GewerkschaftenIG Metall fühlt sich bei Leiharbeit "betrogen"

Die Arbeitnehmer seien geduldig gewesen, sagt IG-Metall-Chef Huber. Jetzt verlangt die Gewerkschaft 6,5 Prozent mehr Geld. Die Leiharbeit will sie auch begrenzen. von Alfons Frese

Der Sieger von heute ist der Verlierer von morgen. Und umgekehrt. Mit Hilfe dieser Formel lassen sich Tarifabschlüsse erklären. 2008, trotz Krise, setzte die IG Metall eine fette Einkommenserhöhung durch. 2010, trotz Ende der Krise, gab es dann kaum mehr Geld für die Metaller. In diesem Jahr schlägt das Pendel wieder zurück. "Die Arbeitnehmer sind geduldig gewesen", erinnert der IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber in Frankfurt am Main an die vergangenen Jahre. Die Geduld war auch erforderlich, weil die Gewerkschaftsspitze bei der Einschätzung der Krise falsch lag, wie Huber jetzt einräumt: "Wir hatten uns für ein U entschieden, doch es wurde ein V." Nach dem Absturz ging es sofort wieder bergauf mit der Wirtschaft, viele Unternehmen erreichten Rekordgewinne, doch bei den Metallarbeitern kam der Aufschwung nicht so richtig an. Das soll sich nun ändern.

Diskutiert wurden in den vergangenen Wochen Forderungen zwischen 5,5 und 7,5 Prozent, bisweilen gab es sogar zweistellige Prozentwünsche. Die am Dienstag vom Vorstand beschlossenen 6,5 Prozent wirken deshalb auch wie eine Erwartungsbremse und beinahe bescheiden. Doch es geht nicht allein ums Geld. Die IG Metall will per Tarifvertrag die Firmen zur unbefristeten Übernahme aller Ausgebildeten verpflichten und schließlich die Leiharbeit stärker regulieren und besser bezahlen. "Gleicher Lohn für gleiche Arbeit" – mit dieser Parole müssen die Arbeitgeber sich in diesem Frühjahr auseinandersetzten, weil die größte deutsche Gewerkschaft sich die "Zivilisierung des Arbeitsmarktes" auf die rote Fahne geschrieben hat. "Der Arbeitsmarkt ist kein Kartoffelmarkt", sagt Huber. Der Mensch sei keine Ware.

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Mehr Geld wird es geben – für den "normalen" Metallbeschäftigten ebenso wie für den Leiharbeiter, das hat Martin Kannegiesser , Präsident des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall, schon signalisiert. Wie viel genau wird voraussichtlich bis Mai ausgehandelt. Was den Arbeitgebern aber überhaupt nicht passt, sind die beiden anderen Streitpunkte, also die Azubi-Übernahme und ein Mitbestimmungsrecht der Betriebsräte beim Einsatz von Leiharbeitern. Kannegiesser sieht die unternehmerische Freiheit eingeschränkt und befürchtet einen Rückschlag beim Ausbildungsengagement. Das Ausbildungsthema dürfte nach dem Vorbild der Stahlindustrie zu lösen sein. Dort gibt es seit letztem Herbst eine Übernahmeverpflichtung – inklusive Ausnahmetatbeständen, die den Betrieben reichlich Spielräume lassen.

Leiharbeit ist komplizierter. Seit Jahren ärgert sich die IG Metall über die Zustände in der Leiharbeit. Mit einer aufwändigen Kampagne konnte die Gewerkschaft inzwischen 38.000 Leiharbeiter organisieren – von rund 300.000, die schätzungsweise in der Metall- und Elektroindustrie beschäftigt sind. Die Einkommensunterschiede betragen bei angelernten Kräften rund 1.000 Euro im Monat. "Das Thema Leiharbeit steht uns hier oben", sagt Huber und zeigt auf die Unterkante seiner Oberlippe. Man sei "betrogen" worden, denn Politik und Arbeitgeber hätten die Leiharbeit als Flexibilisierungsinstrument gepriesen, doch tatsächlich gehe es um "schändliche" Lohndrückerei. "Wir akzeptieren nicht mehr, dass Leiharbeit genutzt wird, um Stammarbeitskräfte zu verdrängen."

