Ein Frau vor dem Parlamentsgebäude in Athen © Angelos Tzortzinis/AFP/Getty Images

Es blieb ihnen kaum eine andere Wahl. Sieben Stunden lang diskutierten die Parteichefs der Übergangsregierung und Ministerpräsident Lukas Papademos über die neuen Sparmaßnahmen für Griechenland . Sieben Stunden lang suchten sie nach einem Ausweg, die geforderten Reformen irgendwie doch noch abzumildern. Nur: Sie fanden keinen, der Spielraum für weitere Verhandlungen war aufgebraucht. EU , Europäische Zentralbank (EZB) und Internationaler Währungsfonds ( IWF ) warten schon zu lange auf eine Entscheidung.

Die Vorsitzenden der drei Parteien stimmen den Lohnkürzungen für die gesamte Wirtschaft zu , die bestehenden Tarifverträge sind nicht mehr gültig. Der Mindestlohn wird um 22 Prozent auf 586 Euro brutto gekürzt – für Berufsanfänger unter 25 Jahren sogar um 30 Prozent. Nur die Rentenkürzungen ließen sie außen vor. Dadurch bleibt nach Berechnungen der Troika eine Lücke von 300 Millionen Euro. Wie sie geschlossen werden soll, ist unklar. Die griechische Regierung erbittet mehr Zeit, zwei Wochen, um an irgendeiner anderen Stelle zu kürzen. Insgesamt soll die Regierung mit dem Programm in diesem Jahr 3,3 Milliarden Euro sparen.

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters haben EU und IWF die Sparvorschläge akzeptiert. Am Abend müssen die Finanzminister der Euro-Gruppe entscheiden, ob sie den Vorschlag aus Athen annehmen und damit das zweite Hilfsprogramm für Griechenland freigeben. 130 Milliarden Euro soll das Land in den kommenden Jahren erhalten. Doch es gibt noch einen weiteren Haken: Die Finanzhilfen fließen nur, wenn die privaten Gläubiger Griechenlands zustimmen, auf etwa 70 Prozent ihrer Forderungen zu verzichten . 200 Milliarden Euro schuldet das Land Banken, Versicherungen, Hedgefonds und anderen Investoren. Angeblich soll es bereits einen Kompromiss geben. Offiziell verkündet wurde aber noch nichts.

EZB könnte sich doch bei Schuldenschnitt beteiligen

Griechenlands Finanzminister Evangelos Venizelos fasste die Lage am Donnerstag treffend zusammen: "Ich fahre jetzt nach Brüssel in der Hoffnung, dass eine positive Entscheidung für das Programm gefällt wird." Und dann fügte er hinzu: "Davon hängt ab, ob das Land tatsächlich in der Euro-Zone bleibt oder ob seine europäische Perspektive in Gefahr ist." Schon vor Beginn des Treffens allerdings dürfte klar sein: Die EU wird dem Plan zustimmen, denn sie fürchtet nichts mehr als einen ungeordneten Bankrott der Griechen. Die Gefahr für die restliche Euro-Zone wäre zu groß, käme es zu einer ungeordneten Insolvenz. Stattdessen wird das Land nun faktisch in ein Insolvenzverfahren bei laufendem Betrieb geleitet. Wie dieses Verfahren aussehen soll, deutete sich bereits in den vergangenen Tagen an.

Wenn die Finanzminister in Brüssel dem Rettungspaket zustimmen, wird auch die Vereinbarung mit den privaten Gläubigern über den Verzicht auf ihr Geld möglich. Sollten sie dann tatsächlich 70 Prozent ihrer Forderungen verlieren, kann von einer Teilinsolvenz gesprochen werden. Denn es zeichnet sich ab, dass auch die Europäische Zentralbank als größter öffentlicher Gläubiger des Landes bei dem Schuldenschnitt mitmacht. Dies berichtete zumindest das Wall Street Journal am Mittwoch.