Griechenland kommt nicht zur Ruhe. Immer neue Schulden. Immer neue Sparpakete. Die Wirtschaft schrumpft, die Löhne fallen, Arbeitslosigkeit steigt. Zwar sind, Dank der verantwortungsvollen Politik der Europäischen Zentralbank (EZB), die Zinsen für Staatsanleihen aus Spanien, Italien und Frankreich in letzter Zeit leicht gefallen, aber die Wirtschaftsaussichten für die Euro-Zone sind weiterhin düster. Nachdem Europa noch nicht einmal die Folgen der letzten Rezession überwunden hat, befürchten die meisten Beobachter einen erneuten Rückfall. Aber diese neuerliche Krise ist nicht hausgemacht; sie ist deutschgemacht.
Bundeskanzlerin Angela Merkel lässt sich gerne feiern: Sie habe Führung gezeigt, die lotternden Südstaaten an die Kandare genommen und in Brüssel einen neuen Fiskalpakt durchgesetzt. Nun lässt sich nichts daran kritisieren, wenn eine Regierungschefin Führung zeigt; das Problem ist wie und wohin sie führt. Und Merkels Europapolitik ist eine Autobahn in die Katastrophe, wirtschaftlich ebenso wie politisch.
Deutschlands ordo-liberales Establishment flüstert der Kanzlerin ein, Europa stecke in einer Schuldenkrise. Jahrelang hätten verantwortungslose Regierungen im Süden Schulden gemacht, statt die Zinsgewinne aus dem Eurobeitritt zum Schuldenabbau zu nutzen. Leider ist das falsch. Im ersten Jahrzehnt der Währungsunion ist die Schuldenquote der Eurozone um 7,4 Prozent gefallen, in Italien um neun Prozent und in Spanien und Irland um 42 Prozent.
Nur in Deutschland (+6,6), Frankreich (+8,5), Griechenland (+11,7) und Portugal (+26,4) ist der öffentliche Schuldenberg angewachsen. Nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers und der folgenden Finanzkrise hat sich das Bild geändert: Von 2007 bis 2012 stieg die Schuldenquote in Deutschland um 16 Prozent, in Portugal und Griechenland um fast 50 Prozent und in Spanien und Irland um über 100 Prozent, beziehungsweise sogar 560 Prozent, weil dort die Regierungen einen Bankenzusammenbruch verhindern mussten.
Nun ist diese Schuldenexplosion nicht Folge zuchtloser Politik, sondern die unvermeidliche Konsequenz des dramatischen Einkommenseinbruchs: Im Euro-Raum liegt das Bruttoinlandsprodukt noch immer unter dem Niveau von 2007. In Griechenland ist der Schrumpfungsprozess mit minus 14,3 Prozent am größten. Verglichen damit sind Deutschlands Konsolidierungserfolge bei einer Wachstumsrate von zwei Prozent zwar wacker, aber nicht gerade spektakulär. Ökonometrische Schätzungen zeigen, dass das öffentliche Einkommen etwa genauso stark einbricht wie das Wachstum. Wenn die Ausgaben konstant geblieben wären, würden Europas Haushaltsdefizite heute um drei bis sechs Prozent höher liegen als 2007, und Deutschlands Defizit wäre um zwei Prozent gesunken.
Kommentare
Mussten?
"weil dort die Regierungen einen Bankenzusammenbruch verhindern mussten."
Erklären sie bitte, warum MUTTEN das die Politier verhindern?
Die Regierungen "MUSSTEN" den schlagartigen Zusammenbruch
des Kartenhauses genannt "Turbokapitalismus" verhindern.
Und das war -oder schien jedenfalls - nur noch dadurch möglich, dass die Bankster-Spekulanten mit Multi-Milliarden der Regierungen gestützt wurden.
Am Ende könnte sich herausstellen, dass nur die Bankster gerettet, mehrere Staaten, nicht bloss Griechenland, total überschuldet sind, der EURO aber endgültig zur Strecke gebracht ist!
Dieses Scenario scheint mir das wahrscheinlichste!
dieser Artikel ist der Zeit nicht würdig
Ihre Argumente sind nicht nachvollziehbar.