Dazu fährt die IG Metall eine Doppelstrategie: In den Tarifverhandlungen mit den Metallarbeitgebern sollen die Kompetenzen der Betriebsräte erweitert werden. Da die Mitbestimmung für Huber ein "Stabilitätsfaktor der Wirtschaft" ist und sich "niemand so stark an langfristigen Unternehmensinteressen orientiert wie die Arbeitnehmer", ist eine Ausweitung dieser Mitbestimmung beim Einsatz von Leiharbeitnehmer nur folgerichtig. Der zweite Punkt betrifft das Geld: Mit den Arbeitgeberverbänden der Leiharbeitsbranche verhandelt die IG Metall über Branchenzuschläge. Zusätzlich soll es Zulagen geben für die Zeitarbeitskräfte, die in den Betrieben, also von Geschäftsführern und Betriebsräten festzulegen sind. Die Summe aus Grundgehalt, Branchenzuschlag und betrieblicher Zulage könnte dann equal pay ergeben, also gleicher Lohn für gleiche Arbeit.

Erschienen im Tagesspiegel

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Leserkommentare
  1. Wahnsinn, was die SPD für eine Nummer abgezogen hat.
    Die Altvorderen rotieren mit 6000 U/min in ihren Gräbern.

    http://www.handelsblatt.c...

    Am liebsten würden sie noch für lau die Eurobonds hinterherschmeissen. Griechenland haben sie auch in den Euro geholt. Und Maastricht gebrochen. Und Lafontaine fertig gemacht, weil er vor der Finanzkrise gewarnt hat. Und die Gewerkschaften haben alles mitgemacht.

    • genius1
    • 08. Februar 2012 14:56 Uhr

    Betrogen fühlen sich die von Gewerkschaften vertretenen Arbeitnehmer!

    Bei Einführung von Hartz IV haben die Gewerkschaften auch gepennt. Was soll man davon halten, wenn Gewerkschaftsfunktionäre Sagen: Das Tarifforderungen nicht dafür da sind, Gesetzgeberische Maßnahmen auszuhebeln?

    Die Nähe Funktionäre und Arbeitgeber, im Kontex mit Arbeitgebern, da kann für Arbeitnehmer nix rauskommen.

    Jetzt erst fällt den Gewerkschaftsführern auf, das was schief gelaufen ist? Viel Glück beim Einfangen!

    Im Grunde geht den großen Gewerkschaften die Düse, weil kleinere Gewerkschaften ihre Mitglieder besser Vertreten!

    Das kommt daraus, wenn man zu Freundlich zu Arbeitgebern ist!

    • Chilly
    • 08. Februar 2012 15:42 Uhr

    Gewerkschaften ein wenig den Blick zurück richten:

    Richtig ist, dass v.a. in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts die Gewerkschaften mit dem Coop- und dem Neue-Heimat-Skandal heftig an Sympathie und Glaubwürdigkeit verloren hatten. Nach 1989/90 und dem Wegfall der Systemkonkurrenz wurde der Druck der Globalisierung und der neuen Konkurrenz aus den MOE-Staaten enorm. Gleichzeitig war es völlig "unhip" in der Gewerkschaft zu sein. Das galt als völlig altmodisch, in den berühmten Startups der Internet- und Dotcom-Euphorie predigten viele schon das Ende der Gewerkschaften und allgemeine Doktrin in Politik und Wissenschaft war eigentlich, dass es die klassischen deutschen Industriegewerkschaften nicht mehr bräuche. Gleichzeitig kamen die Querschnittsgewerkschaften durch Spartengewerkschaften wie Cockpit, Marburger Bund GdL etc. unter Druck. Die hohe Arbeitslosigkeit machte Arbeitkämpfe schwierig, Arbeitsplatzsicherung/-erhalt war das Motto der Stunde.

    Ferner: Das klassische Revier der Gewerkschaften ist die Industrie mit vergleichsweise großen Unternehmen mit mehreren Hundert oder gar Tausenden von Beschäftigten. Diese wurden immer weniger, stattdessen bildeten sich viele kleine Dienstleister mit geringem Organisationsgrad.

