ZEIT ONLINE: Herr Fuest, die Iren sollen in einem Referendum über den Fiskalpakt entscheiden. Welche Folgen hätte ein irisches Nein?

Clemens Fuest: Sehr weitreichende Folgen. Ein Nein zum Fiskalpakt wäre ein Signal für den Austritt aus der Euro-Zone. Für die Iren könnte das außerdem bedeuten, dass ihnen keine Mittel aus dem Euro-Rettungsschirm mehr zustehen.

ZEIT ONLINE: Länder, die dem Fiskalpakt nicht zustimmen, können nicht Mitglied der Euro-Zone bleiben?

Fuest: Nicht unbedingt. Wenn Frankreich Nein sagen würde, wäre das ein anderer Fall, weil Frankreich keine Finanzhilfen braucht. Für alle Länder, die Mittel aus dem EFSF/ESM erhalten, wird es dagegen eng. Deutschland setzt sich dafür ein, dass nur die Staaten Finanzhilfen erhalten, die auch den Fiskalpakt unterzeichnet haben. Ich persönlich halte das für kein gutes Konzept, es scheint sich aber politisch durchzusetzen.

ZEIT ONLINE: Kann Irland ohne weitere Hilfen aus dem Rettungsfonds bestehen? 

Fuest: Irland steht unter den Krisen-Staaten sicherlich am besten da. Die Arbeitslosigkeit ist sehr hoch, aber Irland besitzt eine starke Exportwirtschaft und hat viele Anpassungen bereits vollzogen. So wurden etwa die Lohnstückkosten massiv gesenkt. Insofern hat Irland eine gewisse Chance, finanziell bald wieder auf eigenen Füßen zu stehen.

ZEIT ONLINE: Ende 2012 will die irische Regierung wieder Geld am Kapitalmarkt aufnehmen. Wäre das bei einem Nein zum Fiskalpakt realistisch?

Fuest: Vermutlich müsste Irland in einem solchen Fall deutlich höhere Zinsen zahlen. Denn selbst wenn es keine Mittel mehr aus dem Rettungsfonds beansprucht, ist allein die Möglichkeit, auf solche Hilfen zurückgreifen zu können, für Investoren ein wichtiger Faktor.

ZEIT ONLINE: Ist das irische Referendum wegen seiner möglichen Auswirkungen also zu riskant – oder doch mutig, weil die Stabilitätsunion demokratisch legitimiert würde?

Fuest: Ich halte es grundsätzlich für richtig, ein Referendum durchzuführen. Auf Dauer kann man eine so weitreichende Entscheidung nicht ohne die Legitimation der Bevölkerung treffen. Es können sicher nicht zu allen Fragen Volksabstimmungen abgehalten werden und es ist schlecht, wenn wie in Griechenland ein Referendum aus dem Nichts angekündigt wird. Aber in Irland war ja bekannt, dass eine Abstimmung nötig sein könnte.