EnergiepolitikDie USA erleben einen Gasboom

Die USA könnten in nur wenigen Jahren zu einem bedeutenden Gasexporteur werden. Von dieser Entwicklung würde am Ende auch Europa profitieren. von Stefan Frank

Wenn ein relativ kleines Unternehmen eine Milliarden-Investition tätigt und sich danach herausstellt, dass es den Markt falsch eingeschätzt hat, bedeutet dies oft den Bankrott. Der texanische Energiekonzern Cheniere Energy befand sich bis vor Kurzem in einer ähnlichen Lage. Das Unternehmen hatte sich mehrere Milliarden Dollar geliehen, um in Louisiana einen Import-Terminal für verflüssigtes Erdgas ( liquified natural gas , abgekürzt LNG) zu errichten. Das Gas, so der Plan, würde in Ländern wie Katar oder Algerien auf minus 163 Grad Celsius abgekühlt und verflüssigt, in spezielle Schiffe gefüllt, zu dem Terminal von Cheniere verschifft und dort wieder in Gas verwandelt.

Das klang zu einer Zeit, in der die Gaspreise in den USA hoch waren und manche glaubten, sie würden immer weiter steigen, nach einer guten Geschäftsidee. Doch neue Technologien - horizontales Bohren und das in Deutschland umstrittene Verfahren des so genannten Frackings , bei dem Chemikalien unter großem Druck in Gesteinsformationen gepresst werden – haben den US-Gasmarkt komplett umgekrempelt. Jetzt können auch Gasvorkommen ausgebeutet werden, die vor zehn Jahren noch als unwirtschaftlich galten.

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Der Gaspreis ist in den USA in der Folge drastisch gefallen und notiert derzeit um 80 Prozent unter dem Stand von Mitte 2008. Als Chenieres den Terminal Ende 2008 mitten in der Bankenkrise fertigstellte, ahnten schon viele, dass er niemals benötigt werden würde. Der Kurs der Cheniere-Aktie, der sich zwischen 2002 und 2007 von 40 Cent auf 40 Dollar verhundertfacht hatte, fiel innerhalb eines Jahres auf einen Dollar zurück. Die Firma stand vor dem Aus.

Die USA werden zum Gas-Exporteur

Doch der aus dem Libanon stammende Chef und Unternehmensgründer Charif Souki hatte eine Idee: Wenn die USA keinen Import-Terminal brauchen, wie wäre es dann mit einem Export-Terminal? Dafür waren drei Dinge erforderlich: eine staatliche Exportgenehmigung (eine solche war zuletzt vor 50 Jahren erteilt worden), Abnehmer für das Gas und mehrere Milliarden Dollar an neuen Investitionen.

Im Mai 2011 erteilte das US-Energieministerium die notwendige Erlaubnis. Bereits im Oktober unterzeichnete Cheniere einen Liefervertrag mit dem drittgrößten britischen Energiekonzern BG Group. Ab 2015 soll Cheniere 20 Jahre lang die Flüssiggastanker von BG befüllen. Das Geschäftsvolumen beträgt zwölf Milliarden Dollar, und BG hat die Option, den Vertrag um zehn Jahre zu verlängern. Seither stehen die Interessenten bei Cheniere Schlange. Woher das hochverschuldete Unternehmen das Geld für die Umrüstung des Terminals nehmen will, ist noch unklar. Doch Anleger wetten darauf, dass die langfristigen Lieferverträge die Finanzierung erleichtern werden.

Cheniere Energy steht für den Aufstieg der USA zu einem großen Energieexporteur. Damit hatte noch vor wenigen Jahren niemand gerechnet. Es schien ausgemacht, dass die Vereinigten Staaten einen immer größeren Teil ihres Energiebedarfs durch Importe würden decken müssen. Dies, so die Pessimisten, werde irgendwann zu einer Konfrontation mit dem ebenfalls energiehungrigen China führen. 

Leserkommentare
  1. 1. Obama!

    Yes we can!

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    Forget Obama!

  2. wenn es auf dezentralisierte Energieformen wie autonome Solar- oder Wasserkraftanlagen setzen würde. Durch dezentralisierte Strukturen können Monopole und die mit ihnen einhergehenden militärisch-industriellen Komplexe verhindert werden (http://www.strommarkt24.ch).

    20 Leserempfehlungen
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    Das ist nur in der Schweiz der Fall, da die Schweizer auch auf die (Lebens-)Umstellung der Verbraucher sehen, nicht nur auf die Geberseite des Stromanbieters. In Deutschland halten viele die Abkehr vom Atomstrom für den Untergang des Abendlandes. Nicht zuletzt Dank der Medien, die sich der allgemeinen Wirtschafts-Wachstums-Ideologie unterworfen haben, die nunmal auf hemmungslose Verschwendung ausgelegt ist. Anders ist es in der autonomen Schweiz..

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    Redaktion

    Lieber dhein987,

    unangenehmer Fehler. Danke für den Hinweis.

    Lieben Gruß,

    Marcus Gatzke

  4. 4. Aha?!?

    "Die USA könnten in nur wenigen Jahren zum weltweit größten Gasimporteur werden."

    Und wovon werden die USA ihre Gasimporte bezahlen?