Bitte verzichten Sie auf pauschale Kritik und äußern Sie sich argumentativ. Danke, die Redaktion/fk.
wenn ihnen Zahlen und Fakten nicht helfen
dann müssen sie zu einem Zauberer oder Hellseher !
warum ist dieser Artikel nicht nachvollziehbar ?
Gebe Gott!
Der Autor redet der Verharmlosung der Schuldensituation (nur eine Bankenkrise) und der fortgesetzten Schuldenmacherei (Euro-Bonds) das Wort. Gebe Gott, dass die verantwortlichen Politiker nicht auf solche Stimmen hören.
Gott hat sie nicht erhört
Googeln Sie mal den Autor + SPD.
Dann wird schnell eine Nähe Collignons zur SPD deutlich.
Da glaube ich nicht mehr an einen parteipolitisch unabhängigen Artikel.
Falsche Diagnose - falsche Empfehlungen
Hier liegt Autor Collignon richtig: (1) Die Konzentration auf die Staatsschuldenkrise und die Spardiktate führen die Krisenländer in eine andauernde Depression. (2) Die deutsche gute Konjunktur ist ein Erfolg, der teilweise *zu Lasten* der Krisenländer geht.
Hier liegt der Autor falsch: (1) Es handelt sich nicht vornehmlich um eine Krise der Bankensolvenz, sondern um eine Zahlungsbilanzkrise innerhalb der Euro-Staaten, die aus tiefgreifenden Strukturproblemen resultiert. (2) Die Begründung für Eurobonds ist unsinnig: wir haben in Europa schon einen gemeinsamen Kapitalmarkt, dazu braucht man keine Eurobonds.
Deshalb ist ein weiteres Fluten mit Geld, wie es der Autor vorschlägt, nicht sinnvoll. Es müssen Maßnahmen her, die die Wettbewerbsfähigkeit der Krisenländer wieder herstellt. Das kann der Austritt aus dem Euro mit Abwertung sein oder eine "innere Abwertung", hoffentlich flankiert mit Produktivitätserhöhungen. Da die innere Abwertung lange dauert und mit großen Härten verbunden ist, ist es dafür für Griechenland und Portugal wohl zu spät. Nur wenn diese Strukturprobleme angegangen werden, können Liquiditätshilfen an die Banken sinnvoll sein.
Nebenbei: Deutschland profitiert von der Krise zwar dadurch, dass seine Beschäftigung hoch ist. Es ist aber sehr zweifelhaft, dass damit eine Einkommenserhöhung für Deutschland verbunden ist: denn (a) Deutschland verkauft seine Wahren zu billig, (b) wird es aus der Krise hohe Verluste erleiden.
Warum wird die Nachfrageseite nie betrachtet?
Deshalb ist ein weiteres Fluten mit Geld, wie es der Autor vorschlägt, nicht sinnvoll. Es müssen Maßnahmen her, die die Wettbewerbsfähigkeit der Krisenländer wieder herstellt.
Das bedeutet im Klartext (zumindest wenn wir den Freihandel beibehalten), dass wir mit Ländern wie China und Indien um die niedrigsten Löhne kämpfen. Das soll die Lösung sein?
Warum wird die Nachfrageseite nie betrachtet? Europa ist mit Amerika der größte Markt der Welt. Jedes Produkt, was hergestellt wird muss auch von jemand gekauft werden. Ein Lohndumpingwettbewerb wie er in den letzten 10 Jahren stattgefunden hat, schadet Europa massiv. Irgentwann haben die Schwellenländer nichtmehr dieses Wachstum. Wer kauft dann unser Zeug?
Und Schuld an dieser Entwicklung ist vorallem Deutschland. Politiker wie Schröder und Merkel, die die alten Traditionen der sozialen Marktwirtschaft mit Füßen treten und angelsächsischen Modellen hinterherlaufen.
Ich prophezeie:
Wenn Politiker wie Frau Merkel sich durchsetzen mit dieser Politik der aufgezwungen Austerität, dem Abbau von Demokratie und dem Buttern der Finanzwirtschaft - dann wird der Staatenverbund sich in dieser Form auflösen.
Die Menschen werden diese Politik, die lediglich den Interessen der Kapital- und Produktionseigner dient, nichtmehr lange hinnehmen.
Frau Merkel muss gehen. Umso schnell umso besser.