    Die Gewerkschaften reagierten mit Fusionen und Neupositionierungen. Diese Phase dauert partiell noch an, ist aber weitgehend abgeschlossen. Die bessere Situation am Arbeitsmarkt stärkt das Kampfpotential.

    Fortsetzung folgt.

    CHILLY

    • Chilly
    • 08. Februar 2012 15:47 Uhr

    ....

    Ich denke die letzten Jahre haben gezeigt, dass die Gewerkschaften im großen und ganzen recht vernünftig agiert haben. Das deutsche "Jobwunder" ist nicht zuletzt hierauf zurück zu führen.

    Der Kampf gegen die Leiharbeit kommt spät, er setzt aber an einem zentralen Punkt an und ist wichtig. Erfolge hier können ruhig ein paar Zehntel bei den Lohnerhöhungen kosten. Langfristig wird dies zu einer spurbaren Verbesserung der Gehälter führen, wenn der Arbeitgeberseite ein wichtiges Druck- und Absenkungsmittel genommen wird.

    Was mir leider fehlt, ist der Druck hin zu Branchenlösungen zur ergänzenden Altervorsorge. Die klassischen Betriebsrenten sterben langsam aus, viele der in den letzten 20 Jahren eingestellten Kräfte können von solchen Zusagen nur träumen. Mit Blick auf die Kürzungen bei der gesetzlichen Rente, wäre dies ein wichtiges Betätigungsfeld für die Gewerkschaften. Stattdessen wird dieser Markt praktisch völlig der renditesüchtigen Finanzbranche überlassen, die v.a. ihre eigenen Gewinne im Auge hat. Schade.

    Von den 6,5 % werden allenfalls 3 - 3,5 % übrig bleiben. Wenn tatsächlich die Inflation unter 2 % fiele, dann bliebe den Metallbeschäftigen tatsächlich einmal etwas mehr in der Tasche. Dies wäre zu wünschen und könnte ein Signal für andere Branchen sein.

    CHILLY

  2. denn sie beschneiden durch ihre Gleichmacherei die Freiheit vieler Arbeitnehmer ihre Gehälter sleber auszuhandeln.
    Durch übersteigerte Lohnforderungen erschweren sie es langzeitarbeitslosen in den 1. Arbeitsmarkt zurückzukehren.
    Desweitern werden Nicht Gewerkschaftsmitglieder bewust gemobt um ihren Beitritt zur Gewerkschaft zu erzwingen.
    Gewerkschaften sind korrupt und nicht unabhännig , sow wie es sein sollte, und betreiben im großen Stile Klientelpolitik (siehe die Linke und SPD)

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    • NoG
    • 08. Februar 2012 16:17 Uhr

    "denn sie beschneiden durch ihre Gleichmacherei die Freiheit vieler Arbeitnehmer ihre Gehälter sleber auszuhandeln."

    zum einen gibt es in den algII-regelungen einen quasi-arbeitszwang - leistungskuerzung bei nichtaufnahme angebotener taetigkeiten. der arbeitnehmer wird somit kaum rational und voellig frei seinen lohn aushandeln koennen.
    zum anderen ist es nicht die regel das sie der einzige und unverzichtbare bewerber einer stelle sind. die freiheit den lohn auszuhandeln gibt es somit auch hier nicht.
    letztlich unterliegt jeder oekonomischen zwaengen, so dass einem wirklich freien aushandeln des lohnes die moeglichkeit einer autarken lebensweise entgegenstehen muesste...wer das wiederum geschafft hat, wird allerdings kaum interesse an solchen lohnverhandlungsgespraechen haben.

    • Chilly
    • 08. Februar 2012 16:38 Uhr

    in denen die Gewerkschaften einen besonders starken Einfluss haben (z.B. VW) und deshalb ein faktischer Zwang zur Gewerkschaftmitgliedschaft besteht. Dies ist - freundlich formuliert - fragwürdig, da die Koalitionsfreiheit in ihrer negativen Komponente auch die Freiheit umfasst, eben n i c h t Mitglied einer Gewerkschaft (oder eines Arbeitgeberverbandes) zu sein. Das ist ein Grundrecht (Art. 9 Abs. 3 GG).