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    EXPORTEN ...

    • CM
    • 13. Februar 2012 13:06 Uhr

    Im Land der größten Energieverschwendung besteht die Energiewende offenbar nicht darin, die Verschwendung zu stoppen und die dort sehr guten Voraussetzungen für erneuerbare Energien zu nutzen sondern einfach nur den Nachschub an fossilen Brennstoffen umzustellen.

    Das mag öknomisch Sinn machen. Ökologisch wird der Wahnsinn nun vom Wahnsinn abgelöst - wider besseres Wissen.

    12 Leserempfehlungen
  5. Redaktion
    6. Fehler

    Lieber dhein987,

    unangenehmer Fehler. Danke für den Hinweis.

    Lieben Gruß,

    Marcus Gatzke

    Eine Leserempfehlung
    • Halapp
    • 13. Februar 2012 13:24 Uhr

    Unsere Ökogrünen haben aber Angst vor der Hebung dieses Schatzes, weil sie in Sorge sind, daß günstige Gaspreise die teuren Windräder rückwärts laufen lassen.
    Der Wutbürger wird sich die Energiepreistreiberei der
    Energiewendepolitik von Min. Röttgen nicht mehr lange
    gefallen lassen. Dann kommt das heimische Erdgas.

    7 Leserempfehlungen
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    • Karl63
    • 13. Februar 2012 14:27 Uhr

    dann zählt unser Ökosystem nichts und am Ende stirbt derjenige, der in der Nahrungskette am weitesten oben steht: nämlich der Mensch.
    Die Förderung von Erdgas ist keinesfalls eine so saubere Sache, wie dessen Verbrauch es nahe legt. Das Problem, dass mit dem Erdgas zusammen Quecksilber nach oben kommen kann, ist nicht neu und existierte schon lange, bevor man Erdgas aus unkonventionellen Vorkommen zu fördern begann.
    Wenn sicher gestellt werden soll, dass durch die Gasförderung keinerlei giftige Nebenprodukte (Quecksilber, Radon, Benzolverbindungen etc.) in die Umwelt gelangen, dann kostet dies schlicht Geld, welches man in den USA wohl nicht ausgeben will.
    Hoch effiziente Gas- und Dampfkraftwerke sind eine ideale Ergänzung für regenerative Energien, da sich deren Leistungsabgabe ins Netz sehr viel schneller regulieren lässt, als dies bei konventionellen Kraftwerken der Fall ist. Dies zeigt deutlich, auf welcher irrationalen Fehlinterpretation Ihre Argumentation fußt.

    Exxon hat bereits Bohrungen in Polen vorgenommen und die Vorkommen als "wertlos" eingestuft.
    Der Aufwand die Vorkommen zu fördern, stünde in keiner Relation mit dem Ertrag.

    Die USA wollen und werden durch "Fracking" zum Gasexporteur Nr. 1.
    Welche Schäden über 50 unterschiedliche chemische Substanzen, die zur Gasgewinnung auf das Grundwasser haben kann man sich am besten durch die Dokumentation "Gasland" (www.gaslandthemovie.com) anschauen. Auch in Deutschland und in Europa wird es Einzug erhalten. Dies hat überhaupt nichts mit dem Thema "Windräder" oder erneuerbare Energien zu tun - somit haben Sie leider absolut populistsch genau den falschen Ansatz gefunden. Wir vergiften nämlich durch diese Form der Gasgewinnung leider nur unser Boden und Grundwasser.

    • J.S.
    • 13. Februar 2012 13:25 Uhr

    Der Widerstand gegen Fracking wächst in den USA stetig. Sollten die USA tatsächlich zu einem der größten Gasexporteure der Welt werden, müssten die USA ihren gesamten Wasserverbrauch importieren, da Fracking das Grundwasser verseucht.

    Ich glaube nicht, dass das die Amerikaner machen werden.

    8 Leserempfehlungen
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    • jboese2
    • 13. Februar 2012 13:50 Uhr

    Das ist völliger Unsinn, Fracking sorgfältig betrieben verseucht gar nichts. Wir Deutschen sehen wieder mal alle möglichen Gefahren und verschandeln unsere Umwelt lieber mit Windrädern, deren mittelfristige Haltbarkeit auch noch nicht bewiesen ist und zahlen den Russen lieber Gaspreise, die 40% über den Weltmarktpreisen sind.

    • pepe423
    • 13. Februar 2012 14:42 Uhr

    In Australien sammelt man damit schon ausführlich Erfahrungen. Dort werden ganze Landschaften unfruchtbar und deren Bewohner chronisch krank.

    Mit "Clean Energy" hat das auch ueberhaupt nichts zu tun, sondern es ist Greenwashing in Reinkultur. Denn das Gas ist ja auch nur eine weitere fossile Ressource. Wohlgemerkt eine, deren Abbau sich bisher nicht gerechnet hat. Solche Entwicklungen werden wir mit steigenden Energiepreisen natuerlich noch oft erleben.

    Von daher etwas unreflektiert, dieser Artikel.

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  • Schlagworte USA | Barack Obama | Gerhard Schröder | Energiepolitik | Goldman Sachs | Dollar
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