SchuldenkriseGriechenlands Wirtschaft bricht um sieben Prozent ein

Die Rezession in Griechenland ist schlimmer als erwartet. Lohnkürzungen und Sparmaßnahmen setzen dem Land schwer zu. Auch aus Portugal kommen schlechte Nachrichten. von afp, dpa und reuters

Ein Obdachloser in der Innenstadt von Athen

Ein Obdachloser in der Innenstadt von Athen  |  © Vladimir Rys Photography/Getty Images

Ein Ende der tiefen Rezession in Griechenland rückt in weite Ferne. Die Wirtschaftsleistung des hoch verschuldeten Euro-Landes sank im letzten Quartal 2011 gegenüber dem Vorjahresquartal um sieben Prozent, teilte die Statistikbehörde mit. Damit lassen sich die bisherigen Prognosen für das gesamte Jahr kaum aufrecht erhalten.

Die griechische Zentralbank war bis vor Kurzem davon ausgegangen, dass die Wirtschaft 2011 um knapp vier Prozent schrumpfen werde. Die Regierung erwartet sogar ein Minus von 5,5 Prozent. Wegen der massiven Lohnkürzungen und der Steuererhöhungen in der Schuldenkrise gehen Experten aber von einem stärkeren Rückgang aus.

Anzeige

Die Aussichten fürs laufende Jahr sind ebenfalls negativ. Die Regierung erwartet derzeit einen Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um 2,8 Prozent. Griechenland würde sich damit im fünften Jahr in Folge in der Rezession befinden.

Arbeitslosenquote im November bei 20,9 Prozent

Vergangene Woche hatte das Statistische Amt mitgeteilt, dass auch die Arbeitslosigkeit in Griechenland steigt. Die Quote betrug im November 20,9 Prozent und übertraf damit erstmals in der jüngeren Geschichte des Landes die psychologisch wichtige Grenze von einer Million Erwerbslosen. Zwei Jahre zuvor lag die Quote im gleichen Monat bei 13,9 Prozent.

Griechenland droht wegen der Schuldenkrise ohne erneute internationale Hilfen im kommenden Monat der Staatsbankrott . Das Parlament hatte deshalb in der Nacht zum Montag einem umfangreichen Sparpaket zugestimmt, das Voraussetzung für ein neues Hilfspaket von EU , Europäischer Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds ( IWF ) ist. Die Finanzminister der Euro-Zone wollen am Mittwoch über das Hilfsprogramm im Umfang von 130 Milliarden Euro beraten.

Auch Portugal rutscht im Zuge des rigiden Sparkurses der Regierung tiefer in die Rezession . Das Bruttoinlandsprodukt schrumpfte im Schlussquartal 2011 um weitere 1,3 Prozent im Vergleich zum dritten Jahresviertel, teilte das nationale Statistikamt mit. Experten hatten im Durchschnitt sogar mit einem Minus von 1,5 Prozent gerechnet. Im dritten Quartal lag der BIP-Rückgang noch bei 0,6 Prozent.

Im Vergleich zum Vorjahr sank die Wirtschaftsleistung sogar um 2,7 Prozent. Das hoch verschuldete Land strich im Gegenzug für 78 Milliarden Euro internationale Finanzhilfen die Ausgaben drastisch zusammen und erhöhte die Steuern. Viele Maßnahmen werden sich erst im Laufe des Jahres bei den Verbrauchern bemerkbar machen.

Für 2012 rechnet die Regierung daher mit einem Sinken der Wirtschaftsleistung von drei Prozent. Zuletzt waren Spekulationen aufgekommen, wonach das südeuropäische Land nach dem Vorbild Griechenlands sogar einen Schuldenschnitt benötigen könnte. Am Wochenende hatten in Lissabon mehr als 100.000 Portugiesen gegen den Sparkurs der Regierung demonstriert.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
    • jojocw
    • 14. Februar 2012 15:25 Uhr

    denn das ganze Modell Griechenland beruht ja auf Staatsausgaben. (Einnahmen durch die EU-Gelder, Rettungsgelder und sonstige Kreditgeber)

    Eine freie Wirtschaft gibt es dort offensichtlich nur noch in geringem Umfang.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • joG
    • 14. Februar 2012 17:22 Uhr

    ...wie Sie schreiben und solches Denken stellt sich einer positiven Lösung entgegen, verkennt sie doch grundsätzliches. Jede wirtschaft bricht zusammen, wenn man in einer Rezession die steuern anhebt und die Ausgaben des Staates reduziert. Dass das das Resultat der deutschen Politik sein müsste, ist kein großes Geheimnis gewesen. Das wussten unsere Politiker. Auch wussten sie, dass das zu Unruhen führen muss.