    Allerdings sehe ich hier eher die Ausnahme, in der Betriebspraxis dürften die Fälle weit mehr Bedeutung haben, in der Arbeitgeber möglichst einen Gewerkschaftsfreien Betrieb haben wollen, in der Gewerkschafter ausgegrenzt und schikaniert werden, die Gründung von Betriebsräten verhindert werden soll oder durch Pseudoorganisation wie die AUB ein willfähriger Betriebsrat zurecht gebastelt wird. Deshlb: Bitte die Kirche im Dorf lassen.

    Was die Verhandlungsmacht angeht: Im Regelfall ist es niemandem verboten, bessere Bedingungen auszuhandeln. Gelingen dürfte dies aber zumeist nur besonderen Spezialisten im Führungsbereich, wo ohnehin keine Tarifverträge mehr gelten.

    Deshalb: Halten Sie sich ans Grundgesetz (das die Gewerkschaften schützt und dassogar vor Beeinträchtigungen durch Private) und fordern Sie keine verfassungswidrigen Maßnahmen.

    CHILLY

  3. Die SPDler in den Gewerkschaften haben schon immer dafür gesorgt, dass die als Dauerdienstleister (Arbeitnehmer) tätigen Bürger nicht ihre Interessen gegenüber den Auftraggebern (Arbeitgeber) durchsetzten. Immer schon haben diese Leute beschwichtigt und beschönigt anstelle die Dinge beim Namen zu nennen. Deshalb vertrauen ihnen die Bürger auch nicht und das zu Recht.

    Wer Verträge auf Augenhöhe durchsetzen will, der setzt sich für eine vollständige Revision des über einhundert Jahre alten BGBs ein bzw. setzt solch eine Revision durch. Denn die vertraglichen Regelungen bezüglich der Dauerdienstleister (Arbeitnehmer) unterscheiden sich deutlich von üblichen Verträgen. Wenn die Gewerkschaften hier wirklich etwas erreichen wollen, dann müssen sie in erster Linie so etwas wie allgemeingültige Vertragsgrundlagen für Dienstleistungsverträge durchsetzen, so dass sich unternehmerisch tätige Bürger und dienstleistende Bürger gleichstark gegenüberstehen und nicht, wie es jetzt im BGB formuliert ist, als Untergebener/Unterlegener und Überlegener Dienstherr, denn das stammt noch aus feudalistischen Zeiten. Die Gewerkschaften müssen dann alle Dienstleister organisieren, und zwar genau so, wie die unternehmerisch tätigen Bürger sich zu 100 Prozent organisiert haben (Unternehmerverbände, IHKhen usw. usf.).

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    • Chilly
    • 08. Februar 2012 16:33 Uhr

    richtig ist, dass im BGB seit dem 1.1.1900 der Dienstvertrag geregelt ist (§§ 611 ff. BGB). Dieser Vertrag ist aber nicht primär für dauerhafte Dienste im Sinne eines Arbeitsvertrages gedacht, sondern eigentlich für - zeitlich beschränkte - "höhere" Dienste, wie etwa im Rahmen eines Arzt-/Behandlungsvertrag, eines Lehrauftrages etwa für einen Klavier- oder Gesangslehrer etc.. Richtig ist auch, dass es im Dienstvertragsrecht einzelne Regelungen über Arbeitsverträge gibt, wie etwa über die Notwendigkeit der Schriftform für die Beendigung (Kündigung, Aufhebungsvertrag etc.) oder die Kündigungsfristen. Dies ist aber nur eine sehr partielle Regelung des Arbeitsrechts, so finden sich z.B. Vorschriften über das Zeugnis in der Gewerbeordnung.

    Bislang sind alle Versuche einer umfassenden Kodifikation des Arbeitsrechts, ja auch nur des Arbeitsvertragsrechts, gescheitert und Politiker alle Couleur überlassen dies gerne wie es so schön heist: "Rechtsprechung und Lehre". Deshalb hat das Bundesarbeitsgericht mit seinen Leitentscheidung eine ganz besondere Bedeutung.

    Mit ein wenig "BGB-ändern", wie Sie das hier vorstellen, ist es wirklich nicht getan. Eine solches Regelungswerk ist v.a. eine gesellschaftliche Machtfrage.

