine nach wie man seinen Account endgültig "löscht". Ohne Suchmaschine wäre es mir als jahrzehntelang Informatikerfahrener Mensch nicht möglich gewesen meinen Account zu beenden.

    Wenigstens bin ich auf diese Weise keine Karteileiche, die den "Wert" des Unternehmens erhöht.

    Ach übrigens. Sollte Facebook pleite gehen - Welche materiellen Gegenwert könnte man als Gläubiger pfänden?

    Tja, 'ne typische Tulpenzwiebelgeschichte eben...

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    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Anfeindungen anderer User und diskutieren Sie ausschließlich zum Artikelthema. Danke. Die Redaktion/vn

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  6. Die Stasi mußte ihre Daten noch selbst sammeln und per Karteikarten archivieren. Das war mit Sicherheit harte Arbeit.
    Heutzutage kotzen sich jede Stunde Millionen von Unmündigen Menschen bei Facebook mit ihren Intimitäten aus. Und sie machen dies freiwillig. Es wird niemand gezwungen sich bei Facebook zu registrieren. Jeder Mensch, der dies trotzdem macht, weiß, das seine Daten "mißbraucht" werden. Und er weiß auch, dass das Internet niemals irgendetwas vergisst.
    Diese Leute sind erfüllt von der panischen Angst irgendetwas, was am anderen Ende der Welt passiert, verpassen zu können.
    Um sich dann mit ihren "Pseudo-Facebook-Freunden" in lächerlichem SMS Deutsch darüber auszutauschen.
    Facebook ist der zur Realität gewordene Sponti-Spruch:
    Scheiße schmeckt gut, Milliarden Fliegen können sich nicht irren.

    Eine Leserempfehlung
  7. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Anfeindungen anderer User und diskutieren Sie ausschließlich zum Artikelthema. Danke. Die Redaktion/vn

  8. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Blase der Erwartungen der Spekulanten infolge des absehbaren Mißtrauens der Nutzer platzt.
    Aufgrund des Drucks unerfüllter Erwartungen wird Facebook in absehbarer Zeit mehr nutzbare Informationen über seine Nutzer anbieten müssen, was eher früher als später zu den zugehörigen Datenskandalen führen wird. Die Folge: Vertrauensverlust und Kursabsturz.

    Eine Leserempfehlung

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