    Die frage scheint nur zu sein, wieso sie so rücksichtslos und gefährlich agierten. Vermutlich gab ein anderer Forumteilnehmer die Antwort, als er sagte, dass sie Angst haben weil Wahlen kommen. Das ist verständlich, wenn man die von wissen unbeleckten Kommentare liest.

  1. Warum richtet man seit Jahren den Fokus auf Griechenland ?

    Sperrt Eure Lauscher auf ? Im Ansatz nur eine Stufe weitergedacht, fallen mir mehrere Stichworte ein:

    Rumänien, Bulgarien, Polen mit Eurobremse, Kroatien - war der Beitritt für die Kroaten die richtige Entscheidung ?

    Sieht nicht gut aus. EULANTIS wird untergehen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Können sie sich noch an das Jahr 2008 erinnern? Wenn ja, warum reden sie so arrogant über diese Länder? Ist Deutschland nicht überschuldet?

    Wir habe uns dem Diktat des Kapitalismus gebeugt und versklavten unsere Arbeiter!
    wer voll arbeitet muss für sich und seine Familie noch Hartz IV beantragen!

    Danke Schröder, danke Clement, danke Müntefering, danke Steinbrück danke SPD

    wir erinnern uns bei jeder Wahl daran!

  2. macht ja aber nichts, die Jugend von heute kann das ja noch in 50 Jahren abzahlen.

  3. "Lebensmittel tauschen, drei Pullover in der kalten Wohnung tragen und leere Bibliotheken. Drei Griechinnen erzählen von ihrem Alltag unter dem rigiden Sparkurs der Regierung":

    http://taz.de/Griechenlan...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich dachte zuerst das käme von Herrn Sarrazin...

    meine Stromrechnung nicht zahle, drehen mir die Stadtwerke irgendwann ebenfalls den Hahn zu. Was haben die denn gedacht, was passiert ?

  4. Wenn ich bei einer Stellungnahme des Ministers Schäuble (ohne Ton) in sein Gesicht blicke, weiß ich, wie ein Großteil der Griechen sich fühlen.

  5. wurde in Griechenland künstlich niedrig gehalten durch Aufblähung des Staatsapparates, das haben wir in Deutschland auch schon hinter uns.
    Das wird noch grausam werden.
    Der ehemalige Regierungschef von Portugal, der sein Land in die Krise geritten hat, lebt in der EU richtig auf und seine Kommentare sind die Feinsten, schliesslich braucht er nichts zu verantworten.
    Da ist im der Behörde EU sicherlich jetzt auch Platz für Papandreu und Freunden , damit sie nicht darben müssen falls Griechenland dann doch alternativlos Bankrott ist.

    • S7ephan
    • 14. Februar 2012 15:37 Uhr

    wenn alle auf die Straße gehen und streiken.
    Statt dessen sollte man in die Hände spucken und sich sagen: "Ok, wir hamm's durch unser Wahlverhalten versaut, aber wir kriegen das wieder hin!"

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Anfeindungen anderer User und diskutieren Sie ausschließlich zum Artikelthema. Danke. Die Redaktion/vn

    "Statt dessen sollte man in die Hände spucken und sich sagen: "Ok, wir hamm's durch unser Wahlverhalten versaut, aber wir kriegen das wieder hin!""

    die Griechen suchen die Schuld überall, aber nicht bei sich selber

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Anfeindungen anderer User und diskutieren Sie ausschließlich zum Artikelthema. Danke. Die Redaktion/vn

  6. Wenn das Ruder nicht bald rumgerissen wird, werden wir einen veritablen Aufstand erleben.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    wenn es einen Aufstand gäbe, flöge Griechenland aus der Eurozone - und wahrscheinlich sogar aus der EU. Den Euroländern und der EU würde das nützen, den Griechen nicht.

    • frajoli
    • 14. Februar 2012 18:35 Uhr

    Nur, dass es durch einen Aufstand oder sogar eine Revolution nicht besser wird. Erst jetzt erkennt man, wie verheerend und verantwortungslos Schuldenmacherei war und ist. Uns Deutschen werden die ebenfalls astronomisch hohen Schulden jedenfalls nicht erlassen werden. Im Augenblick bekämpft man wie bisher weltweit die Schulden mit noch viel mehr Schulden. Dass funktioniert natürlich nicht, hilft aber kurzfristig weiter. Die Lösung der Gutmenschen und Sozialromantiker ist natürlich : Noch mehr Geld in die Hand nehmen und intelligent in die Wirtschaft investieren. Man tut so, als müsste man niemals das geliehene Geld zurückzahlen. Vielleich läuft es darauf hinaus. Aber ohne Blutvergiessen wird es nicht abgehen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service