    CHILLY

    welches man gar nicht Ernst genug nehmen kann. Denn solange die Arbeitgeber seine Arbeitnehmer auseinanderdividieren kann, solange werden wir in den heutigen Verhältnissen festsitzen. Der einzelne Arbeitnehmer hat hier fast keine Chance, es sei denn, er ist auf seinem Gebiet eine solche Kanone, daß sein Arbeitgeber ihm den roten Teppich ausrollt. Was das BGB betrifft ( ich bin hier Laie ) so bedarf es, wie Sie formulieren, einer gründlichen Überarbeitung. Nur das wird bei unserer heutigen Zusammensetzung des Parlaments, absolut nicht möglich sein, weil diese Herrschaften daran überhaupt kein Interesse haben!!!

    Ich verstehe ehrlich nicht was das konkret heissen soll. Wollen sie Sonderregeln wie Kündigungsschutz etc abschaffen oder was?
    Nebenbei gesagt ist längst nicht jeder Arbeitgeber in einem Arbeitgeberverband.

    • NoG
    • 08. Februar 2012 16:17 Uhr

    "denn sie beschneiden durch ihre Gleichmacherei die Freiheit vieler Arbeitnehmer ihre Gehälter sleber auszuhandeln."

    zum einen gibt es in den algII-regelungen einen quasi-arbeitszwang - leistungskuerzung bei nichtaufnahme angebotener taetigkeiten. der arbeitnehmer wird somit kaum rational und voellig frei seinen lohn aushandeln koennen.
    zum anderen ist es nicht die regel das sie der einzige und unverzichtbare bewerber einer stelle sind. die freiheit den lohn auszuhandeln gibt es somit auch hier nicht.
    letztlich unterliegt jeder oekonomischen zwaengen, so dass einem wirklich freien aushandeln des lohnes die moeglichkeit einer autarken lebensweise entgegenstehen muesste...wer das wiederum geschafft hat, wird allerdings kaum interesse an solchen lohnverhandlungsgespraechen haben.

    • Chilly
    • 08. Februar 2012 16:33 Uhr

    richtig ist, dass im BGB seit dem 1.1.1900 der Dienstvertrag geregelt ist (§§ 611 ff. BGB). Dieser Vertrag ist aber nicht primär für dauerhafte Dienste im Sinne eines Arbeitsvertrages gedacht, sondern eigentlich für - zeitlich beschränkte - "höhere" Dienste, wie etwa im Rahmen eines Arzt-/Behandlungsvertrag, eines Lehrauftrages etwa für einen Klavier- oder Gesangslehrer etc.. Richtig ist auch, dass es im Dienstvertragsrecht einzelne Regelungen über Arbeitsverträge gibt, wie etwa über die Notwendigkeit der Schriftform für die Beendigung (Kündigung, Aufhebungsvertrag etc.) oder die Kündigungsfristen. Dies ist aber nur eine sehr partielle Regelung des Arbeitsrechts, so finden sich z.B. Vorschriften über das Zeugnis in der Gewerbeordnung.

    Bislang sind alle Versuche einer umfassenden Kodifikation des Arbeitsrechts, ja auch nur des Arbeitsvertragsrechts, gescheitert und Politiker alle Couleur überlassen dies gerne wie es so schön heist: "Rechtsprechung und Lehre". Deshalb hat das Bundesarbeitsgericht mit seinen Leitentscheidung eine ganz besondere Bedeutung.

    Mit ein wenig "BGB-ändern", wie Sie das hier vorstellen, ist es wirklich nicht getan. Eine solches Regelungswerk ist v.a. eine gesellschaftliche Machtfrage.

    CHILLY

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    Ich stelle die gesamten Regelungen bezüglich der Dienstverträge in Frage, ob nun für höhere Dienstleistungen oder sonstwas, inklusive der juristischen Konstruktion und juristischen Erzeugung des "Arbeitnehmers". Das hätten die Gewerkschaften auch besser von Anfang an gemacht und damit auch gleich alle feudalistischen Regelungen des BGB.

    Das ist auch nicht ein wenig BGB ändern, wie Sie es mir hier zum Zwecke der Herabsetzung unterstellen. Genau diese Machtfrage ist mir seit 35ig Jahren als Gewerkschafter mehr bewußt als mancher sich das vorstellen kann.

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